Was ich hier schön finde

Letztens wurde ich gefragt wo ich es denn schöner finde: in der Forschungsstation, in der ich früher gearbeitet habe, oder hier. Ich wand mich etwas unbehaglich und sagte schliesslich, dass ein Vergleich nicht geht. Ich habe sehr lange in der anderen Forschungsstation gearbeitet und unzählige glückliche Erinnerungen daran. Ich habe meine ersten 3 Monate in Finnland dort verbracht, als ich noch gar nicht wusste, dass ich hier einmal leben würde, und die waren mit die schönsten in meinem Leben. Bis heute fühlt es sich wie ein Zuhause an, dass ich regelmässig vermisse. Wenn es mir nicht gut geht, schliesse ich kurz die Augen und sitze dann dort am Lagerfeuer und sehe auf den See, in dem sich der pinke Sommerhimmel spiegelt. Meist geht es mir gleich besser. Keine Forschungsstation der Welt kann also so schön sein wie diese. Das hat es mir hier anfangs auch schwer gemacht. Das ist ja gar nicht wie dort, dachte ich immer. Ich war sogar vor 4 Jahren mal hier über’s Wochenende zu Besuch um Feldmäuse abzuholen. Etwa alle 10 Minuten habe ich damals gedacht wie froh ich bin nicht ausgerechnet hier arbeiten zu müssen. Mit entsprechend vielen Vorurteilen bin ich hergekommen. Und nun bin ich da und bin trotzdem auch gern hier. Es gibt viele Dinge, die ich schön finde. Dass im Frühling hier Buschwindröschen blühen und Amseln singen. Dass vor meinem Haus vier Apfelbäume stehen, die unter ihrer Last ächzen, und ich mir jeden Morgen und Abend frische Äpfel flücken kann. Dass die Station in einem sehr alten Park steht, in dem es riesige Eichen und jetzt auch Eicheln gibt. Dass man um zur Sauna zu kommen einen kleinen Spaziergang durch einen uralten Wald machen muss und dafür jetzt im Haupthaus Taschenlampen bereit liegen. Dass in der Cafeteria immer Tischdecken auf den Tischen liegen und darauf frisch gepflückte Wildblumen oder jetzt eben Beeren stehen und Kerzen brennen. Dass hier das Essen lecker schmeckt. Dass es zweimal am Tag gemeinsame Kaffeepausen gibt. Dass es einen eigenen Bienenstock gibt. Dass ich mein Haustier mitbringen darf. Dass hier immer was los und es trotzdem still und friedlich ist. Dass wir gemeinsam Badminton spielen und auch sonst Dinge unternehmen. Dass ich Internet im Zimmer habe. Dass alle so schrecklich nett und aufmerksam sind. Dass ich scheues Reh so viel neues kennengelernt und mich inzwischen bisschen auch hier zu Hause fühle.

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