Hier so

Am Morgen kämpfe ich erst mit dem Wecker und dann mit dem Kinde, das auch nicht aufstehen will. Im Schummerlicht mümmeln wir schweigsam unser Müsli und hüllen uns dann in einem langwierigem Prozess in warme und regendichte Kleidung. Draussen gibt es dann die Überraschung des Tages: regnet’s, schneeregenet’s oder schneit’s? Im Finsteren läuft sie zur Schule, ich radel zur Uni. Zum tausendsten Mal wünsche ich mir Hermine herbei, die mir die Brillengläser wasserabweisend zaubert. In der Uni schalte ich meine Tageslichtlampe ein, setze mich in schlechter Haltung 8 Stunden lang vor den Bildschirm und arbeite hochkonzentriert vor mich hin. Dass das im November möglich ist – hochkonzentriert arbeiten – habe ich wohl dem Deutschlandurlaub zu verdanken. Aber es kommt gelegen, so kann ich meine Trantütigkeit vom Frühjahr wieder aufholen und noch vor Jahresende einige Manuskripte auf die lange Reise zur Veröffentlichung schicken. Dann verhülle ich mich wieder, schalte die Fahrradlampen ein und fahre nach Hause. Der letzte Kilometer geht nur bergauf. Wenn ich Glück habe kommt der Wind aus der richtigen Richtung, also von der Bäckerei. Zu Hause angekommen folgt dann das Highlight des Tages. Aus dem Küchenfenster strahlt mir warmes Licht entgegen, ich sehe einen Mann, der das Abendessen vorbereitet und wir versammeln uns um den Tisch und erzählen vom Tag. Der eine mehr der andere weniger. Dann folgt diverses: Hausaufgaben, suchen wo die Ameisen dieses Mal wieder herkommen, Wäsche waschen – was halt so anliegt. Schliesslich scheuche ich das Kind ins Bett („Morgen früh bist du wieder so müde!“ höre ich mich die Worte meiner eigenen Mutter sagen) und lese dort Harry Potter vor. Wir haben irgendwann im Frühling angefangen und sind jetzt bei Band 5. Wenn ich das Buch zuklappe ist Pauline immer sehr empört. Zugegeben, manchmal halte ich es auch nicht bis zum nächsten Tag aus, nehme mir das Buch mit auf’s Sofa und lese schon mal weiter (Ja, ich habe alle Bände schon gelesen. Mehrmals.). Manchmal lese ich auch ein anderes Buch oder setze mich an den Esstisch und mache was Weihnachtliches. Und dann, leider scheucht mich ja keiner, gehe ich viel zu spät ins Bett. Am nächsten Morgen von vorn. Langweilig, aber Aufregung hatte ich im Sommer genug. Und ab morgen kommt ja Türchen aufmachen dazu!

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