Forschungsgelderlotto, die Soundsovielte

Gestern war Ziehung. Ich nehme es gleich vorweg, ich habe wieder nicht gewonnen. Jedenfalls kein Geld.

Als die Entscheidungen vor einem Jahr fielen war der negative Bescheid natürlich doof für mich. Arbeitslos und ohne Plan B in der Hinterhand. Das Schlimmste aber, und das habe ich erst gestern begriffen, war das Gutachten. Ein Gutachten, das ein ganzes Jahr lang mächtig an mir genagt hat.

Die Bewerbung für diese durchaus sehr üppigen Forschungsgelder besteht hauptsächlich aus einem Forschungsplan und dem eigenen CV. Diese werden dann von unabhängigen Gutachtern bewertet, die jährlich wechseln. Leuten, die Ahnung haben vom Fach. Die schreiben ein mehrseitiges Gutachten (es geht um wirklich sehr viel Geld) und vergeben eine Note.

Letztes Jahr bekam ich eine sehr schlechte Note. Und ein wirklich miserables Gutachten. Gut, ich hatte mich mit dem Antrag ein bisschen auf’s Glatteis gewagt, weil ich über ein (für mich) komplett neues Thema geschrieben hab. Aber eigentlich verstand ich die Welt nicht mehr, denn bei aller Bescheidenheit, SO schlecht war der Forschungsplan nun auch wieder nicht. Und ich selbst, als Wisschenschaftlerin, nämlich auch nicht. Dieses Gutachten war ein Schlag in mein Gesicht.

Schon vor vielen Jahren sagte mir meine Doktormutter, dass ich diese Arbeitssachen, wie abgelehnte Manuskripte, nicht immer so persönlich nehmen soll. Aber ich kann nicht anders. Ich stecke da mein Herzblut rein. Wenn ich ein Manuskript oder einen Forschungsantrag einreiche, dann ist das jeweils das Beste, das ich aus mir rausholen konnte. Wie soll ich also eine schlechte Note nicht persönlich nehmen?

In diesem Jahr habe ich eine sehr gute Note bekommen. Und ein Gutachten, dass runtergeht wie Öl. Lobpreisungen und Anerkennung. Und auch wenn ich nicht zu den glücklichen 11 (von etwa 100) gehöre, die die Gelder bekommen haben, so stehe ich immerhin auf der Ersatzliste.

Nun ist es eher unwahrscheinlich, dass jemand seine Gelder absagt (bzw mehrere, ich stehe nämlich nicht auf Platz 1). Und trotzdem bin ich glücklich. Gestern war ich geradezu euphorisch. Ich habe die Nachricht im Auto sitzend im Handy gelesen. Und dann erstmal laut ”Wusst ich’s doch, ihr Scheisser!” geschrien (Im Auto schreien, scheint irgendwie dazuzugehören). Mein Gehalt für die nächsten zwei Jahre ist sicher. Viel praktischer wäre es sowieso, wenn ich die Gelder im nächsten oder übernächsten Jahr bekommen würde :)

Woran man übrigens sieht, dass das hier wirklich eine Lotterie ist? Ich habe zweimal quasi den gleichen Antrag eingereicht.

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