Quarantäne Ende

Fischsommer Anfang. Eigentlich. Der Rucksack ist gepackt. Die Zugfahrkarte zur Fischforschungsstation, wo die Arbeitsgruppe schon die ganze Woche lang an der Vorbereitung zum Experiment werkelt, ist gebucht. Der Iso bereitete mir ein köstliches Abschiedsabendessen. Danach fuhren wir wie jeden Tag in dieser Woche an den Strand und bedauerten ein bisschen, dass wir unsere jeden-Tag-ein-anderer-Strand-Serie ab morgen nicht fortsetzen können.

In etwa diesem Augenblick zog 400 km weiter nördlich, also genau über die Fischforschungsstation, ein schlimmes Unwetter. Bäume wurden entwurzelt, Zelte flogen durch die Gegend und in nur 10 Minuten war der ganze Versuchsaufbau zerstört. Der Chef und die Kollegin waren gerade dabei das Experiment zu starten, standen also mittendrin, und ich bekomme immer noch eine mächtige Gänsehaut beim Gedanken daran was alles hätte passieren können. Zum Glück geht es beiden abgesehen vom Schreck gut. Aber die zwei grossen Experimente, auf die wir uns alle gefreut hatten, weil sie so spannend sind und insbesondere weil es mit beiden ja schon im letzten Jahr nicht geklappt hat, die können wir nun knicken. Zusammen mit der Zugfahrkarte.

Was denn noch alles, 2020, hn?

Quarantäne war ansonsten ganz in Ordnung. Gar nicht so anders als die Zeit davor. (Also seit Mitte März.) Manchmal war es schwierig daran zu denken: „Kann Freundin Sowieso zu uns kommen?“ „Ja klar! Äh, ich meine Nein.“ „Pinni, könntest du einkaufen gehen?“ „Ja klar! Äh, ich meine Nein.“ Das Wetter war hochsommerlich und das obwohl Mittsommer war. Ich arbeitete ein wenig am Computer, ging für zwei Tage mit dem Chef auf Schneckenjagd (jeder reiste mit eigenem Auto an und wir hielten Abstand) und versuchte mich ansonsten zu entspannen, weil ja bald der hektische Fischsommer beginnen würde.

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Reisen in Zeiten von Corona

Es gibt Reisegründe, für die lässt man sich nicht von einem Virus aufhalten. Da setzt man sich einfach in ein Flugzeug und fliegt nach Deutschland.

Einen Flug zu finden war überhaupt kein Problem. Von Helsinki aus gibt es täglich mehrere Flüge in mehrere deutsche Städte. Er war sogar bezahlbar, was mich wirklich wunderte, denn wer jetzt fliegt, der muss wohl wirklich und ist vermutlich bereit so ziemlich alles zu bezahlen. Aber gut, ich möchte mich nicht beschweren.

Finnische Inlandflüge gibt es dafür im Moment nicht, oder jedenfalls nicht von unserem Flughafen aus. Und die Züge fahren wohl auch noch nicht wieder nach normalem Plan, denn es fand sich auch kein passender Zug in die Hauptstadt. Die Familie musste mich also die 270 km mit dem Auto bringen.

In den letzten Wochen war Corona in meinem Kopf immer mehr in den Hintergrund gerückt. Mit den Schulöffnungen und all den anderen Lockerungen die bisher gut ausgegangen waren. Das änderte sich schlagartig mit dem Betreten des Flughafens, denn das ist (meines Wissens nach) der einzige Ort im ganzen Land, an dem um das Tragen von Masken gebeten wird. In Deutschland, so beobachtete ich später am Tag fasziniert, ist das längst Alltag, aber hier hatte ich bis auf eine einzelne Masken ab und zu im Supermarkt, und auch das immer seltener, noch keine gesehen.

Ich war natürlich vorbereitet. Am Vortag hatte ich mir eine Packung völlig überteuerte Einwegmasken besorgt, einmal das Tragen zu Hause geübt und stülpte mir nun eine über. Der Flughafen war gespenstisch leer und ich lief ungläubig mutterseelenallein an geschlossenen Geschäften und Restaurants vorbei. Die Abflugtafel war sehr übersichtlich und vor den Fenstern standen Flugzeuge mucksmäuschenstill, mit verpackten Triebwerken. Es gruselte mich. Nach fast 3 Monaten in meiner Homeoffice-Blase gruselte es mich wirklich.

Beim Boarding wurden alle Pässe überprüft. Mit meinem deutschen Pass wurde ich direkt durchgewunken, aber alle Passagiere mit Pässen aus anderen Ländern wurden nach Reisegründen befragt. Das Boarding lief übrigens gestaffelt in drei Gruppen, die hinteren Sitzreihen stiegen zuerst ein. Sehr schlau. Das könnte man ruhig so beibehalten.

