Herbstferien, Halbzeit

Der Tag beginnt wieder mit dem Wecker, heute um 7.45 Uhr. Zehn Sekunden später klingelt es an der Haustür. Hups, etwas früher als gedacht. Aber je eher desto besser, auf unseren heutigen Besucher freuen wir uns schon die ganze Woche. Vor der Tür steht Paulines deutsche Freundin, die beiden kennen sich quasi seit ihrer Geburt und haben sich schon immer gut verstanden. Wir wünschen ihrem Papa einen schönen Arbeitstag und gehen zusammen Pauline wecken.

Am Frühstückstisch bin ich selig. Wir hatten in den letzten Wochen oft finnische Kinder zu Mahlzeiten zu Besuch und leider ist Finnisch sprechen immer noch furchtbar anstrengend und oft auch ein Krampf für mich. Heute plaudern wir entspannt und tauschen uns über die ersten Ferientage aus. Als Pauline den letzten Löffel Müsli in den Mund schiebt, fällt ihr plötzlich ein was sie mit ihrer neu erstandenen Wolle machen möchte. Bommeln. Natürlich, was für eine gute Idee! Die beiden legen sofort mit Feuereifer los und produzieren Bommeln am Fliessband bis alle Wollvorräte aufgebraucht sind.

Pünktlich um zehn haben beide wieder Hunger. Für das heutige Mittagessen fehlt noch Fleisch und ich schlage vor, dass wir gemeinsam zum kleinen Supermarkt laufen. „Nein!“ ruft die Freundin empört „Das machen wir alleine!“. Ich gucke etwas zweifelnd, weil ich ihnen ehrlich gesagt nicht zutraue das Richtige mitzubringen, aber dann klärt sie mich auf: „Wenn wir es nicht finden, können wir ja um Hilfe fragen.“ Recht hat sie und ausserdem können sie ja jetzt lesen und wenn sie doch Schweine- statt Hühnerfleisch kaufen, dann ist es eigentlich auch egal. Und so ziehen sie los. Und kommen nach einer halben Stunde stolz mit Hühnerbrustfilets zurück.

Während ihrer Abwesenheit habe ich plötzlich eine gute Idee, die noch besser wird als ich das Kinoprogramm studiere. Ich sehe nämlich, dass genau heute „Tatu und Patu“ anläuft, ein Film über zwei finnische Kinderbuchcharaktere, die Pauline und ich sehr lieben. Der Trailer ist vielversprechend, überraschenderweise ist es keine Animation und die Kinder brechen bei meinem Vorschlag in Jubel aus. Juhu, Kino! Juhu, Tatu und Patu! Bekommen wir auch Popcorn?

Bis wir los müssen spielen die beiden einträchtig Gesellschaftsspiele. Für die Busfahrt können wir gleich die Freifahrtscheine nutzen, die Pauline letztens in der Schule bekommen hat, als jemand vom öffentlichen Nahverkehr den Erstklässlern erklärt hat wie man Bus fährt. Von der Aktion hatte ich schon vorher in der Zeitung gelesen, anscheinend gibt es immer mehr Schulkinder, die noch nie in ihrem Leben Stadtbus gefahren sind. Während der Busschulstunde wurde das dann als Rollenspiel geübt und am Ende erhielt jedes Kind eben jene Freifahrtscheine mit der Auflage als Hausaufgabe gemeinsam mit den Eltern zu üben mit dem Bus zur Schule zu fahren. Da unsere nächstgelegene Haltestelle aber an der Schule ist, können wir getrost damit ins Kino fahren.

Statt Popcorn entscheiden sich die beiden in letzter Sekunde noch für Gummibärchen und dann geht’s auch schon los. Am Anfang ärgere ich mich gewaltig, denn ich meine mich zu erinnern, dass vor Kinderfilmen bis vor kurzem keine Werbung (ausser für andere Kinderfilme) kam. Und schon gar nicht Werbung für Erwachsenendinge. Aber dann entschädigt der Film für alles, ich habe mich königlich amüsiert. Ich lache an ganz anderen Stellen als die Kinder, aber wir lachen gleichermassen viel und laut. Am besten finde ich ja, wie gut sich die Finnen immer wieder selbst auf die Schippe nehmen können. Und auch die Hauptstädter – der Film spielt nämlich in Helsinki an vielen vertrauten Orten was auch sehr schön ist. Am meisten freut mich aber, dass Tatu’s und Patu’s grossartige Erfindungen aus unserem Lieblingsbuch immer wieder zur Sprache und auch zum Einsatz kommen. Grinsend verlassen wir das Kino und zählen unsere Lieblingsszenen auf.

Dann wird ein erneuter Besuch im Handarbeitsladen gefordert. Wollnachschub für mehr Bommeln kaufen. Gemeinsam suchen wir vier Farben aus. Durch den Kirchpark wollen wir zurück zur Bushaltestelle, aber wir bleiben wieder kleben, die Mädels rennen, klettern und springen um die Wette. Ich schleiche noch einmal um die Kastanie und finde tatsächlich drei Stück.

Zurück zu Hause wird die Freundin abgeholt, aber es ist nur ein kurzer Abschied, morgen Abend kommt sie zu einer Schlafanzugparty wieder. Hach, Ferien!

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4 Antworten zu Herbstferien, Halbzeit

  1. Claudia schreibt:

    Ferien sind ja mal sowas von toll! Voll gemein, dass wir als Erwachsene nicht mehr so viel frei haben. ;)

  2. io schreibt:

    Tatu und Patu im Kino!!! Oh, ich hoffe, der Film schafft es auch nach Deutschland. Wir sind hier alle große Fans :-)

    • Pinni schreibt:

      Das wäre toll, ich drücke euch und dem Film die Daumen. Ich vergass allerdings zu schreiben, dass der Film weihnachtlich ist – also entweder muss das ganz schnell passieren oder ihr müsst noch ein Jahr warten.

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