Freitag, der 14.

Ich habe Zahnschmerzen. Punkt 8 Uhr wähle ich die zentrale Terminausmachnummer. Die staatlichen Zahnärzte in Finnland, das muss man wissen, sind chronisch überbelastet. Oder unterbesetzt, wie man will. Ich höre Dudelmusik und mir wird gesagt, dass ich in der Warteschlange bin. Nach 2 Minuten werde ich rausgekickt. Ich wähle erneut. Es dudelt wieder bis ich rausgekickt werde. Na gut. Bringe ich das Räupchen eben erstmal in den Kindergarten. In der Gardarobe springen ihre Freundinnen herum. Alle haben sich ihre dünnen Frühlingshelmmützen über die Köpfe gezogen und spielen Piraten. Spielst du mit? Fragen sie das Räupchen. Ich hab nicht so ne Mütze sagt sie. Traurig. Mir fällt ein, dass in ihrer Ersatzklamottenkiste noch eine Strumpfhose liegt und ziehe sie ihr über den Kopf. Freundinnen lachen begeistert, Kind ist glücklich. Ich verabschiede mich von den Piraten. Im Auto rufe ich wieder beim Zahnarzt an. Düdel und Rausfliegen. Schön, fahre ich erstmal  zur Post. Dort möchte ich ein Geburtstagsgeschenk auf die Reise schicken. Ich wundere mich noch über die vielen Baufahrzeuge vor dem kleinen Supermarkt in dem neuerdings die Post ist. Und dann fällt mir wieder ein, dass mir der Iso erzählt hat, dass der Supermarkt umgebaut wird. Es sieht von aussen nicht so aus als würden da Kunden empfangen. Mist, das Geschenk muss heute los. Ich muss nun aber erstmal mal was arbeiten –  heute ausnahmsweise zu Hause, weil ich ja vorhabe zwischendurch zum Zahnarzt zu gehen. Als ich vorm Haus aus dem Auto steige fällt mein Blick auf den Fahrradkindersitz, der friedlich auf dem Rücksitz steht. Den hätte ich eigentlich am Kindergarten auspacken müssen, damit der Iso das Räupchen abholen kann. Mann! Ich laufe die Treppen nach oben, das Geschenk unterm Arm und… finde meinen Schlüssel nicht. Sowas, das kann doch gar nicht sein. Grad im Kindergarten hatte ich den doch noch. Da ist doch der Chip dran mit dem ich das Kind einlogge. Ich trippel die Treppen wieder hinunter, laufe zum Auto um nachzusehen ob er mir dort vielleicht aus der Jackentasche gefallen ist. Nichts. Ich durchwühle nochmal meine Taschen und siehe da! Da ist er ja. Hmpf. So, jetzt aber schnell. Gleich ist es nämlich um 9 und nach um 9, so habe ich gestern bereits gelernt, gibt es keine Notdiensttermine mehr beim Zahnarzt. Nach zwei Versuchen komme ich durch:

Zahnarztterminausmachstelle hier.

Ja, guten Morgen, hier Pinni.

Waaas?

Guten Morgen!

Ich kann dich ganz schlecht hören.

HIER IST PINNI. ICH HABE ZAHNSCHMERZEN.

Aha. Wie schlimm ist es denn?

Pinni seufzt. Entschliesst sich dann aber ehrlich zu sein. Es tut eigentlich nur weh wenn ich was kaltes esse oder trinke, aber dann schlimm. Ich war auch schon vor 2 Wochen deshalb beim Zahnarzt, aber es tut immer noch weh.

Es hat also nichts genützt?

Nein.

Sozialnummer bitte.

blabla

Ja, aber du hast doch einen Termin im Juni.

Ja, der Zahn braucht eine Wurzelbehandlung. Aber der Arzt hat gesagt, dass ich eher wieder kommen soll wenn die Schmerzen nicht verschwinden. Und ehrlich gesagt ist das auch nicht angenehm.

Hm, also für heute gibt es keine Notdiensttermine mehr. Da musst du gleich früh um 8 anrufen.

Ach…

Aber weisst du. Wenn es nur dann weh tut wenn du etwas Kaltes isst, dann brauchst du doch einfach nichts Kaltes mehr zu essen. Das kannst du doch selbst beeinflussen. Dann hälst du das gut bis Juni aus.

Es tut aber auch weh wenn ich draussen bin. An der kalten Luft.

Na, es wird ja jetzt Frühling.

Schön, ich rufe also am Montag um 8 nochmal an.

Versuch’s mal ohne kaltes Essen. Und wenn es ganz schlimm wird kannst du ja auch erstmal Schmerztabletten nehmen.

Supertip! Danke vielmals! Tschüss.

Tschüss.

Dann rufe ich den Iso an um ihm mitzuteilen, dass er das Räupchen nicht abzuholen braucht. Und erzähle ihm gleich von meinem Postdilemma. Ja, der Supermarkt wird umgebaut, aber die Post hat trotzdem auf. Das sah aber nicht so aus. Doch doch, das stand doch auch in der Zeitung. Hab ich dir doch erzählt. Stimmt…

Jetzt habe ich mir zur Beruhigung erstmal eine Tasse Tee gekocht. Zahn tut jetzt auch bei heiss weh, merke ich.

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3 Antworten zu Freitag, der 14.

  1. Karen schreibt:

    Können wir dich vielleicht unter meiner Sozialnummer in unsere Ausbildungszahnklinik schmuggeln? ;-)

    (Mein befreundeter mazedonischer Zahnarzt – derzeit tätig im kommunalen Terveyskeskus – sagt dazu: „Immer sagen, dass es überhaupt nicht mehr auszuhalten ist. Wenn du erst beim Arzt bist, dann bist du da. Dann muss der auch was machen.“)

    ((Kein Stress mit der Post! Das Fräulein Maus freut sich auch einen Tag später noch!))

    • Pinni schreibt:

      Das wäre vielleicht was, aber wenn man die Reisekosten bedenkt kann ich auch zum Privaten gehen ;)

      (Ich versuche doch gerade dem Räupchen beizubringen, dass man nicht lügt.)

      ((Ich muss ja sowieso heute noch mal los zum Kindergarten…))

  2. Pingback: Kalenderwoche 20 | Pinni

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