Hätten wir das also auch mal erlebt

er viel Arbeit, weiterhin natürlich zu Hause, passiert hier immer noch nichts. Also bis auf heute. Da hat Pauline einen Coronatest gewonnen.

Heute hat Pauline einen Coronatest gewonnen.

Gestern Nachmittag war sie ungewöhnlich schlapp und ungewöhnlich schlecht gelaunt. Am Abend kamen Halsschmerzen dazu. Die waren heute Morgen noch mal eine Stufe schlimmer, sonst nix. Also öffnete ich als erstes die Wilma- (Schul-) App, klickte auf das Smiley mit Fieberthermometer im Mund und meldete sie so von der Schule ab. Ob sie jetzt zum Coronatest müsse, fragte sie mit bangem Unterton. Bang, weil sie irgendwo gehört hatte, dass das weh tun kann.

Ich hatte letzte Woche die neusten Richtlinien gelesen. In denen stand, dass jetzt auch Schulkinder mit leichten Symptomen getestet werden sollen. Ausserdem ist Mittelfinnland und speziell unsere Stadt seit dieser Woche DER Corona-Hotspot Finnlands. Also ziemlich sicher ja, sorry.

Es war allerdings gerade mal 7 Uhr morgens und wir beschlossen erstmal ein paar Stunden zu gucken wie es weiter geht. Dann waren die Halsschmerzen immer noch da, also gingen wir den Onlinefragebogen durch, der einem sagen kann ob man zum Test gehen soll. Das ist ziemlich gut gemacht, berücksichtigt zum Beispiel auch Wohnort und Alter. Jedenfalls stand am Ende: Ab zum Test. Hätten wir den Fragebogen richtig ausgefüllt, also nicht vorher angeklickt, dass wir nur mal gucken wollen wie das da so geht, hätten wir gleich auf der Seite einen Termin ausmachen können.

Statt nochmal alle Fragen durchzuklicken (und weil ich anscheinend immer noch nicht ganz wahr haben wollte, dass wir jetzt wirklich zum Test müssen) rief ich die Corona-Hotline an. Die Dame gab mir direkt einen Termin für zwei Stunden später. Und klärte mich ausführlich und mit bewundernswerter Engelsgeduld darüber auf wie das mit dem Test abläuft, wie es danach weiter geht und wie sich jetzt die ganze Familie zu verhalten hat.

Dann fuhren zum Krankenhaus. Dort leiteten uns riesige gelbe Schilder zu einem abgelegenen Parkplatz mit Drive-in-Teststation. Vor uns wurde gerade jemand getestet und einstweilen kam eine gut vermummte Dame zu uns um den Namen der Testperson zu erfragen. Ich sagte (Pauline und ich waren beide etwas aufgeregt): Äääh… Nachname (sagen wir Schmidt). Sie darauf: Der Name ist Äschmidt?

Als das geklärt war erhielten wir nochmals eine ausgiebige Erläuterung darüber wie der Test abläuft, wie es danach weiter geht und wie sich jetzt die ganze Familie zu verhalten hat. Zum Abschied überreichte sie mir ein Merkblatt, auf dem das ALLES nochmal drauf steht. Dann fuhren wir ein paar Meter weiter.

Dort hielt ein freundlicher, ebenfalls komplett vermummter Mann ein Teststäbchen und ein Röhrchen in der Hand, auf dem bereits Paulines Name und Sozialversicherungsnummer aufgedruckt waren. Er glich die Info nochmal mit ihr ab, beugte sich etwas ins Auto hinein und bohrte dann eine ganze Weile in Paulines Nase. (Es war wohl etwas unangenehm, aber nicht annähernd so schlimm wie befürchtet.) Dann fragte er ob wir auch das Merkblatt haben (!) und wünschte uns ein schönes Wochenende.

In weniger als 30 Minuten waren wir zurück zu Hause.

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Silbrig

Es gibt wirklich nicht viel zu erzählen wenn man tagein tagaus allein im Homeoffice sitzt und still vor sich hin tippt. Gegen Abend, auch meistens allein, eine Runde spazieren geht. Oft im Wald und nebenbei ein paar Pfifferlinge pflückt. In den Pausen aus dem Fenster sieht, Vögel beobachtet und Eichhörnchen (eins schleppte neulich einen kleinen, roten Apfel im Mäulchen umher und ich dachte im ersten Moment es hätte ein Clownsnase auf) und dem Herbst dabei wie er immer näher kommt.

Aber heute! Heute passierte was. Das Wetter war so schön, dass ich die 5 km zum Wasserturm einfach lief. Quer durch die Stadt. Dort traf ich den Iso zum Mittagessen. (Der Wasserturm beherbergt neben Wasser auch ein Naturkundemuseum und ein Restaurant.) Wir hatten nämlich was zu feiern. Uns. Seit 25 Jahren. Mein lieber Scholli.

