Einblicke in die letzten zwei Tage

Oder: warum ich im Sommer für gewöhnlich nicht blogge.

Um 1 Uhr nachts sind wir endlich fertig mit arbeiten und ich falle augenblicklich in einen komatösen Schlaf. Sechs Stunden später brüllt mich der Wecker wieder wach. Ich steige in die Gummistiefel und marschiere frohen Mutes in die Fischhalle um eine neue Runde Tests anzufangen. Es geht um die Persönlichkeit von Fischen. Was es nicht alles gibt. Als ich gerade den Kescher zur Hand nehme, fällt mir plötzlich ein Detail ein, dass ich gestern bei der Vorbereitung der Tests vor lauter Müdigkeit vergessen habe. Grossartig. Ich renne also die nächsten 2 Stunden wie ein aufgescheuchtes Huhn umher um das Detail zu erledigen und fluche dabei wie ein Bierkutscher. In drei Sprachen. Zwischendurch springt mir ein Frosch über den Weg. Wie auch immer der hier rein gekommen ist. Weil es in der Fischhalle nicht unbedingt schön für einen Frosch ist, bringe ich ihn schnell raus an den Fluss. Soviel Zeit muss sein.

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Dann greife ich wieder zum Kescher, aber genau jetzt möchte der Techniker die Antennen reparieren, die ich für die Tests nächste Woche brauche. Techniker muss man nehmen wenn sie Zeit haben, also reparieren wir. Mit drei Stunden Verspätung, ich bin bereits 10000 Schritte gelaufen, fange ich schliesslich an. Und renne und teste und renne und teste. Hundert Fische. Zwischendurch erreicht mich eine Nachricht von Pauline: „Sind in Finnland.“. Ich erwäge einen kurzen Moment lang zu kündigen und nach Hause zu fahren, denn ich platze vor Sehnsucht. Aber dann schwinge ich doch wieder den Kescher. Später kommt der Chef vorbei und fragt wie lange ich noch brauche. Ich tippe auf 21 Uhr. Na, meint er, dann kannst du ja gut die Schicht um 4 Uhr morgens vom anderen Experiment übernehmen. Aber klar doch, gerne. Oder so. Um neun bin ich wie erwartet fertig, schleppe mich ins „Appartment“ und fange an die heute aufgenommenen Videos aufzuarbeiten. Nebenbei esse ich unfassbar leckere Erdbeeren, das motiviert enorm. Kurz nach 22 Uhr falle ich ins Bett und schlafe augenblicklich ein. Bis 3.50 Uhr wieder der Wecker brüllt. Gemeinsam mit der niederländischen Master Studentin wanke ich die 200 Meter zum Ort des Geschehens und nein, es ist nicht wenig los wie erwartet, sondern viel. Nach einer Stunde sind wir fertig, die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Wir legen uns wieder hin. Sie beginnt augenblicklich zu schnorcheln, ich wälze mich 1,5 Stunden hin und her. Gerade als ich halt wieder aufstehen will, schlafe ich doch ein. Gut, dass gleich der Wecker klingelt, denn zur Schicht um acht sollen heute alle kommen. Es ist die Letzte. Kurze Besprechung, dann verabschieden wir die Bakteriencrew, die die 400 km nach Hause fährt um im Labor das nächste Experiment vorzubereiten. Es beginnt in drei Tagen. Hier gibt es auch so einiges vorzubereiten. Und so geht es munter weiter. Die nächsten 10 Stunden verbringe ich im halbstündigen Rhytmus in 15 Grad und Finsternis (Fischhalle) und 25 Grad und strahlender Sonne (unsere Quarantänebecken draussen). Dann sind weitere 100 Fische getestet und 1200 Fische vermessen. Bei der Videoaufbereitung gibt es dieses Mal gekochte Eier, auch ein Soulfood von mir (ich winke in den Süden zur liebsten Freundin). Danach noch Schokolade, die hat mir eine andere liebe Freundin als Kraftfutter mitgegeben. Und nun ist Bettzeit, also entschuldigt mich.