Auf allen Finnair-Flügen besteht Maskenpflicht, man bekam beim Einsteigen Desinfektionstücher gereicht um seinen Platz zu desinfizieren, das Flugzeug war viel kleiner als sonst und von den 100 Sitzplätzen waren weniger als die Hälfte belegt. Es gab keine Sitznachbarn. (Das kann ich hier gleich mal einschieben – Reisen in Zeiten einer Pandemie ist gruslig, aber ansonsten wirklich nicht unangenehm.) Bei Vorführung der Sicherheitshinweise schmunzelte ich ein wenig in meine Maske, als nämlich die Stewardess die Sauerstoffmaske über den Mund-Nasen-Schutz platzierte. Nach dem eingespielten Standardtext wurde dann aber noch durchgesagt, dass man im Falle des Falles erstmal die eine Maske abnehmen muss. Es wurde auch durchgesagt, dass man sie aber sonst nicht absetzen darf, deshalb schmunzelte ich später noch einmal, als jeder eine Flasche Wasser und einen abgepackten Keks gereicht bekam.

Die 10 Minuten, die wir an Flugzeit eingespart hatten – was so ein leerer Luftraum ausmacht – verbrachten wir dann bei Ankunft mit dem Ausfüllen von Formularen (Passenger Locator Form) für den Fall eines Corona-Falles an Board. Ausserdem gab es ein schlecht gemachtes und noch schlechter kopiertes Informationsblatt auf dem darauf gebeten wurde sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Sehr verwirrend, da ich vorher offziell nichts dazu gelesen hatte und natürlich auch aus Gründen nach Deutschland kam, die Quarantäne unmöglich machten. Nun, es handelte sich um eine Empfehlung und zum Glück hatte das Krankenhaus, in dem ich jemanden besuchen wollte, das im Vorfeld schon genehmigt.

Der sonst aus allen Nähten platzende Flughafen Tegel war ebenso leer und richtig abgefahren wurde es dann im TXL Bus. Ich kenne diesen Bus nur so vollgestopft, dass man entweder gar nicht erst mitkommt, oder aber einmal drin so gequetscht wird, dass man keine Luft mehr holen kann. Der Fahrerraum, in dem sich sonst auch die Leute stapeln, war komplett abgeriegelt und ansonsten sassen in dem grossen Bus drei Passagiere. Drei. Die Fahrt zum Bahnhof war dieses Mal besonders spannend, denn ich konnte aus dem Fenster sehen sah links und rechts der Strasse nur Masken. Menschen mit Masken so weit das Auge reicht. Wie im Film. Und ich staunte, wie auch die ganze folgende Woche, über die Deutschen, die das alle brav und mit grösster Selbstverständlichkeit mitmachen. Nicht immer ganz korrekt, aber dennoch. Für mich selbst – ich hatte seit Betreten des Flughafens Helsinki die Maske noch nicht einmal abgesetzt – konnte ich feststellen, dass es auch gar nicht weiter stört.

Für die Zugfahrt hatte ich mir erstmalig keinen Sitzplatz reserviert, ich rechnete mit keinem grossen Andrang. Und so war es dann auch. Ich sass wieder allein, es war sehr ruhig und ich dachte gerade, dass es noch nicht einmal eine Situation gegeben hatte, als die Frau vor mir aufstand, um ihre Sitze herumging und mich sehr höflich fragte ob es mich stören würde wenn sie ihren Sitz etwas, nur ganz wenig, nach hinten lehnen würde. Wie gut, dass ich die Maske trug, so konnte sie meinen weit aufstehenden Mund nicht sehen.

Während der Woche in der Heimatstadt gewöhnte ich mich langsam an den dystopischen Anblick. Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war Abstand von Familienmitgliedern zu halten. Ich hielt das auch nicht durch. Es gibt Momente, da kann man nicht auf Umarmungen verzichten. Falsch, aber menschlich. Ich füllte täglich brav das Formular mit meinen Kontaktinformationen im Krankenhaus aus, erklärte jeden Tag seufzend auf’s Neue, dass in unserem Fall die Ein-Besucher-pro-Patient-und-Tag-Regel nicht gilt, klebte mir meine Eintrittskarte, auf der vermerkt war wie lange ich bleiben darf (1 Stunde) und wo ich hingehe auf’s T-Shirt und schritt am Sicherheitsmann vorbei.

Die Rückreise verlief ähnlich der Hinreise. In Tegel war überhaupt nur ein Terminal geöffnet und auch da nur ein Eingang, den man nur passieren konnte, wenn man eine Maske trug und einen Boarding Pass vorzeigen konnte. Durch die Sicherheitskontrolle kam man – neue Coronabestimmung – nur, wenn man nicht mehr als 1 Gepäckstück bei sich hatte. Der Zusammenhang erschloss sich mir nicht und konnte mir auch nicht erklärt werden. Ich hatte dann einige Mühe meine zwei Gepäckstücke in Einem zu vereinen (Finnair erlaubt eine Handtasche/kleinen Rucksack zusätzlich zum kleinen Koffer), konnte aber schliesslich doch durch. Beim Boarding wurde es auch  noch einmal spannend. In Finnland waren am Tag meiner Rückreise noch alle Grenzen geschlossen und Reiseverkehr nur unter bestimmten Vorraussetzungen möglich. In meinem Pass steht zwar, dass ich in Finnland wohne, aber man wollte noch eine finnische ID Card sehen. Die ich nicht habe. Es dauerte dann ein Weilchen bis sich herausstellte, dass man eigentlich nur meine Sozialversicherungsnummer sehen wollte. Die ich selbstverständlich dabei hatte. Sie wurde dann mit einem Handy abfotografiert, was mir nachdem ich jahrelang immer wieder gehört habe, dass man gut auf diese Nummer aufpassen soll und sie beispielsweise nicht in Emails schreiben, auch äusserst seltsam vorkam.

