Zweistellig

Gestern war genau so ein schöner Frühlingstag wie vor 10 Jahren, als die Sonne durch’s Krankenhausfenster schien und das frischgeschlüpfte Räupchen zum Niesen brachte.

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Mit 10 ist man dann soweit abgeklärt, dass man im Vorfeld beschliesst die Geschenke erst am Nachmittag auszupacken, wegen Montagmorgen und weil es ja auch schön wäre wenn beide Elternteile dabei sein könnten. Dann aber doch nicht abgeklärt genug um wirklich bis zum Weckerklingeln schlafen zu können. Und definitiv immer noch Kind genug um sich bis in jede Haarspitze über jedes einzelne Geschenk zu freuen.

Die Feier mit den Freundinnen war – wir hatten das ja schon im letzten Jahr getestet und konnten keinerlei kausales Unglück feststellen – schon vor 3 Tagen. Als Thema wurde in diesem Jahr ‚Kunst‘ gewünscht. Ach super, dachte ich erst, da können sich die Kinder gemeinsam künstlerisch betätigen. Aber so hatte sich das Geburtstagskind die Sache nicht vorgestellt, es sollte nämlich wieder „so Spiele“ geben, „Schatzsuche und so“. Aha. Irgendwann kam mir dann der rettende Einfall: Ein Kunstraub. Und so verschwand mitten während des Festessens die Mona Lisa auf geheimnisvolle Weise aus der Galerie.

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Der Dieb hatte frech noch einen Hinweis, nämlich „schweinekalt“ hinterlassen und die Überwachungskamera hatte acht Verdächtige aufgezeichnet. Also machten sich die sieben Fragezeichen Mädchen an die Arbeit. Es war nicht ganz leicht. Dass man bei „schweinekalt“ mal im Gefrierschrank nachschauen sollte, war noch klar, aber der Ballon beispielsweise, der schlaff am Autoreifen hing (denn im Gefrierschrank war ein Wassereis und in dessen Inneren ein zusammengefaltetes Foto von Speichen) und auf den in so winzig kleiner Schrift der nächste Hinweis geschrieben war, dass man den Ballon hätte aufpusten müssen um ihn zu lesen, der war beispielsweise schon im Eifer zerschnitten, bevor ich nur den Mund öffnen konnte. Und dann war da diese ziemlich kniffelige Geheimbotschaft.

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Luftballons mussten (jetzt aber wirklich!) zerstört werden.

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Und als schliesslich nur noch zwei Verdächtige übrig waren – Tarja Halonen und die kleine My – und der geheimnisvolle Verbündete am Telefon den eigentlich so wertvollen Hinweis gab, dass der Dieb den Bus Richtung Innenstadt genommen hat, da zogen sie falsche Schlüsse: weil es die kleine My doch gar nicht in echt gibt, muss es die ehemalige Präsidentin gewesen sein. Tarja Halonen und ein Dieb! Also wirklich! Irgendwann flitzten sie dann doch zur Bushaltestelle und fanden dort den QR Code, der den allerletzten Hinweis gab: Der Dieb hat keine Brille. Ha!

Sie japsten noch vom Rückweg, da wurde schon nach dem nächsten Spiel verlangt. Montagsmaler. Eine zog den Begriff „Kuss“ und musste dann so viel giggeln, dass sie gar nicht malen konnte. „Lehrerin“ war auch toll. Zunächst wurde eine Frau mit Zeigestock gemalt und als keiner drauf kam, kam noch eine Sprechblase mit „RUHE!“ dran. Sechs Mädchen riefen aus einem Munde: opettajaaaaa.

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Danach noch das Spiel dessen Namen ich nicht kenne. DSCF8295

Haben sie doch noch gemeinsam Kunst geschaffen. Und dann waren die obligatorischen zwei Stunden Kindergeburtstag um. Die Mädchen hatten aber so viel Spass, wie sie da auf dem Boden hockten und derlei Spiele spielten, dass sie einfach noch eine Stunde so weiter machten.

So war das und so war es richtig schön.

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Die Rückkehr des W.

Es passiert in jedem Frühling mindestens ein Mal. Der Winter ist sauer darüber, dass sich alle so über seinen Abschied freuen und lässt es noch mal richtig krachen. In diesem Jahr hat er sich wohl ganz besonders geärgert.

Offizielle Schneehöhe am Montag Mittag: 0 cm. 48 Stunden später: 26 cm.

Wir erwägen für Ostern eine Tanne zu schlagen.