Mit Blick über die Stadt und den See genossen wir ein wirklich gutes Essen. Die Torte zum Nachtisch verkniffen wir uns aber, denn ich hatte am Morgen die Eiskarte aus DEM Eiscafé in dem wir heute vor 25 Jahren waren, geschenkt bekommen, mit dem Versprechen ich könne mir einen Becher aussuchen. Das Eiscafé gibt es noch und die Karte ist nahezu unverändert. Herrlich! Nur leider 1500 km Luftlinie weit weg. Wir kauften also Eis und Obst und Sahne und dann werkelte der Iso in der Küche, während ich schonmal die zwei Piccolos die ich heute Morgen parat gestellt hatte (wir ergänzen uns schon immer gut) öffnete. Gemeinsam mit Pauline schleckten wir also opulente Eisbecher, schlürften Sekt (einer war alkoholfrei) und schauten uns nebenbei alte Fotos an. Dabei war Pauline höchst beeindruckt von meiner Modewahl vor 20-25 Jahren: „So coole Sachen, Mama!“, „Hast du die Sonnenbrille zufällig noch?“, „Boah, das schöne oversized T-Shirt!“. Und wir irritiert davon wie JUNG man so um die 20 aussieht.

Tatsächlich ist der Tag an dem wir beschlossen ein Paar zu sein schon so lange her, dass wir uns gar nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern können. Deshalb war es toll, dass wir zwischen den Fotos auf ein Comic stiessen, in dem ich alles aufgemalt hatte (auch das wusste ich nicht mehr). Zugegeben, ein wenig kitschig, aber so ist das wohl wenn man 17 ist und schwer verliebt.

Das war ein schöner, nostalgischer und gar nicht langweiliger Tag.

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Alltag, so ’ne Art

Das neue Schuljahr ist schon wieder 1,5 Wochen alt. Pauline war sich erst nicht sicher ob sie sich nach über 10 faulen Wochen auf die Schule freuen sollte, aber dann stieg sie doch sehr glücklich auf ihr Fahrrad und fuhr in die 5. Klasse. Offensichtlich waren die Ferien auch wirklich ausreichend lang, denn plötzlich kann es ihr gar nicht schnell genug gehen, dass es endlich richtig losgeht mit dem Schulstoff und als sie nach den ersten drei Tagen immer! noch! keine! Hausaufgaben! aufbekommen hatte, nahm sie sich kurzerhand das Mathebuch und arbeitete schon ein wenig vor.

Sie hat zwei neue Fächer. Einmal Geschichte, darauf hat sie sich ganz besonders gefreut. Die Freude nahm ihr der Lehrer direkt in der ersten Stunde, als er ewig lang aufzählte – als Beispiel was Geschichte eigentlich ist – was die Deutschen Finnland im zweiten Weltkrieg alles angetan haben. Das andere ist ein Wahlpflichtfach. Da kann man sich aus etwa zehn verschiedenen Fächern eins auswählen und wechselt mehrmals im Schuljahr. Als ich mir von Pauline erzählen liess was alles zur Auswahl stand, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Zum Beispiel: Ballspiele oder Brettspiele oder Lesen & Chillen oder Paulines Wahl, Mangas zeichnen. Das wird übrigens von einer Sechstklässlerin unterrichtet und hab ich schon mal gesagt, dass ich das finnische Schulsystem super finde?

Bezüglich Corona geht alles so weiter wie es vor den Ferien aufgehört hat. Ganz normaler Stundenplan, die Klassen bleiben aber unter sich, waschen sich regelmässig die Hände und husten in die Armbeugen. Beim kleinsten Symptom wird man sofort isoliert und nach Hause geschickt und wenn auch nur ein Familienmitglied krank ist, darf man nicht zur Schule kommen. Es wird also einige Fehltage geben. Das Training, welches schon vor 4 Wochen wieder angefangen hat, fiel heute übrigens auch direkt aus, weil die Hälfte der Mannschaft erkältet ist.

Ich selbst hatte mich sehr auf August und ein teilweises Ende des Homeoffice gefreut. Die Uni erlaubt jetzt nämlich, dass immer 50% der Angestellten vor Ort sein können und die Idee war, dass man sich abwechselt. Dumm nur, wenn man Biologe ist und die Leute, die dringend in den Laboren, Gewächshäusern und Tierhäusern zu tun haben, schon die Hälfte ausmacht. Und wenn diejenigen, die nur vorm Computer sitzen müssen bittedanke bis mindestens Ende des Jahres weiterhin zu Hause arbeiten könnten. So gern ich zu Hause bin, so sehr ich die Gründe einsehe, so gut ich mit mir allein zurecht komme, ein wenig Abwechslung und soziale Kontakte hätten mir, insbesondere nach diesem Sommer, wirklich gut getan. Und ich hadere damit, dass ich nun bis zum Ende meines Vertrages, ebenfalls Ende des Jahres, nicht noch einmal normal auf Arbeit gehen kann. Mir bleibt also nichts anderes übrig als mal wieder einer meiner „Lieblingstätigkeiten“ nachzugehen:  einen Forschungsantrag zu schreiben. (Hätte ich natürlich auch so gemacht, aber trotzdem: Corona sucks.)

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Heute schon einen Baum umarmt?

Die Finnen, die spinnen sind ja bekannt für ihre lustigen Wettkämpfe aller Art. Es gibt Weltmeisterschaften im Gummistiefel- sowie Handyweitwurf. Beim Frauentragen gilt es mit einer Frau bepackt (egal wie) einen Parkour zu absolvieren. Und jedes Jahr im August (naja, ausser in diesem…) findet in Oulu die berühmte Meisterschaft im Luftgitarre spielen statt.

Neu in diesem Jahr: Die Weltmeisterschaft im Bäume umarmen.

Eine Sportart, in der auch ich punkten könnte, obwohl ich noch nicht sehr viel Erfahrung habe. Und dank COVID-19 braucht man nicht mal zum Austragungsort in Lappland zu reisen, sondern kann von (fast) überall in der Welt mitmachen. Man braucht nur einen Baum zum gern haben.

