Letztens festgestellt, dass sich der Iso, wenn er Nachmittags nach Hause kommt, anhören muss wann wie lange das Räupchen geschlafen hat und mit welchem Trick es eingeschlafen ist, wieviel Löffel es von welcher Beikost gegessen hat, wieviel davon es später wieder ausgespuckt hat und wann es welchen Stuhlgang hatte. Furchtbar spannend muss das sein!
Archiv-Seite 2
Letzte Nacht -5 Grad, draussen ist alles berauhreift und sofort habe ich Appetit auf Lebkuchen. Wie gut, dass schon welche bereit liegen.
( Ich vertrete die skandalöse Ansicht, dass Lebkuchen zu gut schmecken um nur an 4 Wochen im Jahr gegessen zu werden.)
Du weisst, dass du zu lange in Finnland bist (V)
Veröffentlicht 28. September 2009 Suomi 4 Kommentarewenn dir beim Abend“spaziergang“ eine dir bekannte Polin begegnet, die vom einen Ohr zum anderen grinst und „Ihr seht aus wie eine typische finnische Familie“ sagt.
(Wir liefen in Sportklamotten sehr sehr eiligen Schrittes am See entlang, einer schob den Kinderwagen und der andere schwenkte die Nordic walking Stöcker. Vor 7 Jahren haben wir auch noch darüber gelacht.)
Hat unsere Balkonerdbeerpflanze diesen Sommer in ziemlich genau 3 Monaten produziert. Damit toppt sie die Pflanze vor 2 Jahren, da waren es paarundsechzig. Ich bin Wissenschaftlerin und führe natürlich gewissenhaft Strichlisten (bzw. weise Assistenten an Strichlisten zu führen). Gern hätte ich noch jede Beere gewogen um Durchschnittsgrösse und Gesamtertrag zu errechnen. Vielleicht nächstes Jahr dann. Lecker waren sie jedenfalls alle, auch noch die zwei leicht matschigen heute morgen, die 2 Wochen gebraucht haben um rot zu werden.
Die meiste Zeit in den letzten 5 Monaten haben das Räupchen und ich gemeinsam allein verbracht. Das ist sicher richtig und wichtig so, und schön ausserdem, aber inzwischen habe ich das Gefühl etwas mehr Leben und Kontakte würden uns beiden gut tun. Und deshalb hab ich jetzt ein Sozialisierungsprogramm erstellt
- vorgestern waren wir in der Uni
- gestern hat uns eine Freundin besucht und uns den nächsten Autositz gebracht, dem ihre Tochter gerade entwachsen ist
- heute kommt der Finne, der dem Räupchen das Lachen beigebracht hat
- morgen kommen die Holländer
- am Montag treffen wir eine Deutsche, die eine Diplomarbeit über Deutsche in Finnland mit Kindern schreibt
- am Dienstag kommt eine liebe Freundin, die ich schon ganz lange nicht mehr gesehen habe und bringt, wie sie nebenbei bemerkte, ihr 400g schweres Kind im Bauch mit
- am Mittwoch kommen Räupchens zwei Freundinnen mit ihren Mamas
- für Donnerstag suchen wir noch was
- am Freitag gehen wir mit einer Freundin und ihrem 2 Jahre altem Sohn auf den Spielplatz
Somit wäre das Räupchen dann auch für ihre Deutschlandreise vorbereitet.
Das Räupchen und ich in der Uni
Veröffentlicht 25. September 2009 Räupchen , Von Mäusen und Schmetterlingen 3 KommentareNachdem sich die Emailanfragen von Kollegen häuften, wie es mir denn gehe, ob ich überhaupt noch lebe und wann man denn endlich mal das Kind sehen könnte, spazierten das Räupchen und ich gestern in die Uni. Dass es 5 Monate gebraucht hat ist auch insofern peinlich, weil unser Institut keine 5 Gehminuten von unserer Wohnung entfernt ist. Wir sind sogar ziemlich oft daran vorbei gelaufen, aber ich hab immer gedacht ‘womöglich wollen die alle über Arbeit reden’. Und ganz eigentlich waren wir ja schonmal da. Im Juli. Aber geht mal im Juli in ein ökologisches Institut. Die obere Riege, die nur noch mit Schreibtischarbeiten beschäftigt ist, ist dann im Urlaub. Und die untere Riege ist natürlich im Feld und fängt Mäuse, Vögel und Schmetterlinge. Und wenn sie da nicht sind, dann sind sie auf einer Tagung.