Bei Ankunft in Finnland dann, ganz ungewohnt, eine Passkontrolle. Der freundliche Herr wollte wissen ob ich denn in Finnland wohne und wie lange schon und fand das dann auch in seinem Computer so bestätigt. Ausserdem erhielt jeder ein übersichtliches, mehrsprachiges, farbig gedrucktes, richtiges Faltblatt, das über die bevorstehende 14-tägige Quarantäne, über die ich auch schon im Vorfeld auf offiziellen Webseiten gelesen hatte, informierte. Eine wirtschaftlich freundliche Quarantäne: man darf nämlich nirgendwo hin, ausser auf Arbeit! Es sei denn man arbeitet im Gesundheits- oder Sozialwesen. Oder der Arbeitgeber hat eigene Regeln zum Schutz der Angestellten gemacht, wie in meinem Fall. Und so jongliere ich jetzt erstmal keine Fische. Aber, das wusste ich auch vorher schon und so wichtig mir meine Arbeit auch ist, nichts ist wichtiger als Familie.

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Letzte Schulwoche

Fast Sommerferien. Pauline hat die Sache mit dem Abstandhalten so weit verinnerlicht, dass sie jedes mal zurück zuckt wenn ich sie beim nach Hause kommen umarmen will. Ansonsten läuft diese letzte Schuljahreswoche im Gegensatz zu den Vorjahren nach straffem Programm, mit richtig Unterricht und bergeweise Hausaufgaben. Mit der Begründung es sei ja noch so viel Stoff aufzuholen. Mich wundert das ein bisschen, denn es ist nicht gerade so als hätten die Kinder während der Fernbeschulung Däumchen gedreht. Am Meisten wundert mich aber, dass nicht mal ein einziger Tag übrig ist um gemeinsam einfach mal was Schönes – im Rahmen der Möglichkeiten – zu machen. Immerhin sind die letzten Tests jetzt überstanden. Interessanterweise hat Pauline die besten Arbeiten des ganzen Schuljahres geschrieben. Dafür gibt es vermutlich mehrere Erklärungen, unter anderem hat sie durch plötzlich fehlende Hobbys viel mehr Zeit zum  Lernen, aber ich weiss auch aus eigener Erfahrung, dass sich Dinge viel besser einprägen wenn man sie sich selbst erarbeitet hat.

Ich war heute zum ersten Mal seit zwei Monaten im Büro. Wir haben jetzt die Corona-Sondergenehmigungen für die Arbeit in der Fischforschungsstation bekommen und unsere Arbeitsgruppe hatte sich zum Unterschreiben der hochoffiziellen Verträge verabredet. Schon bei Ankunft hörte ich vertrautes Gelächter aus dem Büro des Chefs und stürmte begeistert dazu. Woraufhin der Chef erschrocken „Nur maximal zwei Personen pro Büro!“ rief. Richtig. Vom Gang aus konnte ich dann aber mitlachen. Allerdings nur kurz, denn ohne Sondergenehmigung (einer anderen) dürfen wir uns nur maximal 30 Minuten am Stück im Gebäude aufhalten. Und ich musste ja noch Dinge wie Kescher und Stoppuhren zusammensuchen und gucken ob meine Videokameras noch funktionieren. Dreissig Minuten sind echt kurz und danach war ich echt traurig. Weil die Uni weiss, dass es für alle nicht ganz leicht ist, schenkt sie allen Mitarbeitern in dieser Woche zum Trost ein Mittagessen. Über die ganze Stadt verteilt gibt es Abholpunkte, in denen aus Lieferwagen heraus mit langem Arm Papiertüten gereicht werden. Und heute war genau der richtige Tag dafür. Nicht nur für mich, die Kollegen schlängelten sich im zwei-Meter-Abstand einmal um das ganze Gebäude, in dessen Hof meine ausgewählte Ausgabestelle war. Von der Uni war ausdrücklich gewünscht, sich eine richtig lange Pause zu gönnen, dass Essen im Freien einzunehmen und den Frühling zu geniessen. Und ich tue was mein Arbeitgeber von mir möchte. Das Wetter ist nämlich weiterhin hervorragend, es wird jeden Tag grüner und die Tulpen leuchten nun auch im Garten.

 

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Ende Mai

Die Osterglocken blühen. (Die Tulpen überlegen noch.)

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Seit gestern ist das Wetter so, dass ich es doch noch für möglich halte, dass die Bäume in diesem Jahr grün werden.

Es ist so, dass man endlich Lust hat Balkon und Terrasse sommerfein zu machen.

