Waldwesen

Ich weiss gar nicht so richtig wo der November hin ist und meine Vorhaben hier Dinge hin zu schreiben. Wahrscheinlich von der Dunkelheit verschluckt. Eine Sache möchte ich aber noch nacherzählen.

Es weiss ja jeder, dass die finnischen Wälder nur so vor Trollen, Wichteln und anderen Wesen wimmeln. Aber zu sehen bekommt man die eher selten. Vor einigen Wochen bogen wir im Wald auf einen seltsamen Pfad ein. Seltsam deshalb, weil kein offizieller Wegweiser auf diesen Weg wies, sondern ein selbst geschnitzter. Aber „Wildnispfad“ klang gut, also gingen wir mal. Nach ein paar hundert Metern kamen wir an einen neuen, wieder nicht offiziellen Wegweiser und runzelten die Stirn.

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Links geht es zu den einsamen Bergen, halbrechts zur Morra und ganz rechts zur Muminmutter. Hm. Wir lachten ein bisschen und plötzlich kniff der Iso die Augen zusammen, denn er entdeckte in einiger Entfernung wirklich und leibhaftig die Morra.

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Etwas später begegneten wir auch noch der Muminmutter (mit Handtasche und Schürze!) und dann kamen wir irgendwie vom Wildnispfad ab. Ist ja auch egal, dachten wir, gehen wir einen anderen Weg. Wir liefen um diese Kurve und um jene, sprangen über einen Graben. Und dann standen wir vor Hatifnatten!

IMG_0045Ich wischte mir mehrmals die Augen und kam später mit herzchenförmigen Augen wieder nach Hause. Solch ein Glück, die Mumins zu treffen!

Zwei Wochen später spazierten wir wieder einmal. Der Iso hatte vorgeschlagen Skiloipen-Wege abzulaufen, weil es dort nicht gar so finster ist. Dafür sind Skiloipen ausserhalb des Winters aber langweilige, breite Wege, denen man die regelmässige Behandlung ansieht. Zu allem Unglück kamen wir auch noch an einem riesigem Kahlschlag vorbei und ich beschwerte mich zeternd über die hässliche Landschaft. Dafür, so verteidigte sich der Routenplaner, würden wir heute aber zu 90% auf uns unbekannten Wegen laufen. Du meinst, hakte ich nach, vielleicht treffen wir wieder Fabelwesen?

Keine zehn Minuten später:

IMG_0193Und dann kam auch noch ein Pandabär des Weges.

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November scheint mir eine gute Zeit für geheimnisvolle Begegnungen im Wald. Ruhig mal unbekannte Wege gehen!

 

 

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Homeoffice (2)

Was aber wirklich toll ist: Wenn draussen schönes Wetter ist, was im November nicht allzu oft vorkommt, dann muss man sich nicht sehnsüchtig seufzend mit dem Blick aus dem Bürofenster zufrieden geben. Oder sich ärgern, dass nicht Wochenende ist. Man kann einfach aufstehen, sich warm anziehen und zwei Stunden durch die Sonne laufen.

(Und die Kamera am neuen Handy ausprobieren.)

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Homeoffice

Fast acht Monate. Ich erinnere mich ganz genau an den Abend des 13. März. Als ich die Email las, die sagte, dass wir alle bis Ende April zu Hause arbeiten müssen. Sechs Wochen!?!, habe ich da gedacht, wie soll das gehen.

Über die Zeit hat sich mein Tagesablauf immer wieder geändert. Erst mit fernbeschultem Kind zu Hause, kurz darauf mit Sommerferienkind. Dann mit Urlaub habenden Mann und dann wieder allein. Jetzt gerade sieht mein Arbeitstag so aus:

7:50 Uhr winke ich Pauline und ihrem Fahrrad hinterher, schliesse die Haustür und setze mich an den Schreibtisch im Wohnzimmer. In den nächsten fünf Stunden versuche ich so effektiv wie möglich zu sein. Keine Emails lesen oder immerhin nicht antworten, keine Nachrichten lesen (ausser vielleicht es sind Wahlen in den USA), keine Mittagspause machen, sondern das Essen nebenbei rein schaufeln und nur Dinge abarbeiten, die Konzentration brauchen – Babykram für später lassen. Es sind meine fünf stillen Stunden am Tag. Leider passen sie nicht zum Biorhythmus meines Gehirns, das zu dieser Zeit für gewöhnlich den Ball flach hält. Aber immer noch besser ein schlafendes Gehirn als eine Geräuschkulisse.

Gegen 13 Uhr kommt der Iso nach Hause. Es ist wirklich gut, dass er ein so unerschütterlich frohes Gemüt hat und sich in keinster Weise von meinen funkelnden was-willst-du-denn-schon-wieder-hier-Blicken beeindrucken lässt. Er begrüsst mich freudestrahlend, läuft unbeirrt hin und her, macht sich etwas Essen – was man so tut wenn man nach 8 Stunden Arbeit nach Hause kommt. Bevor womöglich noch Essgeräusche zu hören sind und ich völlig die Nerven verliere, nehme ich meinen Laptop, stapfe ins Kinderzimmer und schaufele dort Tag für Tag ein kleines Rechteck auf dem Schreibtisch leer. Gäbe es einen Wettbewerb in dem es darum geht so viele Dinge wie möglich in so vielen Schichten wie möglich auf einem Schreibtisch unterzubringen, ich wüsste jemanden mit guten Chancen auf einen Gewinn.

Jetzt bin ich nicht mehr ganz so verbissen und lasse mich auch mal vom raschelnden Hamster ablenken. Irgendwann zwischen 13:30 Uhr und 15:30 – je nach Wochentag – steht dann Pauline in ihrem Zimmer, beantwortet einsilbig Fragen nach dem Schultag und wartet darauf, dass ich endlich ihr Zimmer verlasse. Ich nehme also wieder meinen Laptop und wechsele ins Schlafzimmer. Dort setze ich mich auf’s Bett und baue mir ein extra Kissen in den Rücken. Ich hasse es so zu arbeiten, aber wenn ich Glück habe nehme ich gleich den Faden von vorher wieder auf und vergesse wo ich bin. Wenn nicht ist eben Zeit für Emails und Babykram und boah-mein-Rücken-Gedanken.

Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt, gehe ich täglich einmal raus. Wenn es zur Frischluft noch Tageslicht sein soll, dann muss ich momentan spätestens 15 Uhr den Laptop zuklappen. Seit März laufe ich nun Kilometer um Kilometer über unsere Halbinsel und kenne jeden Pfad im Wald. In der ersten halben Stunde läuft mein Gehirn noch auf Hochtouren (Biorhythmus…) und so kommt es nicht selten vor, dass ich über Wurzeln stolpernd Ideen und Gedanken ins Handy murmle. Dann laufe ich plötzlich langsamer, schalte ab und schau mich um. So intensiv wie in diesem Jahr habe ich die Jahreszeiten schon lange nicht mehr erlebt.

Wenn ich zurück bin gibt es Abendessen und Familienzeit bis irgendwann zwischen 20-21 Uhr das Wohnzimmer wieder still wird. Dann wandert mein Blick etliche Male zwischen Laptop und Sofa hin und her, bis ich mich schliesslich seufzend noch einmal für 1-2 Stunden an den Computer setze. Dann ist der Arbeitstag um und das Sofa und ich umarmen uns.

Heute kam eine Email mit der Information, dass das Homeoffice vorerst bis zum 14. März 2021 verlängert wurde. Es gab in den letzten acht Monaten Tage und auch ganze Wochen an denen ich sehr damit gehadert habe, aber jetzt gerade im Moment bin ich’s zufrieden. Läuft.

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Und da ist er auch schon wieder

Nur fünf Monate später.

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Es brechen schwere Zeiten an für den Löwenzahnliebhaber in der Familie.

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Herbstferien 2020

Untertitel: Im Zeichen von Corona

Die Herbstferien begannen am Samstagmorgen mit einem sehr penetranten Weckerklingeln. Paulines erster Wettkampf der Saison stand an. Das ist sehr zeitig, etwa einen Monat eher als normal und wurde extra so geplant, damit es immerhin einen Wettkampf geben würde, sollten die Fallzahlen im Herbst wieder steigen. Ich würde sagen da hat jemand weise Voraussicht gezeigt. 

Da Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen momentan nur erlaubt sind wenn der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann, war ich sehr gespannt wie das ganze wohl umgesetzt wird wenn unzählige Mannschaften aus dem ganzen Land anreisen. Soweit ich das von Aussen beurteilen konnte – Publikum war selbstverständlich nicht zugelassen – sehr gut. Quetschen sich sonst 3-4 Mannschaften in einen Umkleideraum, hatte dieses Mal jede ihren eigenen, dann eben noch in umliegenden Gebäuden. Im Publikum sassen nur ein paar Trainer und jeweils eine Mannschaft zum Anfeuern. Davor die Schiedsrichter, alle mit Maske. Treten die Mannschaften sonst wie am Fliessband auf (während eines Auftritts stehen mindestens die folgenden zwei Mannschaften schon parat) war immer eine mehrminütige Pause eingeplant. 

Den Vereinen gehen so natürlich eine nicht unerhebliche Summe an Eintrittsgeldern flöten und das Loch in den Kassen ist schon vom Frühjahr ziemlich fett. Also wurde ein Livestream eingerichtet, für den man sich Zugangscodes kaufen konnte. Ich fand das grossartig. So konnten wir dennoch live dabei sein (bequem auf dem Sofa, statt harter Bänke ohne Lehne) und zum ersten Mal auch Paulines Oma in Deutschland.

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Habe leider vor Spannung während des Auftritts vergessen zu fotografieren.

Am Sonntag wäre ich gern mit Pauline nach Deutschland geflogen. Flugtickets hatte ich natürlich nicht gekauft, aber bis zum letzten Moment gehofft, dass es doch noch irgendwie klappen könnte. Nun. Ich verwarf den Plan. Teils aus Vernunft, aber auch weil uns bei Rückkehr 2 Wochen Quarantäne erwartet hätten. Für mich hätte das keinen grossen Unterschied gemacht, aber für Pauline wäre es ziemlich doof gewesen nicht in die Schule oder zum Training gehen zu können so lange es noch geht. Der Witz an der Sache ist ja, dass die Fallzahlen hier um ein vielfaches höher sind als in meiner Heimatstadt…

Am Montag begab sich das nächste Familienmitglied zum Corona-Test. Da die auftretenden Symptome dieses Mal etwas spezifischer waren (Fieber und Husten) und weil ebenfalls am Montag in den Nachrichten zu lesen war, dass in unserer Stadt jetzt 700 Leute in Quarantäne sind, war ich die 48 Stunden bis zum Ergebnis ein wenig unentspannt. Ich glaube das ist das anstrengende in dieser Situation. Immer diese unterschwellige Sorgen, mal mehr mal weniger gross, die ewige Ungewissheit, ständig das Durchspielen aller Szenarien und natürlich bin ich losgerannt und habe einen Grosseinkauf getätigt. Uff. Am Mittwochmorgen dann das negative Ergebnis.

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Den Rest der Woche verbrachten wir hauptsächlich zu Hause mit dringend nötiger Entspannung. Pauline hatte ausgiebig Zeit sich mit Freundinnen zu treffen, ich Dinge zu erledigen und wir gemeinsam für ein seit sehr langer Zeit versprochenes (Mama, immer sagst du ’später‘!) Projekt.

Jetzt noch Wochenende und dann zwei Monate Endspurt bis zu den Weihnachtsferien. Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht.

