Juli

Mitternachtsausgabe:

juli

Der finnische Sommer mag kurz sein und kühl (oder schneearm, wie die Finnen zu sagen pflegen), aber die nachtlosen Nächte sind einfach unfassbar schön und entschädigen für vieles. Ach was, alles.

(Und es ist tatsächlich noch grüner als im Juni.)

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Juhannus

Letzten Donnerstag Morgen stiess ich versehentlich einen Trinkbecher, gefüllt mit Seewasser und einer Schnecke um und fing laut an zu fluchen. „Macht doch nichts“ versuchte mich der Doktorand zu beruhigen, „ich bin auch schon ganz aufgeregt wegen Mittsommer“. Ja, das war nicht zu übersehen. Wie bei allen anderen auch, wie immer sprach ja schon seit Tagen keiner mehr über etwas anderes. Er sah mich dann auch völlig verständnislos an als ich ihm sagte, dass mein Missgeschick nichts mit Aufregung zu tun hat, da ich mir gar nichts aus Juhannus mache. „Damit muss man wohl aufgewachsen sein“ erklärte ich ihm. (Gestern las ich aber, dass man sich auch sozialisieren kann).

An Mittsommer freue ich mich über den zusätzlichen freien Tag und wenn es passt schauen wir uns eins der Feuer an.

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Zugegeben, das sieht auf dem Lande schöner aus, als mit Hochhäusern im Hintergrund. Aber ich bin so gern an Juhannus in der Stadt, weil es dann so herrlich still und verlassen ist (als ob es sonst laut und voll wäre… , aber man merkt schon einen Unterschied). Es war – natürlich – deutlich kälter als normal um die Zeit und ich beneidete die Leute, die so schlau gewesen waren sich zum Feuer gucken Mütze und Handschuhe anzuziehen. Regen gab es auch reichlich.

Wir haben es ruhig angehen lassen. Schlaf nachgeholt, Dinge erledigt, Filme geschaut, ein ganzes Blech Kuchen vertilgt und immerhin einen Ausflug auf’s Land gemacht.

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Das Ziel waren ca. 7000 Jahre alte Felsenmalereien. Sehr beeindruckend.

Morgen geht’s dann völlig Katerfrei, ohne nennenswert viele Mückenstiche und absolut ausgeschlafen weiter mit Fischen und Schnecken.

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Nicht für Menschen geeignet

Heute ist ein wunderschöner Tag, die Sorte, von denen wir in diesem Jahr erst weniger als eine Handvoll hatten. Strahlend blauer Himmel, momentan 19 C. Ich bin schon seit dem Morgen in Hochstimmung deshalb. Um möglichst viel draussen zu sein, bin ich ohne dringenden Grund im Schneckentempo in die Stadt zur Bücherrei geradelt bevor ich mich in mein finsteres Büro gesetzt habe. Und weil heute im Grunde nur ein paar administrative Sachen anliegen (eigentlich hat der Fischsommer schon begonnen, aber die Fische brauchen heute eine Pause von mir), mache ich auch gleich wieder Schluss, hole Pauline frühzeitig aus dem Ferienhort ab und gehe mit ihr ein Eis essen. In der Sonne.

Mein Mittagessen nahm ich soeben auch in der Sonne ein. Ich setzte mich auf ein Mäuerchen vor die Mensa. Neben mir liessen sich ein paar andere Leute nieder, die genauso glücklich aussahen wie ich. Dann kam ein Bekannter vorbei und begann mit einem von ihnen etwas zu besprechen. Nach einer Weile sagte er aber: „Na, lass uns das ein anderes Mal weiter bereden. Ich muss jetzt unbedingt aus der Sonne raus. Boah, heute sollen es noch 26 Grad werden! Das ist einfach nicht für Menschen geeignet.“ Und dann rettete er sich hastig in das klimatisierte Gebäude neben uns.

Ich musste auch schnell aufstehen und gehen, denn ich bekam den Lachanfall meines Lebens. Die sind einfach zu niedlich, diese Finnen.

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Dinge nach denen man googelt wenn man Kinder hat

Harz im Haar

Der mit Abstand am häufigsten gegebene Tipp war: Butter. Hat zur Erleichterung aller, die glaubten Schere sei der einzige Ausweg, auch super funktioniert. Jetzt riecht das Kind nicht mehr nach Wald, sondern (trotz abschliessender Haarwäsche) wie ein grosses Butterplätzchen.

(Sonst aber gefällt es Pauline ausgesprochen gut im Ferienhort. Ihre alte Kindergartenfreundin ist auch da und die beiden sind sehr glücklich darüber wie früher jeden Tag von früh bis spät zusammen spielen zu können. Ausserdem ist sie mehrere Zentimeter gewachsen, weil sie allein mit dem Fahrrad dort hin und wieder nach Hause fährt.)

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Sommerferien

Der letzte Tag eines Schuljahres fällt in Finnland – warum auch immer – grundsätzlich auf einen Samstag. Vielleicht weil die Schulabgänger an diesem Tag ihre sehr feierlichen Familienfeste feiern. Vielleicht weil für alle anderen Schüler nichts weiter grosses passiert als die Zeugnisausgabe. Oder beides. Oder aus einem anderen Grund, aber jedenfalls Samstag.

