Expecto gaudium!

Ich weiss gar nicht mehr wann genau, aber vor ungefähr einem Jahr begann ich Pauline die Harry-Potter-Bücher vorzulesen. Sie hatte schon viel über die Geschichten gehört, traute sich aber noch nicht zu sie selbst zu lesen. Grosszügig bot ich mich an. Da wartet man doch das halbe Elternleben darauf, dass man Bücher vorlesen kann, die man selber gern mag. Gemeinsam mitfiebern, drüber reden, fachsimpeln. Es passierte übrigens gar nicht mal so selten, dass sich auch der Iso zu Paulines Bettzeit einfand um zuzuhören. Inzwischen sind wir am Ende des sechsten Teils (Dumbledore lebt noch. Gerade noch. Und ich habe keine Ahnung wie ich das Vorlesen des nächsten Kapitels -um es mal mit den Worten meines Deutschlehrers vor dem Vortragen eines seiner Lieblingsgedichte zu sagen- emotional durchstehen soll.), erstaunlich wie lange das so dauert. Es war aber jedenfalls schon im Herbst letzten Jahres, als für Pauline feststand, dass ihre nächste Geburtstagsfeier eine Harry-Potter-Party werden soll. Nun, schönes Thema!

Das Internet ist voll mit grandiosen Ideen. Unglaublich, wie einfallsreich die Leute sind. Ich hätte das am liebsten ALLES umgesetzt. Allerdings hatte ich mir vorgenommen es in diesem Jahr nicht allzu bunt zu treiben. Ich habe echt riesigen Spass daran solche Kindergeburtstage auszurichten, aber Nachtschichten sollte es dieses Mal nicht geben. Ich beschränkte mich zum einen auf die ersten zwei Bände, weil die die Kinder am wahrscheinlichsten kennen würden und pickte mir da dann ein paar Sachen raus. Die Allerbesten. Es gibt so Dinge, die müssen einfach sein, oder?

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Ich meine… oder etwa nicht?

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Und dann, wie toll ist das denn, kann man sich die Harry-Potter-Schriftart herunterladen (hier zum Beispiel). Und damit auf marmorierten Papier aus dem Bastelladen ziemlich coole Einladungen drucken (leider hat die Schriftart keine Umlaute, da muss man ein bisschen friemeln).

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Die Finnen übersetzen ja gnadenlos alles. So heisst Hogwarts also Tylypahka, der Hogwarts Express ist einfach ein pikajuna (=Schnellzug) und Muggel jästi. Allerdings, so ging mir irgendwann auf, macht es das Lesen der Bücher gerade für jüngere Kinder wesentlich einfacher.

Finnen feiern übrigens auch ständig Geburtstage vor dem eigentlichen Termin und da eine Klassenkameradin von Pauline schon für den 15. geladen hatte, warfen wir unseren deutschen Aberglauben in den verbotenen Wald und feierten einen Tag zu früh. An diesem Tag also dekorierten wir Hof

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und Haus,DSCF6692

stellten Essen parat

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Zauberstäbe und Schokofrösche. „Mama, die hüpfen ja gar nicht!“

und oh! verkleideten uns. Pauline wusste schon lange, dass sie sich als Hermine verkleiden würde und wünschte sich eigens einen Gryffindorumhang zum Geburtstag. Einen Hut hatten wir noch von Halloween, den Zauberstab hatte sie schon zu Weihnachten bekommen (der Umhang hat extra eine Zauberstabtasche – ich wiederhole mich, aber wie toll ist das denn?) und eine Schuluniformkrawatte war schnell aus Bastelfilz gemacht. Wir Eltern hatten eigentlich nicht vor uns zu verkleiden. Bis Pauline ein paar Tage vor der Party erzählte wer alles als was verkleidet kommen würde. Da fühlten wir uns irgendwie verpflichtet. Pauline schlug die Professoren McGonagall und Snape vor, aber das gefiel mir nicht so recht. Ich legte uns lieber dies hier raus:

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Passt viel besser! Und dann kamen die Gäste. Eine hatte eine Harry-Potter-Brille auf und eine blitzförmige Narbe auf der Stirn, alle anderen waren unverkleidet. Die taten nämlich nur so als wären sie Krummbein und Cho Chang und so weiter! Oh! Nun ja…

Zur Geschenkübergabe hatte ich zunächst an Zauberstabdrehen gedacht, aber Pauline hatte ihre eigene Idee. Ich sollte zwei Sets mit Losen vorbereiten, auf denen Harry-Potter-Charaktere stehen. Von dem einen sollte sich jeder Gast ein Los ziehen und von dem anderen würde Pauline dann den jeweiligen Geschenküberreicher ziehen. Klang irgendwie erstmal merkwürdig, war dann aber doch schön und mal was anderes.