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Erstes Oktoberwochenende

Am Freitagabend packten 3/3 Familienmitgliedern vorfreudig aufgeregt ihre Taschen. Ich las laut aus meinem Handy vor: blaues Vereins-Turnhemd, mintfarbenes Turnhemd, lila-langarm-Aufwärmshirt, schwarze Gymnastikhose, 10 Mund-Nasen-Masken, … . Pauline rannte hin und her und trug alles zusammen. Unterdessen wedelte der Iso mit seiner immerwährenden Outdoor-Packliste und blies Staub von Zelt, Isomatten und Schlafsäcken.

Am Samstagmorgen fanden wir uns ungewohnt zeitig, aber weiterhin vorfreudig aufgeregt zum Frühstück ein. Dann brachten wir Pauline zum Bus, in den sie ohne sich noch einmal umzusehen und mit einer Mannschaftsfreundin giggelnd einstieg. Der Bus fuhr die Mädchen in das lange ersehnte erste Trainingslager mit Übernachtung. Wir Eltern nutzten wie immer die Zeit und fuhren in einen Nationalpark.

Den Salamajärvi-Nationalpark hatten wir zwar erst an Mittsommer besucht, dabei aber nur einen winzigen Teil gesehen. Jetzt also für ein ganzes Wochenende! Wir stiegen aus dem Auto, schulterten die Rucksäcke und stiefelten los. Ziemlich schnell bemerkten wir, dass der Herbst hier schon etwas weiter fortgeschritten war und die Sonne selbst zur Mittagszeit schon erstaunlich niedrig steht.

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Das war auch der Zeitpunkt, an dem wir uns plötzlich fragten ob eine Zeltübernachtung wirklich eine gute Idee wäre. Zwar haben wir eine passable Ausrüstung die wettertechnisch auch schon einiges mitgemacht hat, aber sie ist deutlich in die Jahre gekommen und man selbst wird auch nicht jünger. Dann aber schimpften wir uns Weicheier und stiefelten weiter. Der Nationalpark ist vor allem für seine Moor- und Sumpflandschaften bekannt und genau das sind die Gebiete in denen man sein möchte wenn die Sonne niedrig steht. Schon ziemlich bald konnten wir Mütze und Handschuhe wieder ausziehen.

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Als wir hungrig auf eine Feuerstelle zuliefen meinte ich hoffnungsfroh mit Blick auf des Isos Rucksack in der Sonne, dass die Würstchen vielleicht schon ein wenig vorgebraten wurden. Worauf er sich zu mir umdrehte und fragte ob ich die Würstchen überhaupt zu Hause aus dem Kühlschrank genommen und eingpackt hätte. Und da fiel es mir auch wieder ein: die Würstchen sollten sich eigentlich in meinem Rucksack befinden. Ähem. Zum Glück hatte ich wenigstens die Nudelsnacks eingepackt und Feuer machten wir trotzdem weil es wärmt eben dazugehört.

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Waldbrandgefahr bestand auch nicht.

Gestärkt ging es weiter durch Moor und Wald.

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Wir hatten uns kein spezielles Ziel vorgenommen, wollten einfach laufen so lange wir Lust hatten und bis wir eine schöne Zeltstelle gefunden hatten. Nach 12 km erreichten wir eine kleine Halbinsel und wussten sofort, dass wir hier die Nacht verbringen würden.

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Nachdem die Betten gerichtet waren, setzten wir uns ans Ufer und genossen Sonne, Aussicht, Stille (naja, die finnische Luftwaffe hatte das ganze Wochenende lang ein gross angelegtes Manöver und als eins der Flugzeuge die Schallmauer durchbrach bekam ich fast einen Herzinfarkt) und die Herbstfarben.

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Sonnenuntergang fand um 18:34 Uhr statt.

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Dann wurde es sehr schnell sehr kalt, aber ein Weilchen konnte man es noch am Feuer aushalten (und dabei von Würstchen träumen).

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Irgendwann krochen wir bibbernd ins Zelt. Ursprünglich um als nächstes Karten zu spielen, aber meine Arme wollten den warmen Schlafsack nicht mehr verlassen. Wir verfassten noch gemeinsam eine Nachricht an einen Freund und wie sehr entspannt ich zum ersten Mal seit Wochen war, bemerkte ich daran, dass ich dabei Tränen lachte. Als die Augen schon schwer wurden traf noch eine Nachricht von Pauline ein: „Es ist soooo toll hier, das ist das beste Wochenende ever!“ Wir amüsierten uns ein bisschen über die Tiefe Kluft zwischen einem Idealwochenende für unsere Tochter und uns. Freuten uns aber sehr für sie und schliefen schnell ein.

Die Erste, die wir am nächsten Morgen trafen war eine Elchkuh.

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Elche kenne ich sonst nur aus dem Auto- oder Zugfenster. So beim Wandern im Wald, das war neu. Und toll. Man kann gar nicht sagen wer von allen Beteiligten überraschter über die Begegnung war. Sie guckte ein bisschen und stelzte dann auf ihren langen Beinen von dannen. Auch wir machten uns auf den Rückweg und obwohl wir einfach die gleiche Route zurück liefen, gab es unterwegs noch jede Menge Schönes zu sehen und entdecken.

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Am Abend warfen 3/3 Familienmitgliedern ihre Taschen in die Ecke und streckten sehr müde, aber glücklich ihre schmerzenden Gliedmassen von sich. (Und assen Würstchen.)

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His name is Luca

Gestern ist schon wieder etwas Aufregendes passiert. Und zwar schön aufregend. Ein kleiner Hamstermann wurde sechs Wochen alt und war somit alt genug um in die weite Welt bei uns einzuziehen. 