So, dass es einen wie ein Magnet in den Gartenmarkt zieht.

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Und so, dass man den ganzen Tag im Garten sitzen möchte um zu lesen, umher zu gucken oder andere Sachen zu machen.

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Endlich!

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Alltagsfotos 5/5 2020

8:14 Uhr Pauline ist seit einer halben Stunde aus dem Haus und ich versuche zu arbeiten. Aber mein Kopf will heute einfach nicht aufwachen. Da gibt es zwei Möglichkeiten: (a) ein strammer Marsch durch 2°C oder (b) eine heisse Dusche. Ratet!

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10:37 Hat funktioniert und ich hake jetzt fluffig eins nach dem anderen auf der To-do-Liste ab.

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(Es gibt neue Memojis.)

13:24 Ich bin auf dem Weg zum Friseur und in Gedanken noch bei den Fischen. Deshalb habe ich es auch verpasst an einer schönen Stelle für ein Foto zu halten. Aber gut, #fürmehrrealität.

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Die Friseure waren in Finnland zu keinem Zeitpunkt geschlossen. Ich habe trotzdem versucht meinen Besuch so lange wie möglich hinauszuzögern. Aber nachdem ich nun zwei Monate „über den Termin“ war, fühlte ich mich wirklich nicht mehr wohl. Ausserdem dachte ich mir: Falls die ganzen Lockerungen, die jetzt nach und nach in Kraft treten, in einer zweiten Welle enden, dann ist jetzt (zwei neue Fälle während der letzten 7 Tage in unserer Stadt) der richtige Zeitpunkt. Meine Frisöse ist nur ein Einfraubetrieb. Sie bittet mich als erstes die Hände zu waschen und erklärt mir, dass sie nach jedem Kunden alles gründlich desinfiziert. Mundschutzmasken (nicht vorgeschrieben) hat sie auch schon versucht, es aber leider nicht den ganzen Tag ausgehalten. Jetzt versucht sie so ein Plexiglasdings zu bekommen. Ich erkundige mich ob sie noch ausreichend Einnahmen hat und ja, nach den ersten zwei sehr ruhigen Wochen, läuft es seither nahezu normal. Aber die Angst vor der Pleite, die sie am Anfang hatte, war nicht schön.

14:30 Uhr Mein Kopf wurde um ca. 3 kg Haare erleichtert und inzwischen hat Pauline Schulschluss und ist nachgekommen. Wenn, dann machen wir das gleich in einem Aufwasch.

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21:07 Uhr Ich habe zum zweiten Mal heute Feierabend gemacht (man sollte am Freitagabend nicht mehr in sein Emailfach gucken). Pauline bäckt schon wieder und drückt mir plötzlich einen „Spezialkeks“ in die Hand.  Nomnomnom!

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Alltagsfotos 4/5 2020

7:35 Uhr Schon aufgestanden und gefrühstückt. Guten Morgen Mumin!

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7:50 Uhr Tschüss, viel Spass und denk daran Abstand zu halten!

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11:51 Uhr Ehrlich gesagt hatte ich mich sehr gefreut ab heute nicht mehr jeden Tag kochen zu müssen (in der Schule gab es heute das Lieblingsessen von 99% der Schüler und ich denke das war kein Zufall) und wollte das mit einem Käsebrot feiern, aber es war noch so viel Gemüse im Haus und frischer wird es wohl nicht.

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13:19 Uhr Ich hole Pauline von der Schule ab um ihr noch einen Weg für morgen zu zeigen. Die Mütze habe ich todesmutig zu Hause gelassen, aber Handschuhe hat man besser dabei.

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In der Viertelstunde, in der das Kind noch seinen Schlüssel sucht und auch findet, habe ich Zeit auf dem Schulhof die Nichteinhaltung des Mindestabstandes zu beobachten. Pauline klärt mich auf, dass dieser innerhalb der Klassen nicht so streng gilt, nur berühren darf man sich nicht und keine Dinge von anderen benutzen. Vermutlich ist es sowieso schier unmöglich die Kinder die ganze Zeit auseinanderzuhalten, besonders bei den Kleineren. Mal davon abgesehen, dass die Klassenzimmer auch nicht mit Corona im Hinterkopf konzipiert wurden. Zwischen den Klassen wird allerdings peinlich genau auf Abstand geachtet. Es gibt gestaffelte Pausen und ausserdem hat jede Klasse ihren eigenen Platz auf dem Schulhof. Es gibt gestaffelt Mittagessen, zur Mensa und zurück führen Einbahnstrassen und gegessen wird im Klassenzimmer. Jede Klasse hat ihre eigene Toilette. Von ursprünglich 6 verschiedenen Lehrkräften kommen nur noch 2 in Paulines Klasse. Die Fächer, die in gemischten Klassen unterrichtet werden, finden jetzt entweder draussen statt (Ethik) oder weiterhin über Teams (Spanisch). Puh, ganz schön aufwendig für so ein paar Tage. Aber Pauline tut es sichtlich gut wieder in die Schule zu gehen.

18:10 Uhr Abendspaziergang.