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Aufgeholt (oder so)

Als ich letztens begeistert vom Sisu-Glöckchen las, da dachte ich noch (ein wenig neidvoll, zugegeben): In Südfinnland sind sie uns wieder 100 Wochen voraus. Doch nur eine Woche später:

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Seit gestern stehe ich nahezu durchgängig auf der Terrasse und himmele seufzend Krokusse an. Eine noch ziemlich träge und torkelige Hummel kam auch schon vorbei. Hinten rechts im Bild ist übrigens die Spitze einer der diesjährigen Neuzugänge zu sehen. Das wird eine Tulpe wenn sie mal gross ist. Wenn. Die Zwiebeln hatte ich letzten Herbst wider besseren Wissens um die Hasen gekauft. Aber wer kann schon an 75% gesenkten Blumenzwiebeln vorbei gehen? Eben. Und vielleicht finden ja die Hasen in diesem Jahr mal was Anderes zu fressen als meine Frühblüher. Dennoch wird die Tulpe vermutlich spätestens morgen ihren Mut bitter bereuen. Der Winter kommt zurück und es werden bis zu 30 cm Neuschnee erwartet. Huwäh!

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März

Schon vorbei. Der März war nicht der beste Monat. Voller Sorgen und einer ungeplanten Reise nach Deutschland mit Krankenhausbesuchen. Mit vielen ernsten Gedanken und einer ungeheuerlichen Angst. So geht das Leben, sagen die einen. Leicht ist es deshalb noch lange nicht, sage ich.

Letzte Woche gab es auf Arbeit einen merkwürdigen Moment im Kaffeeraum. Am Nachbartisch fragte die Eine warum eigentlich die Eltern der Anderen nicht bei der Verteidigung ihrer Doktorarbeit dabei gewesen waren. Mein Vater hat Krebs, antwortete sie. Es geht ihm nicht gut und meine Mutter wollte ihn nicht allein lassen. Das tut mir leid, sagte die Eine wieder. Und dann: Mein Vater ist auch letztes Jahr an Krebs gestorben, im Januar bekam er die Diagnose und im April war er tot. In diesem Augenblick hätte ich gern sechs Hände gehabt um den restlichen drei Personen im Raum die Ohren zuzuhalten. Der Freundin, deren Schwiegervater zwei Wochen zuvor an Krebs gestorben war und dem Fischkollegen, der kürzlich selbst eine Krebsdiagnose bekommen hatte. Und mir.

Die Sache mit dem Frühling zieht sich gewohnheitsmässig in die Länge. Wir haben offiziell noch 30 cm Schnee. Man kann sogar noch Skier fahren, die Loipen werden noch gespurt. Genau das schlug der Iso auch letztes Wochenende vor, aber ich bin durch mit dem Winter. Die Skier können bitte danke weg. Immerhin hat die Sonne die Strassen und Gehwege schon frei geschleckt. Und als es am Freitag 12°C (!) warm war, da zog sich der Schnee im Gärtchen zurück und gab lauter kleine, grüne Krokusspitzen frei. Obgleich langsam, es wird.

Pauline hatte zwei Wettkämpfe und kam jedes Mal mit leuchtenden Augen zurück. Sie hat so viel Spass dabei und findet es einfach wunderbar vor Richtern und einem grossen Publikum aufzutreten. Wie so oft staune ich wie anders als ich selbst sie doch ist. Und dann wieder nicht. Gerade ist sie dabei das nächste Schuljahr zu planen. (In zwei Monaten beginnen die Sommerferien…) Sie würde gern das Gymnastikhobby ausweiten und öfter trainieren und ausserdem einen Kunstkurs belegen. Sie wird von der Halbinsel-Schule auf die grosse Schule wechseln und dort eine neue Sprache anfangen. Spanisch hat sie sich ausgesucht. Das ist optional und ich habe ein wenig versucht es ihr auszureden. Denn mit Finnisch, Deutsch und Englisch hat sie eigentlich schon ausreichend Sprachen um die Ohren. Schwedisch kommt noch in zwei Jahren dazu. Andererseits wollte ich eben damals in der Schule auch unbedingt Spanisch lernen und habe dafür sogar meine Klasse gewechselt. Die Klasse wechseln, das möchte sie nun schliesslich auch noch. Seit letzter Woche wissen wir, dass es an der neuen Schule eine vierte Klasse mit Sportschwerpunkt geben wird und drei mal dürft ihr raten wer sofort Feuer und Flamme war. Ob das jetzt alles so klappt wird sich zeigen. Auch ob es vielleicht nicht doch zu viel wird. Aber, dass sie sich für so viele Dinge begeistern kann und eifrig Pläne macht, das finde ich schön.