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Besser spät als nie

Einerseits fühlt es sich falsch an hier im Blog (und im Leben sowieso) mit so lustigen Dingen wie Geburtstagsfeiern weiter zu machen. Andererseits hat es meinen Vater immer glücklich gemacht Pauline glücklich zu sehen.

Wir haben heute also mit knapp 4-monatiger Verspätung – 4 Monate übrigens, in denen Pauline nicht müde wurde danach zu fragen – Kindergeburtstag gefeiert. Jetzt oder nie, auch hier beginnen die Corona-Zahlen wieder zu steigen. Das Party-Thema stand übrigens schon seit etwa einem Jahr fest und daran liess sich auch nicht rütteln: Minecraft.

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Ein Thema mit dem ich mich zugegebenermassen gar nicht auskenne. Noch heute muss ich über mich selber lachen, weil Pauline schon im Kindergarten u-n-b-e-d-i-n-g-t dieses Spiel haben wollte und ich dachte, ich könne es mir eben schnell erschliessen und ihr dann erklären. Hahaha. Zum Glück hat das Kind eine grosse Cousine. Und zum Glück gibt es das Internet, das überquillt vor Ideen zu Minecraftpartys.

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Eigentlich kann man gar nicht mehr von Kindergeburtstag sprechen, denn durch das Nether portal stiegen sieben junge Damen. Eine davon, nämlich die, die Schafe über alles liebt (❤️), trug ein besonders cooles Outfit.

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Was auch toll war: man konnte die Kinder direkt in den Garten durchwinken. Wie oft habe ich schon im April mit Blick auf Schnee geseufzt, weil ich so gern einmal Paulines Geburtstag draussen feiern wollte.

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Zunächst wurden Geschenke ausgepackt (ebenfalls toll: nach vier Monaten quasi nochmal Geburtstag zu haben) und auch hier hat sich von einem Jahr zum anderen etwas verändert. Es hüpft kein Spielzeug mehr aus den Geschenktüten, sondern Kosmetik, Schreibwaren oder eine fleischfressende Pflanze! Ein Mädchen brachte lauter selbstgebastelte Sachen mit ❤️

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Dann gab es bergeweise ungesundes Essen. Wie schon bei der Weltraumparty, der Harry-Potter-Party und der Kunstparty passten Götterspeisewürfel hervorragend zum Thema (ebenso die schwarze Einwegtischtdecke, die nun zur Vierwegdecke wurde). Das war allerdings das einzige Essen, das ich selbst zubereiten durfte (hat 5 Minuten gedauert). Der Rest kam ausschliesslich aus dem Supermarktregal, sowie der Tiefkühltruhe. Ganz wie es sich für einen finnischen Geburtstag gehört. Nun denn, hatte ich mehr Zeit um Spiele vorzubereiten. Denn dafür ist man auch mit 11 noch lange nicht zu gross.

Wir spielten „berühmte-Gebäude-erraten“ nach Dalli-dalli-klick-Prinzip. Aber diese Kinder sind allesamt viel zu schlau. Ich zeige ein paar rote Dachziegel und sie schreien augenblicklich „Muminhaus“. Ich zeige ein paar sandfarbene Steine und sie schreien augenblicklich „Pyramide“. Tse. Der Iso schaffte es nicht mal in der Zwischenzeit den Tisch für die Minecraft-Selfies zu beräumen.

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Nachdem ich 8 tolle Kunstwerke bewundert hatte, erfüllte ich Pauline – es war schliesslich Geburtstagsfeier – einen langgehegten Wunsch. Den hatte ich bisher immer abgelehnt, weil ich es nicht mag Lebensmittel zu verschwenden. Aber heute passte es so gut (TNT, also Sprengstoff) also warf ich (das Geburtstagskind kniff im letzten Moment) eine Packung Mentos in eine Flasche Cola. Der Effekt ist schon – zugegeben – cool und der kleine Rest Cola wurde immerhin noch ausgetrunken, sowie die Bonbons schwesterlich geteilt. Angeblich war das lecker.

Die Zeit raste und so war nur noch Zeit für ein Spiel. Jeder bekam ein Minecraft-Rezept und musste sich im Haus alle Zutaten zusammen suchen (ursprünglich war Wald angedacht, aber wegen angesagter Gewitter traute ich mich nicht dort im Vorfeld zu verstecken). Das war schwieriger als Gedacht (in der Saunaaufgusskelle, unterm Klodeckel, unterm Blumentopf, in der Waschmaschine, im Bett….) aber am Ende waren alle 71 Dinge gefunden.

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Und Pauline war tatsächlich sehr sehr glücklich.

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Ahoi

Mein lieber Vati,

danke, für zweiundvierzig Jahre bedingungslose Liebe. Für das Gefühl etwas ganz Besonderes zu sein. Und an deiner Seite unbesiegbar. Für ein Arsenal an unflätigen Schimpfwörtern, die mir regelmässig Erleichterung verschaffen. Und auch für die Kosenamen. Für mit nach Hause gebrachte Katzenbabys. Danke, dass du mir beigebracht hast wie man auf Fingern pfeift und mit Werkzeug umgeht, unter anderem. Für unsere Geheimnisse. Für lustige Erinnerungen, wie die mit der Salatschüssel auf dem Kopf. Für warme Käsebrote. Für die wunderschönen Puppenhäuser. Für deine vorgelebte Begeisterung an den unterschiedlichsten Dingen, wie Schiffe und die See, Erdmännchen oder Knackwurst. Für Pfeifen aus Weidenholz. Und mein eigenes Taschenmesser. Für deine leuchtenden Augen wenn ich mich beim Spielen draussen besonders eingesaut hatte. Für deinen trockenen Humor. Für Sprüche, die mir für immer im Kopf bleiben werden. Für magische Osterspaziergänge. Für deine Grosszügigkeit. Und für den gemütlichen Kuschelbauch, an dem ich mich immer so geborgen gefühlt habe.