Ich traue mich nicht zu sagen, dass es der allersüsseste Hamster der Welt ist, denn das war ja schon Hamster Harry. Aber er ist mindestens genauso niedlich. Es gibt noch kein scharfes Foto, aber man kann es sich in etwa vorstellen:

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Ein neuer Hamster war Paulines sehnlichster Wunsch und sie ist sehr froh, dass nun nach einem halben Jahr Stille nachts wieder das Laufrad rattert. Zwar ist er noch sehr scheu und das ist wohl gar nicht so einfach auszuhalten, aber ich bin guter Dinge, dass wir ihn bald mit dem einen oder anderen Mehlwurm zähmen können. Und ansonsten gibt es jetzt wieder jeden Abend Hamsterkino.

Heute nochmals schöne Aufregung und zwar Sonnenschein mit sensationellen 20°C. Pauline fühlte sich wieder fit und in der Natur kann man prima Abstand halten. Wir haben genossen was das Zeug hielt.

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Als Sahnehäubchen piepte am Abend mein Handy mit dem Ergebnis des Corona-Tests: negativ.

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Hätten wir das also auch mal erlebt

er viel Arbeit, weiterhin natürlich zu Hause, passiert hier immer noch nichts. Also bis auf heute. Da hat Pauline einen Coronatest gewonnen.

Heute hat Pauline einen Coronatest gewonnen.

Gestern Nachmittag war sie ungewöhnlich schlapp und ungewöhnlich schlecht gelaunt. Am Abend kamen Halsschmerzen dazu. Die waren heute Morgen noch mal eine Stufe schlimmer, sonst nix. Also öffnete ich als erstes die Wilma- (Schul-) App, klickte auf das Smiley mit Fieberthermometer im Mund und meldete sie so von der Schule ab. Ob sie jetzt zum Coronatest müsse, fragte sie mit bangem Unterton. Bang, weil sie irgendwo gehört hatte, dass das weh tun kann.

Ich hatte letzte Woche die neusten Richtlinien gelesen. In denen stand, dass jetzt auch Schulkinder mit leichten Symptomen getestet werden sollen. Ausserdem ist Mittelfinnland und speziell unsere Stadt seit dieser Woche DER Corona-Hotspot Finnlands. Also ziemlich sicher ja, sorry.

Es war allerdings gerade mal 7 Uhr morgens und wir beschlossen erstmal ein paar Stunden zu gucken wie es weiter geht. Dann waren die Halsschmerzen immer noch da, also gingen wir den Onlinefragebogen durch, der einem sagen kann ob man zum Test gehen soll. Das ist ziemlich gut gemacht, berücksichtigt zum Beispiel auch Wohnort und Alter. Jedenfalls stand am Ende: Ab zum Test. Hätten wir den Fragebogen richtig ausgefüllt, also nicht vorher angeklickt, dass wir nur mal gucken wollen wie das da so geht, hätten wir gleich auf der Seite einen Termin ausmachen können.

Statt nochmal alle Fragen durchzuklicken (und weil ich anscheinend immer noch nicht ganz wahr haben wollte, dass wir jetzt wirklich zum Test müssen) rief ich die Corona-Hotline an. Die Dame gab mir direkt einen Termin für zwei Stunden später. Und klärte mich ausführlich und mit bewundernswerter Engelsgeduld darüber auf wie das mit dem Test abläuft, wie es danach weiter geht und wie sich jetzt die ganze Familie zu verhalten hat.

Dann fuhren zum Krankenhaus. Dort leiteten uns riesige gelbe Schilder zu einem abgelegenen Parkplatz mit Drive-in-Teststation. Vor uns wurde gerade jemand getestet und einstweilen kam eine gut vermummte Dame zu uns um den Namen der Testperson zu erfragen. Ich sagte (Pauline und ich waren beide etwas aufgeregt): Äääh… Nachname (sagen wir Schmidt). Sie darauf: Der Name ist Äschmidt?

Als das geklärt war erhielten wir nochmals eine ausgiebige Erläuterung darüber wie der Test abläuft, wie es danach weiter geht und wie sich jetzt die ganze Familie zu verhalten hat. Zum Abschied überreichte sie mir ein Merkblatt, auf dem das ALLES nochmal drauf steht. Dann fuhren wir ein paar Meter weiter.

Dort hielt ein freundlicher, ebenfalls komplett vermummter Mann ein Teststäbchen und ein Röhrchen in der Hand, auf dem bereits Paulines Name und Sozialversicherungsnummer aufgedruckt waren. Er glich die Info nochmal mit ihr ab, beugte sich etwas ins Auto hinein und bohrte dann eine ganze Weile in Paulines Nase. (Es war wohl etwas unangenehm, aber nicht annähernd so schlimm wie befürchtet.) Dann fragte er ob wir auch das Merkblatt haben (!) und wünschte uns ein schönes Wochenende.

In weniger als 30 Minuten waren wir zurück zu Hause.

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Silbrig

Es gibt wirklich nicht viel zu erzählen wenn man tagein tagaus allein im Homeoffice sitzt und still vor sich hin tippt. Gegen Abend, auch meistens allein, eine Runde spazieren geht. Oft im Wald und nebenbei ein paar Pfifferlinge pflückt. In den Pausen aus dem Fenster sieht, Vögel beobachtet und Eichhörnchen (eins schleppte neulich einen kleinen, roten Apfel im Mäulchen umher und ich dachte im ersten Moment es hätte ein Clownsnase auf) und dem Herbst dabei wie er immer näher kommt.

Aber heute! Heute passierte was. Das Wetter war so schön, dass ich die 5 km zum Wasserturm einfach lief. Quer durch die Stadt. Dort traf ich den Iso zum Mittagessen. (Der Wasserturm beherbergt neben Wasser auch ein Naturkundemuseum und ein Restaurant.) Wir hatten nämlich was zu feiern. Uns. Seit 25 Jahren. Mein lieber Scholli.