Und jetzt weiter mit April.

 

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Leben eines Schneemanns

 

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Skiferien

In Mittelfinnland sind Skiferien. Mitnichten hatte ich geplant Urlaub zu nehmen. Vielleicht ein oder zwei Tage, damit das Kind nicht die ganze Woche allein zu Hause verbringen muss. Ich hatte ja auch erst Urlaub, im Oktober und über Weihnachten. Und überhaupt flutschte es gerade so gut. Hat man ja auch nicht immer, die guten Schreibphasen. Aber dann flutschte es so gut, dass ich letzten Donnerstag noch ein Manuskript fertig hatte und – das gab es in meinem ganzen Wissenschaftlerleben noch nie – in dieser Woche nicht wirklich was Dringendes zu tun habe. Es brauchte dann noch bis Freitag Mittag bis mir ein Licht aufging und nun habe ich also Skiferien.

Pauline war nicht sooo begeistert, als ich ihr die frohe Kunde überbrachte. Sie ist ja immer schon ein bisschen älter als in ihrem Pass steht und hatte sich auf sturmfrei gefreut. Ich versprach ihr, sie könne am Montag und Dienstag tun und lassen was sie wolle. Ich würde mich nicht um ihren Medien- und Zuckerkonsum scheren und sie auch nicht nötigen das Haus zu verlassen. Stattdessen würde ich mich um lange liegen gebliebene Dinge zu Hause kümmern, war mir auch sehr recht. Und in der restlichen Woche würden wir dann zusammen Ferien haben.

Sie verschwand dann heute auch recht schnell nach dem Frühstück in ihrem Zimmer und ich verkniff mir die Erinnerung ans Zähne putzen und Haare kämmen. Stattdessen rieb ich mir die Hände und überlegte ob ich erst den Kühlschrank putzen, oder den Sofabezug zum Waschen abziehen sollte. Dann hörte ich die Kinderzimmertür und dann tipp tapp Kinderfüsse auf der Treppe und dann spielten wir verstecken. Danach das Spiel, dessen Namen ich nicht weiss, das wo einer einen Kopf malt und das Papier umschlägt und der nächste den Hals und so weiter. Was haben wir gelacht! Dann Brettspiele und plötzlich hörte ich ein Seufzen und „Ach Mama, zum Glück bist du nicht auf Arbeit gegangen!“ Dann haben wir Spaghetti gekocht und gegessen und dann wieder Brettspiele gespielt. Draussen schien die Sonne so schön und tatsächlich konnte ich sie überreden raus zu gehen! AN DIE FRISCHE LUFT! Dort sammelte sie sich die Gummistiefel voller Schnee und musste zu Hause ein Fussbad serviert bekommen. Dann hatte sie Lust auf Trampolinspringen, also fuhren wir in den Trampolinpark. Und den Rest des Abends verbrachten wir mit Würfeln, Karten und Hamstergucken.

Danke, Universum, für diesen schönen Tag!

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Mit Skiern durch’s Moor

Anfang Januar nahm ich die Sache mit dem Skifahren auf die leichte Schulter, man würde schliesslich noch bis mindestens Ende März fahren können. Nach drei Wochen schlüpften wir endlich in die Skischuhe und wie immer verstand ich nicht, was mich so lange aufgehalten hatte. Das nächste Wochenende verbrachte ich in Helsinki und am übernächsten war Schneesturm. Ausserdem waren viele Loipen gesperrt, weil die Bäume mit derart viel Schnee beladen waren, dass grosse Äste, oder eben gleich die ganzen Bäume drohten abzubrechen.

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Dann kam Klimawandel und es regnete ein ganzes Wochenende lang. Und für dieses jetzt waren 5°C angesagt. Also PLUS und mit Sonnenschein. Im Februar! Nichtsdestotrotz schlug der Iso vor nun endlich einmal eine Tour im nahegelegenen Nationalpark zu machen. Dort zieht der Verein der Freunde des Nationalparks Leivonmäki nämlich jedes Jahr sogenannte Waldloipen. Über Ecken in die man im Sommer nicht so leicht kommt. Und dort wollten wir schon immer mal hin. Also verteilten wir Proviant und jede Menge heissen Tee auf zwei Rucksäcke und fuhren los.