Was für ein Glück, dass gerade du mein Vati warst.

Deine Ine-Biene-Schlumpkarline

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Quarantäne Ende

Fischsommer Anfang. Eigentlich. Der Rucksack ist gepackt. Die Zugfahrkarte zur Fischforschungsstation, wo die Arbeitsgruppe schon die ganze Woche lang an der Vorbereitung zum Experiment werkelt, ist gebucht. Der Iso bereitete mir ein köstliches Abschiedsabendessen. Danach fuhren wir wie jeden Tag in dieser Woche an den Strand und bedauerten ein bisschen, dass wir unsere jeden-Tag-ein-anderer-Strand-Serie ab morgen nicht fortsetzen können.

In etwa diesem Augenblick zog 400 km weiter nördlich, also genau über die Fischforschungsstation, ein schlimmes Unwetter. Bäume wurden entwurzelt, Zelte flogen durch die Gegend und in nur 10 Minuten war der ganze Versuchsaufbau zerstört. Der Chef und die Kollegin waren gerade dabei das Experiment zu starten, standen also mittendrin, und ich bekomme immer noch eine mächtige Gänsehaut beim Gedanken daran was alles hätte passieren können. Zum Glück geht es beiden abgesehen vom Schreck gut. Aber die zwei grossen Experimente, auf die wir uns alle gefreut hatten, weil sie so spannend sind und insbesondere weil es mit beiden ja schon im letzten Jahr nicht geklappt hat, die können wir nun knicken. Zusammen mit der Zugfahrkarte.

Was denn noch alles, 2020, hn?

Quarantäne war ansonsten ganz in Ordnung. Gar nicht so anders als die Zeit davor. (Also seit Mitte März.) Manchmal war es schwierig daran zu denken: „Kann Freundin Sowieso zu uns kommen?“ „Ja klar! Äh, ich meine Nein.“ „Pinni, könntest du einkaufen gehen?“ „Ja klar! Äh, ich meine Nein.“ Das Wetter war hochsommerlich und das obwohl Mittsommer war. Ich arbeitete ein wenig am Computer, ging für zwei Tage mit dem Chef auf Schneckenjagd (jeder reiste mit eigenem Auto an und wir hielten Abstand) und versuchte mich ansonsten zu entspannen, weil ja bald der hektische Fischsommer beginnen würde.

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Reisen in Zeiten von Corona

Es gibt Reisegründe, für die lässt man sich nicht von einem Virus aufhalten. Da setzt man sich einfach in ein Flugzeug und fliegt nach Deutschland.

Einen Flug zu finden war überhaupt kein Problem. Von Helsinki aus gibt es täglich mehrere Flüge in mehrere deutsche Städte. Er war sogar bezahlbar, was mich wirklich wunderte, denn wer jetzt fliegt, der muss wohl wirklich und ist vermutlich bereit so ziemlich alles zu bezahlen. Aber gut, ich möchte mich nicht beschweren.

Finnische Inlandflüge gibt es dafür im Moment nicht, oder jedenfalls nicht von unserem Flughafen aus. Und die Züge fahren wohl auch noch nicht wieder nach normalem Plan, denn es fand sich auch kein passender Zug in die Hauptstadt. Die Familie musste mich also die 270 km mit dem Auto bringen.

In den letzten Wochen war Corona in meinem Kopf immer mehr in den Hintergrund gerückt. Mit den Schulöffnungen und all den anderen Lockerungen die bisher gut ausgegangen waren. Das änderte sich schlagartig mit dem Betreten des Flughafens, denn das ist (meines Wissens nach) der einzige Ort im ganzen Land, an dem um das Tragen von Masken gebeten wird. In Deutschland, so beobachtete ich später am Tag fasziniert, ist das längst Alltag, aber hier hatte ich bis auf eine einzelne Masken ab und zu im Supermarkt, und auch das immer seltener, noch keine gesehen.

Ich war natürlich vorbereitet. Am Vortag hatte ich mir eine Packung völlig überteuerte Einwegmasken besorgt, einmal das Tragen zu Hause geübt und stülpte mir nun eine über. Der Flughafen war gespenstisch leer und ich lief ungläubig mutterseelenallein an geschlossenen Geschäften und Restaurants vorbei. Die Abflugtafel war sehr übersichtlich und vor den Fenstern standen Flugzeuge mucksmäuschenstill, mit verpackten Triebwerken. Es gruselte mich. Nach fast 3 Monaten in meiner Homeoffice-Blase gruselte es mich wirklich.

Beim Boarding wurden alle Pässe überprüft. Mit meinem deutschen Pass wurde ich direkt durchgewunken, aber alle Passagiere mit Pässen aus anderen Ländern wurden nach Reisegründen befragt. Das Boarding lief übrigens gestaffelt in drei Gruppen, die hinteren Sitzreihen stiegen zuerst ein. Sehr schlau. Das könnte man ruhig so beibehalten.

