Skiferien, Tag 1

Morgens in der warmen Sonne und direkt am Meer sehr lecker gefrühstückt, barfuß gelaufen, Muscheln und Steine gesammelt, Flamingos beobachtet, ein Ferienhaus mit Zitronen- und Olivenbäumen im Garten bezogen, zwei Verrückten beim Baden im sich ebenfalls im Garten befindlichen und mehr als frischen Pool zugeschaut, eine Stunde lang im Supermarkt neugierig Produkte in den Händen gedreht, mit geschlossenen Augen in der Sonne gesessen, den Vögeln gelauscht und von einem Ohr zum anderen grinsend Geht grad so! gedacht.

img_0688

Veröffentlicht unter Ausgeflogen | Kommentar hinterlassen

Wintersonntag

Als wir letzten Sonntagmorgen aufwachten, lächelten wir alle selig. Über Nacht war endlich der Winter zurückgekehrt und war auch gar nicht knausrig. All die traurigen und völlig vereisten Schneeflecken allerorten waren unter einer flauschigen Schicht Schnee verschwunden. Ein Blick auf das Thermometer bestätigte meine Vermutung: Schneemannwetter. Kaum hatte ich das ausgesprochen, sprang Pauline – die eigentlich ihr Zimmer aufräumen sollte – in ihre Winterstiefel. „Kommst du mit, Mama?“ fragte sie. Mama jedoch putzte soeben das Bad und hatte überhaupt (!) noch so viel zu tun. So zog sie allein los, doch als die Haustür ins Schloss fiel begann ich mich mächtig über mich selbst zu ärgern. Zum Glück kam Pauline zwei Schneemänner später zurück um sich zu vergewissern, dass ich wirklich nicht mitmachen möchte. Und dann bauten wir einen Prachtkerl von Schneemann direkt in unseren Garten. Weil er so wunderschön war, wollte ich ihn – dies ist eines meiner Lieblingsbücher – Kasimir nennen, aber das gefiel der Kollegin nicht. Es wurde dann sowas wie Kulumbadumba, ganz genau erinnere ich mich nicht.

Etwas später luden wir alle schlittenähnlichen Gefährte ins Auto und auf dem Weg zum besten Rodelberg der Stadt zusätzlich noch Paulines Freundin und fuhren zum ersten Mal in diesem Winter ordentlich Schlitten. Das heisst, ich stand mehr herum, aber die Anderen. Es ist nämlich so, dass ich vor zwei Jahren mein perfektes schlittenähnliches Gefährt entdeckt habe. Wir nennen es „die Matte“. Es handelt sich um ein grosses Stück Schaumstoff, das mit einem sehr robustem und rutschigem Material bezogen ist. Aus drei Gründen ist mir die Matte unersetzlich geworden: Erstens ist sie weich und federt wunderbar jede Unebenheit ab, sodass mein alternder Steiss selbst auf den buckligsten Buckelpisten kein bisschen schmerzt. Zweitens bleibt der Po schön warm. Und drittens fährt die Matte nicht ganz so schnell wie herkömmliche Schlitten und schlittenähnliche Gefährte. Ja, man könnte sie auch Rentnerschlitten nennen. Aber die Kinder! Die Kinder hatten ausgerechnet die Matte für sich entdeckt und fragten nach jeder Runde mit Hundeblick ob sie nicht noch einmal dürften. Nachdem ich nun also mehrere Abfahrten gemeinsam mit dem Iso in einem dieser unsäglichen Plastedingse absolviert hatte, mein Hintern schmerzte und ausserdem erfroren war, stellte ich mich an den Auslauf des Rodelberges. Dort war es aber gar nicht so schlecht wie man vielleicht denkt. Es rodelten nämlich ziemlich viele Leute und alle, wirklich alle vom Baby bis zur Grossmutter jauchzten und lachten aus vollem Hals. Kinder überboten sich mit halsbrecherischen Einlagen. Eine uns bekannte Familie kam vorbei und die Väter begannen laut gackernd Rennen zu fahren. (Der holländische Fahrer mit der orangenen Mütze gewann. Natürlich mit unlauteren Tricks.) Es war solch eine Freude zuzuschauen.