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Lebenszeichen

Gerade habe ich etwas auf dem Blog nachgeschlagen. Und mich dann festgelesen. Und schliesslich gedacht, dass die seit Monaten anhaltende Blogunlust jetzt ein Ende haben muss. Denn diese (obgleich sporadischen) Erzählungen aus unserem Leben sind gold wert. Also für mich. Und uns als Familie. Das muss fortgesetzt werden.

Der Mai ging so grossartig weiter wie auf den letzten Bildern. Er war sogar noch schöner als dieser hier. Am Ende haben wir den Regen richtiggehend herbeigehofft, weil sich die gerade geschlüpften Birkenblätter schon wieder gelb färbten. Wir waren so viel wie möglich draussen und haben jeden Sonnenstrahl mitgenommen. Und verbrachten ein vergnügliches Wochenende in Turku.

Im Juni begannen die Sommerferien. Schon wieder ein Schuljahr um. Und pünktlich wurde es kalt und nass. Der Ferienhort wechselte im letzten Moment seinen Ort und weil der ziemlich ungünstig lag beschloss Pauline dann eben allein zu Hause zu bleiben. So als angehende Drittklässlerin. Sie schlief jeden Tag bis um 11 und giggelte für den Rest des Tages mit Freundinnen. Und ernährte sich von Eis. So muss das sein.

An Mittsommer machte sich die Familie auf nach Deutschland und für mich ging der bereits angelaufene Fischsommer in die heisse Phase über. Die erste Woche war die Schlimmste, denn die Familie schickte mir unentwegt die tollsten Fotos während ich gefühlt Tag und Nacht arbeitete. Gefühlt?

IMG_05564:13, Sonnenaufgang. Und nein, für den Sonnenaufgang bin ich nicht aufgestanden. Lustig übrigens wie schwierig es sein kann einen Fuss vor den anderen zu setzen wenn man nach 3 Stunden Schlaf aus eben jenem gerissen wird. Oder eine 18 von einer 81 zu unterscheiden, zum Beispiel. Dafür mache ich in diesem Jahr aber, wie man sieht, echte Feldarbeit. Also draussen. Das ist, wenn man sämtliche blutsaugenden Insekten mal ausser Acht lässt, sehr toll. Toll ist auch, dass wir in diesem Jahr eine richtig grosse Mannschaft sind, die 24 Stunden am Tag zusammen verbringt, Freud und Leid teilt und viel zusammen lacht. Ein bisschen Familienersatz.

Paulines Papa kam allein zurück nach Finnland, also fast, er wurde von ca. 20 Müslipackungen und einigen Flaschen Bier begleitet. Pauline blieb in Deutschland, zum ersten Mal ohne Eltern. Für mich war das irgendwie ein bisschen komisch, andererseits bin ich so froh, dass ich mich sorgenfrei und ohne schlechtes Gewissen den Fischen widmen kann. Das war als sie allein zu Hause war nicht so. Jetzt habe ich sie schon über zwei Wochen nicht mehr gesehen und habe ziemlich schlimmes Paulineweh. Zum Glück schaukelt sie im Moment zusammen mit meinen Eltern über die Ostsee in unsere Richtung und in ein paar Tagen kann ich auch für eine Nacht nach Hause fahren. Dann muss ich sie womöglich so fest drücken, dass ihr die Luft wegbleibt.

So, die Fische rufen…

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Alltagsfotos 5/5 2018

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8:55 Uhr. Auch in dieser Woche kein Brückentag. (Aber es wird GRÜN!)

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11:41 Uhr. Und immerhin kann ich heute von zu Hause aus arbeiten und jetzt ist es auch für Friernasen wie mich warm genug auf dem Balkon.

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12:15 Uhr. Mittagessen mit allem was der Kühlschrank noch hergab. Ich verlebe eine vergnügliche Dreiviertelstunde mit der Beobachtung eines Trauerschnäppermännchens, dass eifrig in den Nistkasten ein und ausfliegt, sich oben drauf setzt und laut in alle Richtungen ruft, dann wieder rein, auf den Ast nebenan, tirili usw. Ich wünsche ihm und mir, dass bald ein passendes Fräulein vorbei kommt.