Paulines Schule wäre nicht Paulines Schule wenn nicht auch das heutige Programm Punkt um 8 Uhr begonnen hätte. Am lautesten geschimpft hat sie übrigens selbst, SO FRÜH aufstehen, am SAMSTAG! Zunächst gab es eine Veranstaltung in der zu solchen Zwecken zur Aula umfunktionierten Turnhalle, in der alle 100 Schüler gemeinsam Sommerlieder sangen und wo dann die Drittklässler verabschiedet wurden, da sie ab dem nächsten Schuljahr auf die nächstgrössere Schule gehen werden. Im Anschluss war ein Picknick auf dem Schulhof geplant. Alle Eltern sollten nun dazu stossen, Picknickdecken ausbreiten, die Picknickkörbe weit öffnen und gemeinsam Spass haben. Schöne Idee. Allein, es waren 5°C, die gefühlte Temperatur lag laut Wetterbericht 4°C darunter und ein eisiger Nordwind fegte über den Schulhof. Da die Schule jedem auch ein Eis spendieren wollte, wurden wir gebeten doch ins Schulgebäude zu kommen und dort unsere Decken einfach überall wo Platz ist auszubreiten. Der Iso lachte sich einen Ast. „Mach mal ein Bild für dein Blog. Mit Bildunterschrift: Picknick im finnischen Sommer.“

Pauline und ihre Tanzgruppe hatten in den letzten 2 Wochen extra sehr fleissig geübt um nun heute vor der ganzen Schule drei Tänze aufzuführen. Ich muss sagen, ich war im Vorfeld ziemlich hin- und her gerissen zwischen Bewunderung (So viel Mut muss man erstmal aufbringen!) und Panik (Oh Gott, wie peinlich!). Es war dann aber eigentlich gar nicht peinlich, sondern eine nette Aufführung von vier sehr niedlichen und eifrigen Mädchen. Plus technischer Assistentin.

Um 10 Uhr ging es schliesslich ins Klassenzimmer zur Zeugnisausgabe. Als erstes wurden die hymypatsas (lächelnde Statue, oder so) überreicht. Das ist eine Tradition, die es hier schon seit 1954 gibt. Und zwar erhält kurz vor Schuljahresende jeder Schüler zwei Stimmzettel für eine anonyme Wahl. Auf diese schreibt er jeweils einen Mädchennamen und einen Jungennamen von Schülern seiner Klasse, die er für am nettesten, hilfsbereitesten und rücksichtsvollsten hält. Die zwei mit den meisten Stimmen bekommen dann eine kleine Statue überreicht, das Mädchen einen lächelnden Mädchenkopf und der Junge einen lächelnden Jungenkopf. Ich finde das eine schöne Sache.

Und schliesslich die Zeugnisse. „Die sehen recht langweilig aus“, sprach die Lehrerin, „wie ich euch schon gesagt habe“. Neuerdings gibt es hier erst ab der 7. Klasse Noten und so steht hinter jedem Fach einfach nur Ziel erreicht/teilweise erreicht/nicht erreicht. Und es gibt eine kurze Einschätzung der Lehrerin. Sooo langweilig sehen die aber gar nicht aus, finde ich. Jedes Kind ging also unter Applaus vor zur Lehrerin, schüttelte ihr die Hand, wurde von ihr umarmt und bekam dann das Zeugnis. Und dann zerstreuten sich die Kinder für die nächsten neuneinhalb Wochen in alle Winde.

Wenn die restlichen Schuljahre genauso schnell verfliegen wie das Erste, dann feiern wir hier auch sehr bald die grosse Schulabschlussfeier.

 

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Juni

Grüüün. Ganz schön beeindruckend, der Unterschied dieses Mal. Vom See sieht man nichts mehr und von der gegenüberliegenden Halbinsel fast nichts.

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Wir haben kürzlich den Schreibtisch so umgestellt, dass man am Computer sitzend nach draussen schauen kann. Und da ich mich derzeit mit einer dicken, fetten, megaätzenden Erkältung herum plage, arbeite ich schon die ganze Woche mit diesem Ausblick. Es ist ein bisschen wie mit einer guten Freundin gemeinsam im selben Büro zu sitzen (worin ich viel Erfahrung habe) – es lenkt ungemein ab, aber hebt die Laune so sehr, dass man letzten Endes viel effektiver voran kommt. Meine Lieblingskurzweil ist der Buntspecht, der mehrmals pro Stunde die Kiefer vorn in der Mitte von unten nach oben abspaziert und die ihrerseits dort spazierenden Ameisen aufpickt. Manchmal stellt er sich auch direkt auf den Ameisenhaufen daneben, aber das scheint eine unangenehme Sache zu sein, da er immer augenblicklich hektisch wieder von dannen fliegt.

Sieht fast schon sommerlich aus, was? Ist ja auch schon Juni! Täuscht aber. Zwanzig Minuten nach Aufnahme des Bildes begann es zu…

….na?

Genau!

Es begann zu schneien. Oder besser gesagt zu Schneestürmen.

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Ich weiss nicht ob man es erkennen kann, aber die weissen Streifen, die fast horizontal von rechts nach links gehen. Sieht so aus als ob es nach dem kältesten Mai seit 1969 im Juni nun munter so weiter geht.

Aber wir hier oben im Norden sind an die Kälte ja gewöhnt.

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Wichtige Meldung

Die Bäume sind dann jetzt zartgrün UND ich habe den ersten Mückenstich. Yeah, Sommer!

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