Kaum hatten wir die Skier untergeschnallt kam ich nicht mehr raus aus dem Grinsen. Die Sonne stand hoch und wärmte, und wir fuhren mitten durch’s Moor. Mit den Skiern! Das habe ich vorher noch nie gemacht. Wir blieben allenthalben stehen und guckten und fotografierten.

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Was ich vergessen hatte: wie anstrengend Waldloipen im Vergleich zu den gehegten und gepflegten Sportloipen sind. Oft waren sie eben einfach verschwunden oder durchsetzt von Fussstapfen, die einen halben Meter in die Tiefe gingen. Paulines linker Skier verfing sich in einem solchen und sie kann euch erzählen, dass es sich nicht so witzig anfühlt wie es aussieht. Aufgrund der Temperaturen waren sie ausserdem total vereist. Im Wald winden sie sich halsbrecherisch zwischen den Bäumen hindurch und sind, gestern jedenfalls, übersät mit ungezählten kleinen und grösseren Ästen.

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Erschöpftes Kind am Wegesrand.

Dafür ist man aber auch mutterseelenallein, sechs Menschen und einen Hund haben wir den ganzen Nachmittag über getroffen. Man kann in Ruhe mitten in der Loipe stehen bleiben, Schokoriegel essen und sich über die Sonne gar nicht mehr einkriegen. Und nach sieben Bergen Kilometern kann man sich ein Mittagessen braten.

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Neue Kraft geschöpft.

Schon lange habe ich mich beim Skifahren nicht mehr so oft auf die Nase gelegt. Also, wir alle. Einmal, ich war gerade wieder besonders unelegant hingeflogen und hatte mir die Beine mit Skiern dran verknotet, da schaute ich im Liegen nach vorn zur Familie. Der Iso lag etwa 30 m vor mir im Schnee und winkte mir fröhlich zu. Pauline stand zwischen uns, fing an zu lachen und segelte dabei ebenfalls zu Boden. Aber der Schnee ist ja weich und das Kind fand es richtiggehend super, dass es die Erwachsenen auch mal erwischt. Auf den letzten 3 km mussten wir uns dann fast ein bisschen sputen. Wir hatten viel mehr Zeit gebraucht als gedacht, warfen schon lange Schatten ins Moor und bald würde die Sonne untergehen.

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Anstrengend ja, aber jeden Meter wert. Was für ein Tag!

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Montagmorgen

Der Iso hat frei und präsentiert uns ein bonfortionöses Frühstück. Trotzdem kauen Pauline und ich wie jeden Montagmorgen stumm und mit geschlossenen Augen. Auch heute habe ich das dringende Bedürfnis den Verantwortlichen für ihren Stundenplan böse anzuknurren – es ist der einzige Tag in der Woche, an dem die Schule schon um 8 Uhr beginnt. Am Montag! Ausserdem hat es das ganze Wochenende lang  g e r e g n e t  und draussen liegt jetzt wahlweise ein halber Meter Schneematsch oder dort wo schon geräumt wurde, ist es spiegelglatt. Der Iso braucht das Auto noch tagsüber, offeriert aber mich zur Uni zu fahren. Wir kommen genau 3 Meter weit, dann stecken wir im Schneematsch fest. Als klar wird, dass wir es vielleicht zurück zum Parkplatz schaffen, ganz gewiss aber nicht die Strasse entlang, werfe ich einen Blick auf die Uhr. In 4 Minuten fährt der Bus, der nächste in 64. Ich renne zurück ins Haus, wechsele meine Schuhe, schnappe die Buskarte und hechte zur Haltestelle. Dabei fliege ich auch nur einmal hin und habe jetzt nasse Handschuhe. An der Haltestelle stehen aussergewöhnlich viele Menschen (also vier). Der Bus kommt trotz der Strassenverhältnisse aussergewöhnlich pünktlich und nach nur einer Minute wird mir klar warum. Der Busfahrer sieht nicht nur so aus, er fährt auch wie ein Henker. Hoffentlich weiss er was er da tut. Als wir auf die Schule zu rasen stutze ich. Der Bus ist voller Schulkinder und keiner hat den Halteknopf gedrückt. Wo sich doch sonst immer alle darum reissen. Zwanzig Meter vor der Haltestelle sehe ich mich fragend um, fünf Meter vor der Haltestelle drücke ich beherzt den Knopf. Der Fahrer geht auf die Eisen und wir schlingern hübsch von rechts nach links und wieder zurück. Zehn Schulkinder stehen auf und schlurfen entweder mit Skiern oder mit Schlittschuhen behangen (ob das heute was wird?) Richtung Ausgang. Gern geschehen. Vor meiner Haltestelle drücke ich zwar rechtzeitig, aber hier ist die Strasse abschüssig und der Bus kommt und kommt nicht zum stehen. Ich steige dann direkt aus dem Bus in einen Schneewall. Dann tanze ich wie auf Eiern den Kilometer zur Uni. Ich falle auch nur noch einmal hin und habe jetzt nasse Knie. Als ich schliesslich die Strasse überqueren will, rast noch ein Henker die Strasse entlang und sprüht mich mit brauner Schneesosse ein. Dann bin ich da.