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12:38 Uhr. Pauline ist mit einer Freundin nach Hause gekommen. Sie wollen sich die Nägel lackieren und dann Fussball spielen gehen. Ich schaue mal nach den Schneeglöckchen. Meine Krokusse sind ja inzwischen alle entweder von den Hasen gefressen worden (lila) oder verblüht (gelb). Die Schneeglöckchen kamen letztes Jahr gar nicht und ich hatte sie deshalb schon abgeschrieben. In diesem Jahr aber trauten sie sich plötzlich zeitgleich mit den Krokussen heraus. So richtig zu gefallen scheint es ihnen aber nicht bei uns, sie wachsen im Zeitlupentempo. Bin gespannt ob sie noch blühen. Vielleicht im Juni…

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18:10 Uhr. Ich war beim Friseur und habe verpasst dort ein Foto von den Haarbergen auf dem Boden machen. Jetzt sitze ich in der Sonne und sehe dem Kind beim Sachen machen zu.

Das war die allerschönste Maiwoche seit Aufzeichnung!

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Alltagsfotos 4/5

Feiertagsausgabe :)

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15:45 Uhr. Wir sitzen an einer traumhaft schönen Feuerstelle und brutzeln uns Würstchen zum Mittag (Frühstück gab es heute eher spät). Das Wetter ist ebenfalls traumhaft und Pauline schaut mal nach den Wassertemperaturen (höchstens 5°C).

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16:39 Uhr. Gestärkt setzen wir unsere Wanderung fort und hui schön. So wilde Ströme findet man eher selten in Mittelfinnland.

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17:09 Uhr. Hier noch ein „kleiner“ Gruss vom Winter. 

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17:20 Uhr. Drei Wanderer, ein Gedanke: Micky Maus.

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18:49 Uhr. Auf der Heimfahrt halten wir noch am Supermarkt. Und lassen diesen grossartigen Tag gebührlich ausklingen.

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Alltagsfotos 3/5 2018

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8:01 Uhr. Pauline ist heute schmerzfrei sowie normaltemperiert und hat sich soeben mit dem Fahrrad auf die 200 m lange Reise zur Schule gemacht. Ich geniesse die Tatsache, dass es heute Morgen mal nicht auf die Minute ankommt, trinke noch in Ruhe meinen Tee aus und klicke auf den Stream einer Livekamera, mit der man Saimaa-Ringelrobben im Saimaa See beobachten kann. Es ist gerade eine da und räkelt sich in der Sonne. Robbenfernsehen. Kann ich stundenlang gucken.

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8:28 Uhr. Danach ist klar welchen Pullover ich heute anziehe. Und dann los zur Uni.

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13:50 Uhr. Ich gucke alle 10 Minuten auf die Uhr, die Arbeit geht heute zäh voran. Draussen ist so schönes Wetter und morgen ist Feiertag und überhaupt. Aber mein Manuskript muss trotzdem nächste Woche fertig sein…

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17:23 Uhr. Heimweg. Halleluja, die haben nun endlich auch auf der Halbinsel die zentimeterdicke Schicht Streusplitt weggekehrt. Somit ist mein Arbeitsweg jetzt Splittfrei.

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18:48 Uhr. Als ich nach Hause kam, stand schon ein leckeres Abendessen auf dem Balkon. Der Iso und ich haben uns dazu gesetzt und eine Stunde lang die Sonne und die Aussicht genossen und uns dabei die Neuigkeiten der letzten Tag erzählt. 

