Blitz und Donner

In letzter Zeit kam hier wieder der Wunsch nach einem richtigen Haustier, speziell nach einem Kaninchen auf. Und so unterbreitete ich Pauline ein Angebot: im Sommer, während wir in der Forschungsstation wären dürfte sie zwei Spitzschlammschnecken haben und mit ihnen erst einmal üben sich um Haustiere zu kümmern. Pauline nahm das Angebot begeistert an, ich fischte zwei gesunde und schöne Exemplare aus dem See, kramte in der Forschungshalle ein kleines Aquarium hervor und dann standen sie auf der Küchenfensterbank. Und hiessen fortan Blitz und Donner.

Die Pflege bestand aus einmal täglich Salatblatt wechseln und alle 2-3 Tage Wasser wechseln. Zu Paulines grossem Erstaunen zeigte sich bald, dass auch Schnecken Stuhlgang haben. Und deshalb musste sie sich sehr überwinden, das erste angenagte Salatblatt aus dem Aquarium zu fischen. Am zweiten Tag brachte sie es nicht mehr über sich und Wasser wechseln schon gar nicht. Das habe ich doch nicht gewusst, sagte sie betreten. Und ich habe nie daran gedacht so etwas zu erwähnen und deshalb war die Schneckenidee eine Gute. Wir beschlossen Blitz und Donner nach Hause zu bringen und lieber kein Kaninchen zu kaufen.

So schnell wie ein Sommergewitter war der Wunsch nach einem Haustier vorbei.

Paulines Oma fand Blitz und Donner auf der Küchenfensterbank aber so nett, dass sie versprach sich stattdessen zu kümmern. Und so konnten wir sie drei Wochen lang beobachten, wie sie durchs Aquarium krochen, Salat frassen, Laichschnüre an die Aquariumswand legten und wie schließlich Minischnecken daraus wurden. Am letzten Tag brachten wir die ganze Schneckenfamilie zurück in den See.

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Kinderträume

Och, Mama, musstest du mich ausgerechnet jetzt wecken? Ich habe gerade so was Schönes geträumt.

Oh, tut mir leid! Was hast du denn geträumt?

Wir waren an der Supermarktkasse und ich habe dich gefragt ob ich einen Schokoriegel haben kann und du hast JA gesagt. (seufzt) Und jetzt konnte ich ihn nicht mehr essen.

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Ganz nebenbei, wie gesagt

Und, Pauline, was habt ihr heute in der Vorschule gelernt?

Nichts.

Aha. Was habt ihr dann gemacht?

Wir waren im Wald. Dort haben wir uns überlegt wie unsere Gruppen heissen. Also die M. und die L. sind jetzt bei den Bären und die E. und ich bei den Igeln (obwohl ich eigentlich Maulwürfe vorgeschlagen hatte.)

Ach so, sind da immer nur zwei in einer Gruppe?

(sieht mich an als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank) Nein, acht natürlich. Aber die restlichen sechs sind ja nur Jungs.

(verkneift sich ein Grinsen) Und was habt ihr noch im Wald gemacht?

Naja, wir sollten Kiefernzapfen sammeln, jeder so viele wie er alt ist und daraus haben wir einen grossen Kreis gelegt. Und dann haben wir Fichtenzapfen gesammelt und daraus einen Stern in den Kreis gelegt. Und dann sollte jeder aus Stöcken seinen Anfangsbuchstaben legen. Bei mir war’s ja ganz einfach, aber der O. musste ganz viele kleine Stöckchen haben. Und die E. hat das richtig gut gemacht, ihren Stock zweimal an den Enden geknickt und einen in die Mitte gelegt.

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Pauline

Es ist nämlich so. Seit mindestens einem Jahr geht mir der Name Räupchen für’s Kind schwer über die Tastatur. Sie ist ihm längst entwachsen. Andererseits kann ich es nicht unbedingt leiden, wenn Leute in Blogs einfach die Namen ihrer Kinder ändern :)

Seit 2 Wochen geht das Räupchen in die Vorschule. Sie haben schon mal eben das Alphabet durchgenommen und jeden Tag erzählt sie mir welchen Tag in welchem Monat in welchem Jahr und in welcher Jahreszeit wir haben. Und beschwert sich, dass sie noch gar nichts gelernt haben. Das merken die nämlich gar nicht, so ganz nebenbei beim Spielen.

Seit letzter Woche geht sie in den Muttersprachenunterricht. Das ist solch eine grossartige Sache. Hier können alle Kinder, deren Muttersprache nicht Finnisch ist, kostenlos einmal wöchentlich Unterricht in ihrer Muttersprache geniessen. Und so zum Beispiel richtig schreiben lernen, denn wie man etwas ausspricht und dann schreibt geht ja in jeder Sprache anders.

Sie hat die 120 cm geknackt und das war eine wichtige Hürde für das gemeinschaftliche Vater-Tochter Hobby: Karussell fahren. Jetzt darf sie auf viel wildere Geräte und auch manche Achterbahnen.

Nicht zuletzt ist ihr inzwischen der vierte Milchzahn rausgefallen.

Das Räupchen ist nun wirklich kein Räupchen mehr. Sondern eine Pauline.