Mit Blick über die Stadt und den See genossen wir ein wirklich gutes Essen. Die Torte zum Nachtisch verkniffen wir uns aber, denn ich hatte am Morgen die Eiskarte aus DEM Eiscafé in dem wir heute vor 25 Jahren waren, geschenkt bekommen, mit dem Versprechen ich könne mir einen Becher aussuchen. Das Eiscafé gibt es noch und die Karte ist nahezu unverändert. Herrlich! Nur leider 1500 km Luftlinie weit weg. Wir kauften also Eis und Obst und Sahne und dann werkelte der Iso in der Küche, während ich schonmal die zwei Piccolos die ich heute Morgen parat gestellt hatte (wir ergänzen uns schon immer gut) öffnete. Gemeinsam mit Pauline schleckten wir also opulente Eisbecher, schlürften Sekt (einer war alkoholfrei) und schauten uns nebenbei alte Fotos an. Dabei war Pauline höchst beeindruckt von meiner Modewahl vor 20-25 Jahren: „So coole Sachen, Mama!“, „Hast du die Sonnenbrille zufällig noch?“, „Boah, das schöne oversized T-Shirt!“. Und wir irritiert davon wie JUNG man so um die 20 aussieht.

Tatsächlich ist der Tag an dem wir beschlossen ein Paar zu sein schon so lange her, dass wir uns gar nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern können. Deshalb war es toll, dass wir zwischen den Fotos auf ein Comic stiessen, in dem ich alles aufgemalt hatte (auch das wusste ich nicht mehr). Zugegeben, ein wenig kitschig, aber so ist das wohl wenn man 17 ist und schwer verliebt.

Das war ein schöner, nostalgischer und gar nicht langweiliger Tag.

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Alltag, so ’ne Art

Das neue Schuljahr ist schon wieder 1,5 Wochen alt. Pauline war sich erst nicht sicher ob sie sich nach über 10 faulen Wochen auf die Schule freuen sollte, aber dann stieg sie doch sehr glücklich auf ihr Fahrrad und fuhr in die 5. Klasse. Offensichtlich waren die Ferien auch wirklich ausreichend lang, denn plötzlich kann es ihr gar nicht schnell genug gehen, dass es endlich richtig losgeht mit dem Schulstoff und als sie nach den ersten drei Tagen immer! noch! keine! Hausaufgaben! aufbekommen hatte, nahm sie sich kurzerhand das Mathebuch und arbeitete schon ein wenig vor.

Sie hat zwei neue Fächer. Einmal Geschichte, darauf hat sie sich ganz besonders gefreut. Die Freude nahm ihr der Lehrer direkt in der ersten Stunde, als er ewig lang aufzählte – als Beispiel was Geschichte eigentlich ist – was die Deutschen Finnland im zweiten Weltkrieg alles angetan haben. Das andere ist ein Wahlpflichtfach. Da kann man sich aus etwa zehn verschiedenen Fächern eins auswählen und wechselt mehrmals im Schuljahr. Als ich mir von Pauline erzählen liess was alles zur Auswahl stand, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Zum Beispiel: Ballspiele oder Brettspiele oder Lesen & Chillen oder Paulines Wahl, Mangas zeichnen. Das wird übrigens von einer Sechstklässlerin unterrichtet und hab ich schon mal gesagt, dass ich das finnische Schulsystem super finde?

Bezüglich Corona geht alles so weiter wie es vor den Ferien aufgehört hat. Ganz normaler Stundenplan, die Klassen bleiben aber unter sich, waschen sich regelmässig die Hände und husten in die Armbeugen. Beim kleinsten Symptom wird man sofort isoliert und nach Hause geschickt und wenn auch nur ein Familienmitglied krank ist, darf man nicht zur Schule kommen. Es wird also einige Fehltage geben. Das Training, welches schon vor 4 Wochen wieder angefangen hat, fiel heute übrigens auch direkt aus, weil die Hälfte der Mannschaft erkältet ist.

Ich selbst hatte mich sehr auf August und ein teilweises Ende des Homeoffice gefreut. Die Uni erlaubt jetzt nämlich, dass immer 50% der Angestellten vor Ort sein können und die Idee war, dass man sich abwechselt. Dumm nur, wenn man Biologe ist und die Leute, die dringend in den Laboren, Gewächshäusern und Tierhäusern zu tun haben, schon die Hälfte ausmacht. Und wenn diejenigen, die nur vorm Computer sitzen müssen bittedanke bis mindestens Ende des Jahres weiterhin zu Hause arbeiten könnten. So gern ich zu Hause bin, so sehr ich die Gründe einsehe, so gut ich mit mir allein zurecht komme, ein wenig Abwechslung und soziale Kontakte hätten mir, insbesondere nach diesem Sommer, wirklich gut getan. Und ich hadere damit, dass ich nun bis zum Ende meines Vertrages, ebenfalls Ende des Jahres, nicht noch einmal normal auf Arbeit gehen kann. Mir bleibt also nichts anderes übrig als mal wieder einer meiner „Lieblingstätigkeiten“ nachzugehen:  einen Forschungsantrag zu schreiben. (Hätte ich natürlich auch so gemacht, aber trotzdem: Corona sucks.)

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Heute schon einen Baum umarmt?

Die Finnen, die spinnen sind ja bekannt für ihre lustigen Wettkämpfe aller Art. Es gibt Weltmeisterschaften im Gummistiefel- sowie Handyweitwurf. Beim Frauentragen gilt es mit einer Frau bepackt (egal wie) einen Parkour zu absolvieren. Und jedes Jahr im August (naja, ausser in diesem…) findet in Oulu die berühmte Meisterschaft im Luftgitarre spielen statt.

Neu in diesem Jahr: Die Weltmeisterschaft im Bäume umarmen.

Eine Sportart, in der auch ich punkten könnte, obwohl ich noch nicht sehr viel Erfahrung habe. Und dank COVID-19 braucht man nicht mal zum Austragungsort in Lappland zu reisen, sondern kann von (fast) überall in der Welt mitmachen. Man braucht nur einen Baum zum gern haben.

