Von Welten

Eigentlich möchte ich schon seit Wochen vom Sommer erzählen, der ja – trotz allem – auch sehr schön war. Mit meiner Familie zu Besuch, mit der Fischarbeit und dem grandiosen Wetter. Aber ich komme nicht dazu. Deshalb lasse ich einfach mal ein paar Bilder hier und mache mit dem Jetzt weiter.

 Von Welten also. In diesem Semester belege ich einen Pädagogikkurs für Leute, die an der Uni lehren. Gestern ging es los und ich ich habe mit dem Hörsaal eine völlig neue Welt betreten. Ein bisschen erinnert mich das an mein einst belegtes Nebenfach Umweltrecht, dass ich bei und mit Juristen abgelegt habe. Ich war es einfach nicht gewohnt, dass alles so schwammig ist – in den Naturwissenschaften gibt es Gesetze, die eben so sind und Hypothesen, die man überprüfen kann. Und dann dieses ewige Gerede, während wir stets versuchen uns so prägnant wie möglich auszudrücken. Faszinierend. Seit gestern scheint mir, dass Pädagogik noch viel schwammiger und schwafeliger ist. Zwei Tage lang habe ich jetzt darauf gewartet, dass es endlich richtig los geht, denn wir sind nur am Reden und uns selbst reflektieren. In Wahrheit hat es vermutlich bereits gestern 9:15 begonnen, als jeder sich ein Bild raussuchen musste, dass die eigene Lernerfahrung beschreibt und uns in der darauffolgenden Gruppenarbeit scheinbar dabei geholfen hat eine soziale Sicherheit in der Gruppe aufzubauen. Überhaupt Gefühle, die sind ganz gross. Jeder Tag beginnt und endet mit einer Gefühlsrunde, in der jeder Gruppenteilnehmer eine Minute lang seine Gefühle äussern muss darf. Mit Sanduhr. Ich rang mir also heute Morgen kurz was ab, was auch mit neuen Welten zu tun hatte, und schaute dann 40 Sekunden lang schweigend zu wie der Sand nach unten rieselte. Später erfuhren wir, dass diese Methode dazu dient auch mal die Schüchternen zu Wort kommen zu lassen. Schön und gut, aber die einzige Schüchterne in der Gruppe schöpfte eben ihre Minute nicht aus. Trotzdem bin ich sehr gespannt wie es demnächst weiter geht.

Neue Welten auch, weil ich in der englischsprachigen Gruppe bin. Acht Leute aus sieben Nationen. Die Doppelbelegung ist dieses mal übrigens nicht Russland, Estland oder Deutschland wie sonst immer, sondern Kolumbien. Und sie alle allein schon dabei zu beobachten, wie sie ihre Klischees bedienen, ist herrlich. Ich liebe es wie die Kolumbianerinnen mit ihren Händen sprechen. Das Englisch des Inders ist Komik vom Feinsten. Die übertriebene und leider falsche Freundlichkeit des Briten stösst etwas auf. Der Kanadier ist zurückhaltend. Der Schwede ist haargenau so wie die Finnen ihn immer malen. Die Spanierin kann es nicht fassen, dass die Mittagspause um 11 Uhr beginnt. Und ich bin immer die, die um Struktur und klare Anweisungen bittet ;) Interessanterweise harmonieren wir ausgesprochen gut.

In der Pause ärgere ich mich ein bisschen, weil respektlos über Finnland und die Finnen hergezogen wird. Als wir später etwas Besonderes über uns selbst erzählen sollen (…) nutze ich meine Zeit und sage, dass ich Finnland liebe, insbesondere wegen der Menschen, deren Charakter meinem eigenen ziemlich nah kommt. Am Ende des Tages bin aber auch ich sehr unfinnisch, weil ich mich tierisch freue, dass eben nicht alle schnell davon rennen, sondern sich ganz natürlich vorm Gebäude sammeln um zu überlegen wo man noch gemeinsam einen Kaffee trinken könnte. Und dann gehen wir einen Lulosaft im kolumbianischen Cafe (was wir hier nicht alles haben!) trinken und bevor wir endlich aufbrechen, machen wir lachend noch einmal die Sanduhrnummer.

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