Eine Art Urlaubsbericht

Nachdem ich letztes Wochenende über eine Stunde lang mit der Tastatur klapperte um am Ende gerade die ersten zwei Urlaubstage beschrieben zu haben, musste ich die Strategie ändern um noch vor Ablauf der Verjährungspflicht fertig zu werden. Deshalb beantworte ich hier jetzt einfach noch mal „schnell“ all die Fragen, die mir seit meiner Rückkehr schon gestellt wurden.

Pinni, du bist so braun, wo warst du denn?

In den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wir sind mit einem gar nicht mal so kleinem, aber dem kleinsten Auto weit und breit, kreuz und quer durch die Föderation gefahren.

und meistens sah das so aus

Und meistens sah das so aus.

War es da nicht heiss?

Logisch. Die wärmste Temperatur, die wir am Autothermometer abgelesen haben, war 44 Grad. Meistens waren es tagsüber knapp 40 Grad und Abends etwas über 30. Mit ziemlich hoher Luftfeuchte, die ich so jetzt erstmal nicht in der Wüste erwartet hatte. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, fühlte es sich so an als würde man gegen eine  Wand rennen. Aber nach einer Weile haben wir uns daran gewöhnt und gelernt, dass man sich tagsüber am besten am Wasser aufhält und die Ausflüge auf den späten Nachmittag verschiebt. (Früher Morgen wäre natürlich auch möglich gewesen. Theoretisch.)

32 Grad Wassertemperatur, perfekt um ohne zu zögern einzusteigen und erst nach 2 Stunden wieder rauszukommen.

32 Grad Wassertemperatur, perfekt um ohne zu zögern einzusteigen und erst nach 2 Stunden wieder rauszukommen.

Musstest du dich dort nicht verschleiern?

Nein. Die Arabischen Emirate gelten als offen und tolerant. Anders funktioniert das vielleicht auch nicht, in einem Land, in dem 80% der Einwohner Ausländer sind (und viele davon eben nicht Muslime). Dennoch sollte man sich respektvoll kleiden und nicht zu viel Haut zeigen, Schultern und Knie bedecken. In nicht-touristischen Gebieten gab es einige Situationen in denen ich mir ein Kopftuch gewünscht hätte, einfach weil ich extrem angestarrt wurde. Während in Thailand Menschen auf uns zeigten und sich kaputt lachten, oder mich in Japan Leute fragten ob sie mich mit ihren Kindern fotografieren könnten, war hier das Starren sehr unangenehm und aufdringlich. Nur einmal, als wir eine Moschee besuchten, musste ich mir ein schwarzes Gewand überwerfen (und dann die ganze Zeit dem Drang widerstehen mir die Kapuze vom Kopf zu reissen, das war sehr warm da drunter).

Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi

Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi

Moschee? Wie ist das da so?

Also, ich war jetzt auch nur in einer und zwar einer recht modernen, die vor gerade mal 8 Jahren eröffnet wurde. Aber ich fand sie überraschend schlicht. Nachdem ich vorher gelesen hatte, dass es die grösste Moschee der Arabischen Emirate ist, für deren Bau viel Mamor und Blattgold verwendet wurde und die ausserdem den grössten Kronleuchter der Welt und den grössten handgeknüpften Teppich der Welt beheimatet (das lieben sie da, dieses grösste der Welt Ding), hatte ich überladenen Prunk erwartet. Aber es war sehr hell und blumig und wirklich schön anzusehen. Gern hätte ich noch eine alte Moschee besucht, aber zu den allermeisten haben nicht-Muslime keinen Zutritt.

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Innen blumig

Und wo hat es dir am besten gefallen?

In Liwa, fernab von den grossen Städten. Gleich neben dem Hotel, in dem wir quasi die einzigen Gäste waren, begannen die endlosen Sandberge. Ich liebe Wüsten und habe schon einige gesehen. Aber abgesehen von einem kleinen Teil im Death Valley war noch nie eine Sandwüste dabei. Dabei sind sie die allerschönsten.

Wüste bei Mezira'a

Wüste bei Mezira’a

Dort sind wir auf eine der (Achtung!) höchsten Dünen der Welt gestiegen. Ein etwa 120 m hoher Sandberg, den wir auf allen Vieren bestiegen.

Eine Stunde bis zum Gipfel. Fünf Minuten wieder nach unten.

Eine Stunde bis zum Gipfel. Fünf Minuten wieder nach unten.

Obwohl ich sonst gar nicht der Typ dafür bin, habe ich unterwegs fast aufgegeben. Aber da hätte ich echt was verpasst. Genau als wir oben angekommen und uns rittlings auf den Dünenkamm gesetzt hatten, ertönte von unten der Gebetsruf und untermalte diese wunderschöne Landschaft.

Auf der Moreeb Düne.

Auf der Moreeb Düne

Am zweitschönsten war es übrigens an der Ostküste bei Al Aqah, wo wir mit den Bergen im Rücken gemeinsam mit Schildkröten im Meer schwammen und drei besonders erholsame Tage verbrachten (schwimmen, Eis essen, schwimmen, Milchshake, schwimmen…).