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Besser spät als nie

Einerseits fühlt es sich falsch an hier im Blog (und im Leben sowieso) mit so lustigen Dingen wie Geburtstagsfeiern weiter zu machen. Andererseits hat es meinen Vater immer glücklich gemacht Pauline glücklich zu sehen.

Wir haben heute also mit knapp 4-monatiger Verspätung – 4 Monate übrigens, in denen Pauline nicht müde wurde danach zu fragen – Kindergeburtstag gefeiert. Jetzt oder nie, auch hier beginnen die Corona-Zahlen wieder zu steigen. Das Party-Thema stand übrigens schon seit etwa einem Jahr fest und daran liess sich auch nicht rütteln: Minecraft.

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Ein Thema mit dem ich mich zugegebenermassen gar nicht auskenne. Noch heute muss ich über mich selber lachen, weil Pauline schon im Kindergarten u-n-b-e-d-i-n-g-t dieses Spiel haben wollte und ich dachte, ich könne es mir eben schnell erschliessen und ihr dann erklären. Hahaha. Zum Glück hat das Kind eine grosse Cousine. Und zum Glück gibt es das Internet, das überquillt vor Ideen zu Minecraftpartys.

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Eigentlich kann man gar nicht mehr von Kindergeburtstag sprechen, denn durch das Nether portal stiegen sieben junge Damen. Eine davon, nämlich die, die Schafe über alles liebt (❤️), trug ein besonders cooles Outfit.

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Was auch toll war: man konnte die Kinder direkt in den Garten durchwinken. Wie oft habe ich schon im April mit Blick auf Schnee geseufzt, weil ich so gern einmal Paulines Geburtstag draussen feiern wollte.

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Zunächst wurden Geschenke ausgepackt (ebenfalls toll: nach vier Monaten quasi nochmal Geburtstag zu haben) und auch hier hat sich von einem Jahr zum anderen etwas verändert. Es hüpft kein Spielzeug mehr aus den Geschenktüten, sondern Kosmetik, Schreibwaren oder eine fleischfressende Pflanze! Ein Mädchen brachte lauter selbstgebastelte Sachen mit ❤️

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Dann gab es bergeweise ungesundes Essen. Wie schon bei der Weltraumparty, der Harry-Potter-Party und der Kunstparty passten Götterspeisewürfel hervorragend zum Thema (ebenso die schwarze Einwegtischtdecke, die nun zur Vierwegdecke wurde). Das war allerdings das einzige Essen, das ich selbst zubereiten durfte (hat 5 Minuten gedauert). Der Rest kam ausschliesslich aus dem Supermarktregal, sowie der Tiefkühltruhe. Ganz wie es sich für einen finnischen Geburtstag gehört. Nun denn, hatte ich mehr Zeit um Spiele vorzubereiten. Denn dafür ist man auch mit 11 noch lange nicht zu gross.

Wir spielten „berühmte-Gebäude-erraten“ nach Dalli-dalli-klick-Prinzip. Aber diese Kinder sind allesamt viel zu schlau. Ich zeige ein paar rote Dachziegel und sie schreien augenblicklich „Muminhaus“. Ich zeige ein paar sandfarbene Steine und sie schreien augenblicklich „Pyramide“. Tse. Der Iso schaffte es nicht mal in der Zwischenzeit den Tisch für die Minecraft-Selfies zu beräumen.

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Nachdem ich 8 tolle Kunstwerke bewundert hatte, erfüllte ich Pauline – es war schliesslich Geburtstagsfeier – einen langgehegten Wunsch. Den hatte ich bisher immer abgelehnt, weil ich es nicht mag Lebensmittel zu verschwenden. Aber heute passte es so gut (TNT, also Sprengstoff) also warf ich (das Geburtstagskind kniff im letzten Moment) eine Packung Mentos in eine Flasche Cola. Der Effekt ist schon – zugegeben – cool und der kleine Rest Cola wurde immerhin noch ausgetrunken, sowie die Bonbons schwesterlich geteilt. Angeblich war das lecker.

Die Zeit raste und so war nur noch Zeit für ein Spiel. Jeder bekam ein Minecraft-Rezept und musste sich im Haus alle Zutaten zusammen suchen (ursprünglich war Wald angedacht, aber wegen angesagter Gewitter traute ich mich nicht dort im Vorfeld zu verstecken). Das war schwieriger als Gedacht (in der Saunaaufgusskelle, unterm Klodeckel, unterm Blumentopf, in der Waschmaschine, im Bett….) aber am Ende waren alle 71 Dinge gefunden.

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Und Pauline war tatsächlich sehr sehr glücklich.

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Ahoi

Mein lieber Vati,

danke, für zweiundvierzig Jahre bedingungslose Liebe. Für das Gefühl etwas ganz Besonderes zu sein. Und an deiner Seite unbesiegbar. Für ein Arsenal an unflätigen Schimpfwörtern, die mir regelmässig Erleichterung verschaffen. Und auch für die Kosenamen. Für mit nach Hause gebrachte Katzenbabys. Danke, dass du mir beigebracht hast wie man auf Fingern pfeift und mit Werkzeug umgeht, unter anderem. Für unsere Geheimnisse. Für lustige Erinnerungen, wie die mit der Salatschüssel auf dem Kopf. Für warme Käsebrote. Für die wunderschönen Puppenhäuser. Für deine vorgelebte Begeisterung an den unterschiedlichsten Dingen, wie Schiffe und die See, Erdmännchen oder Knackwurst. Für Pfeifen aus Weidenholz. Und mein eigenes Taschenmesser. Für deine leuchtenden Augen wenn ich mich beim Spielen draussen besonders eingesaut hatte. Für deinen trockenen Humor. Für Sprüche, die mir für immer im Kopf bleiben werden. Für magische Osterspaziergänge. Für deine Grosszügigkeit. Und für den gemütlichen Kuschelbauch, an dem ich mich immer so geborgen gefühlt habe.