Auf allen Finnair-Flügen besteht Maskenpflicht, man bekam beim Einsteigen Desinfektionstücher gereicht um seinen Platz zu desinfizieren, das Flugzeug war viel kleiner als sonst und von den 100 Sitzplätzen waren weniger als die Hälfte belegt. Es gab keine Sitznachbarn. (Das kann ich hier gleich mal einschieben – Reisen in Zeiten einer Pandemie ist gruslig, aber ansonsten wirklich nicht unangenehm.) Bei Vorführung der Sicherheitshinweise schmunzelte ich ein wenig in meine Maske, als nämlich die Stewardess die Sauerstoffmaske über den Mund-Nasen-Schutz platzierte. Nach dem eingespielten Standardtext wurde dann aber noch durchgesagt, dass man im Falle des Falles erstmal die eine Maske abnehmen muss. Es wurde auch durchgesagt, dass man sie aber sonst nicht absetzen darf, deshalb schmunzelte ich später noch einmal, als jeder eine Flasche Wasser und einen abgepackten Keks gereicht bekam.

Die 10 Minuten, die wir an Flugzeit eingespart hatten – was so ein leerer Luftraum ausmacht – verbrachten wir dann bei Ankunft mit dem Ausfüllen von Formularen (Passenger Locator Form) für den Fall eines Corona-Falles an Board. Ausserdem gab es ein schlecht gemachtes und noch schlechter kopiertes Informationsblatt auf dem darauf gebeten wurde sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Sehr verwirrend, da ich vorher offziell nichts dazu gelesen hatte und natürlich auch aus Gründen nach Deutschland kam, die Quarantäne unmöglich machten. Nun, es handelte sich um eine Empfehlung und zum Glück hatte das Krankenhaus, in dem ich jemanden besuchen wollte, das im Vorfeld schon genehmigt.

Der sonst aus allen Nähten platzende Flughafen Tegel war ebenso leer und richtig abgefahren wurde es dann im TXL Bus. Ich kenne diesen Bus nur so vollgestopft, dass man entweder gar nicht erst mitkommt, oder aber einmal drin so gequetscht wird, dass man keine Luft mehr holen kann. Der Fahrerraum, in dem sich sonst auch die Leute stapeln, war komplett abgeriegelt und ansonsten sassen in dem grossen Bus drei Passagiere. Drei. Die Fahrt zum Bahnhof war dieses Mal besonders spannend, denn ich konnte aus dem Fenster sehen sah links und rechts der Strasse nur Masken. Menschen mit Masken so weit das Auge reicht. Wie im Film. Und ich staunte, wie auch die ganze folgende Woche, über die Deutschen, die das alle brav und mit grösster Selbstverständlichkeit mitmachen. Nicht immer ganz korrekt, aber dennoch. Für mich selbst – ich hatte seit Betreten des Flughafens Helsinki die Maske noch nicht einmal abgesetzt – konnte ich feststellen, dass es auch gar nicht weiter stört.

Für die Zugfahrt hatte ich mir erstmalig keinen Sitzplatz reserviert, ich rechnete mit keinem grossen Andrang. Und so war es dann auch. Ich sass wieder allein, es war sehr ruhig und ich dachte gerade, dass es noch nicht einmal eine Situation gegeben hatte, als die Frau vor mir aufstand, um ihre Sitze herumging und mich sehr höflich fragte ob es mich stören würde wenn sie ihren Sitz etwas, nur ganz wenig, nach hinten lehnen würde. Wie gut, dass ich die Maske trug, so konnte sie meinen weit aufstehenden Mund nicht sehen.

Während der Woche in der Heimatstadt gewöhnte ich mich langsam an den dystopischen Anblick. Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war Abstand von Familienmitgliedern zu halten. Ich hielt das auch nicht durch. Es gibt Momente, da kann man nicht auf Umarmungen verzichten. Falsch, aber menschlich. Ich füllte täglich brav das Formular mit meinen Kontaktinformationen im Krankenhaus aus, erklärte jeden Tag seufzend auf’s Neue, dass in unserem Fall die Ein-Besucher-pro-Patient-und-Tag-Regel nicht gilt, klebte mir meine Eintrittskarte, auf der vermerkt war wie lange ich bleiben darf (1 Stunde) und wo ich hingehe auf’s T-Shirt und schritt am Sicherheitsmann vorbei.

Die Rückreise verlief ähnlich der Hinreise. In Tegel war überhaupt nur ein Terminal geöffnet und auch da nur ein Eingang, den man nur passieren konnte, wenn man eine Maske trug und einen Boarding Pass vorzeigen konnte. Durch die Sicherheitskontrolle kam man – neue Coronabestimmung – nur, wenn man nicht mehr als 1 Gepäckstück bei sich hatte. Der Zusammenhang erschloss sich mir nicht und konnte mir auch nicht erklärt werden. Ich hatte dann einige Mühe meine zwei Gepäckstücke in Einem zu vereinen (Finnair erlaubt eine Handtasche/kleinen Rucksack zusätzlich zum kleinen Koffer), konnte aber schliesslich doch durch. Beim Boarding wurde es auch  noch einmal spannend. In Finnland waren am Tag meiner Rückreise noch alle Grenzen geschlossen und Reiseverkehr nur unter bestimmten Vorraussetzungen möglich. In meinem Pass steht zwar, dass ich in Finnland wohne, aber man wollte noch eine finnische ID Card sehen. Die ich nicht habe. Es dauerte dann ein Weilchen bis sich herausstellte, dass man eigentlich nur meine Sozialversicherungsnummer sehen wollte. Die ich selbstverständlich dabei hatte. Sie wurde dann mit einem Handy abfotografiert, was mir nachdem ich jahrelang immer wieder gehört habe, dass man gut auf diese Nummer aufpassen soll und sie beispielsweise nicht in Emails schreiben, auch äusserst seltsam vorkam.