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Helmikuu

Das Foto ist zwar noch aus dem Januar, aber Suomenlinna ist so weit südlich, dass man es dort schon eher sieht. Nämlich warum der Februar auf Finnisch helmikuu, also Perlenmonat, heisst.

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Wenn die Sonne (oder die Strassenlaterne) scheint, dann sieht es so aus hätte jemand Tausende Perlen in den Schnee gestreut (vielleicht mal ranzoomen). Als wir vor vielen Jahren im Finnischkurs die Monate durchgenommen haben und jeder seinen Lieblingsmonat sagen musste, war ich die Einzige die helmikuu geantwortet hat. Hallo, Lieblingsmonat!

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Im Zug

Genau wie die liebste Freundin stieg ich heute vor einer Woche in einen Zug nach Helsinki. Das war kein Zufall :) Noch bevor ich mich setzte, kramte ich mein Buch aus dem Rucksack und legte es parat. Da lag es dann lange auf meinem Schoss. Das ganze Land liegt zur Zeit unter einer dichten, weissen Decke und gerade jetzt schneite und stürmte es auch wieder. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an der stillen Winterlandschaft und den Schneewirbeln, die über sie hinwegfegten. Dann wurde es dunkel.

In Tampere nahm ich die Nase aus dem Buch, denn im Bahnhof gibt es immer was zu gucken. Ein Schwall Menschen goss sich aus dem Zug und lief eiligen Schrittes dem Wochenende entgegen. Am Gleis gegenüber rollte ein Zug ganz langsam aus dem Bahnhof. Mit Richtungswechsel, es sah es aus als würde er rückwärts fahren. Eine Frau kam mit einem Kind angeflitzt, in der einen Hand hielt sie eine schwere Tasche, mit der anderen wedelte sie aufgeregt. Und dann wirklich, stoppte der Zug. Ich hätte die liebste Freundin, die ja auch Zugexpertin ist, später fragen sollen wie es kam, dass noch jemand in der Lok, die ja jetzt am Zugende war, sass. Aber jedenfalls öffnete sich die Tür und nach einem kurzen Gespräch eilten Frau, Kind und Zugführer zum nächsten Waggon, er öffnete ihnen, sie stiegen ein, dann lief er zurück zur Lok und der Zug rollte wieder an. Ich hab mich so gefreut.

Kurz vor Helsinki packte ich das Buch schliesslich zurück in den Rucksack und schaute noch ein bisschen vor mich hin. Ein Mann schlenderte den Gang entlang und kam mir irgendwie bekannt vor. Ach so, fiel mir dann auf, der sieht irgendwie aus wie Jürgen von der Lippe. Lustig, dachte ich noch und dann! Dann guckt der Mann in meine Richtung, lacht und sagt auf DEUTSCH (!): Ach, Hallo, was machst du denn hier? In der folgenden Sekunde weiteten sich meine Augen auf Untertassengrösse, aber schliesslich antwortete der Mann hinter mir, auch auf Deutsch, aber mit finnischem Akzent, dass er doch die Uni in der Hauptstadt vorzustellen hat.

Und dann war ich da und ein wunderbares Wochenende begann.

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Herrlich normal

Das neue Jahr hat sich herrlich normal angelassen. Ich gehe arbeiten, ich esse, ich schlafe und sonst ist nicht viel. Jedenfalls nichts ausser der Reihe. Das ist zur Abwechslung ziemlich schön. Nur zu erzählen gibt es dann eben nichts.