Schliesslich begann es zu nieseln, später am Abend schüttete es und in der Nacht kletterte die Temperatur zurück in den Minusbereich. Am Montagmorgen war alles wie zuvor und nur ein suizidaler Schneemann in unserem Garten beweist das der grossartige Wintertag nicht geträumt war.

kasimir

Veröffentlicht unter Ausserdem, Suomi | 4 Kommentare

Papierrolle mit angeknotetem Strick

Nur falls es noch jemanden ausser der neugierigen Mutter interessiert:

coolerhund

Cooler Typ!

 

Veröffentlicht unter Räupchen | 1 Kommentar

Wunderkind

Ich sitze am Computer. Pauline sitzt auf meinem Schoss um sich sogenannte Ausmalbilder für Erwachsene auszusuchen. Soeben haben wir einen Igel ausgedruckt und nun soll es ein Wal sein. Weil die Trefferquote so am Besten ist, suche ich immer auf Englisch. Dings! sage ich und trommle mit den Fingern auf dem Schreibtisch. Was heisst gleich Wal auf Englisch? Whale antwortet Pauline und ich haue mir vor die Stirn, gebe ‚whale‘ ein und drücke Enter. Und erst dann wird mir bewusst, dass meine siebenjährige Tochter soeben ohne mit der Wimper zu zucken Wal ins Englische übesetzt hat. HÄH? macht es in meinem Kopf und ich sehe sie an. Ihr Gesicht macht auch HÄH? und dann fragt sie mich verunsichert: Stimmt das? Heisst Wal wirklich whale auf Englisch? Ja, klar! sage ich und dann fängt sie an zu gackern. Ich wollte doch nur einen Witz machen.

images.jpeg

Veröffentlicht unter Räupchen | Kommentar hinterlassen

Februar

Licht! Seht ihr wie hell das ist? Und hört ihr die Meisen singen? Und fühlt ihr die -24° C?

februar

Allerdings viel zu wenig Schnee. Die Klimawandelprognosen für die Winter im Norden scheinen haargenau einzutreten: stark schwankende Temperaturen, ständiger Wechsel zwischen tauen und frieren, Regen auf Schnee. Jedoch etwa 30 Jahre zu früh.

Veröffentlicht unter Ausserdem, Suomi | 1 Kommentar

Kontrastprogramm

Vorletzte Woche: Am Montagmorgen um 7.30 Uhr steige ich in das freundlicherweise vor’s Haus gefahrene Uniauto und fahre 400 km gen Norden in die Fischforschungsstation mitten im Nirgendwo. Unterwegs bereden wir abgeschlossene und vor uns liegende Experimente und nehmen ein äusserst schlechtes Mittagessen in einer Raststätte ein. Im Norden angekommen staunen wir über den richtigen Winter, den es also doch noch zu geben scheint. Und dann legen wir los. Es gilt 4000 Fische mit Mikrochips zu versehen. Die Fischbecken werden mit Seewasser betrieben, welches derzeit eine Temperatur von ungefähr 1 Grad Celsius hat. Entsprechend temperiert ist die riesige Fischhalle mit den gut 100 riesigen Becken. Und natürlich auch die wechselwarmen Fische. Bis 21.00 Uhr arbeiten wir im Akkord, immer wieder die Hände in das Wasser tauchen und die Tiere in der linken Hand halten, während die Rechte feinmotorische Arbeiten durchzuführen hat. Es dauert nicht lange bis ich komplett durchgefroren bin und meine Hände nicht mehr spüre. Der Chef erzählt Geschichten vom Eisangeln, was sich wohl auch schlecht mit Handschuhen macht, und wie man seine Hände dafür trainieren kann. Mit seinem Hobby ist er klar im Vorteil. Dafür darf ich als erste in die Sauna und war den Finnen selten so dankbar für diese Erfindung, wie an diesem Abend. Durchgeröstet falle ich ins steinharte, sehr schmale Bett und mache die ganze Nacht kaum ein Auge zu. An mir nagt das schlechte Gewissen. Paulines Papa fängt sehr zeitig an zu arbeiten und so wird sie am nächsten Morgen für 3 Stunden allein zu Hause sein. Sie wird selbstständig aufstehen müssen, sich Frühstück machen und für die Schule fertig machen müssen. Sie kann das alles, wir haben ausgiebig geübt. Aber sie ist eben auch gerade mal 7 Jahre alt und meine Phantasie geht mit mir durch. Unter anderem stelle ich mir einen Hausbrand vor. Ausserdem hat sie furchtbare Angst davor allein zu Hause zu sein und ich habe nicht vergessen wie sich das anfühlt. Ich sehe mich wieder als Kind steif wie ein Brett im Bett liegend und auf jedes Geräusch hörend. Oder unter dem Schreibtisch kauernd, das Herz bis zum Hals schlagend, weil ein möglicher Einbrecher einen doch wohl im Bett suchen würde und nicht unter dem Schreibtisch. Ich habe auch nicht vergessen wie ich mir geschworen habe so etwas meinem eigenen Kind niemals anzutun. Und jetzt liege ich hier 400 km weit weg. Um 6.30 Uhr stehe ich mit müden Augen wieder in der Fischhalle, etwas später rufe ich Pauline an um sicher zu gehen, dass sie aufgestanden ist und noch etwas später um sicher zu gehen, dass sie pünktlich zur Schule geht. Alles ist gut, sie klingt zuversichtlich und auch ein bisschen stolz. Auf meine Frage ob sie das am nächsten Tag noch einmal hinbekommt, antwortet sie: „Warum sollte ich nicht?“ Zur Mittagszeit machen wir eine halbe Stunde Pause und nehmen ein nahrhaftes Mikrowellenessen ein. Und dann weiter, immer weiter. Ich muss zugeben, dass ich so Fliessbandarbeit durchaus gerne mag, dann wenn die Handgriffe sitzen und es zackig voran geht. Aber die Kälte macht mich fertig. Nach zwölf Stunden sind drei Viertel der Fische markiert und wir befinden, dass es für heute reicht und schalten die Sauna ein. Draussen sind es -22 Grad Celsius, aber für den grossartigen Sternenhimmel habe ich erst auf dem Rückweg, endlich wieder aufgetaut, Augen. Am dritten Tag sind die letzten 1000 Fische ein Klacks und nach einer weiteren Mikrowellenköstlichkeit steigen wir wieder ins Auto. Weil man schon einmal hier oben ist, kann man auch noch einen Umweg von 160 km fahren um ein spezielles Anglerbedarfsgeschäft aufzusuchen und um 19.00 Uhr fährt das Uniauto wieder vor unserem Haus vor. Uff.