Bei Ankunft in Finnland dann, ganz ungewohnt, eine Passkontrolle. Der freundliche Herr wollte wissen ob ich denn in Finnland wohne und wie lange schon und fand das dann auch in seinem Computer so bestätigt. Ausserdem erhielt jeder ein übersichtliches, mehrsprachiges, farbig gedrucktes, richtiges Faltblatt, das über die bevorstehende 14-tägige Quarantäne, über die ich auch schon im Vorfeld auf offiziellen Webseiten gelesen hatte, informierte. Eine wirtschaftlich freundliche Quarantäne: man darf nämlich nirgendwo hin, ausser auf Arbeit! Es sei denn man arbeitet im Gesundheits- oder Sozialwesen. Oder der Arbeitgeber hat eigene Regeln zum Schutz der Angestellten gemacht, wie in meinem Fall. Und so jongliere ich jetzt erstmal keine Fische. Aber, das wusste ich auch vorher schon und so wichtig mir meine Arbeit auch ist, nichts ist wichtiger als Familie.

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Letzte Schulwoche

Fast Sommerferien. Pauline hat die Sache mit dem Abstandhalten so weit verinnerlicht, dass sie jedes mal zurück zuckt wenn ich sie beim nach Hause kommen umarmen will. Ansonsten läuft diese letzte Schuljahreswoche im Gegensatz zu den Vorjahren nach straffem Programm, mit richtig Unterricht und bergeweise Hausaufgaben. Mit der Begründung es sei ja noch so viel Stoff aufzuholen. Mich wundert das ein bisschen, denn es ist nicht gerade so als hätten die Kinder während der Fernbeschulung Däumchen gedreht. Am Meisten wundert mich aber, dass nicht mal ein einziger Tag übrig ist um gemeinsam einfach mal was Schönes – im Rahmen der Möglichkeiten – zu machen. Immerhin sind die letzten Tests jetzt überstanden. Interessanterweise hat Pauline die besten Arbeiten des ganzen Schuljahres geschrieben. Dafür gibt es vermutlich mehrere Erklärungen, unter anderem hat sie durch plötzlich fehlende Hobbys viel mehr Zeit zum  Lernen, aber ich weiss auch aus eigener Erfahrung, dass sich Dinge viel besser einprägen wenn man sie sich selbst erarbeitet hat.

Ich war heute zum ersten Mal seit zwei Monaten im Büro. Wir haben jetzt die Corona-Sondergenehmigungen für die Arbeit in der Fischforschungsstation bekommen und unsere Arbeitsgruppe hatte sich zum Unterschreiben der hochoffiziellen Verträge verabredet. Schon bei Ankunft hörte ich vertrautes Gelächter aus dem Büro des Chefs und stürmte begeistert dazu. Woraufhin der Chef erschrocken „Nur maximal zwei Personen pro Büro!“ rief. Richtig. Vom Gang aus konnte ich dann aber mitlachen. Allerdings nur kurz, denn ohne Sondergenehmigung (einer anderen) dürfen wir uns nur maximal 30 Minuten am Stück im Gebäude aufhalten. Und ich musste ja noch Dinge wie Kescher und Stoppuhren zusammensuchen und gucken ob meine Videokameras noch funktionieren. Dreissig Minuten sind echt kurz und danach war ich echt traurig. Weil die Uni weiss, dass es für alle nicht ganz leicht ist, schenkt sie allen Mitarbeitern in dieser Woche zum Trost ein Mittagessen. Über die ganze Stadt verteilt gibt es Abholpunkte, in denen aus Lieferwagen heraus mit langem Arm Papiertüten gereicht werden. Und heute war genau der richtige Tag dafür. Nicht nur für mich, die Kollegen schlängelten sich im zwei-Meter-Abstand einmal um das ganze Gebäude, in dessen Hof meine ausgewählte Ausgabestelle war. Von der Uni war ausdrücklich gewünscht, sich eine richtig lange Pause zu gönnen, dass Essen im Freien einzunehmen und den Frühling zu geniessen. Und ich tue was mein Arbeitgeber von mir möchte. Das Wetter ist nämlich weiterhin hervorragend, es wird jeden Tag grüner und die Tulpen leuchten nun auch im Garten.

 

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Ende Mai

Die Osterglocken blühen. (Die Tulpen überlegen noch.)

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Seit gestern ist das Wetter so, dass ich es doch noch für möglich halte, dass die Bäume in diesem Jahr grün werden.

Es ist so, dass man endlich Lust hat Balkon und Terrasse sommerfein zu machen.

So, dass es einen wie ein Magnet in den Gartenmarkt zieht.

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Und so, dass man den ganzen Tag im Garten sitzen möchte um zu lesen, umher zu gucken oder andere Sachen zu machen.

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Endlich!

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Alltagsfotos 5/5 2020

8:14 Uhr Pauline ist seit einer halben Stunde aus dem Haus und ich versuche zu arbeiten. Aber mein Kopf will heute einfach nicht aufwachen. Da gibt es zwei Möglichkeiten: (a) ein strammer Marsch durch 2°C oder (b) eine heisse Dusche. Ratet!