Was für ein Glück, dass gerade du mein Vati warst.

Deine Ine-Biene-Schlumpkarline

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Quarantäne Ende

Fischsommer Anfang. Eigentlich. Der Rucksack ist gepackt. Die Zugfahrkarte zur Fischforschungsstation, wo die Arbeitsgruppe schon die ganze Woche lang an der Vorbereitung zum Experiment werkelt, ist gebucht. Der Iso bereitete mir ein köstliches Abschiedsabendessen. Danach fuhren wir wie jeden Tag in dieser Woche an den Strand und bedauerten ein bisschen, dass wir unsere jeden-Tag-ein-anderer-Strand-Serie ab morgen nicht fortsetzen können.

In etwa diesem Augenblick zog 400 km weiter nördlich, also genau über die Fischforschungsstation, ein schlimmes Unwetter. Bäume wurden entwurzelt, Zelte flogen durch die Gegend und in nur 10 Minuten war der ganze Versuchsaufbau zerstört. Der Chef und die Kollegin waren gerade dabei das Experiment zu starten, standen also mittendrin, und ich bekomme immer noch eine mächtige Gänsehaut beim Gedanken daran was alles hätte passieren können. Zum Glück geht es beiden abgesehen vom Schreck gut. Aber die zwei grossen Experimente, auf die wir uns alle gefreut hatten, weil sie so spannend sind und insbesondere weil es mit beiden ja schon im letzten Jahr nicht geklappt hat, die können wir nun knicken. Zusammen mit der Zugfahrkarte.

Was denn noch alles, 2020, hn?

Quarantäne war ansonsten ganz in Ordnung. Gar nicht so anders als die Zeit davor. (Also seit Mitte März.) Manchmal war es schwierig daran zu denken: „Kann Freundin Sowieso zu uns kommen?“ „Ja klar! Äh, ich meine Nein.“ „Pinni, könntest du einkaufen gehen?“ „Ja klar! Äh, ich meine Nein.“ Das Wetter war hochsommerlich und das obwohl Mittsommer war. Ich arbeitete ein wenig am Computer, ging für zwei Tage mit dem Chef auf Schneckenjagd (jeder reiste mit eigenem Auto an und wir hielten Abstand) und versuchte mich ansonsten zu entspannen, weil ja bald der hektische Fischsommer beginnen würde.

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Reisen in Zeiten von Corona

Es gibt Reisegründe, für die lässt man sich nicht von einem Virus aufhalten. Da setzt man sich einfach in ein Flugzeug und fliegt nach Deutschland.

Einen Flug zu finden war überhaupt kein Problem. Von Helsinki aus gibt es täglich mehrere Flüge in mehrere deutsche Städte. Er war sogar bezahlbar, was mich wirklich wunderte, denn wer jetzt fliegt, der muss wohl wirklich und ist vermutlich bereit so ziemlich alles zu bezahlen. Aber gut, ich möchte mich nicht beschweren.

Finnische Inlandflüge gibt es dafür im Moment nicht, oder jedenfalls nicht von unserem Flughafen aus. Und die Züge fahren wohl auch noch nicht wieder nach normalem Plan, denn es fand sich auch kein passender Zug in die Hauptstadt. Die Familie musste mich also die 270 km mit dem Auto bringen.

In den letzten Wochen war Corona in meinem Kopf immer mehr in den Hintergrund gerückt. Mit den Schulöffnungen und all den anderen Lockerungen die bisher gut ausgegangen waren. Das änderte sich schlagartig mit dem Betreten des Flughafens, denn das ist (meines Wissens nach) der einzige Ort im ganzen Land, an dem um das Tragen von Masken gebeten wird. In Deutschland, so beobachtete ich später am Tag fasziniert, ist das längst Alltag, aber hier hatte ich bis auf eine einzelne Masken ab und zu im Supermarkt, und auch das immer seltener, noch keine gesehen.

Ich war natürlich vorbereitet. Am Vortag hatte ich mir eine Packung völlig überteuerte Einwegmasken besorgt, einmal das Tragen zu Hause geübt und stülpte mir nun eine über. Der Flughafen war gespenstisch leer und ich lief ungläubig mutterseelenallein an geschlossenen Geschäften und Restaurants vorbei. Die Abflugtafel war sehr übersichtlich und vor den Fenstern standen Flugzeuge mucksmäuschenstill, mit verpackten Triebwerken. Es gruselte mich. Nach fast 3 Monaten in meiner Homeoffice-Blase gruselte es mich wirklich.

Beim Boarding wurden alle Pässe überprüft. Mit meinem deutschen Pass wurde ich direkt durchgewunken, aber alle Passagiere mit Pässen aus anderen Ländern wurden nach Reisegründen befragt. Das Boarding lief übrigens gestaffelt in drei Gruppen, die hinteren Sitzreihen stiegen zuerst ein. Sehr schlau. Das könnte man ruhig so beibehalten.

Auf allen Finnair-Flügen besteht Maskenpflicht, man bekam beim Einsteigen Desinfektionstücher gereicht um seinen Platz zu desinfizieren, das Flugzeug war viel kleiner als sonst und von den 100 Sitzplätzen waren weniger als die Hälfte belegt. Es gab keine Sitznachbarn. (Das kann ich hier gleich mal einschieben – Reisen in Zeiten einer Pandemie ist gruslig, aber ansonsten wirklich nicht unangenehm.) Bei Vorführung der Sicherheitshinweise schmunzelte ich ein wenig in meine Maske, als nämlich die Stewardess die Sauerstoffmaske über den Mund-Nasen-Schutz platzierte. Nach dem eingespielten Standardtext wurde dann aber noch durchgesagt, dass man im Falle des Falles erstmal die eine Maske abnehmen muss. Es wurde auch durchgesagt, dass man sie aber sonst nicht absetzen darf, deshalb schmunzelte ich später noch einmal, als jeder eine Flasche Wasser und einen abgepackten Keks gereicht bekam.

