Vom Schlafen

Ich glaube es gehört sich nicht mit seinem Kind zu prahlen. Und schon gar nicht lobt man lauthals gute Eigenschaften in der Öffentlichkeit, weil die dann sofort abgeschafft werden. Aber trotzdem.

Dass ich mal Kinder haben möchte, das wusste ich eigentlich schon immer. Akuter war der Wunsch auch schon länger, aber was mich immer etwas zaudern liess, das war die Sache mit dem Schlafen. Ich gehöre zu den Menschen für die der Tag eigentlich gelaufen ist wenn die Nacht kürzer als 7 Stunden war.  Enorme Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und übelste Laune sind das Ergebnis. Menschen, die mir nahe stehen, können ein Lied davon singen. Und selbstverständlich sind sie immer Schuld an meinem Schlafmangel. 8 Stunden sind eigentlich mein Minimum, das Optimum liegt bei 10-12. Wie also könnte ich viele schlafarme Monate mit einem Baby überstehen, fragte ich mich. Doch ich wappnete mich tapfer und glaubte allen die sagten man würde sich schon daran gewöhnen. Und dann kam das Räupchen.

Das Räupchen geht gegen 22 Uhr (plusminus 1 Stunde) schlafen. Nach der letzten Portion Milch gehen wir zusammen ins Schlafzimmer und ich lege sie in ihr Bett. Das Räupchen grinst mich an. Dann lauscht sie mehr oder weniger interessiert den zweidrei Schlafliedern. Ich gebe ihr einen Kuss und ziehe die Spieluhr auf. Das Räupchen grinst die Spieluhr an. Und verfolgt mit ihren Augen wie ich aus dem Schlafzimmer gehe um mir noch schnell die Zähne zu putzen. Dann (das wurde heimlich beobachtet) kuckt sie noch ein paar Minütchen vor sich hin, erzählt ihrer Spieluhr eventuell was, gähnt dreimal herzhaft und schläft schliesslich ein. Und wacht erst nach 9-10 (!) Stunden wieder auf. Seit damals hat sie ihre lange Schlafphase beibehalten, sie war nie kürzer als 5 Stunden und mit 2 Monaten hatte sie sie bereits auf 8 Stunden ausgedehnt. Letztes Wochenende waren es zum ersten mal 11. Sie schläft einfach so. Manchmal wird sie etwas unruhig. Rollt den Kopf von einer Seite auf die andere und schlenkert die Arme in die Luft. Dann greife ich im Halbschlaf nach ihrer Hand (Balkonbett) und sofort kehrt Ruhe ein. Eventuell donnert ein Pups durch die stille Nacht. Morgens, wenn sie aufwacht kuckt sie dann weiter herum als wäre nichts gewesen. Und wenn schliesslich auch die Stimme aufwacht, dann wache ich auch auf. Oder eile herbei, denn manchmal stehe ich schon vor ihr auf, weil ich einfach ausgeschlafen bin! Wenn sie mich oder den Iso dann sieht, freut sie sich wie ein Schneekönig. Wir stehen auf, tauschen die Windel, albern ein bisschen und schliesslich gibt es das Milchfrühstück, währenddessen sie schon wieder ganz müde wird. Es geht also direkt zurück ins Bett. Das Räupchen grinst, erzählt usw. und schläft nochmals 2-3 Stunden. 2-3 Stunden, in denen ich gutgelaunt und ausgeschlafen all die Dinge tun kann, zu denen ich sonst nicht komme. Oder eben auch nochmal schlafen kann :-). Dann aber haben wir beide wirklich genug. Das Räupchen freut sich wieder wie ein Schneekönig. Ich bastel sie aus dem Schlafsack, ziehe die Gardinen auf und mache die Betten. Währenddessen zappelt sie wild und übermütig herum und erzählt mir eine lange Geschichte. 

Für den Rest des Tages braucht sie nur noch 3 Minischläfchen, jeweils als Stärkung für den nächsten Kraftakt Essen. Eine Weile ging das so, dass man sie einfach sobald sie anfing zu gähnen und sich die Augen zu reiben, in ihre Wiege oder Kinderwagen legen brauchte und sie dann dort wie Abends einfach eingeschlafen ist. Zur Zeit aber geht das nicht ohne grosses Gejammer. Bestimmt hat sie einfach keine Lust mehr auf schlafen. Verstehen kann das sogar ich und weil ich selbst bestens nervengestählert bin, habe ich genügend Kraft sie doch irgendwie zu überreden.

Bravo Räupchen, ganz die Mama!

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3 Antworten zu Vom Schlafen

  1. Ellen schreibt:

    Herrlich! Unsere Tochter wird bald 13 und deine Beschreibung liest sich so wie wenn es meine wäre- vor 12 1/2 Jahren.
    Sie war immer ein äusserst zufriedenes, ruhiges Kind und ist nun ein zufriedenes Teenager-Girl, das zwar ihre Hochs und Tiefs hat, im Grossen und Ganzen aber ausgeglichen und fröhlich ist.

  2. Pinni schreibt:

    Und ich denke die ganze Zeit, das dicke Ende kommt bestimmt wenn sie mal Teenager ist. Muss also nicht :)

  3. Pingback: Preisverdächtig « Pinni

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