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10:37 Hat funktioniert und ich hake jetzt fluffig eins nach dem anderen auf der To-do-Liste ab.

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(Es gibt neue Memojis.)

13:24 Ich bin auf dem Weg zum Friseur und in Gedanken noch bei den Fischen. Deshalb habe ich es auch verpasst an einer schönen Stelle für ein Foto zu halten. Aber gut, #fürmehrrealität.

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Die Friseure waren in Finnland zu keinem Zeitpunkt geschlossen. Ich habe trotzdem versucht meinen Besuch so lange wie möglich hinauszuzögern. Aber nachdem ich nun zwei Monate „über den Termin“ war, fühlte ich mich wirklich nicht mehr wohl. Ausserdem dachte ich mir: Falls die ganzen Lockerungen, die jetzt nach und nach in Kraft treten, in einer zweiten Welle enden, dann ist jetzt (zwei neue Fälle während der letzten 7 Tage in unserer Stadt) der richtige Zeitpunkt. Meine Frisöse ist nur ein Einfraubetrieb. Sie bittet mich als erstes die Hände zu waschen und erklärt mir, dass sie nach jedem Kunden alles gründlich desinfiziert. Mundschutzmasken (nicht vorgeschrieben) hat sie auch schon versucht, es aber leider nicht den ganzen Tag ausgehalten. Jetzt versucht sie so ein Plexiglasdings zu bekommen. Ich erkundige mich ob sie noch ausreichend Einnahmen hat und ja, nach den ersten zwei sehr ruhigen Wochen, läuft es seither nahezu normal. Aber die Angst vor der Pleite, die sie am Anfang hatte, war nicht schön.

14:30 Uhr Mein Kopf wurde um ca. 3 kg Haare erleichtert und inzwischen hat Pauline Schulschluss und ist nachgekommen. Wenn, dann machen wir das gleich in einem Aufwasch.

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21:07 Uhr Ich habe zum zweiten Mal heute Feierabend gemacht (man sollte am Freitagabend nicht mehr in sein Emailfach gucken). Pauline bäckt schon wieder und drückt mir plötzlich einen „Spezialkeks“ in die Hand.  Nomnomnom!

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Alltagsfotos 4/5 2020

7:35 Uhr Schon aufgestanden und gefrühstückt. Guten Morgen Mumin!

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7:50 Uhr Tschüss, viel Spass und denk daran Abstand zu halten!

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11:51 Uhr Ehrlich gesagt hatte ich mich sehr gefreut ab heute nicht mehr jeden Tag kochen zu müssen (in der Schule gab es heute das Lieblingsessen von 99% der Schüler und ich denke das war kein Zufall) und wollte das mit einem Käsebrot feiern, aber es war noch so viel Gemüse im Haus und frischer wird es wohl nicht.

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13:19 Uhr Ich hole Pauline von der Schule ab um ihr noch einen Weg für morgen zu zeigen. Die Mütze habe ich todesmutig zu Hause gelassen, aber Handschuhe hat man besser dabei.

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In der Viertelstunde, in der das Kind noch seinen Schlüssel sucht und auch findet, habe ich Zeit auf dem Schulhof die Nichteinhaltung des Mindestabstandes zu beobachten. Pauline klärt mich auf, dass dieser innerhalb der Klassen nicht so streng gilt, nur berühren darf man sich nicht und keine Dinge von anderen benutzen. Vermutlich ist es sowieso schier unmöglich die Kinder die ganze Zeit auseinanderzuhalten, besonders bei den Kleineren. Mal davon abgesehen, dass die Klassenzimmer auch nicht mit Corona im Hinterkopf konzipiert wurden. Zwischen den Klassen wird allerdings peinlich genau auf Abstand geachtet. Es gibt gestaffelte Pausen und ausserdem hat jede Klasse ihren eigenen Platz auf dem Schulhof. Es gibt gestaffelt Mittagessen, zur Mensa und zurück führen Einbahnstrassen und gegessen wird im Klassenzimmer. Jede Klasse hat ihre eigene Toilette. Von ursprünglich 6 verschiedenen Lehrkräften kommen nur noch 2 in Paulines Klasse. Die Fächer, die in gemischten Klassen unterrichtet werden, finden jetzt entweder draussen statt (Ethik) oder weiterhin über Teams (Spanisch). Puh, ganz schön aufwendig für so ein paar Tage. Aber Pauline tut es sichtlich gut wieder in die Schule zu gehen.

18:10 Uhr Abendspaziergang.

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Alltagsfotos 3/5 (Einigelung 30)

10:24 Uhr Wir sind wieder zeitig aufgestanden und brauchen jetzt eine kleine Pause von Schule und Wissenschaft. Warum also nicht ein bisschen auf den Händen spazieren gehen.

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11:45 Uhr Vor dem letzten Teamsmeeting am letzten Fernschultag wollen wir schnell noch Mittag essen. Ich sehe nach was für heute bestellt wurde.

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12:32 Paulines Sozialkunde-Stunde hat begonnen und ich sitze wieder am Laptop. Aus den Augenwinkeln bemerke ich grosses Geflatter im Garten, pirsche mich ans Fenster und beobachte dann eine Krähe beim Einemsen (Baden im Ameisenhaufen).