Snoopy Insel. Soll so aussehen wie Snoopy, der auf seiner Hundehütte liegt. Aus einem anderen Blickwinkel kommt es eher hin.

Snoopy Insel. Soll so aussehen wie Snoopy, der auf seiner Hundehütte liegt. Aus einem anderen Blickwinkel kommt es eher hin.

Dort besuchten wir auch Dibba, eine kleine Grenzstadt zum Oman, die mir irgendwie so herrlich normal vorkam. Es war spannend dort am Abend durch Wohngebiete zu fahren und links und rechts der Strasse zu sehen wie sich Emiraties in Gruppen sammelten, etwa im Kreis auf blauen Plastikstühlen sassen, um zu schnacken (nehme ich an).

Blick zum Oman

Blick zum Oman

Und Dubai?

Ja, Dubai. Ist eine grosse, volle Stadt. Dennoch, am Fusse des Burj Khalifa (höchstes Haus der Welt) zu sitzen und die Dubai Fontänen (Ahnt ihrs? Grösste Wasserfontäne der Welt.) zu arabischer Musik tanzen zu sehen, das hat schon was.

Burj Khalifa, 828 m hoch

Burj Khalifa, 828 m hoch

Auch der Ausblick aus der 125. Etage ist natürlich beeindruckend, wobei ich die Aussicht vom Rockefeller  Center in New York, 55 Etagen tiefer, ehrlich gesagt faszinierender fand. Der Besuch eines Gewürzbasars war eine Enttäuschung. Neben ein paar Gewürzständen gab es hauptsächlich Nepp. Trotzdem wäre ich ganz gern eine Weile durch die etwas kühleren, engen Gassen geschlendert, wenn nicht die Verkäufer so derart aufdringlich gewesen wären. Ja ja gehört dazu, ist aber überhaupt nicht mein Ding. Einen Tag verbrachte ich mit Pauline in der Dubai Mall (Na? Grösstes Shopping Center der Welt.), weil unser armer Chauffeur krank im Bett lag. Es würde mir nicht im Traum einfallen ein Auto durch Dubai zu lenken, öffentliche Verkehrsmittel kamen nicht zu unserem Hotel, aber das Hotel bot einen Shuttle zu den Shopping-Centern an. In der Dubai Mall gibt es ein sehr schönes Aquarium mit man höre und staune: der grössten Acrylglas-Scheibe der Welt und einem sehr netten Unterwasser-Zoo (ja, IM Einkaufszentrum). Ausserdem gab es da noch diesen riesigen Süssigkeitenladen mit den tollsten Bonbons (und mit Lakritze aus unserer Stadt).

Im Unterwasser-Zoo

Im Unterwasser-Zoo

Was gab es denn da zu essen?

Schlimm. Dass es schwer sein würde authentisches Essen, das über Datteln hinausgeht, zu finden hatte ich vorher schon gelesen, aber dass sich Burgerbude an Burgerbude reihen würde, hatte ich nicht erwartet. Zum Glück gab es auch viele Inder und Thai-Restaurants, das geht ja immer. Einmal ass ich auch „German Doner“. Und die Supermärkte waren schon oft sehr cool.

In einem Supermarkt in Dubai. Gerade als ich abdrückte kam ein Sicherheitsmann, um mir zu sagen, dass Fotografieren verboten sei. Ups.

In einem Supermarkt in Dubai. Gerade als ich abdrückte kam ein Sicherheitsmann, um mir zu sagen, dass Fotografieren verboten ist. Ups.

Habt ihr euch den Magen verdorben? (Meistgestellteste Frage der Finnen)

Nein, gar nicht. Dafür hatten der Iso und ich eine fürchterliche Erkältung. Ich verbrachte meinen Fiebertag im Zoo von Al Ain. Irgendwann wusste mein Kopf nicht mehr wohin mit all der Wärme und ich schleppte mich von Bank zu Bank und goss mir immer wieder Wasser über den Kopf. Trotzdem wollte ich diesen Ausflug nicht missen, denn der Zoo war ziemlich schön. Ausserdem war Feiertag und es war einfach grossartig, da auf den Bänken sitzend, diesem Multikulti- Treiben zuzuschauen. Menschen in den schönsten und interessantesten Gewändern. Viele bunte Kinder. Alle friedlich miteinander.

Habt ihr irgendwelche besonderen Tiere gesehen? (Meistgestellteste Biologenfrage)

Wiedehopfe und wunderhübsche Eisvögel. Schildkröten, wie gesagt, wobei ich zähneknirschend zugeben muss, dass ich das einzige Familienmitglied bin, dass sie nicht gesehen hat. Lustige Krabben, die sich Sandtunnel graben (für die heissen Tage) und dabei  Sandburgen aufhäufen. Abends flitzen sie dann geschäftig am Strand herum.