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Alltagsfotos 2/5 2018

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6:47 Uhr. Ich muss los und schaue nochmal auf die Wettervorhersage. Joa, ganz in Ordnung. (Reisst die Arme in die Luft und vollführt einen Freudentanz)

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8:16 Uhr. Ich bin mit dem Fahrrad zur Uni gefahren, dort in ein Uniauto (die Scheibe könnte mal geputzt werden) gestiegen und bin jetzt fast in der Forschungsstation. Ich muss kurz rechts ranfahren und Pauline anrufen um zu gucken ob sie aufgestanden ist. Ist sie. Und klagt – wie gestern Abend schon – über starke Hals- und Kopfschmerzen. Ich versuche also von der Ferne aus einzuschätzen ob sie in die Schule kann oder nicht. Morgens hatte ich mich noch in ihr Zimmer geschlichen und ihre Stirn befühlt, Fieber hat sie jedenfalls nicht. Andererseits ist heute in der Schule Frühjahrsputz und mehr als schönes Wetter verpasst sie wahrscheinlich nicht. Es macht ihr nichts aus die nächsten 6 Stunden allein zu Hause zu sein, sagte sie, und so klären wir noch kurz was sie sich zum Mittag machen könnte und dann fahre ich weiter.

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12:08 Uhr. Zwei Studentinnen haben heute das Experiment für ihre Bachelorarbeit angefangen. Mit diesem Fischlabyrinth. Die beiden machen ihre Sache richtig gut, ebenso die Fische. Ich stehe daneben und freue mich.

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14:10 Uhr. Kurz mal frische Luft schnappen und ein paar Sonnenstrahlen erhaschen.

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18:06 Uhr. Auf dem Heimweg. Zur Jahresversammlung unserer Hausgemeinschaft habe ich es nun nicht mehr geschafft. Der Iso ist aber dort und hat eine Vollmacht um für mich abzustimmen. Pauline hat jetzt erhöhte Temperatur und ist schon wieder allein. Mein Magen hängt in der rechten Kniekehle, meine Augen jucken fürchterlich (Heuschnupfen), auf meiner Lippe thront Herpes und ich bin müde. Aber die Sonne scheint :-)

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Alltagsfotos 1/5 2018

Es ist wieder soweit. 5×5 Alltagsfotos im Mai. Schon seit 2014 (Jetzt musste ich kurz schmunzeln. Die Skypeverabredung am Montag Abend mit meinen Eltern besteht nach wie vor.)

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8:38 Uhr. Ich bin auf dem Weg zum Zahnarzt (dem mit der Tapete) und muss kurz anhalten. Eine halbe Stunde zuvor stand ich stirnrunzelnd vor meinem Kleiderschrank und fragte mich ob ich wirklich keine Jacke für jetzige Temperaturen besitze. Und nahm dann halt die Regenjacke. Jetzt weiss ich warum, man braucht gar keine. Ich ziehe sie also aus und himmele gleich noch ein bisschen das Wasser an.

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9:38 Uhr. Der Zahntüv ist vorbei. Die Zahnärztin hat die zwei Löcher gefunden, die mir auch schon aufgefallen waren. Nun ja. Beim Bezahlen wimmere ich leise, aber die städtischen Zahnärzte und ich, das wird nichts mehr. Ich bekomme einen neuen Termin und rolle ein paar Meter weiter zur Einkaufsstrasse und schliesse mein Rad wieder an. Ich bin so selten in der Stadt und wenn ich schon mal da bin, kann ich gleich noch ein paar Besorgungen machen.

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10:35 Uhr. (Fotos im Stundenrhythmus) Ist vielleicht auch gut so, dass ich so selten in der Stadt bin, ich habe gleich noch ein Vermögen ausgegeben. Dann war ich noch in der Bücherei und rolle jetzt Richtung Arbeit. Das Wetter ist viel zu schön um sich in ein stickiges Büro zu setzen, aber der weisse Klotz da drüben ruft mir laut DEADLINE zu. Hrmpf. Seht ihr das tolle Wasser?

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17:33 Uhr. Heimfahrt. Und ich traue meinen Augen nicht. Sind das nicht etwa? Das sind doch? MÄUSEÖHRCHEN!!!

