Im Mökki

Die letzten zwei Wochen Fischsommer waren zwar nicht weniger arbeitsreich als die Wochen davor, haben sich aber trotzdem ein klitzekleines Bisschen wie Urlaub angefühlt. Ich wohnte nämlich nicht in der Fischforschungsstation, sondern machte jeden Abend erst die Fischhallentür und dann die Schranke hinter mir zu, fuhr 14 km auf unbefestigten Strassen, zog dabei eine grosse Staubwolke hinter mir her und sah Schneehasen, Eichhörnchen, Igel oder Kraniche, öffnete erneut eine Schranke (Kainuu muss ein schlimmes Pflaster sein) und war dann am angemieteten Mökki. Einem finnischen Ferienhaus, natürlich eine Blockhaushütte, rot-weiss angestrichen, direkt am See. Und in der Hütte freuten sich drei Personen Tag für Tag sehr mich zu sehen. Meistens sassen sie gerade um den Küchentisch und spielten Skip-Bo, meistens zockte Pauline ihre Grosseltern gnadenlos ab. Ich plumpste ebenfalls auf einen Küchenstuhl, jammerte ein bisschen über den anstrengenden Tag, bekam ein leckeres Abendbrot gereicht und wollte dann am liebsten nur noch schlafen. Aber da war ja Pauline, sehr wach und ausgeruht, und fragte wahlweise: Mama, gehst gleich noch mit mir schwimmen / heizt du noch die Sauna an / fahren wir noch mit dem Ruderboot raus / spielst du noch Skip-Bo mit uns? Machen wir, hörte ich mich immer antworten. Und immer war es so schön. So erholsam, weil es nämlich nichts mit Fischen zu tun hatte.

Wir haben schon ziemlich lange kein Mökki mehr im Sommer angemietet und ich hatte schon wieder ganz vergessen wie traumhaft es ist von der Strandsauna direkt in den See zu fallen und in die nachtlose Nacht rauszuschwimmen. Das Wasser so weich und erfrischend, der Himmel leuchtet in allen Rottönen. Bestenfalls scheint noch der Mond.

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Man legt sich auf den Rücken, starrt in den Himmel und lässt sich treiben. Jedenfalls bis das endlos schnatternde Kind neben einem sagt: Mama, das sieht irgendwie verstörend aus. Wir einigten uns dann darauf es nicht mehr „Toter Mann“ zu nennen, sondern meritähti, also Seestern, wie die Finnen.

Manchmal hatte ich auch Arbeit zu tun, für die ich nicht vor Ort sein musste. Da habe ich es mir so urlaubig wie möglich gemacht.

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Wetter hatten wir ja vom Feinsten. Abgesehen vom Gewitter-Wochenende. Am Samstag machte ich noch weiter wie immer und verlor dann durch die hier zu Gewitter unbedingt dazugehörenden Stromausfälle die Hälfte meiner Daten. Am Sonntag war ich schlauer und nahm mir einfach den Tag frei (Ha! Zweiter freier Tag in 5 Wochen!). Wir fuhren auf eine der grösstes Seeinseln Finlands, Manamansalo im Oulujärvi, auf der es natürliche Sandstrände gibt und wo man sich wie am Meer fühlt.

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Dort fanden wir einen Strand mit sehr lustigem Spielplatz.

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Begehbarer Mann.

Und dann, damit es sich nicht zu sehr wie Urlaub anfühlt, gingen wir noch die Fische füttern.

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Und als dann endlich die Experimente zu Ende waren und wir immer noch zwei Tage Zeit im Mökki hatten, da schlug ich Pauline allen ernstes vor ein paar Rotaugen, stete Gäste an unserem Mökki-Strand, zu Forschungszwecken zu fangen.

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Die waren zu ihrem Glück aber viel zu schnell und nicht mal ich mit der geübten Hand erwischte eine. Pauline zuckte mit den Schultern und sammelte stattdessen eben wieder Schnecken, die sie dieses Mal Harry, Madame Hooch und Kreacher nannte und die für einen Nachmittag auf der Saunaterrasse im Eimer wohnten.

Am letzten Abend schliesslich konnten wir die Mondfinsternis beobachten. Wir waren so weit nördlich, dass der Mond überhaupt erst um Mitternacht aufging. Und es war so hell, dass es einige Zeit brauchte, bis wir ihn überhaupt am Himmel entdecken konnten. Kein Blutmond, sondern ein Blassmond. Ungefähr so wie an einem sonnigen Tag. Um so beeindruckender war es dann aber als sich der Schatten Stück für Stück verschob und den Mond wieder freigab.

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Begeistert standen wir am Ufer und währenddessen frassen uns begeistert die Mücken auf.

Für die Rückfahrt nach Mittelfinnland suchte ich eine besondere Strecke aus. Eine, auf der wir dem Hobby der Mäusefamilie frönen konnten: Autofähre fahren. Das geht nämlich nicht nur am Meer.

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An dieser Stelle gleich noch ein rührseliges Dankeschön: nämlich an meine Eltern, die Jahr für Jahr die lange und nicht gerade preiswerte Reise nach Finnland auf sich nehmen, mehrere Wochen auf oder bei einer finnischen Forschungsstation verbringen, dort auf Pauline aufpassen und sich um alles kümmern, inklusive meiner Beköstigung, und nicht einmal klagen, weil sie mich kaum zu Gesicht bekommen.

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