Wie sieht das eigentlich aus?

Ich schreibe hier immer von Gehegeexperiment, Eiablage und ähnlich seltsamen Dingen und wahrscheinlich kann sich keiner so richtig was darunter vorstellen?

Am Anfang sind die Raupen. Die werden in der Natur gesammelt und ins Labor gebracht. Dort haben sie es in Klimakammern schön warm und bekommen reichlich Futter. Dann verpuppen sie sich und dann schlüpfen sie:

Am Schlüpftag werden die Schmetterlinge markiert (mit wasserfestem Stift ganz vorsichtig eine Nummer auf die Unterseite der Flügel – nein, das macht denen nichts aus), eine winzigkleine Flügelprobe für genetische Analysen wird entnommen (auch nicht schlimm) und dann schnell die Grundstoffwechselrate gemessen, also die Menge an Energie, die sie im Ruhezustand aufwenden. Danach werden sie in ein 20 x 30 m grosses Gehege entlassen:

Das Biologenauge legt über die Fläche des Geheges ein Raster aus 64 Vierecken und läuft dieses systematisch mit Kescher und Datenblatt bewaffnet 5 mal am Tag ab um zu sehen wer wo ist und was macht. Die Erfolgsquote liegt bei etwa 50 %, das heisst man sieht etwa die Hälfte aller Schmetterlinge pro Rundgang. Ausserdem streifen ein paar Leute unsystematisch durch’s Gehege um nach Verpaarungen Ausschau zu halten und möglichst alle zu erfassen:

Der Rest beobachtet die Eiablagen. Der Wegerich-Scheckenfalter legt hier in Finnland nur auf zwei bestimmten Pflanzen und davon gibt es im Gehege genau 200, schön in der Mitte und gut überschaubar:

Man richtet also seine Augen auf die Pflanzen und wartet ab. Wenn ein Weibchen vorhat Eier zu legen, kann man das ganz gut an ihrem Verhalten erkennen. Sie fliegt von Pflanze zu Pflanze und schreitet alle Blätter ab, „kostet“ überall ein bisschen bis das richtige gefunden ist. Dann wirft sich der Biologe auf den Boden, kriecht ganz nah ran um sicherzugehen, dass sie jetzt auch wirklich legt und ruft sowas wie „Hey, die 15 hat angefangen! Auf Position 134! Um 12.24 Uhr!“:

Ist das Weibchen nach 1-2 Stunden fertig, nimmt man wieder die Zeit, sucht das Blatt mit den Eiern, schneidet es vorsichtig ab und bringt es ins Labor. Dort werden die Eier gezählt und später wenn die Raupen geschlüpft sind nochmal die, denn nicht aus jedem Ei schlüpft eine Raupe. Zu siebt haben wir diesen Sommer insgesamt 50 930 Eier und 34 739 Raupen gezählt.

Und wozu das ganze erzähle ich ein andermal.

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Eine Antwort zu Wie sieht das eigentlich aus?

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