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21:24 Uhr. Buch ausgelesen. „Mama, morgen fangen wir dann aber gleich mit dem 7. Teil an, ja? Und der ist dann bestimmt nicht so traurig, oder?“ 

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Vom Eise befreit

Dieser erste Tag im Jahr, an dem im See wieder fröhliche Wellen wippen und das Wasser glitzert und funkelt. Da macht es fast nichts, dass man am Sonntag arbeiten muss, weil man in der Pause auf dem Steg sitzen und gucken kann. Bei sagenhaften Temperaturen mit ’ner zwei vorn dran. Und dann ruft der Prachttaucher sehnsüchtig über den See. Glücksmoment.

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Expecto gaudium!

Ich weiss gar nicht mehr wann genau, aber vor ungefähr einem Jahr begann ich Pauline die Harry-Potter-Bücher vorzulesen. Sie hatte schon viel über die Geschichten gehört, traute sich aber noch nicht zu sie selbst zu lesen. Grosszügig bot ich mich an. Da wartet man doch das halbe Elternleben darauf, dass man Bücher vorlesen kann, die man selber gern mag. Gemeinsam mitfiebern, drüber reden, fachsimpeln. Es passierte übrigens gar nicht mal so selten, dass sich auch der Iso zu Paulines Bettzeit einfand um zuzuhören. Inzwischen sind wir am Ende des sechsten Teils (Dumbledore lebt noch. Gerade noch. Und ich habe keine Ahnung wie ich das Vorlesen des nächsten Kapitels -um es mal mit den Worten meines Deutschlehrers vor dem Vortragen eines seiner Lieblingsgedichte zu sagen- emotional durchstehen soll.), erstaunlich wie lange das so dauert. Es war aber jedenfalls schon im Herbst letzten Jahres, als für Pauline feststand, dass ihre nächste Geburtstagsfeier eine Harry-Potter-Party werden soll. Nun, schönes Thema!

Das Internet ist voll mit grandiosen Ideen. Unglaublich, wie einfallsreich die Leute sind. Ich hätte das am liebsten ALLES umgesetzt. Allerdings hatte ich mir vorgenommen es in diesem Jahr nicht allzu bunt zu treiben. Ich habe echt riesigen Spass daran solche Kindergeburtstage auszurichten, aber Nachtschichten sollte es dieses Mal nicht geben. Ich beschränkte mich zum einen auf die ersten zwei Bände, weil die die Kinder am wahrscheinlichsten kennen würden und pickte mir da dann ein paar Sachen raus. Die Allerbesten. Es gibt so Dinge, die müssen einfach sein, oder?

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Ich meine… oder etwa nicht?

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Und dann, wie toll ist das denn, kann man sich die Harry-Potter-Schriftart herunterladen (hier zum Beispiel). Und damit auf marmorierten Papier aus dem Bastelladen ziemlich coole Einladungen drucken (leider hat die Schriftart keine Umlaute, da muss man ein bisschen friemeln).

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Die Finnen übersetzen ja gnadenlos alles. So heisst Hogwarts also Tylypahka, der Hogwarts Express ist einfach ein pikajuna (=Schnellzug) und Muggel jästi. Allerdings, so ging mir irgendwann auf, macht es das Lesen der Bücher gerade für jüngere Kinder wesentlich einfacher.

Finnen feiern übrigens auch ständig Geburtstage vor dem eigentlichen Termin und da eine Klassenkameradin von Pauline schon für den 15. geladen hatte, warfen wir unseren deutschen Aberglauben in den verbotenen Wald und feierten einen Tag zu früh. An diesem Tag also dekorierten wir Hof

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und Haus,DSCF6692

stellten Essen parat

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Zauberstäbe und Schokofrösche. „Mama, die hüpfen ja gar nicht!“

und oh! verkleideten uns. Pauline wusste schon lange, dass sie sich als Hermine verkleiden würde und wünschte sich eigens einen Gryffindorumhang zum Geburtstag. Einen Hut hatten wir noch von Halloween, den Zauberstab hatte sie schon zu Weihnachten bekommen (der Umhang hat extra eine Zauberstabtasche – ich wiederhole mich, aber wie toll ist das denn?) und eine Schuluniformkrawatte war schnell aus Bastelfilz gemacht. Wir Eltern hatten eigentlich nicht vor uns zu verkleiden. Bis Pauline ein paar Tage vor der Party erzählte wer alles als was verkleidet kommen würde. Da fühlten wir uns irgendwie verpflichtet. Pauline schlug die Professoren McGonagall und Snape vor, aber das gefiel mir nicht so recht. Ich legte uns lieber dies hier raus:

