Myllykoski

Es war ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater, aber eigentlich habe ich mir damit selbst einen langgehegten Wunsch erfüllt. Eine Fahrt mit der Myllykoski.

Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal den Bootssteg der Forschungsstation betrat, stand dort ein altes rostiges Boot, das ich sofort in mein Herz schloss. Es gehörte nicht zur Station, war aber auch nicht mehr in Gebrauch. Wie oft sassen wir darauf. Zwischen Saunagängen und Schwimmrunden, zum Sonnenuntergang gucken, zum schwatzen und zum Angel auswerfen. Wie oft habe ich mir gewünscht es würde einfach losfahren. Es stand aber da, schaukelte ein bisschen im Sommer, wie festgewachsen im Winter.

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Vor vier Jahren sank es plötzlich. Das Eis hatte es beschädigt, Wasser drang ein. Zum Glück ist es an der Stelle nicht tief (genaugenommen 1.60 m, das habe ich mit dem Räupchen erst nachgemessen) und der grösste Teil des Bootes schaute immer noch heraus. Aber es war ein trauriger Anblick. Und dann, eines Tages, war es verschwunden. Bis heute kommt mir der Bootssteg leer und unvollkommen vor.

Ein Mann, dem das Boot offensichtlich auch ans Herz gewachsen war und der es schon seit längerer Zeit kaufen wollte, hatte es endlich bekommen. Er restaurierte es und schuf ein Sommerhäuschen für sich und seine Frau.

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Und weil wir jetzt Nationalpark geworden sind, bietet er Rundfahrten damit an und so kam es, dass wir mit einer Handvoll Leuten an Bord gingen. Wir wurden herzlichst willkommen geheissen, eine Karte wurde ausgerollt und die Route erläutert und schliesslich tuckerte der alte Motor los.

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Es wurde die schönste Bootsfahrt, die ich je gemacht hatte und die gleiche Begeisterung war auf allen Gesichtern zu lesen. Vielleicht, weil wir eingeladen wurden uns wie zu Hause zu fühlen und das ganze Boot zu erkunden.

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Vielleicht, weil extra ein Fernglas gebracht wurde, damit wir die Fischadler besser sehen konnten.

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Ganz sicher auch, weil bei jeder Sehenswürdigkeit eine junge Frau herum kam und uns auf alles aufmerksam machte. „Auf dieser Insel steht das einstige Sommerhaus von Urho Kekkonen.“ „Seht ihr dort drüben die vielen umgestürzten Bäume? Das ist bei dem Sturm  vor 5 Jahren passiert.“ (An den sich sogar noch meine Eltern erinnerten.) „Das hier ist die Wetterstation der Uni.“

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Und dann las sie von einem Tablet die aktuellen Temperaturen in 1.5 m, 10 m und 42 m Tiefe ab. „Guckt mal, hier ist noch ein Fischadlernest.“

Wer genau hinschaut, sieht ihn um seine Insel kreisen.

Wer genau hinschaut, sieht ihn um seine Insel kreisen.

Ich lief von links nach rechts und von vorn nach hinten. Ich staunte die Wolken an, die Inseln und das Glitzern der Sonne auf dem See. Ich kannte all das, aber es von der Myllykoski aus zu sehen war perfekt. Dann machten wir an einer Insel fest, auf der frisch gebackener Apfelkuchen und Kaffe gereicht wurden. Ich musste feststellen, dass das Boot überall malerisch aussieht, selbst noch mit dem modernen Dach, das es inzwischen bekommen hat.

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Nach den gut zwei Stunden fühlte ich mich regelrecht urlaubserholt. Das war so toll!

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2 Antworten zu Myllykoski

  1. Wie schön, dass nicht nur dir das Schiff ans Herz gewachsen ist, sondern auch dem neuen Besitzer. Kaffee und Apfelkuchen auf einer Insel! Herrlich!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

  2. fraupanne schreibt:

    so schön, geschichte und bilder!

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