Der Sommer

  • so wie alle in Finnland haben wir am Sommeranfang unsere Taschen gepackt um für viele viele Wochen in ein Häuschen auf’s Land zu fahren
  • im Unterschied zu allen anderen Finnen stand unser Häuschen aber auf einer Forschungsstation
  • ich habe ein ein Riesenmegaexperiment mutterseelenallein durchgeführt
  • wie das so ist wenn man viele Methoden kombiniert, ich etwas Kompliziertes können muss, die Mäuse was Bestimmtes tun müssen (sich paaren nämlich), geht allerhand schief
  • dadurch hat sich die geplante Zeit fast verdoppelt
  • es hat sich aber trotzdem fast immer wie Urlaub angefühlt
  • man kann sich ja auch nur wie im Urlaub fühlen wenn man an einem traumhaft schönem See wohnt
  • ausserdem war das ja auch ein ganz unglaublicher Sommer, wochenlange „helle“ (finnisch für alles über 25 Grad, ich mag die Verbindung zur „Hölle“) und fast nie Regen
  • das Räupchen war superglücklich dort
  • sie war quasi ununterbrochen draussen und ist deshalb komplett erblondet
  • für uns alle war toll, dass man einfach die Tür öffnen und sie gehen lassen konnte
  • draussen gab es Steine und Blumen, man konnte Ball spielen, den Puppenwagen umher schieben oder mit dem Holzräupchen spazieren gehen

 

  • andere Lieblingsaktivitäten waren die Schafe („de Bäääh“) besuchen, die neuerdings auf der Station wohnen, und mit Brot und Gras füttern,

  • die Pferde besuchen, die nebenan wohnen, in unser oder das Auto der Grosseltern steigen, am Lenkrad kurbeln und „brrrrrm“ machen, die Warnblinkanlage ein- und ausschalten und CDs einlegen und auf Knopfdruck wieder rausholen,  

  • im Beach-Volleyball-Feld mit Sandspielzeug spielen, den Bootssteg auf- und abrennen (immer eine Erwachsenenhand 5 cm hinter sich), Steine in den See werfen und natürlich baden

  • Bootfahren war eher langweilig

  •  es hat sich auch deshalb wie Urlaub angefühlt weil ich endlich mal die Gallerie und das Heimatmuseum im Dorf besucht habe (in meinem siebten Sommer da, und 10 Jahre nach dem ersten Besuch). Zum Bingo hat es aber wieder nicht gerreicht.

  • nach zwei sehr langen Stromausfällen (durch die Unwetter) weiss man so normale Dinge wie Strom und fliessend Wasser wieder sehr zu schätzen (ja ja, die meisten Finnen haben haben sowieso Sommerhäusschen ohne Strom und fliessend Wasser, aber wir waren ja auf der Forschungsstation, auf der ich ein Laborexperiment durchgeführt habe und Licht brauchte und Strom für die Superwaage und für die Videokameras)
  • Wenn Mama, Papa und Kind alle „Papa“ heissen, liegt es auf der Hand, dass Oma und Opa dann „Popa“ sind
  • Die Popas wurden im Vergleich zum April sehr viel mehr gemocht (selbst der Opa mit dem Kratzebart) und noch immer, vier Wochen nach ihrer Abreise, wird regelmässig nach ihnen gefragt, nur um sich kurz drauf selbst mit „Auto“ zu antworten, weil die einfach eines morgens in ihr Auto gestiegen und wieder weggefahren sind
  • es gab endlich wieder Igel (noch vor 10 und 9 Jahren waren es ganz viele und dann habe ich jahrelang keine gesehen)

  • ich glaube die Anzahl der Mäusebisse überstieg in diesem Sommer die Anzahl der Mückenstiche und das ist eine Leistung („you got what you deserved“ sprach vor ein paar Wochen jemand zu mir und das stimmt wohl auch)
  • ich habe mein geliebtes Zuhause nicht einmal vermisst und das stimmt mich zuversichtlich für die nächsten 6 Monate, wenn es heisst „die Mäuse in Australien haben Paarungszeit“
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Eine Antwort zu Der Sommer

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