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Passt viel besser! Und dann kamen die Gäste. Eine hatte eine Harry-Potter-Brille auf und eine blitzförmige Narbe auf der Stirn, alle anderen waren unverkleidet. Die taten nämlich nur so als wären sie Krummbein und Cho Chang und so weiter! Oh! Nun ja…

Zur Geschenkübergabe hatte ich zunächst an Zauberstabdrehen gedacht, aber Pauline hatte ihre eigene Idee. Ich sollte zwei Sets mit Losen vorbereiten, auf denen Harry-Potter-Charaktere stehen. Von dem einen sollte sich jeder Gast ein Los ziehen und von dem anderen würde Pauline dann den jeweiligen Geschenküberreicher ziehen. Klang irgendwie erstmal merkwürdig, war dann aber doch schön und mal was anderes.

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Dann ging’s ans Essen. Einen Kuchen durfte ich ja wieder nicht backen, was hätte es da nicht für Möglichkeiten gegeben! Überhaupt war das Essen, zumindest für das Geburtstagskind, wieder mal nur lästige Pflicht.

Pauline brannte nämlich auf die Spiele. Was die Spiele angeht war das Zusammenreissen meinerseits am Schwierigsten, denn wie cool wäre beispielsweise ein Schultag in Hogwarts gewesen? Mit Zaubertränke, Quidditch und Verwandlung! Aber das wäre dann so ähnlich wie im letzten Jahr geworden und überhaupt! So viel vorzubereiten! Aber vielleicht wenigstens ein Trimagisches Tournier? Eine Horkruxsuche? Hm, eine Schatzsuche? Und dann sah ich irgendwo die Idee als Hinweise Textstellen aus den Büchern zu nehmen. Also zum Beispiel:

„Einen Nimbus Zweitausend“ stöhnte Ron neidisch. „Ich habe noch nicht mal einen berührt.“

Klar, der Strassenbesen vor der Tür. Daran hängt dann der nächste Hinweis, sowas wie:

Harry wollte widersprechen, doch seine Worte gingen in einem lang gezogenen, lauten Rülpser unter. Urheber dessen war Dudley, der Sohn der Dursleys. „Mehr Schinken!“ 

Die grösste Schwierigkeit in der Vorbereitung war übrigens die Bücher auf Finnisch zu besorgen. Sämtliche Freunde, die ich fragte, hatten sie auf Englisch oder Schwedisch oder Deutsch zu Hause!?! Und in der Bücherei sind die immer immer immer vergriffen. Irgendwann riet mir eine Freundin sie doch in der Bücherei vorzubestellen. Und ja, so klappte es dann.

Einmal war das Stichwort Hogwarts. Glauben wollten sie es lange nicht, aber sie mussten zur Schule flitzen.

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Der letzte Hinweis war dann dieser hier:

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„Das sind keine Vögel“ sagte Harry plötzlich, „das sind Schlüssel“. „Geflügelte Schlüssel, seht genau hin.“

Den Füchsen war natürlich schon während des Festessens aufgefallen, dass einer der Schlüssel, die da an der Decke um den Tisch kreisten, anders aussah als alle anderen. „Das ist doch ein Wohnungsschlüssel! Haha, guckt doch mal!“

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Und typisch Hermine wusste dann auch sofort: „Ich weiss, wir müssen zum Briefkasten!“

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Tatsache! Im Briefkasten lagen Schätze. Finliner, die wie Schreibfedern aussehen und glibberige Gummispinnen zum Essen.