Krabbenkunst

Krabbenbau (sicher der grösste Krabbenturm der Welt)

Und natürlich Kamele. Am Strassenrand in Farmen, auf der Strasse auf rollenden Ladeflächen und einmal im Hotel als Gärtner.

Freundliches Gärtnerkamel

Freundliches Gärtnerkamel

Es gab übrigens auch ab und zu Pflanzen. In Dattelpalmenoasen zum Beispiel.

Al Ain Oase

Al Ain Oase

War das nicht manchmal ganz schön dekadent?

Es ist nicht zu übersehen, dass es dort sehr viel Geld gibt. Und dass die Emirate hauptsächlich reiche Touristen anziehen. Manchmal war es gar nicht so einfach ein normales Hotel zu finden. In Abu Dhabi, beispielsweise, stiegen wir in einem durchdesignten Hotel mit 27 Etagen ab. Beim Betreten stürzte ein Angestellter von rechts herbei um uns die Taschen abzunehmen (also, unsere 20 Jahre alten Kraxen …) und ein anderer von links um Begrüssungsgetränke zu reichen. Und das Frühstück nahmen wir in einer Sitzgruppe mitten im Wasser ein, die einer Seerose nachempfundenen war. Unangenehm auch deshalb, weil man weiss, dass derjenige in der Küche, der unsere Teller wäscht und diejenigen, die unser Hotelbett aufschütteln, sehr schlecht bezahlt werden.

Wie hat es Pauline gefallen?

Sehr gut. Die Wärme hat ihr manchmal zu schaffen gemacht und sie hat ihre Freunde fürchterlich vermisst. Aber sie fand es grossartig, dass wir fast jeden Tag schwimmen waren und als die Schwimmflügel das Zeitliche segneten, musste sie ohne schwimmen. Und das ging. Der Burj Khalifa hat sie sehr beeindruckt und beschäftigt sie immer noch. Sie hat ihn sich ganz genau angesehen und eingeprägt, das habe ich erst bemerkt als sie ein paar Tage später das hier in ihr Urlaubsmalbuch zeichnete:

Burj Khalifa gemalt

Burj Khalifa gemalt

Ihr liebstes Urlaubserlebnis war das Erklimmen der Sanddüne. Hat schon was, so eine riesige Sandkiste.

Gab es auch was Kurioses?

In den Arabischen Emiraten? Machst du Witze?

Bizarr waren die Schlittschuhbahnen in vielen Einkaufszentren. Da tritt man aus 40 Grad und Wüste durch eine Schiebetür und steht vor einer Schlittschuhbahn. Geschmückt mit Schneesternen und einer überdimensionalen Disney-Figur. Kinder in Sommersachen drehen ihre Runden. Und dann ertönt der Gebetsruf.

Schlittschuhbahn in Al Ain

Schlittschuhbahn in Al Ain

Kurios fand ich auch die hoch hängenden Schläuche im Zoo in Al Ain, aus denen regelmässig feinster Wasserstaub gesprüht wurde. Ich bin mir nicht ganz sicher ob es für Tier oder Mensch gedacht war, vielleicht auch beides. Auf jeden Fall war es sehr angenehm sich darunter zu stellen.

Und Strassenschilder

Und Strassenschilder

Noch Fragen? :)

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6 Antworten zu Eine Art Urlaubsbericht

  1. Karen schreibt:

    Ja, und zwar: Können wir unsere Wochenendurlaubspläne kurzfristig ändern?! Dieses 40-Grad-Ding scheint mir nämlich gerade seeehr verlockend…

  2. Danke für diesen tollen Bericht!
    Ich hab auch noch Fragen. Hattet ihr keine Angst vor Skorpionen oder giftigen Schlangen, als ihr da die Düne hochgekrabbelt seid? In meiner Vorstellung ist die Wüste voll davon…
    Ich habe mir in Marokko übrigens manchmal einfach ein leichtes Tuch um den Kopf geschwungen. Dann ging es meist mit dem Gucken…
    Die Krabben sind ja ziemlich cool mit ihren Burgen und Kinder sind auch einfach beeindruckend. Ich finde es toll, wie sich Pauline (ich hab mich tatsächlich schon an den Namen gewöhnt) das Gebäude eingeprägt hat!
    Klingt nach einem genialen Urlaub! Jetzt kann es eigentlich auch bald anfangen zu schneien bei euch, damit ihr die nasse, dunkle Jahreszeit einfach überspringt.
    Liebe Grüße,
    Kathrin

    • Pinni schreibt:

      Ich habe nicht den Hauch eines Tieres in der Wüste gesehen. Generell bin ich in solchen Dingen auch eher entspannt :)
      Schnee ist noch nicht in Sicht, aber dafür scheint die Sonne.
      Grüsse zurück!

  3. Nessy schreibt:

    Toller Urlaubsbericht! Danke fürs Teilhabenlassen.

  4. Pingback: Hilde und Gard | Pinni

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