Letzten Woche: Mit 35 Minuten Verspätung fährt mein Zug am Montagvormittag kurz vor 11 Uhr ein. Ich falle in meinen Sitz und gratuliere mir selbst. Statt Laptop habe ich ein Buch eingepackt -ein Roman und nicht etwa ein Sachbuch- und ich kann in aller Ruhe lesen, während ich 300 km Richtung Süden fahre. Als ich keine Lust mehr habe höre ich Musik und dann bin ich in Helsinki. Dort hat es am Vortag und am Morgen viel geschneit, aber jetzt sind Plusgrade und ein heftiger Wind treibt braune Sosse durch die Strassen. Ich tanze auf Zehenspitzen zum Hotel und dann! gehe! ich! shoppen! Ich habe zwei Stunden lang nichts weiter zu tun als gemütlich durch die Läden zu bummeln. Anschliessend finde ich mich im Naturkundemuseum ein, nehme ein mir freundlich offeriertes Getränk und treffe zwischen Dinosaurierskeletten auf alte Freunde. Grosses Hallo. Zeitig liege ich danach im grossen, weichen Bett. Ich denke wieder an Pauline, aber dieses Mal ist das schlechte Gewissen nur noch halb so gross und deshalb schlafe ich nur noch halb so schlecht. Das Programm am nächsten Morgen beginnt 9 Uhr, ich frühstücke in aller Ruhe vom reichhaltigen Buffett und schlendere dann zur Uni. Dort findet eine Tagung finnischer in Finnland arbeitender Ökologen statt und ich höre spannende und auch weniger spannende  Vorträge. Das Mittagessen nehmen wir beim grossartigen Nepalesen ein, im Anschluss präsentiere ich mein Poster. Von den 360 Tagungsteilnehmern kommt kaum einer vorbei, aber das ist völlig egal, denn das Poster neben mir gehört einer Freundin die ich seit 2 Jahren nicht mehr gesehen habe. Wir haben viel zu erzählen. Einer anderen Freundin, die ich seit 7 (!) Jahren nicht mehr gesehen habe, tippe ich auf die Schulter. Sie sieht mich an und es dauert einen winzigen Moment, dann bekomme ich eine dicke Umarmung. Und: „Pinni, ich habe dich gar nicht erkannt. Du siehst so erwachsen aus!“ Oh. Also alt. Am Abend gibt es ein festliches Dinner und auch hier sitze ich in freundlicher Gesellschaft und habe viel zu lachen. Um 22 Uhr beginnt das Licht im Saal zu flackern und 15 Minuten später liege ich wieder im Bett. Die Podiumsdiskussion zum Thema „Ökologie in Finnland – die nächsten 100 Jahre“ am dritten Tag lässt mich  nachdenklich zurück. Im Podium sitzen drei Wissenschaftlerinnen, ein Vertreter des staatlichen Förderorgans für Wissenschaft und Forschung, sowie eine Vertreterin des Umweltministeriums. Die Diskussion ist mitunter völlig absurd, die drei Erstgenannten und zwei Letztgenannten sprechen zwei verschiedene Sprachen und komplett aneinander vorbei. Insbesondere die Dame vom Umweltministerium, von Haus aus Ökologin, blubbert hohles Zeug wie ein Politiker und widerspricht sich ständig selbst. Als es darum geht, dass die Gelder immer weiter schrumpfen, sagt sie: „Es reicht nicht einfach nur (EINFACH NUR?!?) die Umwelt schützen zu wollen, es muss schon auch einen Vorteil für die Bevölkerung bringen (WIE kurzsichtig kann man eigentlich sein?), sowas wie erhöhte Ernteeinträge zum Beispiel (Ahahaha! WIE BITTE?).“ Als die junge Dame der Postdoc-Generation die neuste Auflage anspricht, die besagt, dass man mindestens ein halbes Jahr im Ausland geforscht haben muss, um sich überhaupt für die Beantragung von Forschungsgeldern zu qualifizieren, kocht es in mir. Diese Regel ist so familienunfreundlich und solch ein Rückschritt ein einem Land wie diesem. Die beeindruckend schlaue Wissenschaftlerin sass zufällig am Vorabend gemeinsam mit mir am Tisch und hat ihre Geschichte erzählt. Sie ist getrennt erziehende Mutter und  der Vater ihres Kindes ist (verständlicherweise) weder bereit mit ins Ausland zu gehen noch einer langen Trennung von seinem Kind zuzustimmen. Was klingt wie ein Einzelfall ist gar keiner, denn fast alle haben wir Partner, Kinder, Eltern oder andere Menschen, die uns nahe stehen und die wir aus den verschiedensten Gründen nicht einfach so zurück lassen können oder schlicht und einfach wollen. Die letzten Vorträge muss ich -so leid mir das für die Vortragenden tut- ausfallen lassen. Es passt nichts mehr in meinen Kopf. Ich besorge mir ein sehr leckeres Abendbrot und laufe damit zum Bahnhof. Der Zug ist dieses Mal pünktlich und um 21 Uhr bin ich zu Hause. Uff.

