Einblicke in die letzten zwei Tage

Oder: warum ich im Sommer für gewöhnlich nicht blogge.

Um 1 Uhr nachts sind wir endlich fertig mit arbeiten und ich falle augenblicklich in einen komatösen Schlaf. Sechs Stunden später brüllt mich der Wecker wieder wach. Ich steige in die Gummistiefel und marschiere frohen Mutes in die Fischhalle um eine neue Runde Tests anzufangen. Es geht um die Persönlichkeit von Fischen. Was es nicht alles gibt. Als ich gerade den Kescher zur Hand nehme, fällt mir plötzlich ein Detail ein, dass ich gestern bei der Vorbereitung der Tests vor lauter Müdigkeit vergessen habe. Grossartig. Ich renne also die nächsten 2 Stunden wie ein aufgescheuchtes Huhn umher um das Detail zu erledigen und fluche dabei wie ein Bierkutscher. In drei Sprachen. Zwischendurch springt mir ein Frosch über den Weg. Wie auch immer der hier rein gekommen ist. Weil es in der Fischhalle nicht unbedingt schön für einen Frosch ist, bringe ich ihn schnell raus an den Fluss. Soviel Zeit muss sein.

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Dann greife ich wieder zum Kescher, aber genau jetzt möchte der Techniker die Antennen reparieren, die ich für die Tests nächste Woche brauche. Techniker muss man nehmen wenn sie Zeit haben, also reparieren wir. Mit drei Stunden Verspätung, ich bin bereits 10000 Schritte gelaufen, fange ich schliesslich an. Und renne und teste und renne und teste. Hundert Fische. Zwischendurch erreicht mich eine Nachricht von Pauline: „Sind in Finnland.“. Ich erwäge einen kurzen Moment lang zu kündigen und nach Hause zu fahren, denn ich platze vor Sehnsucht. Aber dann schwinge ich doch wieder den Kescher. Später kommt der Chef vorbei und fragt wie lange ich noch brauche. Ich tippe auf 21 Uhr. Na, meint er, dann kannst du ja gut die Schicht um 4 Uhr morgens vom anderen Experiment übernehmen. Aber klar doch, gerne. Oder so. Um neun bin ich wie erwartet fertig, schleppe mich ins „Appartment“ und fange an die heute aufgenommenen Videos aufzuarbeiten. Nebenbei esse ich unfassbar leckere Erdbeeren, das motiviert enorm. Kurz nach 22 Uhr falle ich ins Bett und schlafe augenblicklich ein. Bis 3.50 Uhr wieder der Wecker brüllt. Gemeinsam mit der niederländischen Master Studentin wanke ich die 200 Meter zum Ort des Geschehens und nein, es ist nicht wenig los wie erwartet, sondern viel. Nach einer Stunde sind wir fertig, die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Wir legen uns wieder hin. Sie beginnt augenblicklich zu schnorcheln, ich wälze mich 1,5 Stunden hin und her. Gerade als ich halt wieder aufstehen will, schlafe ich doch ein. Gut, dass gleich der Wecker klingelt, denn zur Schicht um acht sollen heute alle kommen. Es ist die Letzte. Kurze Besprechung, dann verabschieden wir die Bakteriencrew, die die 400 km nach Hause fährt um im Labor das nächste Experiment vorzubereiten. Es beginnt in drei Tagen. Hier gibt es auch so einiges vorzubereiten. Und so geht es munter weiter. Die nächsten 10 Stunden verbringe ich im halbstündigen Rhytmus in 15 Grad und Finsternis (Fischhalle) und 25 Grad und strahlender Sonne (unsere Quarantänebecken draussen). Dann sind weitere 100 Fische getestet und 1200 Fische vermessen. Bei der Videoaufbereitung gibt es dieses Mal gekochte Eier, auch ein Soulfood von mir (ich winke in den Süden zur liebsten Freundin). Danach noch Schokolade, die hat mir eine andere liebe Freundin als Kraftfutter mitgegeben. Und nun ist Bettzeit, also entschuldigt mich.

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2 Antworten zu Einblicke in die letzten zwei Tage

  1. lotelta schreibt:

    Hei, das ist wirklich heroisch, unter diesen Umständen zu bloggen! Vielen Dank für den interessanten Einblick in Deine Arbeitswelt :-)

  2. Leni schreibt:

    Wow. Stress pur. Danke für den Einblick. Verstehe, wenn deine sommer-blogs etwas spärlicher sind! Wünsche dir bald Ferien!

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