Herbstferien, Dienstag

Sieben Uhr, der Wecker klingelt. Diese Ausschlafen-Hausaufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet. Pauline knurrt mich an, sie hätte Ferien, und zieht sich die Decke über den Kopf.

Acht Uhr dreissig spazieren wir zur Bushaltestelle. Bis zum Röntgentermin ist noch über eine Stunde Zeit, aber wir müssen ans andere Ende der Stadt mit knapper Umsteigezeit und sicher ist sicher. Natürlich stehen wir dann eine Dreiviertelstunde zu früh vorm Ärztezentrum. Aber dann entdecke ich die Apotheke und tätige gleich einen Einkauf, dann suchen wir wo wir eigentlich hin müssen, dann finden wir eine ausführlich bebilderte Broschüre über den Zahnröntgenprozess („Mama, guck, während man darauf wartet dranzukommen, muss man an seinem Handy rumspielen!“), der wir entnehmen, dass man während der Aufnahme kein Haargummi, keine Haarspange, keine Ohrringe und keine Kette tragen darf. Wir gehen also zur Toilette und entschmücken das Kind. Als wir zurückkommen sind es gerade mal noch 10 Minuten bis zum Termin. Pauline fragt ob sie mir jetzt endlich das Buch von gestern Abend weiter vorlesen darf, wir schlagen es auf, da kommt ein Mann rein und geht schnurstracks auf einen mir bis dahin nicht aufgefallenen Touchscreen zu. Ach so, anmelden muss man sich auch. Wir melden uns an, setzen uns wieder hin und werden direkt aufgerufen. Nach fünf Minuten kommt eine sehr erleichterte Pauline wieder raus, „Mama, es hat wirklich nicht weh getan.“.

Zehn Uhr stehen wir wieder an der Bushaltestelle und das an 10:15 Uhr Mittagessen gewöhnte Schulkind hat Hunger. Ich frage ob wir heute das Überraschungsessen essen wollen, man könnte ja in der Stadt essen gehen. Ein Strahlen geht über das Kindergesicht und „Chinese, Chinese!“ jubelnd hüpft sie auf und ab. Kurzer Check am Handy, ja ab 10:30 gibts Buffett, passt. Und wir sind nicht die ersten Gäste. Pauline mit dem Spatzenmagen muss wirklich riesigen Hunger haben, sie schaufelt sich den ganzen Teller voll mit Reis, Nudeln, Hühnchen, Krabbenchips und Fisch. Als sie schliesslich noch ein Stück Tomate und eine Scheibe Gurke nimmt falle ich fast vom Glauben ab. Später beruhigt sie mich wieder, als sie den ansonsten leergeputzten Teller mit ebenjenen zwei Stück Gemüse von sich schiebt. „Jetzt bin ich satt, kann ich mir ein Stück Würfelzucker zum Nachtisch holen?“

Wir trullern durch ein paar Geschäfte. Ich bin in Spendierlaune und kaufe ein Feriengeschenk. Auf dem Weg zur Bücherei bleiben wir im Kirchpark hängen. Es gibt so viele schöne Herbstblätter, Flecki braucht plötzlich dringend Auslauf und schliesslich finden wir am Kastanienbaum die grösste Ausbeute aller Zeiten.

fullsizerender

Vom Kastanienbaum aus fällt mein Blick auf einen Handarbeitsladen. Pauline hatte sich gewünscht in den Ferien zu sticken, aber ich habe keinen passenden Stoff da. Wir gehen schauen. Nein, Stickstoff :) haben sie nicht, aber tausend andere tolle Dinge. Pauline kriegt sich gar nicht mehr ein über die schöne Wolle und kauft sich ein Knäuel. „Was willst du denn damit machen?, frage ich. „Ach, irgendwas Tolles fällt mir schon ein.“ Frei nach diesem Motto kaufe ich noch einen Knopf. Dann klingelt mal wieder Paulines Handy und die Kannst-du-sein-Frage fällt. Aber erst noch Bücherei.

Dort ist gerade eine Veranstaltung zu Ende und in der Kinderabteilung ist der Teufel los. Voll ist es da eigentlich immer, aber DAS! Toll. Wir suchen ein paar finnische Bücher für Leseanfänger aus. Deutsche Bücher möchte sie heute nicht. Ich schlucke kurz, aber andererseits kennen wir die kleine, aber feine Sammlung sowieso schon in und auswendig.

Zurück zu Hause könnte ich nun arbeiten, aber ich bin todmüde. Mir fällt der „Ist der Ruf erst ruiniert“-Spruch ein, lege mich ins Bett und schlafe auf der Stelle ein. Nach einer Stunde ruft Pauline an um zu fragen ob sie auch bei ihrer Freundin sein darf wenn deren Eltern nicht zu Hause sind. Sie darf. Und ich setze mich endlich an den Computer.

Später bekommen die Kicherliesen Hunger und kommen zum Abendbrot zu uns. Und dann ist schon wieder Schlafenszeit.

Dieser Beitrag wurde unter Ausserdem, Räupchen, Suomi veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s