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Kann auch so weit wie ein Vielfrass springen.

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21:04

Feierabend. Die Sonne geht so viel eher unter als vor 6 Wochen. Die Entenkinder sind gross.

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UND: Das letzte Experiment ist geschafft. Es ist unglaublich wie anstrengend 2 Monate ohne Pause sind. Als ich letzten Donnerstag Abend von der Forschungsstation nach Hause fuhr, fand ich, dass alle Wolken wie Metacercarien (=ein Entwicklungsstadium “meiner” Parasiten) aussehen und wusste nun ist es wirklich Zeit für eine Pause.

Das heisst, eine Pause hatte ich ja, die Woche in der Schweiz. Die war sehr toll. Auch anstrengend, aber anders. Ich habe viel gutes Feedback sowohl zu meiner alten Mäusearbeit, als auch meiner neuen Fischarbeit bekommen und es tat gut zu wissen, dass sich wirklich jemand für diese Dinge interessiert und sich all die Arbeit lohnt. Ich habe so viel Käse gegessen wie ich nur konnte und so viel Schokolade nach Hause getragen wie nur in den Rucksack passte. Durch Zufall sind wir in Genf in das grossartigste Feuerwerk aller Zeiten gestolpert (1 Stunde lang, wunderbarste Raketenarrangements passend zur Musik). Ausserdem war richtiger echter Sommer. Und überhaupt.

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Jedenfalls, Hallo Welt, da bin ich jetzt wieder.

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Hotelbett

Ratet mal wo ich bin…

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(Rabenmütterlich weit weg von zu Hause, während die große Raupe heute ihren ersten Vorschultag hatte.)

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Myllykoski

Es war ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater, aber eigentlich habe ich mir damit selbst einen langgehegten Wunsch erfüllt. Eine Fahrt mit der Myllykoski.

Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal den Bootssteg der Forschungsstation betrat, stand dort ein altes rostiges Boot, das ich sofort in mein Herz schloss. Es gehörte nicht zur Station, war aber auch nicht mehr in Gebrauch. Wie oft sassen wir darauf. Zwischen Saunagängen und Schwimmrunden, zum Sonnenuntergang gucken, zum schwatzen und zum Angel auswerfen. Wie oft habe ich mir gewünscht es würde einfach losfahren. Es stand aber da, schaukelte ein bisschen im Sommer, wie festgewachsen im Winter.

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Vor vier Jahren sank es plötzlich. Das Eis hatte es beschädigt, Wasser drang ein. Zum Glück ist es an der Stelle nicht tief (genaugenommen 1.60 m, das habe ich mit dem Räupchen erst nachgemessen) und der grösste Teil des Bootes schaute immer noch heraus. Aber es war ein trauriger Anblick. Und dann, eines Tages, war es verschwunden. Bis heute kommt mir der Bootssteg leer und unvollkommen vor.

Ein Mann, dem das Boot offensichtlich auch ans Herz gewachsen war und der es schon seit längerer Zeit kaufen wollte, hatte es endlich bekommen. Er restaurierte es und schuf ein Sommerhäuschen für sich und seine Frau.

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Und weil wir jetzt Nationalpark geworden sind, bietet er Rundfahrten damit an und so kam es, dass wir mit einer Handvoll Leuten an Bord gingen. Wir wurden herzlichst willkommen geheissen, eine Karte wurde ausgerollt und die Route erläutert und schliesslich tuckerte der alte Motor los.

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Es wurde die schönste Bootsfahrt, die ich je gemacht hatte und die gleiche Begeisterung war auf allen Gesichtern zu lesen. Vielleicht, weil wir eingeladen wurden uns wie zu Hause zu fühlen und das ganze Boot zu erkunden.

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Vielleicht, weil extra ein Fernglas gebracht wurde, damit wir die Fischadler besser sehen konnten.

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Ganz sicher auch, weil bei jeder Sehenswürdigkeit eine junge Frau herum kam und uns auf alles aufmerksam machte. “Auf dieser Insel steht das einstige Sommerhaus von Urho Kekkonen.” “Seht ihr dort drüben die vielen umgestürzten Bäume? Das ist bei dem Sturm  vor 5 Jahren passiert.” (An den sich sogar noch meine Eltern erinnerten.) “Das hier ist die Wetterstation der Uni.”

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Und dann las sie von einem Tablet die aktuellen Temperaturen in 1.5 m, 10 m und 42 m Tiefe ab. “Guckt mal, hier ist noch ein Fischadlernest.”

Wer genau hinschaut, sieht ihn um seine Insel kreisen.

Wer genau hinschaut, sieht ihn um seine Insel kreisen.

Ich lief von links nach rechts und von vorn nach hinten. Ich staunte die Wolken an, die Inseln und das Glitzern der Sonne auf dem See. Ich kannte all das, aber es von der Myllykoski aus zu sehen war perfekt. Dann machten wir an einer Insel fest, auf der frisch gebackener Apfelkuchen und Kaffe gereicht wurden. Ich musste feststellen, dass das Boot überall malerisch aussieht, selbst noch mit dem modernen Dach, das es inzwischen bekommen hat.

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Nach den gut zwei Stunden fühlte ich mich regelrecht urlaubserholt. Das war so toll!

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