Dann gestern also. Ich war gespannt ob der Fremdelei wie das Räupchen all die Chaoten lieben Menschen dort aufnehmen würde. Gerade als wir gehen wollten fing sie untypischerweise an herumzuningeln und ich war schon drauf und dran es wieder zu verschieben, aber dann sind wir einfach los. Und es war sooo nett. Wir hatten kaum die Eingangstür hinter uns gelassen, da stürzten sich die ersten auf uns. „Hurra“ und „wie süss“ und „endlich“. Bis ich zu meinem Büro, das am Ende eines langen Ganges liegt, vorgedrungen war, war eine komplette Stunde vergangen. Alle fragten mir Löcher in den Bauch und keine davon hatte mit Arbeit zu tun. Und das Räupchen! Das lachte alle an, griff ungeniert nach Laborinstrumenten, nach Haaren und nach T-Shirts, sah sich alles ganz genau an und war äusserst vergnügt. Als sie nach fast 2 Stunden und ungefähr 30 mal der Frage „Ist die immer so zufrieden?“ müde und etwas unruhig wurde, da dachte ich wir müssten jetzt gehen. Ich legte sie in ihren Kinderwagen, zog meine Jacke an und zack, war sie auch schon eingeschlafen. „Was ist denn das für ein Baby??? Macht die das immer so?“ Öh, nö, keine Sorge, scheint sich hier wohlzufühlen. Und dann konnte ich weiter quatschen.
(Und alle haben gefragt wann ich wiederkomme. Und alle haben mein nicht ganz glückliches Gesicht gesehen als ich „Anfang Januar“ gesagt habe. Und alle haben gefragt warum ich denn nicht länger zu Hause bleibe. Und ich habe allen gesagt, dass ich mit meinen Forschungsgeldern nur maximal 2 Monate länger zu Hause bleiben kann und aber eigentlich auch ganz viel zu tun habe. Und alle, vom Professor zum Doktoranden, inklusive Chef, haben gesagt ich solle das nutzen und wenigstens die 2 Monate nehmen. Das käme nicht wieder. Und Arbeit, die sei doch im Grunde nicht so wichtig. Und jetzt frag ich mich ob sie alle recht haben.)
Fragte die Hebamme in der Mütterberatung und ich sag „Nö.“ Dann legt sie das Räupchen auf die Pritsche um zu sehen was sie schon kann und sofort verzieht sich das Räupchengesicht zu sehr unglücklich. Sie schaut schnell ob Mama und Papa noch da sind und was die dazu meinen. Wir lächeln aufmunternt. Ihr Blick geht noch ein paar mal zwischen uns und der Hebamme hin und her und dann schiebt sie die Unterlippe nach vorn und es gibt Krokodilstränen.
(Die Hebamme, mit der wir finnisch sprachen, dachte natürlich ich hätte sie nicht verstanden und sagt oberlehrerhaft „Dies ist fremdeln.“ Aha.)
ist ja eins der besten Dinge wenn man dann ein Kind hat.
Vater und Mutter stürzten sich begeistert auf die Barbapapas und das Räupchen wählte anhand von Grinsbreite die Farbe aus. Und was freue ich mich auf den Tag, an dem ich ein ferngesteuertes Auto kaufen darf, hach!
Im Urlaub kann ich ja vielleicht ohne, aber zu Hause für zwei Tage kein funktionierendes Internet ist sozusagen unzumutbar. Ich wusste nicht wie das Wetter wird, ich wusste nicht wie es der Blogwelt geht, ich hatte kein Wörterbuch, ich konnte nicht mit meinen Eltern skypen, nichts googeln und keine Email schreiben. Jetzt ist alles wieder gut!
