Australienresümee

Jetzt, mit funktionierendem Computer nur für mich allein, in den man noch dazu ganz leicht Umlaute eingeben kann, möchte ich endlich auf Enis Fragen zurück kommen, deren Antworten mir eigentlich schon durch den Kopf geisterten, bevor sie gestellt wurden. Allerdings sehr unstrukturiert, deshalb danke für den Leitfaden!

wars denn schön so insgesamt?

Ja, doch. Australien IST schön und ich kann nur jedem wärmstens empfehlen mal im Urlaub hinzufahren und sich das alles anzusehen. Die Landschaften, die Strände, die verrückten Tiere und Pflanzen, die Farben und Gerüche. Toll! Ein Traum! Ausserdem gibt viele tolle Sachen dort. Ich habe noch nie so viele schöne Spielplätze auf einmal gesehen und überhaupt gibt es unheimlich viele Freizeitangebote für Kinder. Es gibt den kostenlosen Nahverkehr. Es gibt die abertausenden Grillstellen und so viel grün überall in einer Millionenstadt. An jeder Ecke gibt es Restaurants mit Essen aus aller Herrenländer. Das Obst und Gemüse in den Supermärkten ist immer frisch und immer lecker – ich wusste bisher nicht wie gut Mangos eigentlich schmecken können. Und die Sonne scheint immer. Trotzdem, dort zu Leben war nicht unbedingt immer unser Ding. Komisch eigentlich, denn Australien ist und bleibt ein Auswanderertraum und es gibt auch wirklich unglaublich viele Deutsche, die da leben. Es sind wohl die Leute, die Kultur, das Lifestyle, mit denen wir nicht so zurecht kamen. Australien ist nichts für zurückhaltende Menschen, die gehen unter. Bezeichnend fand ich ein Gespräch vor ein paar Wochen mit einem Doktoranden am Institut, dem ich vorgestellt wurde. Wie lange ich denn schon da sei fragte er nach einer Weile und ich antwortete „5 Monate.“. Da entglitten seine Gesichtszüge und es brach aus ihm heraus „Du musst unbedingt mehr auf dich aufmerksam machen!“ („You have to make more noise!“). Nein, das muss ich nicht. Ausserdem gibts da schon genug ’noise‘. Das wir aber so sind wie wir sind, hat uns etwas einsam gemacht. In dem Zusammenhang fehlt mir auch der Respekt gegenüber anderen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Finnland jemals von fremden Menschen angeschrien oder anderweitig wie der letzte Dreck behandelt wurde. In Australien ist das mehrmals passiert, erst letztens wieder am Telefon mit dem Energiekonzern, weil ich mir mit einem englischen Wort nicht sicher war und nochmal nachgefragt habe. Und wo wir gerade bei Energiekonzern sind, unfassbar nervig sind auch die Bürokratie und die Umständlichkeit mit allem. Und dass Internet da ein Fremdwort ist. Wir wollten am letzten Tag eigentlich einfach nur aus einer Wohnung ausziehen. Aber was wir dafür an Zeit, Nerven und Telefonkosten investiert haben, das sprengt jede Vorstellungskraft. Und die ewige Sonne… die wird auch ziemlich schnell langweilig. Ich möchte morgens nicht schon vor dem Gardinenöffnen wissen wie das Wetter ist. Ich möchte auch mal Wolken und Regen. Ich möchte es auch mal kalt und natürlich möchte ich Schnee. Alles in allem war es wirklich schön und wir hatten eine tolle Zeit. Aber wir sind schon froh, dass unser Aufenthalt nur temporär war.

wars den aufwand wert?

Zugegeben, es war gut, dass mir das Ausmass an Aufwand vorher nicht so ganz bewusst war. Allein schon der Visaantrag war ein Alptraum. Dann mussten Mieter für unsere Wohnung gefunden werden, die Wohnung erst aus und jetzt wieder eingeräumt werden. In Australien musste eine Wohnung gefunden werden, was nicht ganz leicht war. Wir mussten Dinge anschaffen, die wir eigentlich schon besitzen und dann wieder zurück lassen. Wir mussten einen Berg an Formalitäten erledigen, Tagesmutter ab- und wieder anmelden, Auto ab- und wieder anmelden, um die Krankenversicherung kümmern und und und. Das hat ganz schön Kraft gekostet. Und trotzdem wars das alles Wert. Ich empfinde es als Chance und Bereicherung eine Zeitlang in einem anderen Land leben zu können. Warum, habe ich eigentlich schonmal hier beschrieben. Ich habe schöne Dinge erlebt, die ich nie vergessen werde: wilde Delfine, ein Strand, der nur aus Muscheln besteht, Koalas, das Outback und so viel mehr. Ich habe endlich malwieder über einen Tellerrand geschaut, dieses mal über den vom 2. Gang. Und ich habe eine sehr wichtige Erkenntnis gewonnen. Nämlich, dass ich nicht überall hinpasse, aber extrem gut nach Finnland. Und dass es mir hier aber sowas von gut geht.

wuerdet ihrs wieder machen?

Kurz vor unserer Heimreise kam eine Rundmail von meiner Uni mit der Info, dass temporäre Auslandsaufenthalte von 3-6 Monaten gesponsort werden um Kollaborationen zu fördern. Ich habe sofort angefangen zu überlegen wo wir als nächstes hinfahren könnten…

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2 Antworten zu Australienresümee

  1. eni schreibt:

    na das war doch mal interessant :)
    danke fuer die ausfuehrliche antwort!
    lg eni

  2. Pingback: Wertschätzung | Pinni

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