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Alltagsfotos 3/5 (Einigelung 30)

10:24 Uhr Wir sind wieder zeitig aufgestanden und brauchen jetzt eine kleine Pause von Schule und Wissenschaft. Warum also nicht ein bisschen auf den Händen spazieren gehen.

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11:45 Uhr Vor dem letzten Teamsmeeting am letzten Fernschultag wollen wir schnell noch Mittag essen. Ich sehe nach was für heute bestellt wurde.

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12:32 Paulines Sozialkunde-Stunde hat begonnen und ich sitze wieder am Laptop. Aus den Augenwinkeln bemerke ich grosses Geflatter im Garten, pirsche mich ans Fenster und beobachte dann eine Krähe beim Einemsen (Baden im Ameisenhaufen).

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16:25 Uhr Ich habe endlich das Problem mit dem Statistikprogramm, an dem ich seit einer Woche herumknoble, gelöst und möchte jetzt eine Weile nicht mehr in den Computer gucken. Zeit für eine Inliner-Runde um den See. War das toll!

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19:33 Uhr Pauline wünscht in Mathe und Sachkunde abgefragt zu werden. Morgen beginnt die Schule. Am Freitag ist ein grosser Mathetest über den ganzen Stoff der Fernschulzeit (zu dem es nicht einmal Videounterricht gab) und nächsten Dienstag in Sachkunde (Dito). Irgendwie habe ich das Gefühl, dies ist genau nicht das was die Regierung im Sinn hatte, als sie sagte, dass es gut wäre wenn die Lehrer vor den Sommerferien noch sehen können wie es den Kindern geht und wie sie voran gekommen sind. Aber was weiss denn ich.

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Alltagsfotos 2/5 2020 (Einigelung 29)

8:24 Uhr Auf Wunsch einer Viertklässlerin, welche bis zum Schulstart am Donnerstag wieder in den richtigen Rhythmus finden möchte, frühstücken wir heute eine Stunde eher. Eins der besten Dinge der letzten Wochen war, dass niemals der Wecker klingelte. Das Frühstück hatten wir fest für 9 Uhr vereinbart und ich musste einfach nur darauf achten spätestens um Mitternacht in Richtung Bett zu gehen, um von allein pünktlich wach zu werden. Manchmal war das um 7, manchmal auch noch eher und manchmal erst kurz vorm Frühstück. Und ich war immer ausgeschlafen. Heute wäre wohl einer der späteren Aufwachtage gewesen. Ich habe zu kämpfen und nachdem das fröhlich schnatternde Kind den Frühstückstisch verlassen hat, starre ich Minuten lang in meine Teetasse.

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9:03 Uhr „Mama, ich glaube ich bin über Nacht gewachsen, ich fühle mich wie ein Riese.“ Und tatsächlich. (Die oberen drei Markierungen sind alle aus diesem Jahr.)

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11:59 Uhr Ich bereite ein Experiment vor, das theoretisch in weniger als 4 Wochen beginnt. Praktisch dürfen dann aber aufgrund aktueller Umstände keine Experimente durchgeführt werden. Oder nur wenn bestimmte Gründe vorliegen und unter strengen Auflagen. Die Anträge auf Sondergenehmigung sind jedenfalls gestellt und wenn ich jetzt nicht anfange vorzubereiten, dann wird das nichts. Im Fall des Falles.

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16:21 Uhr Zeit für frische Luft. Pauline möchte heute joggen gehen und hat sich dafür mit der 300 km südlich ebenfalls joggenden, liebsten Freundin am Telefon verabredet (diese Verabredung wird zu einem der grössten Corona-Highlights), sie braucht also keine Fahrrad fahrende Begleitung. Auch gut, dann kann ich wieder in den Wald. Und an den See.

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16:38 Uhr Yes! YES!! YEEEEEES!!!

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Alltagsfotos 1/5 2020 (Einigelung 28)

Seit sechs Jahren mache ich jedes Jahr im Mai 5 x 5 Alltagsfotos. Nun also die Corona-Edition. Mal sehen ob ich 25 verschiedene Fotomotive finde.

8:28 Uhr Ich wache nach einer Nacht mit Migräne des Grauens zwar noch etwas angeschlagen, aber schmerzfrei auf. Im Zuge des ‚Wir machen unser Schlafzimmer schön‘ Projektes besitzen wir nun ferngesteuerte Verdunkelungsrollos. Ganz schön spiessig, aber ich feiere es jeden Morgen vom Bett aus die Rollos zu öffnen. Ausser heute.

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Pauline tätschelt mir beruhigend den Kopf. „Macht nix, Mama! Solange der Schnee nicht liegen bleibt ist alles gut.“

11:17 Uhr Das fernbeschulte Kind kommt aus seinem Zimmer und fragt ob wir nicht doch noch irgendwo mehr Streichhölzer haben. Für Handarbeit/Werken lautet die heutige Aufgabe eine Blockhütte zu bauen. Eigentlich aus Ästen, aber es gab zum Glück auch die Schlechtwettervariante mit Streichhölzern. Nun hat sie vier Päckchen verbaut und will wohl eher einen Blockturm erschaffen.