In der Zwischenzeit hatte ich etwas vorbereitet, was sich schliesslich als absoluter Höhepunkt der Party herausstellen sollte. Schneckenessen kennt ihr? Das Partyspiel bei dem man Süssigkeiten mit ein paar Stückchen Ekligkeiten (Blutwurst beispielsweise oder rohe Zwiebel) mischt, schneckenhausförmig anordnet und dann reihum gewürfelt wird und wer eine 6 hat muss das nächste Stück in der Spirale essen? Das haben wir gespielt. Mit Bertie Botts besten Bohnen. Also den Richtigen. In der Tüte gab es leckere Sorten wie Heidelbeere, Kirsche oder Zuckerwatte, aber auch Ohrenschmalz, Popel, Regenwurm, verfaulte Eier oder… ja.. Kotze. Letzteres wollte ich eigentlich vorher aussortieren, aber da protestierte das Geburtstagskind. Beim Spiel dann waren die Mädels anfangs noch recht zögerlich. Der Iso stand mit der Spuckschüssel parat und ich beobachtete die Mienen ganz genau. Es MUSSTE natürlich keiner. Und es durfte auf jeden Fall wieder ausgespuckt werden. Aber irgendwann wollten alle und zwar un_be_dingt. Es gab Geschrei und Gejohle und viel Gelächter. Bis plötzlich die Uhr 5 mal schlug und die Party somit schon zu Ende war. Da gab ich die Bohnen ohne Würfeln frei und dann gab es kein Halten mehr.

Die abholenden Eltern klopften übrigens, sie trauten sich nicht zu klingeln. Hehe.

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Oh Mann!

Frühling, ich flipp‘ aus :-)

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Das dachte sich die riesige Hummel wahrscheinlich auch, die  – als ich in vorhin auf der (windgeschützten) Terrasse in der Sonne sass und Krokusse anhimmelte – hektisch von einer Blüte zur nächsten brummte.

Manchmal habe ich übrigens auch aufgeschaut, auf den gestern angebrachten Nistkasten. Die Kohlmeise allerdings, die ihn heute morgen sehr ausgiebig inspizierte, kam leider nicht wieder vorbei.

Dafür war auf dem Ameisenhaufen, der seit genau gestern schneefrei ist, plötzlich ein grosses Gewimmel ausgebrochen.

Ihr kennt das Gefühl, gell, wenn man unablässig Samba tanzen will?

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Harry Birthday,

Hermine Pauline!

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(wartet hibbelnd auf die Geburtstagsgäste)

Neun! Magische Zahl mit magischem Geburtstag.

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Was ich dieses Wochenende gemacht habe?

Dem Schnee beim Schmelzen zugesehen.

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18 cm down, 63 to go…

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Osterferien, Tag 9

Frohe Ostern! Ich hatte mich ja sehr gefreut, dass wir es endlich – zum ersten Mal seit Paulines Geburt – geschafft hatten zu Ostern in Deutschland zu sein. Zum ersten Mal könnte sie Ostereier draußen suchen, in einem großen Garten mit unzähligen super Verstecken. Da wo ich schon als Kind selbst schon gesucht hatte. Nun, das klappte auch. Aber da wir bei 3 Grad und zunächst  Regen, dann dichtem Schneetreiben mit roten Nasen um die Wette zitterten, waren wir alle froh als schließlich alles gefunden war. (Bis auf das obligatorische letzte Ei, das liegt jetzt immer noch richtig gut versteckt alleine da draußen und friert.)

312A1FBC-B88B-40CD-ABD6-53A2D3D7A03BJetzt sind die Ostereier im Rucksack verstaut und fliegen morgen mit uns zurück nach Hause.

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Osterferien, Tag 8

Woran man übrigens merkt, dass der Iso inzwischen auch in Deutschland angekommen ist:

Als wir den Rummelplatz verließen war allen Familienmitgliedern schlecht. Vater und Kind weil sie vielleicht einmal zu viel mit einem zu wilden Gerät gefahren waren und Mutter weil sie… ähem… in der Zwischenzeit vermutlich zu viel gegessen hat.

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Osterferien, Tag 7

Alles Liebe zur Goldenen Hochzeit, Mama und Papa!

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