Kreta

  • Es war unser erster Urlaub in solch einer Touristenhochburg. Oder na, das stimmt eigentlich nicht, aber bisher haben wir noch überall ruhige Plätzchen gefunden. Das war auf Kreta fast unmöglich. In unserem Reiseführer stand, dass es im Oktober kaum noch Touristen gibt. Wenn das so ist, möchte ich Kreta niemals im Sommer erleben. Klar, jeder will mal in den Urlaub fahren. Und warum so viele genau dorthin fahren verstehe ich auch bestens. Aber es scheint der Insel nicht gut zu bekommen. Und man fühlt sich oft veräppelt.
Venezianischer Hafen von Chania. Links: Touristennepp, rechts: Tavernen, in die man förmlich reingezerrt wird. Aber sehr schön anzusehen.

Venezianischer Hafen von Chania. Links: Touristennepp. Rechts: Tavernen, in die man förmlich reingezerrt wird. ABER: sehr schön anzusehen.

  • Hauptsächlich ging es aber in diesem Urlaub – nach dem anstrengenden Sommer, den ich fast ausschliesslich in kühlen, fensterlosen Räumlichkeiten verbracht habe – um Erholung, Wärme und Sonne. Und dafür war es ganz genau richtig. Drei Wochen in Sandalen. Ohne einen einzigen Regentropfen. Mit sehr gemächlichem Leben.

    Balos. Wenn das kein Traum von einem Strand ist, dann weiss ich auch nicht.

    Balos. Ich fühle mich schon wieder ganz erholt wenn ich nur das Bild ansehe.

  • Zu Balos fällt mir gleich eine Geschichte ein. Aus Regeln machen sich die Griechen wohl nicht viel. Trotz beispielsweise Rauchverbot in Gastlichkeiten stehen überall die Ascher auf den Tischen und werden rege genutzt. Es gibt eine ausgeprägte Waffenkultur und ein interessantes Fahrverhalten im Strassenverkehr. Jedenfalls, der sehr nette Hotelbesitzer empfahl uns den Strand Balos. Um dort hin zu gelangen, sprach er, muss man allerdings eine quasi nicht befahrbare Strasse fahren. Da müsst ihr die Kleine richtig gut festhalten! Ich wusste zunächst gar nicht worauf er hinaus wollte (Wie, am Strand dann? Ist es da sehr windig?) bis mir irgendwann einfiel, dass dort Anschnallgurte ja nur zur Zierde in Autos hängen und es so etwas wie Kindersitze gar nicht gibt.

    Zerschossen sind eigentlich fast alle Strassenschilder der Insel. Wenn nicht dass, dann mit Sprayfarbe übermalt. Die meisten Einschusslöcher sind allerdings sehr klein. Womit hier geballert wurde möchte ich lieber nicht wissen.

    Zerschossen sind eigentlich fast alle Strassenschilder der Insel. Wenn nicht das, dann mit Sprayfarbe übermalt. Die meisten Einschusslöcher sind allerdings sehr klein. Womit hier geballert wurde möchte ich lieber nicht wissen.

  • Wir wussten bisher auch noch nicht, dass sich die einzelnen Touristennationen auf die Orte der Insel aufteilen. Zuerst waren wir in einer deutschen Hochburg. Für uns, die im Alltag selten jemanden Deutsch sprechen hören, ist das immer ziemlich ulkig. Besonders das Räupchen war sehr verwundert und wies uns lautstark auf jeden anderen Deutschsprechenden hin. Einmal lauschte sie eine ganze Weile einer bayrischen Familie und fragte schliesslich „Und welche Sprache sprechen die?“. Agia Galini im Süden der Insel kam in unserem Reiseführer nicht besonders gut weg. Wir mochten es dort aber sehr und es war mit Abstand der schönste der drei Orte, in denen wir wohnten.

    Agios Galini. Hier begann, was mit einigen extra Kilos auf den Rippen drei Wochen später endete.

    Agia Galini. In der Taverne Onar (vorn links) begann am ersten Abend, was mit einigen extra Kilos auf den Rippen drei Wochen später endete. Liebe zur griechischen Küche.

  • Das griechische/kretische Essen! Ich weiss zwar nicht genau warum es als so gesund gepriesen wird (Doch! Des Olivenöls und der Kräuter wegen.) aber es war sehr lecker. Neben all den Souvlaki, Moussaka und Jemista habe ich kiloweise Joghurt mit Honig gegessen und literweise frisch gepressten Orangensaft getrunken. Und dann erst die Bäckereien. Nach Betreten habe ich mich jedes mal zuerst für 10 Minuten verzweifelt im Kreis gedreht, weil ich am liebsten alles probieren wollte. Aber egal wofür man sich schliesslich entschied, es war köstlich.