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13:01 Uhr Hmmm.

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17:39 Uhr Mir schwirrt der Kopf vor lauter Zahlen und Fischen. Zeit für eine Frischluft-, Beinevertret- und In-die-Ferne-guck-Pause. Ich verlasse das Haus, laufe ein paar Schritte die Strasse entlang und stehe auf einem Waldweg. Ich liebe das, dass hier hinter jeder Strassenecke die Wildnis lauert. (Und dass die Temperatur wieder leicht ansteigt.)

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18:00 Uhr Eisig kalt ist es trotzdem, deshalb nur eine kleine Runde. Als ich zu Hause ankomme ist Pauline fertig mit dem Fern-Training und hatte offensichtlich immer noch nicht genug Bewegung.

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(3/5 Fotos mit Wald. Das ist es was ich meinte. Gibt aber sicherlich Schlimmeres.)

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Einigelung 27

Gleich nach dem Aufstehen sehe ich im Nachbargarten die Flagge wehen. Richtig, Muttertag.

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Wir feiern den Muttertag nicht gross. Der finnische Mann führt traditionell die Familie zum Essen aus (in diesem Jahr eher takeaway), der Iso kocht – wie immer. Ich mache dafür nach dem Frühstück den Wocheneinkauf und stelle vorher noch die Waschmaschine an. Der finnische Mann macht seiner Frau auch ein (häufig wertiges) Geschenk. Wir haben vereinbart, dass das eigentlich Quatsch ist. Ich bin doch die Frau und nicht die Mutter. Genauso halten wir es am Vatertag. Aber von Pauline bekomme ich natürlich Geschenke. Das ist ihr sehr wichtig und ich freue mich auch wirklich immer sehr über ihr Basteleien. In diesem Jahr bekomme ich erst eine Karte, vollgeschrieben mit Komplimenten, und dann etwas, das mir besonders grosse Herzchenaugen macht.

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Traditionell gehen wir wandern. Die Mutterliebe geht leider nicht so weit, dass Pauline mitkommen würde. Natürlich könnten wir sie nötigen, aber wir wissen alle, dass der Ausflug so weit weniger vergnüglich wird. Stattdessen bäckt sie mir während unserer Abwesenheit einen meiner Lieblingskuchen und absolviert das noch ausstehende Training.

Auf den Wanderparkplätzen ist es wie immer in den letzten Wochen deutlich voller als sonst. Aber die finnischen Wälder sind gross und die meiste Zeit ist man trotzdem ganz allein. Wir besteigen heute einen 160 m hohen Berg und es ist schon wirklich sehr schön hier.

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Und vielleicht werden die Bäume doch noch irgendwann grün!?

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Schon oft, auch schon lange bevor wir ein Kind hatten, haben der Iso und ich beim Wandern fantasiert, wie schön es doch wäre nach Hause zu kommen und das Essen stünde auf dem Tisch. Deshalb ist es schon ziemlich cool, dass es beim Tür aufschliessen köstlich duftet und wir uns einfach nur hinzusetzen brauchen und alle gemeinsam frischen Rührkuchen essen können.

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Einigelung 26

Beim montäglichen Skypen mit meinen Eltern kam die Frage auf, was es bei uns Neues gibt und hmm… dort wie hier fällt mir nicht mehr viel zum Erzählen ein.

Das lange Wochenende tat gut. Sonst finde ich es immer ein wenig schade, dass die eher dünn gesäten finnischen Feiertage zum grossen Teil geballt im Frühling liegen, aber in diesem Jahr bin ich sehr froh. Obwohl der Alltag eigentlich deutlich weniger anstrengend ist – ich schlafe mehr, habe mehr Bewegung an der frischen Luft, muss nicht ständig auf die Uhr gucken, habe keine sozialen Interaktionen – ist es irgendwie anders anstrengend.

Wir hatten eigentlich einen Tagesausflug in einen (für uns) neuen Nationalpark geplant und auch extra den Wecker gestellt, aber dann hatte sich über Nacht die Wettervorhersage komplett geändert. Faul zu Hause sein ist aber auch nicht schlecht. Und später fand sich immerhin ein sonniges Zeitfenster für einen Naturlehrpfad in der Nähe.

Ganz besonders ist momentan das Licht im Wald. Die Sonne steht schon recht hoch, aber weil es noch keine Blätter gibt, ist es sehr hell und ja, sonnendurchflutet. Gepaart mit dem aufgeregten Vogelgesang und Froschgehüpfe überall, sowie glitzernden Seen ist es wirklich herrlich.

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Einigelung 25

Seit heute wissen wir, dass wir uns in zwei Wochen wieder ein wenig ausigeln können. Offiziell gibt es keine stichhaltigen Gründe mehr für Schulschliessungen und ab dem 14. Mai dürfen alle „Grundschüler“ (1.-9. Klasse) Finnlands wieder zur Schule gehen. Auch für Kindergärten, die allerdings die ganze Zeit über geöffnet waren, wird nicht länger empfohlen die Kinder möglichst zu Hause zu behalten.

