Sturköppe

Ich bin ein ebenso grosser Sturkopp wie meine Mama. Und das Räupchen ist auf dem besten Wege dahin.

Freitag Abend. Ich bringe das Räupchen ins Bett. Es ist spät geworden, ich bin geschafft von der Woche. Und ich habe Kopfschmerzen. Das Räupchen hat schon mehrmals in der Dusche gegähnt und ich bin zuversichtlich, dass es einen baldigen Feierabend geben wird. Nach der Gutenachtgeschichte mache ich das Licht aus und das Räupchen stellt ihre üblichen Fragen. „Wovon träumst du heute, Mama?“ „Was hat dir heute am besten gefallen?“ Und schliesslich: „Singst du mir noch ein Gutenachtlied?“ Ich hole tief Luft. Ich möchte kein Lied singen. Ich möchte einfach nur still daliegen. Und bald Feierabend haben. Fange ich nämlich einmal an zu singen, so heisst es „Noch eins!“ und „Noch eins!“ bis ich heiser bin. Normalerweise finde ich das schön. Heute bin ich einfach nur ein müder Mensch mit Kopfschmerzen. Ich sage also, dass ich heute ausnahmsweise mal kein Lied singe. Aus genannten Gründen.

Neben mir ertönt ein entrüstetes „Dann kann ich aber gar nicht einschlafen!“. Ich sage, dass ich das nicht glaube und bis vor 2 Wochen ging es ja auch immer ohne Lied. Und dann beginnt eine nicht enden wollende Jammertirade. „Ich kann doch aber gar nicht einschlafen. Ach ja. Ohne Lied geht es gar nicht. Da kann ich nicht schlafen. Nein, das geht eben nicht…“ Nach einer Weile drohe ich damit das Zimmer zu verlassen. Das Räupchen wird still, aber sie hat beschlossen nicht ohne Lied einschlafen zu können. Oh ja. Sie rollt sich hin, sie rollt sich her und sendet stumme Anklagen an die herzlose Mutter.

Nach 45 Minuten weiss ich nicht mehr wie ich noch in dem kleinen Kinderbett liegen soll. Ich rege an doch nun mal zu schlafen. „Wenn du mir kein Lied singst, dann werde ich nie einschlafen!“ „Das glaube ich nicht“ sage ich, bin mir aber nicht mehr so sicher. Sie rollt sich hin, sie rollt sich her und flüstert „Wenn du mir nur ein Lied singen würdest!“ Unnötig zu erwähnen, dass ich meine Gesangesverweigerung längst bereue.

Nach einer Stunde und 15 Minuten, um 22:30, höre ich endlich gleichmässige Atemzüge neben mir. Ich schleiche mich aus dem Kinderzimmer. Den Feierabend hätte ich deutlich eher haben können. Dafür habe ich immer noch den dickeren Schädel.

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2 Antworten zu Sturköppe

  1. Pingback: “Kein schönes Land” | Pinni

  2. Wow, dass du das durchgehalten hast. Ich wäre wahrscheinlich schon nach fünf Minuten weich geworden. Hierher gefunden habe ich übrigens anlääslich des Geburtstages =) Schön, zu stöbern!

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