    Oliven. An jeder Ecke und auf jedem Teller.

    Oliven. An jeder Ecke und auf jedem Teller.

  • Am allerbesten haben mir die Bergdörfer gefallen. Dort war es so… es schien doch noch recht ursprünglich zu sein. Natürlich gab es auch hier die unvermeidlichen Kitschsouveniershops, aber der grösste Teil schien ausgesprochen nett, unaufgeräumt und echt.

    Neben einer Bergdorfkirche.

    Neben einer Bergdorfkirche.

  • Die Bremer Stadtmusikanten haben wir übrigens auch getroffen. Sehr zur Freude des Räupchens. Sie schienen zwar derzeit getrennter Wege zu gehen, aber dennoch.

    Esel. Irgendwo im Süden.

    Irgendwo im Süden.

  • Einer unserer grossen Pläne war ja Muscheln sammeln, darauf hatten sich das Räupchen und ich schon lange gefreut. Da wussten wir noch nicht, dass die meisten Strände steinig sind. Aber wir sind ja flexibel und wühlten auch mit leuchtenden Augen in den rundgeschliffenen Steinen. Den ganzen Urlaub lang waren wir dann immer wieder mit Aussortieren beschäftigt, denn mit allen Fundstücken im Gepäck hätte das Flugzeug sicher nicht abheben können.

    Fundstücke von Agios Pavlos.

    Fundstücke von Agios Pavlos arrangiert auf der traumhaften Terrasse unserer Ferienwohnung.

  • Nach einer Woche kehrten wir dem Süden den Rücken und fuhren in den Nordosten. Mali ist wirklich ein Ort des Grauens und auch das Hotel war eher nicht so meins (am Pool lief den ganzen Tag sehr laut Musik, gern auch mal – denn nun befanden wir uns in der niederländischen Hochburg – niederländische Schlager), aber dafür waren wir direkt am Strand, wo das Räupchen unzählige Sandburgen schuf und ansonsten waren wir sowieso immer unterwegs.

    dikti

    Dikti-Höhle. Kann man sich schon irgendwie gut vorstellen, dass hier Zeus zur Welt kam.

  • Jeden Tag entdeckte das Räupchen auf unserem Souvenirkartenspiel (das ich gekauft hatte um Abends mit dem Iso zu spielen, aber dann lernte sie ja Mau Mau und das mussten wir täglich mehrere Stunden spielen und konnten Abends die Karten nicht mehr sehen) bei dem auf jeder Karte eine Sehenswürdigkeit Kretas zu sehen ist etwas neues Bekanntes. „Da waren wir ja heute!“ Von Knossos gibt es gleich mehrere Karten und noch immer (denn die Mau Mau Begeisterung ist ungebrochen) rufen wir bei jeder dieser Karten laut zusammen KNOSSOS. Es ist solch ein lustiges Wort. Warum genau das die grösste Touristenattraktion Kretas ist erschliesst sich mir nicht. Also ja, das ist schon spannend und bestimmt kommen viele Geschichtsinteressierte extra nach Kreta, weil es dort so viel zu sehen gibt, aber dass sich so viele Menschen für „alte Steine“ interessieren sollen? Vielleicht liegt es nur an meiner eigenen Ignoranz. Ich mochte allerdings die Fresken sehr und konnte auch das Räupchen begeistern. Der Stierspringer hat sie noch lange beschäftigt.

    Knossos.

    Knossos.

  • Nummer 2 der Bremer Stadtmusikanten trafen wir in Iraklion. Es war jedoch nicht ganz klar welcher von beiden der Richtige ist.

    Morosini-Brunnen in Iraklion.

    Morosini-Brunnen in Iraklion.

  • Nach einer weiteren Woche ging es in den Westen. Welche Nation die Region, in der unser Hotel stand, okkupiert gebe ich als Rätsel auf. Während man gemütlich beim Frühstück sass, irritierten einen plötzlich Heerscharen an Joggern, die den Strand auf und ab rannten. Um 11 Uhr vormittags waren alle Tavernen prall gefüllt, während wir sonst gegen 12 immer die Ersten und Einzigen waren. Alle Restaurantbesucher bestellten ausschliesslich Pizza. Nachmittags strömten die Heerscharen plötzlich alle in den örtlichen Supermarkt und beim Verlassen sah man grosse Mengen Bier durch die Einkaufstüten schimmern. Ach ja, und alle Speisekarten waren auf Finnisch :-)

    Nochmal Chania.

    Nochmal Chania.