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16:25 Uhr Ich habe endlich das Problem mit dem Statistikprogramm, an dem ich seit einer Woche herumknoble, gelöst und möchte jetzt eine Weile nicht mehr in den Computer gucken. Zeit für eine Inliner-Runde um den See. War das toll!

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19:33 Uhr Pauline wünscht in Mathe und Sachkunde abgefragt zu werden. Morgen beginnt die Schule. Am Freitag ist ein grosser Mathetest über den ganzen Stoff der Fernschulzeit (zu dem es nicht einmal Videounterricht gab) und nächsten Dienstag in Sachkunde (Dito). Irgendwie habe ich das Gefühl, dies ist genau nicht das was die Regierung im Sinn hatte, als sie sagte, dass es gut wäre wenn die Lehrer vor den Sommerferien noch sehen können wie es den Kindern geht und wie sie voran gekommen sind. Aber was weiss denn ich.

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Alltagsfotos 2/5 2020 (Einigelung 29)

8:24 Uhr Auf Wunsch einer Viertklässlerin, welche bis zum Schulstart am Donnerstag wieder in den richtigen Rhythmus finden möchte, frühstücken wir heute eine Stunde eher. Eins der besten Dinge der letzten Wochen war, dass niemals der Wecker klingelte. Das Frühstück hatten wir fest für 9 Uhr vereinbart und ich musste einfach nur darauf achten spätestens um Mitternacht in Richtung Bett zu gehen, um von allein pünktlich wach zu werden. Manchmal war das um 7, manchmal auch noch eher und manchmal erst kurz vorm Frühstück. Und ich war immer ausgeschlafen. Heute wäre wohl einer der späteren Aufwachtage gewesen. Ich habe zu kämpfen und nachdem das fröhlich schnatternde Kind den Frühstückstisch verlassen hat, starre ich Minuten lang in meine Teetasse.

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9:03 Uhr „Mama, ich glaube ich bin über Nacht gewachsen, ich fühle mich wie ein Riese.“ Und tatsächlich. (Die oberen drei Markierungen sind alle aus diesem Jahr.)

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11:59 Uhr Ich bereite ein Experiment vor, das theoretisch in weniger als 4 Wochen beginnt. Praktisch dürfen dann aber aufgrund aktueller Umstände keine Experimente durchgeführt werden. Oder nur wenn bestimmte Gründe vorliegen und unter strengen Auflagen. Die Anträge auf Sondergenehmigung sind jedenfalls gestellt und wenn ich jetzt nicht anfange vorzubereiten, dann wird das nichts. Im Fall des Falles.

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16:21 Uhr Zeit für frische Luft. Pauline möchte heute joggen gehen und hat sich dafür mit der 300 km südlich ebenfalls joggenden, liebsten Freundin am Telefon verabredet (diese Verabredung wird zu einem der grössten Corona-Highlights), sie braucht also keine Fahrrad fahrende Begleitung. Auch gut, dann kann ich wieder in den Wald. Und an den See.

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16:38 Uhr Yes! YES!! YEEEEEES!!!

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2/5 2014, 2/5 2015, 2/5 2016, 2/5 2017, 2/5 2018, 2/5 2019

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Alltagsfotos 1/5 2020 (Einigelung 28)

Seit sechs Jahren mache ich jedes Jahr im Mai 5 x 5 Alltagsfotos. Nun also die Corona-Edition. Mal sehen ob ich 25 verschiedene Fotomotive finde.

8:28 Uhr Ich wache nach einer Nacht mit Migräne des Grauens zwar noch etwas angeschlagen, aber schmerzfrei auf. Im Zuge des ‚Wir machen unser Schlafzimmer schön‘ Projektes besitzen wir nun ferngesteuerte Verdunkelungsrollos. Ganz schön spiessig, aber ich feiere es jeden Morgen vom Bett aus die Rollos zu öffnen. Ausser heute.

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Pauline tätschelt mir beruhigend den Kopf. „Macht nix, Mama! Solange der Schnee nicht liegen bleibt ist alles gut.“

11:17 Uhr Das fernbeschulte Kind kommt aus seinem Zimmer und fragt ob wir nicht doch noch irgendwo mehr Streichhölzer haben. Für Handarbeit/Werken lautet die heutige Aufgabe eine Blockhütte zu bauen. Eigentlich aus Ästen, aber es gab zum Glück auch die Schlechtwettervariante mit Streichhölzern. Nun hat sie vier Päckchen verbaut und will wohl eher einen Blockturm erschaffen.

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13:01 Uhr Hmmm.

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17:39 Uhr Mir schwirrt der Kopf vor lauter Zahlen und Fischen. Zeit für eine Frischluft-, Beinevertret- und In-die-Ferne-guck-Pause. Ich verlasse das Haus, laufe ein paar Schritte die Strasse entlang und stehe auf einem Waldweg. Ich liebe das, dass hier hinter jeder Strassenecke die Wildnis lauert. (Und dass die Temperatur wieder leicht ansteigt.)

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18:00 Uhr Eisig kalt ist es trotzdem, deshalb nur eine kleine Runde. Als ich zu Hause ankomme ist Pauline fertig mit dem Fern-Training und hatte offensichtlich immer noch nicht genug Bewegung.

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(3/5 Fotos mit Wald. Das ist es was ich meinte. Gibt aber sicherlich Schlimmeres.)

1/5 2014, 1/5 2015, 1/5 2016, 1/5 2017, 1/5 2018, 1/5 2019

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