Man kann über den Sinn dieser Entscheidung streiten – ich persönlich finde, dass es das damit verbundene Risiko für die letzten 10 Schultage vor den Sommerferien nicht wert ist – aber ich gehe fest davon aus, dass Pauline bei weitem nicht das einzige Kind im Land ist, dass überglücklich über diese Neuigkeiten ist.

Sehen wir es einfach als ein gutes Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass Corona hier im Moment unter Kontrolle ist und wir mal für eine Weile, hoffentlich eine längere, aufatmen können.

Nächsten Sonntag gibt es dann eine weitere Presskonferenz, in der es um die Aufhebung oder Verlängerung der anderen Restriktionen geht. Unser Rektor hat allerdings schon letzte Woche bekannt gegeben, dass die Uni – unabhängig davon was die Regierung empfehlen wird  – auf jeden Fall bis Ende Juli geschlossen bleibt. Ich bleibe also erst mal im Igelkostüm.

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Einigelung 24

Woche 7 zu Hause starteten wir aus einem Motivationsloch heraus. Pauline und ich sassen mit hängenden Schultern an unseren Schreibtischen und starrten lustlos auf die Bildschirme. Da bei mir heute ausser einem Meeting am Nachmittag nichts Wichtiges anstand, klappte ich meinen Laptop wieder zu und ging ins Kinderzimmer ein bisschen Konfetti versprühen. Pauline sass vor einem langen Text aus den Nachrichten, zufälligerweise über meinen Kollegen und seine Forschung an Flussperlmuscheln, und empfand die Aufgabe ihn zu lesen und jeweils zwei Substantive, Verben, Adjektive usw. herauszusuchen als grösste Strafe auf Erden. Ging dann aber doch.

Als nächstes war Handarbeit/Werken an der Reihe und da galt es heute nach vorgegebenen Anleitungen verschiedene Papierflugzeuge zu bauen um dann zu testen welcher am besten und weitesten fliegen kann. Schon beim Basteln erwachten wir langsam aus unserer Lethargie und als wir dann auf dem Balkon standen und wieder und wieder die fünf Flieger gen Wald schickten, war alles wieder gut. Mein Dank gilt den Lehrerinnen für die gute Idee!

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Regelmässig fanden sich beim Wieder-Einsammeln begeisterte Passagiere ein und wir überlegten auch einmal kurz ob wir die Maschinen bemannt losschicken sollten, haben es aber aufgrund fehlender Sicherheitsgurte nicht getan.

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Dann war mein Meeting. Pauline begab sich in die Küche, ich verschwand im Schlafzimmer. Als ich nach zwei Stunden wieder raus kam, duftete es im ganzen Haus und auf dem Esstisch stand ein grosser Teller köstlichster Kekse, mit Schokolade und Streuseln verziert.

Eigentlich wäre noch eine Doppelstunde Sport gewesen, aber das Kind mit dem sonst so grossen Bewegungsdrang war absolut nicht gewillt sich zu ertüchtigen und ich beschloss, dass es dann eben heute mal so ist. Nach längerem Ringen mit mir selbst machte ich mich immerhin auf zu einem langen Spaziergang und erfreute mich an einem komplett aufgetauten See. Das sieht plötzlich so nach Sommer aus! Wenn nun auch mal die Lufttemperaturen in einen Bereich kämen, in dem man auf auf Mütze und Handschuhe verzichten kann, würde das unserer Motivation mit Sicherheit sehr zuträglich sein.

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Einigelung 23

Der Tag begann mit einem Englischtest. Die Lehrerin hatte vorab darum gebeten, dass die Eltern wenn möglich aufpassen, dass nicht geschummelt wird. Also setzte ich mich mit meinem Laptop neben Pauline. Als sie anfing zu tippen, wanderten meine Augen neugierig von meinem zu ihrem Bildschirm und dann musste ich die Luft anhalten um nichts zu sagen und mich auf meine Hände setzen um nicht mit ihnen zu wedeln. Ich nahm mir vor lieber nicht mehr zu gucken und vertiefte mich in eine Veröffentlichung über Pubertät von Lachsen. Fünf Minuten später brabbelt es neben mir zwei verschiedene Versionen eines Satzes und ich sage abwesend: „Der Erste ist richtig!“ Dann schlage ich mir die Hand vor den Mund. Vielleicht ist es doch sicherer, wenn das Kind den nächsten Test allein schreibt…