Hm, mal überlegen. Harry, der Hamster, lebt sich gut bei uns ein. Er ist einerseits gar nicht ängstlich, lässt sich streicheln und frisst einem aus der Hand, kommt aber andererseits am liebsten erst dann aus seinem Häuschen wenn Pauline im Bett liegt. Also wenn es still und dunkel ist. Deshalb sehen wir ihn gar nicht so oft. Wir haben aber trotzdem bemerkt wieviel er gewachsen ist. Und wir wissen auch, dass sein Lieblingsgemüse Paprika ist. Heute setzte sich Pauline mit ihm auf ihren Zimmerboden, während ich den Käfig ein wenig frisch machte, und reichte ihm Futter an. Nach einem getrocknetem Wurm und einigen anderen Trockenfutterstückchen hatte er enorme Hamsterbacken und sah unendlich niedlich aus.

Und es ist Winter. Richtiger schöner Winter. Als wir gestern eine riesige Runde über unsere Halbinsel gedreht haben, erst durch den Wald, dann auf dem See am Ufer entlang, da fielen mir plötzlich wieder sämtliche Kommentare zu Paulines eigentlichem Namen ein, die wir so gehört haben. Unter anderem „Warum denn Schnee (finnische Bedeutung ihres Namens) für ein Kind, das im Frühling geboren ist?“ Äh, warum nicht? Ausserdem schneit es hier durchaus auch im April. „Wie kommt es, dass ihr ein blondes Kind so genannt habt? Sie sieht doch gar nicht aus wie Schneewittchen?“ Weil wir natürlich damals schon wussten, dass sie später dunkle Haare haben wird! Oder auch: „Warum denn sowas Kaltes und Hässliches?“ Weil es für mich nichts auf der Welt gibt, was so schön ist wie Schnee.

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Heute dann erste Skitour der Saison. Hätten wir schon vor Wochen machen können, aber aus diversen Gründen passte es immer nicht. Und ehrlich gesagt, als wir dann kurz nach 9 (Am Sonntagmorgen! Die Sonne war noch nicht mal aufgegangen!) bei -15 Grad die Skier anschnallten, da fragte ich mich schon ob wir noch alle Tassen im Schrank haben. Aber Pauline musste 9 Uhr an der Turnhalle sein und da dachten wir uns, nutzen wir doch die 2 Stunden und das einmal verfahrene Benzin. Und natürlich war es grossartig. Ausser uns war kaum jemand unterwegs, ein paar Sportverrückte, die noch vor dem Frühstück die erste Einheit erledigten und natürlich eine dieser achtzigjährigen Omas, die einen im Affenzahn überholen und dabei mit halb mitleidigen halb empörten Blick anschauen, der sagt „Was, so jung und bleiern wie ne Ente?“. Man konnte also ganz in Ruhe Spazierfahren und den Schnee anhimmeln.

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9:21 Uhr – es war so kalt wie es aussieht.

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10:25 – Guten Morgen Sonne!

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Darf ich vorstellen?

Unser neuer Mitbewohner Harry:

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Zu wuselig für ein scharfes Bild.

Der Wunsch nach einem Haustier besteht ja schon eine Weile. Es gab auch mal eine Pause, die aber kürzer anhielt als ich gedacht hatte. Dann hatten wir Urzeitkrebse. Und jetzt, finden wir, hat sich Pauline das lange genug gut überlegt und geht mit fast 10 erstens nicht mehr soo zeitig ins Bett, sodass man auch ein nachtaktives Haustier haben kann, und ist zweitens auch alt genug um sich (mit etwas Hilfe) verantwortungsvoll um einen Zwerghamster zu kümmern. So holten wir also heute endlich ihr heissersehntes Weihnachtsgeschenk ab. Er ist gerade mal 7 Wochen alt und momentan so gross wie eine Rötelmaus (etwa 20 g). Wird aber noch doppelt so gross. Er wirkte kein bisschen ängstlich, sondern wuselte herum und erkundete aufgeregt sein neues Zuhause. Baute an seinem Nest und schleppte die im Laufrad versteckte Haselnuss hinein. Wir sind alle sehr entzückt.

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2018

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Neun. Ein super schönes Jahr.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Alles beim Alten.

3. Haare länger oder kürzer?
Wie immer.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Beides. Jetzt neu mit Gleitsichtbrille.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gleich.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Immer noch glückliche Fischforscherin.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Vermutlich mehr durch den grossen Urlaub. Der war aber jeden Cent wert.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Weisheit natürlich :)

9. Mehr bewegt oder weniger?
Wahrscheinlich auch gleich. Weitherhin mit dem Fahrrad zur Uni (übrigens, die Spikereifen sind super!), weiterhin im Sommer ununterbrochen auf den Beinen, manchmal Ski fahren, manchmal wandern, manchmal schwimmen, manchmal spazieren.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Keine Ahnung, ein paar Erkältungen.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Keine.