Die 10 Minuten, die wir an Flugzeit eingespart hatten – was so ein leerer Luftraum ausmacht – verbrachten wir dann bei Ankunft mit dem Ausfüllen von Formularen (Passenger Locator Form) für den Fall eines Corona-Falles an Board. Ausserdem gab es ein schlecht gemachtes und noch schlechter kopiertes Informationsblatt auf dem darauf gebeten wurde sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Sehr verwirrend, da ich vorher offziell nichts dazu gelesen hatte und natürlich auch aus Gründen nach Deutschland kam, die Quarantäne unmöglich machten. Nun, es handelte sich um eine Empfehlung und zum Glück hatte das Krankenhaus, in dem ich jemanden besuchen wollte, das im Vorfeld schon genehmigt.

Der sonst aus allen Nähten platzende Flughafen Tegel war ebenso leer und richtig abgefahren wurde es dann im TXL Bus. Ich kenne diesen Bus nur so vollgestopft, dass man entweder gar nicht erst mitkommt, oder aber einmal drin so gequetscht wird, dass man keine Luft mehr holen kann. Der Fahrerraum, in dem sich sonst auch die Leute stapeln, war komplett abgeriegelt und ansonsten sassen in dem grossen Bus drei Passagiere. Drei. Die Fahrt zum Bahnhof war dieses Mal besonders spannend, denn ich konnte aus dem Fenster sehen sah links und rechts der Strasse nur Masken. Menschen mit Masken so weit das Auge reicht. Wie im Film. Und ich staunte, wie auch die ganze folgende Woche, über die Deutschen, die das alle brav und mit grösster Selbstverständlichkeit mitmachen. Nicht immer ganz korrekt, aber dennoch. Für mich selbst – ich hatte seit Betreten des Flughafens Helsinki die Maske noch nicht einmal abgesetzt – konnte ich feststellen, dass es auch gar nicht weiter stört.

Für die Zugfahrt hatte ich mir erstmalig keinen Sitzplatz reserviert, ich rechnete mit keinem grossen Andrang. Und so war es dann auch. Ich sass wieder allein, es war sehr ruhig und ich dachte gerade, dass es noch nicht einmal eine Situation gegeben hatte, als die Frau vor mir aufstand, um ihre Sitze herumging und mich sehr höflich fragte ob es mich stören würde wenn sie ihren Sitz etwas, nur ganz wenig, nach hinten lehnen würde. Wie gut, dass ich die Maske trug, so konnte sie meinen weit aufstehenden Mund nicht sehen.

Während der Woche in der Heimatstadt gewöhnte ich mich langsam an den dystopischen Anblick. Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war Abstand von Familienmitgliedern zu halten. Ich hielt das auch nicht durch. Es gibt Momente, da kann man nicht auf Umarmungen verzichten. Falsch, aber menschlich. Ich füllte täglich brav das Formular mit meinen Kontaktinformationen im Krankenhaus aus, erklärte jeden Tag seufzend auf’s Neue, dass in unserem Fall die Ein-Besucher-pro-Patient-und-Tag-Regel nicht gilt, klebte mir meine Eintrittskarte, auf der vermerkt war wie lange ich bleiben darf (1 Stunde) und wo ich hingehe auf’s T-Shirt und schritt am Sicherheitsmann vorbei.

Die Rückreise verlief ähnlich der Hinreise. In Tegel war überhaupt nur ein Terminal geöffnet und auch da nur ein Eingang, den man nur passieren konnte, wenn man eine Maske trug und einen Boarding Pass vorzeigen konnte. Durch die Sicherheitskontrolle kam man – neue Coronabestimmung – nur, wenn man nicht mehr als 1 Gepäckstück bei sich hatte. Der Zusammenhang erschloss sich mir nicht und konnte mir auch nicht erklärt werden. Ich hatte dann einige Mühe meine zwei Gepäckstücke in Einem zu vereinen (Finnair erlaubt eine Handtasche/kleinen Rucksack zusätzlich zum kleinen Koffer), konnte aber schliesslich doch durch. Beim Boarding wurde es auch  noch einmal spannend. In Finnland waren am Tag meiner Rückreise noch alle Grenzen geschlossen und Reiseverkehr nur unter bestimmten Vorraussetzungen möglich. In meinem Pass steht zwar, dass ich in Finnland wohne, aber man wollte noch eine finnische ID Card sehen. Die ich nicht habe. Es dauerte dann ein Weilchen bis sich herausstellte, dass man eigentlich nur meine Sozialversicherungsnummer sehen wollte. Die ich selbstverständlich dabei hatte. Sie wurde dann mit einem Handy abfotografiert, was mir nachdem ich jahrelang immer wieder gehört habe, dass man gut auf diese Nummer aufpassen soll und sie beispielsweise nicht in Emails schreiben, auch äusserst seltsam vorkam.

Bei Ankunft in Finnland dann, ganz ungewohnt, eine Passkontrolle. Der freundliche Herr wollte wissen ob ich denn in Finnland wohne und wie lange schon und fand das dann auch in seinem Computer so bestätigt. Ausserdem erhielt jeder ein übersichtliches, mehrsprachiges, farbig gedrucktes, richtiges Faltblatt, das über die bevorstehende 14-tägige Quarantäne, über die ich auch schon im Vorfeld auf offiziellen Webseiten gelesen hatte, informierte. Eine wirtschaftlich freundliche Quarantäne: man darf nämlich nirgendwo hin, ausser auf Arbeit! Es sei denn man arbeitet im Gesundheits- oder Sozialwesen. Oder der Arbeitgeber hat eigene Regeln zum Schutz der Angestellten gemacht, wie in meinem Fall. Und so jongliere ich jetzt erstmal keine Fische. Aber, das wusste ich auch vorher schon und so wichtig mir meine Arbeit auch ist, nichts ist wichtiger als Familie.

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