Danach war es Zeit für die Corona-Pressekonferenz für Kinder. Obwohl Paulines Lehrer extra im heutigen Tagesplan auf die Veranstaltung hingewiesen hatte, musste ich ihr mehrmals versichern, dass es in Ordnung ist jetzt Fernsehen zu gucken anstatt weiter Aufgaben zu erledigen. Es war grossartig. Ich war sowieso schon sehr angetan von der Idee und Aufmachung und als dann den Kindern dafür gedankt wurde, wie gut sie durchhalten und wie toll sie das alles machen, musste ich kurz mein Taschentuch bemühen. Pauline fiel als erstes positiv auf, dass alles auch in Gebärdensprache übersetzt wird (das ist hier bei solchen Sendungen eigentlich immer so, wir haben nur keinen Fernseher und Pauline hat das noch nie gesehen) und wunderte sich, weil die Ministerpräsidentin „so komisch“ spricht. Sie spricht extrem deutlich, jedes Wort einzeln und sauber, und deshalb kommt es etwas abgehackt rüber. Aber für Leute wie mich, und von uns gibt es einige – sei es weil Finnisch nicht unsere Muttersprache ist oder weil wir Dinge langsamer als andere begreifen oder schlecht hören – ist das einfach nur super, weil man wirklich alles bestens verstehen kann. Toll fand ich auch, dass sie durchweg alle Fragen ernst genommen haben. Es waren eben echte Kinderfragen und neben solchen wie „Was kann man für Finnland tun?“ oder „Gibt es schon Medikamente zur Behandlung von Corona-Infektionen?“ gab es eben auch Fragen wie „Kann ich im Sommer in den Freizeitpark gehen?“ oder „Ist es fair, dass manche Kinder jetzt ausschlafen dürfen und andere zum Videounterricht aufstehen müssen?“. Und auch ich erfreute mich sehr an den jungen Frauen da, die dieses Land regieren und daran, dass die Kinder jetzt vielleicht genau dieses Bild als Schablone für Politiker abspeichern.

Dann war schon wieder Zeit für das Mittagessen, denn 12:30 Uhr begann schon die Spanischstunde auf Teams. Pauline zog sich extra um und kämmte sich die Haare. In der Doppelstunde gab es ebenfalls einen Test, aber zum Glück passte die Lehrerin selber auf.

Einstweilen schickte mir der Chef einen Link zu einem Artikel in den finnischen Nachrichten, in denen über unsere neusten Forschungsergebnisse berichtet wurde. Hat es sich doch gelohnt eine halbe Nacht dieser Woche in eine Pressemitteilung zu investieren. Ich finde es immer wieder sehr schwierig meine Forschung für Laien verständlich zu erklären und so feilte ich vier Stunden lang an 350 Wörtern.

Generell war diese Arbeitswoche ziemlich anstrengend und so zelebrierte ich es kurz nach 16 Uhr richtiggehend den Laptop nicht nur zuzuklappen, sondern einmal richtig runter zu fahren und gemeinsam mit den Notizbüchern, Zetteln und dem Kalender weit weg zu räumen.

Wochenende!

 

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Einigelung 22

Heute war ich auf einer Disputation. Also in der berühmten Jogginghose, zum Schneidersitz gefaltet auf meinem Bett, darauf ein Laptop mit Zoom, ein Stieleis in der einen Hand und ein iPad mit der Doktorarbeit drauf in meiner anderen Hand.

Ich war vorher sehr skeptisch. Nicht wegen des Kandidaten, ganz im Gegenteil, aber wegen der Situation. Der Kandidat und der Kustos sassen hier in der Uni. Mit Mindestabstand selbstverständlich. Der Opponent, also die Person die den armen Doktoranden ausquetscht, sass in Schweden. Und die über 70 Leute aus dem Publikum waren über die ganze Welt verteilt. Ganz am Anfang gab es tatsächlich ein paar technische Schwierigkeiten, aber dann lief es wie am Schnürchen. Es lief so gut und war so spannend, dass ich irgendwann vergass gar nicht in einem Hörsaal zu sitzen.

Der Opponent war super. Er teilte die ganze Zeit über seinen Bildschirm und hatte total übersichtliche Folien vorbereitet, anhand derer man seine Fragen gut verstehen konnte, selbst wenn man nicht in der Materie steckte. Er war auch einer der wenigen, die sich nicht in Details festbeissen, sondern eher allgemeine und für eine breite Masse interessante Fragen stellen. Es ging natürlich auch um Corona. In den Hintergrund hatte er eine Vase gestellt mit frischen Blumen, sowie einer Finnland- und einer Schwedenflagge.

Der Kandidat schlug sich mehr als wacker. Und er tat mir furchtbar leid. Da ackert man sich vier Jahre lang ab, steckt so viel Zeit und Herzblut in diese Doktorarbeit, und dann bekommt man keine richtige Verteidigung und gar keine Party! Ich weiss nicht wie es ihm ging, aber auf die physische Anwesenheit von Publikum hätte ich selbst damals herzlich gern auch verzichten können. Die haben mich am allernervösesten gemacht. Aber, dass mich danach alle in den Arm genommen, fest gedrückt und mit mir gefreut haben, das hätte ich nicht missen wollen. Deshalb fand ich es besonders schön, dass nach dem letzten offiziellen Spruch (das ist hier alles sehr sehr förmlich) die engsten Mitarbeiter, Freunde und Familienmitglieder ebenfalls ihre Videokameras einschalteten. Alle waren festlich gekleidet, hatten ein Sektglas in der Hand und sprachen rührselige Glückwünsche aus. Ganz wie in echt.

Das war wieder eine von diesen Corona-Überraschungen.

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