12. Der hirnrissigste Plan?
Vielleicht die Sache mit den Mökkischlüsseln. Als ich bei unserer Abreise lange hin und her überlegte wo wir die Schlüssel hinterlassen – dort wo wir sie vorgefunden hatten oder wie sonst auch üblich IM Häuschen. Ich entschied mich irgendwann für Letzteres und kaum hatte ich die Tür hinter mir zugezogen (finnische Türen sind dann verschlossen), fiel mir die Schranke (mit Schloss) wieder ein. Naja, die Nachbarn waren zum Glück da…

13. Die gefährlichste Unternehmung?
In Länder mit tropischen Krankheiten fahren? Wir haben trotz Vorkehrungen einige Mückenstiche abbekommen, sind aber gesund geblieben.

14. Die teuerste Anschaffung?
Geräuschreduzierende Kopfhörer. Die sind grossartig. Ich bin zwar sehr froh, dass ich nicht mehr mutterseeleallein in dem riesigen Büro sitze, aber bei vier Leuten ist eben auch immer was los. Insbesondere wenn drei davon zur selben Arbeitsgruppe gehören und häufig Dinge zu besprechen haben. Und man jemand ist, der sich beim kleinsten Geräusch nicht mehr konzentrieren kann. Mit den Kopfhörern ist alles gut. Und auch auf Flugreisen sind die Dinger ein Segen.

15. Das leckerste Essen?
Ich habe in diesem Jahr wirklich viele leckere Dinge gegessen, zum Beispiel in Malaysia. Aber besonders im Gedächtnis geblieben sind mir das selbstgemachte Pesto vom Iso und die Besuche auf dem Weihnachtsmarkt.

16. Das beste Buch?
Wieder eins der Büchereizufallsfunde: The Guernsey literary and potato peel pie society. Das fiel mir im Vorbeigehen aufgrund des tollen Titels auf. (Hallo deutsche Übersetzer!?! „Deine Juliet“??? Ist das euer Ernst?) Als ich dann sah, dass es sich um einen Briefroman handelt, habe ich es sofort mitgenommen. Die mag ich nämlich sehr. Und der hier war genau mein Fall. Übrigens hatte ich vorher noch nie etwas über die Besetzung Guernseys durch die deutsche Wehrmacht gehört. Das ist aber etwas, das unbedingt auch nicht vergessen gehört.

17. Der ergreifendste Film?
Von den Kinofilmen war es „Der Junge muss an die frische Luft“. Ein ausserordentlicher  Film. Ich fand übrigens auch, im Gegensatz zu vielen anderen (was man so im Internet liest), das Ende sehr passend. * Sehenswert fand ich auch „Ladybird“. Den sah ich gemeinsam mit einer Freundin und dieses Mutter-Tochter-Ding hat uns beide noch lange beschäftigt. Und zwar in beide Richtungen, als Töchter und Mütter. * Wenige Monate nach Entdeckung des oben genannten Buches kam übrigens zufällig dessen Verfilmung im Kino. Die war nett anzusehen, aber eine Spur zu kitschig. Ausserdem war ich empört, dass die Geschichte mit dem Schwein nicht richtig erzählt wurde. * Ausserhalb des Kinos war es „Le Havre“. Den wollte ich schon seit Erscheinen, also seit 2011 sehen. Aber in der Bücherei war er immer ausgeliehen und sonst fand ich ihn nicht. Kürzlich bemerkte ich zufällig, dass man auf Yle Areena (der Mediathek des öffentlich-rechtlichen finnischen Fernsehens) ALLE Kaurismäki Filme sehen kann. Ich sah ihn also auf Französich mit finnischen Untertiteln und so war es genau richtig. Er war so gut, wie ich es mir schon seit sieben Jahren dachte.

18. Die beste „CD“?
Nichts Neues entdeckt. Nichts besonders häufig gehört.

19. Das schönste Konzert?
Leider, leider kein Konzert in diesem Jahr. Dafür ein wunderbarer Opernbesuch.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Arbeit und Familie.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Der Familie in unserem tollen Urlaub. Wir reden immer noch fast täglich davon.