Veröffentlicht unter Ausgeflogen, Von Mäusen und Schmetterlingen | Kommentar hinterlassen

An wen erinnert mich das nur?

Wir sitzen im Labor und untersuchen Fische. Beziehungsweise Fischaugen. Bevor ich die narkotisierten Tiere dem Chef mit der Spaltlampe anreiche, lese ich ihre Mikrochips ein damit wir wissen um wen es sich jeweils handelt. Bei einem propperen Kerlchen piept das Lesegerät zwei Mal und malt mir anschliessend zwei Identifizierungsnummern in den Computer. Ich runzele kurz die Stirn und reisse dann die Augen weit auf.

Ein propperes Kerlchen, wie ich sagte. Bei in Gruppen lebenden Fischen ist das so, dass es immer einen oder auch ein paar Individuen gibt, die – obwohl hier im Labor eigentlich ausreichend für alle vorhanden – alle verfügbare Nahrung an sich reissen und die Kollegen kaum etwas fressen lassen. Da Fische ihr Leben lang wachsen, und natürlich je mehr wachsen desto mehr sie fressen, entstehen irgendwann trotz Gleichaltrigkeit beträchtliche Unterschiede in Körpergrösse. Bis, ja bis die gierigen Egoisten irgendwann so gross sind, dass sie nur noch das Maul zu öffnen brauchen und mit einem Happs die Kleinen verschlingen.

Ach so, ja: Den USA und der Welt alles Gute!

Veröffentlicht unter Ausserdem, Von Mäusen und Schmetterlingen | Kommentar hinterlassen