Hätte ich mir ja denken können letzte Woche, dass das Räupchen bald wieder einen grossen Hüpfer macht. Da hat sie nämlich so gut wie nichts gegessen. Seit Sonntag also versucht sie auf dem Bauch liegend vorwärts zu kommen, stemmt den Po in die Luft und rudert mit den Armen. Seit Montag kann sie sich vom Rücken auf den Bauch drehen. Seit Dienstag betrachtet sie Dinge, die sie in der Hand hält lange und genau bevor sie sie in den Mund stopft. Seit Mittwoch registriert sie wenn ich das Zimmer verlasse und beschwert sich wenn ihr das gerade nicht in den Kram passt. Seit Donnerstag hat sie nachts wieder Hunger. (Nur einmal. Und so erfüllt das Balkonbett jetzt endlich mal seinen ursprünglichen Zweck.) Seit Freitag kann sie hochkonzentriert für gut und gerne 10 Minuten alle Arten von Bändchen untersuchen. Und noch am Mittwoch wundern wir uns, dass sprachlich irgendwie lange nichts passiert ist und werden heute von einem Konzert von hehehe mpfmpf yeahyeah wohewohe geweckt. Und sehen wie sie dabei erstaunt und ausgiebig ihre Hände betrachtet. Ach, und jede Menge Babysachen musste ich wieder aussortieren. Adé Grössen 68 und 70. Das macht so Spass, der kleinen Raupe beim Wachsen zuzusehen.
hat einer auf einer Brücke meine aufgeregte und noch leicht pupertäre Hand genommen. Und bis heute nicht losgelassen.
Räupchens erste Auslandsreise
Veröffentlicht 7. September 2009 Ausgeflogen , Räupchen Hinterlasse einen Kommentarging nach Estland. In den Nordosten, direkt ans Meer und an die Grenze zu Russland. Dort, wo ein Grossteil der russischen Minderheit Estlands wohnt. Wo es kilometerlange wunderschöne und einsame Strände gibt, hinter denen leider sehr viele traurige und gruslige Industrieruinen stehen. Wo es leckere Dinge im Supermarkt gibt. Wo es nur eine von zwei Möglichkeiten zu geben scheint, reich oder arm. Wo also riesige Villen mit riesigen Zäunen neben sehr alten, windschiefen Holzhäuschen stehen, an denen die Farbe komplett abgeblättert ist. Wo mir eine alte Frau im Spa-Bereich des Hotels unter allen Umständen verbieten wollte mit dem Räupchen in die Sauna zu gehen und dann, als ich es aber doch tat, die ganze Zeit kopfschüttelnd vor der Glastür stehen blieb um sicherzugehen, dass auch nichts passiert. Wo die Sonne schien und es so schön warm war. Wo ich gern bei jeder Babuschka angehalten hätte, die vor ihrem Haus stand und ein bisschen Obst, Gemüse und Blumen aus ihrem Garten anbot. Wo ich zum ersten mal einen Mann in einer Tangabadehose sah und mir ein bisschen schlecht wurde. Wo das Räupchen ihre Liebe zu Whirlpools entdeckte. Wo alle so kinderlieb waren. Wo wir in einen Fahrstuhl stiegen, in dem schon drei Italiener waren und diese sofort Jubelschreie ausstiessen, sich über den Kinderwagen beugten, alle eifrig dem Räupchen etwas erzählten und uns zu unserer Prachttochter gratulierten. Wo das Räupchen endgültig die Fläschen abgeschafft hat. Wo der Räupchenpapa Geburtstag hatte. Wo wir noch ein Stück tummdatummdatumm-Autobahn gefahren sind. Wo wir die leckersten Kuchen gegessen haben. Wo wir uns wohl gefühlt und bestens erholt haben.
Wenn man als Deutscher an einem (finnischen) Stadtsee spazieren geht, dort plötzlich lauter Polizeiautos und Polizisten die mit Ferngläsern auf den See starren sieht, dann denkt man sofort, dass ein Schwerverbrecher gesucht wird.
Als Deutscher der schon ein paar Jahre in Finnland wohnt, fällt einem dann bald ein, dass es hier ja gar keine Schwerverbrecher gibt. Man winkt innerlich ab, erinnert sich, dass hier ja ab und zu mal ratsia ist und ist sich nun sicher, dass die nach potentiell betrunkenen Bootsfahrern Ausschau halten.
Richtig angekommen und integriert ist man aber erst, wenn einem sofort der wirkliche Grund einfällt. Nämlich, dass natürlich im Stadtteil auf der gegenüberliegenden Uferseite ein Elch gesichtet worden ist, der sich dann entschlossen hat ein bisschen schwimmen zu gehen und dass nun aufgepasst werden muss, dass er nicht auf die Autobahn spaziert, die den See an einer Seite tangiert, oder gar noch auf ein Bierchen in die Innenstadt galoppiert.
(Bild: Teijo Argillander, hier entommen)
Der Iso zweifelt seine Vaterschaft an und meint er hier hätte seine Finger im Spiel gehabt:
(linkes Bild hier entnommen)