22. Zum ersten Mal getan?
Eine Schulstunde gegeben. Und zum Beispiel Haarspray gekauft. Für die Auftrittsfrisur des Kindes. Ich stand also vor dem riesigen Regal und guckte wie ein Schwein ins Uhrwerk. Was es da nicht alles gibt! Trockenshampoo (?!?), Haarpuder, Haarglanzzeug und eben Haarspray. Strong. Super strong. Super extra strong. Man lernt nicht aus.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Nach Asien gereist und im Regenwald gestanden. Dort einen Blutegel von meinem Bein entfernt. Ostern in Deutschland verbracht. Weihnachten in Deutschland verbracht. Meine alte Schulfreundin umarmt.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die unendlich vielen Stunden im Auto auf dem Weg von und zur Fischforschungsstation. Insbesondere die 80 km Bonus, die ich wegen Trantütigkeit fahren musste. (Sorry hier nochmals an meine Eltern!)

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Vielleicht, dass man sich Ängsten, bei aller Nützlichkeit, auch mal stellen und sie überwinden muss.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Es zieht eigentlich erst übermorgen ein, aber es gehört Pauline schon: das lange gewünschte Haustier.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Auch wenn es eigentlich verrückt war, aber hunderte Kilometer im Weihnachtsreiseverkehr zu fahren um mich für einen halben Tag zu besuchen.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Let’s have a break!

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich bin sehr stolz auf dich.

30. Dein Wort des Jahres?
Das Unwort vom letzten Jahr: Sommer. Er war genau so wie ein Sommer sein muss und ich habe mich danach wie ein neuer Mensch gefühlt.

31. Dein Unwort des Jahres?
Fängt mit P an und hat was mit Fischen zu tun.

32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Wie immer Anlass die Blogroll zu aktualisieren.

33. Dein größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Bittedanke wieder so viel Sonne und Wärme. Und weil es 2018 nicht geklappt hat: mehr Zeit!

(2017, 201620152014201320122011201020092008)

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Weihnachtsferien, Tage 7 & 8

Statt in Papier eingeschlagenen Dingen wollten wir drei Schwestern uns in diesem Jahr einen schönen Schwesternabend zu Weihnachten schenken. Der war gestern und er war wirklich sehr schön. Wir gingen zunächst ins Kino um „Der Junge muss an die frische Luft“ zu sehen. Ich kenne das Buch nicht und hatte – sehr untypisch für mich – nicht mal den Trailer gesehen. Deshalb hatte ich auch keinerlei Erwartungen. Schon lange bin ich nicht mehr so schön überrascht worden. Der Film ist nämlich großartig. Sehr lustig und sehr traurig, mit viel Liebe zum Detail und wirklich wunderbaren Schauspielern. Danach spazierten wir (natürlich) zum Weihnachtsmarkt, wo ich mich noch einmal wohlig seufzend umsah und wir schnatternd ein Abendessen einnahmen. Der Abend klang dann leider mit einem Magen-Darm-kranken Kind aus und lief in eine äußerst bescheidene Nacht über. Für heute wurden also alle letzten Verabredungen abgesagt und das Kinde betütelt, damit es morgen zur Heimreise wieder fit ist. Es sieht gut aus, vor zwei Stunden hat sie nach Gummibärchen verlangt (aber nicht bekommen). Möge ich verschont bleiben, wenigstens bis wir zu Hause sind.

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Weihnachtsferien, Tag 6

Der heutige Tag war aus zwei Gründen ganz besonders. Zum einen schien die Sonne und auf der windgeschützten Terrasse meiner Eltern war es so warm, dass man ein Stündchen ohne Jacke auf der Bank sitzen konnte. Oder eben alternativ auf-den-Händen-laufen üben konnte. Am Nachmittag dann klingelte es an der Tür und da stand meine alte, liebe Schulfreundin, die extra 300 km gefahren war, damit wir uns nach 13 Jahren endlich einmal wieder sehen konnten. Neben ihr stand ihre jüngste Tochter, die ein Jahr älter als Pauline ist, und die beiden verstanden sich augenblicklich prächtig. Wir spazierten durch die Straßen unserer Kindheit und erzählten uns 1001 Erinnerung und später fuhren wir auf den Weihnachtsmarkt, der seit einigen Jahren auch nach Weihnachten noch geöffnet hat, und schlugen uns die Bäuche mit allerlei Köstlichkeiten voll. Schließlich liehen sich die Mädchen Schlittschuhe aus und fuhren emsig Runde um Runde um die Herren Goethe und Schiller. Wir Großen stellten uns an ein wärmendes Kesselfeuer und redeten und redeten. So so schön!

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