  • Ursprünglich hatten wir auch geplant viel zu wandern. Das erwies sich aber aus zwei Gründen schwierig. Zum einen war es oft schlichtweg zu warm und zum anderen war die Sache mit der Ausschilderung nicht ganz ausgereift. Man hätte sich vorher einen Wanderführer besorgen sollen. Trotzdem waren wir ein paar mal zu Fuss unterwegs und am beeindruckendsten war die Wanderung durch die Imbros-Schlucht (in der man sich ja gar nicht verlaufen kann, so schmal ist sie). Tatsächlich gehört die Wanderung zu Räupchens Lieblingserinnerungen (zu meiner auch) und sie ist wahnsinnig stolz darauf die 8 km geschafft zu haben (unnötig zu erwähnen, dass wir unterwegs mehrmals Mau Mau gespielt haben). Ich glaube aber noch besser hat ihr die Fahrt zurück zum Ausgangspunkt mit dem Pickup gefallen. Natürlich sass ein Grieche am Steuer und mehr als sehr schmale und kurvige Bergstrasse brauche ich gar nicht zu sagen.

    Imbros-Schlucht.

    Imbros-Schlucht.

  • In unserem Hotel ereignete sich auch ein sehr rührendes Gespräch zwischen dem Räupchen und zwei Katzen. Man muss dazu wissen, dass sie Katzen zwar einerseits sehr mag, aber andererseits auch grosse Angst vor ihnen hat. Hier aber war sie in Sicherheit, denn sie befand sich auf unserem Balkon und die Katzen auf einem nahe gelegenen Dach. Es begann mitten beim Frühstück, die beiden hatten wohl grossen Hunger und maunzten kläglich zu uns rüber. Wir hatten nichts anderes als Brot (bzw. liess sich Milch schlecht rüber werfen), aber der Hunger muss so gross gewesen sein, dass die dies nicht verschmähten. Das Räupchen hatte fortan gar keinen Hunger mehr und begann ihr Gespräch, das noch lange nachdem der Frühstückstisch abgeräumt war andauerte. Unter anderem demonstrierte sie den Katzen in ihrem Urlaubsmalbuch wie man Prinzessinnen malt, zeigte diverses Spielzeug vor und machte Sympathiebekundungen. Die beiden sassen da wie vom Donner gerührt und hörten sehr aufmerksam zu.

    Dies hier ist allerdings keine der beiden, sondern Sophia, die wir in Spili trafen. Sie ist Nummer 3 der Bremer Stadtmusikanten.

    Dies hier ist allerdings keine der beiden, sondern Sophia, die wir in Spili trafen. Sie ist Nummer 3 der Bremer Stadtmusikanten.

  • Im Westen fanden wir auch unser aller Lieblingsstrand. Elafonisi. Er wird mit Karibikstränden verglichen. Das Wasser dort ist türkis, glasklar und so flach, dass man einfach zur nächstgelegenen Insel waten kann. Ein Traum für Kinder, aber auch wir Grossen waren sehr sehr angetan. Ein wunderschönes Stück Kreta.

    Elafonisi. Auf dem Weg zwischen Festland und Insel.

    Elafonisi. Auf dem Weg zwischen Festland und Insel.

  • In unserer letzten Woche neigte sich die Touristensaison dem Ende. Jeden Tag schloss eine andere Taverne und in den übrigen bekam man nur noch ausgewählte Gerichte, weil wir schliessen morgen. Für uns fühlte es sich nach 3 Wochen auch genau richtig an wieder nach Hause zu fahren. Ich habe mich schon lange nicht mehr so erholt gefühlt. Ich habe so viel Sonne getankt, dass ich es jetzt gut bis nächsten Mai aushalten kann. Wir haben ein für uns neues Stückchen Erde entdeckt und hatten eine grossartige Zeit.

    raupenhandstand

    Raupenhandstand bei Agios Nikolaos.

  • Den Hahn habe ich leider nicht fotografiert. Dafür aber die boshafte Ziege aus Tischlein deck dich.

    ziege

    Mäh.

Dieser Beitrag wurde unter Ausgeflogen, Räupchen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Kreta

  1. Karen schreibt:

    Ich habe schallend gelacht (Absatz 12). :-)

  2. Dana schreibt:

    Was für ein toller Bericht!! Informativ, witzig geschrieben und schön gestaltet
    Verfolge den Blog schon seit Längerem als stille Leserin.

  3. Pingback: Skiferien, Tag 3 | Pinni

  4. Kathrin schreibt:

    Durch Zufall und deinen Link vom aktuellen Artikel drauf gekommen. Super Sache und tolle Tipps. Unser Junior fliegt mit uns im Sommer dort hin. Leer wird es wohl nicht sein, aber ein paar Ecken im Bericht klingen interessant.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s