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Dann ging’s ans Essen. Einen Kuchen durfte ich ja wieder nicht backen, was hätte es da nicht für Möglichkeiten gegeben! Überhaupt war das Essen, zumindest für das Geburtstagskind, wieder mal nur lästige Pflicht.

Pauline brannte nämlich auf die Spiele. Was die Spiele angeht war das Zusammenreissen meinerseits am Schwierigsten, denn wie cool wäre beispielsweise ein Schultag in Hogwarts gewesen? Mit Zaubertränke, Quidditch und Verwandlung! Aber das wäre dann so ähnlich wie im letzten Jahr geworden und überhaupt! So viel vorzubereiten! Aber vielleicht wenigstens ein Trimagisches Tournier? Eine Horkruxsuche? Hm, eine Schatzsuche? Und dann sah ich irgendwo die Idee als Hinweise Textstellen aus den Büchern zu nehmen. Also zum Beispiel:

„Einen Nimbus Zweitausend“ stöhnte Ron neidisch. „Ich habe noch nicht mal einen berührt.“

Klar, der Strassenbesen vor der Tür. Daran hängt dann der nächste Hinweis, sowas wie:

Harry wollte widersprechen, doch seine Worte gingen in einem lang gezogenen, lauten Rülpser unter. Urheber dessen war Dudley, der Sohn der Dursleys. „Mehr Schinken!“ 

Die grösste Schwierigkeit in der Vorbereitung war übrigens die Bücher auf Finnisch zu besorgen. Sämtliche Freunde, die ich fragte, hatten sie auf Englisch oder Schwedisch oder Deutsch zu Hause!?! Und in der Bücherei sind die immer immer immer vergriffen. Irgendwann riet mir eine Freundin sie doch in der Bücherei vorzubestellen. Und ja, so klappte es dann.

Einmal war das Stichwort Hogwarts. Glauben wollten sie es lange nicht, aber sie mussten zur Schule flitzen.

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Der letzte Hinweis war dann dieser hier:

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„Das sind keine Vögel“ sagte Harry plötzlich, „das sind Schlüssel“. „Geflügelte Schlüssel, seht genau hin.“

Den Füchsen war natürlich schon während des Festessens aufgefallen, dass einer der Schlüssel, die da an der Decke um den Tisch kreisten, anders aussah als alle anderen. „Das ist doch ein Wohnungsschlüssel! Haha, guckt doch mal!“

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Und typisch Hermine wusste dann auch sofort: „Ich weiss, wir müssen zum Briefkasten!“

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Tatsache! Im Briefkasten lagen Schätze. Finliner, die wie Schreibfedern aussehen und glibberige Gummispinnen zum Essen.

In der Zwischenzeit hatte ich etwas vorbereitet, was sich schliesslich als absoluter Höhepunkt der Party herausstellen sollte. Schneckenessen kennt ihr? Das Partyspiel bei dem man Süssigkeiten mit ein paar Stückchen Ekligkeiten (Blutwurst beispielsweise oder rohe Zwiebel) mischt, schneckenhausförmig anordnet und dann reihum gewürfelt wird und wer eine 6 hat muss das nächste Stück in der Spirale essen? Das haben wir gespielt. Mit Bertie Botts besten Bohnen. Also den Richtigen. In der Tüte gab es leckere Sorten wie Heidelbeere, Kirsche oder Zuckerwatte, aber auch Ohrenschmalz, Popel, Regenwurm, verfaulte Eier oder… ja.. Kotze. Letzteres wollte ich eigentlich vorher aussortieren, aber da protestierte das Geburtstagskind. Beim Spiel dann waren die Mädels anfangs noch recht zögerlich. Der Iso stand mit der Spuckschüssel parat und ich beobachtete die Mienen ganz genau. Es MUSSTE natürlich keiner. Und es durfte auf jeden Fall wieder ausgespuckt werden. Aber irgendwann wollten alle und zwar un_be_dingt. Es gab Geschrei und Gejohle und viel Gelächter. Bis plötzlich die Uhr 5 mal schlug und die Party somit schon zu Ende war. Da gab ich die Bohnen ohne Würfeln frei und dann gab es kein Halten mehr.

Die abholenden Eltern klopften übrigens, sie trauten sich nicht zu klingeln. Hehe.

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