Vom Sorgenknoten

Ich habe quasi seit einem halben Jahr einen Sorgenknoten im Bauch. Mal mehr mal weniger gross und manchmal schmerzhaft. Kann sein, dass ich zur Übertreibung neige, aber die Tagesbetreuung vom Räupchen ist mir sehr wichtig. Also, mir ist es wichtig, dass das Räupchen gut aufgehoben ist. Dass es sich wohl fühlt, Spass hat und gern da ist. Dass man sie dort gern hat, so gut das eben geht. Und dass ich selbst mich mit dem Ort und den Betreuern wohl fühle.

Es war wohl im Januar – wir waren noch in Australien und das Räupchen mit ihrem Papa zu Hause – da fing ich an mir Sorgen darüber zu machen ob wir im März nach unserer Rückkehr nach Finnland wohl einen guten Platz bekommen würden. Wir hatten einen Tagesmutterplatz beantragt, in der Hoffnung das Räupchen wieder bei ihrer vorherigen unterzubringen. Aber das sie ausgerechnet dann einen freien Platz hat war unwahrscheinlich. Und wenn eine andere, welche würde es werden?

Es kam wie es kommen musste und wir erwischten ausgerechnet die, die wir am allerwenigsten wollten. Die ersten 3 Wochen waren furchtbar. Dann wurde es besser, aber nie wirklich gut. Die Tagesmutter ist kein Monster, ich schrieb es schonmal. Und dennoch. Zum Beispiel haben wir bis heute noch nie ihre Wohnung von Innen gesehen, wissen eigentlich nicht wo sich unser Kind tagsüber aufhält, wo es isst und schläft. Komisch genug, oder?

Dann erfuhren wir, dass Räupchens alte Tagesmutter ab August Plätze frei hat und beantragten einen Wechsel. Ich wartete 5 Wochen lang unruhig auf eine Entscheidung, rief schliesslich an und der Sorgenknoten wurde winzig klein. Alles würde gut werden, nur noch 6 Wochen waren mit der alten Wachtel durchzuhalten. Wunderbar.

Drei Wochen später dann die SMS bei deren Lesen ich mir mehrmals die Augen wischen musste. Nie im Traum hätte ich mir vorstellen können, dass sich die alte Tagesmutter, die nun ab August die neue sein sollte, einen neuen Job suchen würde. Der Sorgenknoten nahm bisher unbekannte Ausmaβe an. Die Antragsfristen für August waren abgelaufen, alle Plätze sicherlich schon vergeben. Wir waren gerade in Deutschland und ich wusste überhaupt nicht mehr wie es jetzt weitergehen sollte.

Wir entschieden uns es nochmal mit einem Kindergarten zu versuchen. Für unter Dreijährige gibt es hier relativ wenig Plätze, aber eigentlich war ja ein Kindergarten genau das was wir von Anfang an wollten. Letztes Jahr schon. Ganz in unserer Nähe macht im August ein neuer privater Kindergarten auf. Das Werbeprospekt, dass wir vor Wochen im Briefkasten hatten sah sehr ansprechend aus. Online-Bewerbung ausgefüllt und ein paar Tage später angerufen. Voll. Den nächsten Antrag ausgefüllt. Voll. Und den nächsten. Voll. Bei den staatlichen wollte ich es gar nicht erst versuchen. Die wirklich rührige Chefin der Tagesmütter bot uns eine neue an, in einem sehr netten Stadtteil. Leider nicht unserem. Schliesslich rief sie mich wieder an und erzählte mir, dass genau ein Kindergarten in unserem Stadtteil noch freie Plätze hat. Welcher? Ach der…

Am nächsten Tag lernte ich wieder einmal, dass man sich von Äusserlichkeiten nicht abschrecken lassen sollte. Genau diesen Kindergarten hatten wir letztes Jahr schon ausgeschlossen, weil er uns von Aussen nicht zusagte (schrieb ich schon, dass ich zur Übertreibung neige?). Nun war er quasi unsere letzte Hoffnung und wir marschierten zur Besichtigung. Was soll ich sagen, wir waren sofort angetan. Ein kleiner privater Kindergarten mit 20-25 Kindern von 1-5 Jahre. Alles sehr familär. Helle, freundliche Räume, extrem nette Kindergärtnerinnen. Das sonst so schüchterne Räupchen löste sich sofort von uns, begann alles zu inspizieren und fühlte sich sichtlich wohl. Man schloss uns gleich in den Morgenkreis ein und nahm sich insgesamt eine Stunde Zeit uns alles zu zeigen und erklären. Schliesslich kam noch meine Frisöse mit ihrem Sohn rein. Meine Frisöse, muss man wissen, neigt noch viel mehr zur Übertreibung was die Tagesbetreuung ihres Sohnes angeht. Das er in genau diesen Kindergarten geht wusste ich nicht. Der Knoten begann sich zu lockern.

Ich eilte mit wehenden Haaren in die Uni und füllte die Online-Bewerbung aus. Innerhalb einer Woche wollte man sich melden. Ich begann wieder zu zappeln. Und zu warten. Und zu zappeln. Und mich zu sorgen. Heute waren dann zwei Wochen um und ich musste mich wieder mal überwinden und zum Telefonhörer greifen. Grosse Entschuldigung, letzte Woche war Urlaubswoche und so. Aber natürlich könne das Räupchen ab August in den Kindergarten kommen. JA? Aber ja!

Knoten gelöst. Ende gut, alles gut. Hoffe ich jetzt mal.

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8 Antworten zu Vom Sorgenknoten

  1. eni schreibt:

    das freut mich wirklich fuer euch!

  2. Windrose schreibt:

    Wunderschön! Ich freue mich für euch.

  3. suse schreibt:

    Na dann toi toi toi! Mal sehen, wie unsere den öffentlichen Kiga verkraftet, in 2 Wochen können wir zum Kennenlernen…

  4. Kathrin schreibt:

    Schön, dass es nun doch mit einem Kindergarten geklappt hat.
    Bei uns ist die schöne Kindergartenzeit ja nun leider schon in 10 Wochen vorbei.
    Endgültig!
    Bei der kleinen Schulanfängerin ist diesbezüglich aber keine Traurigkeit zu spüren. Erst recht nicht, da wir nun gestern endlich einen Schulranzen bestellt haben.
    Aber bis dahin habt ihr ja noch laaaaange Zeit!

  5. Martina schreibt:

    Ich kann deine Sorgen um eine gute Betreuung fürs Kind gut verstehen. Aber manchmal sind es wirklich nur Äußerlichkeiten, die einem Sorge machen. Bei uns genauso. Der einzige Kiga, der einen Platz für uns hatte, war der, den ich eigentlich überhaupt nicht wollte. Und jetzt ist mein Sohn schon 2 Jahre dort, fühlt sich pudelwohl und ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, dass dieser Kiga genau der Richtige für ihn ist. Alles Gute für Euch und den Start im Kindergarten!

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