Drittklässlerin

Letzten Donnerstag waren in Mittelfinnland die Ferien zu Ende. Wir begannen den Morgen mit Fieber messen. Da war Pauline am Abend zuvor wohl nicht einfach nur erschöpft von fünf aufregenden Tagen mit der liebsten Freundin, sondern auf dem besten Wege zur ersten Erkältung der Saison. Oder zählt das noch als Sommergrippe? Jedenfalls krank. Allerdings erklärte sie mir noch während der Messung, dass sie so oder so in die Schule gehen würde. Klar, wer wollte schon den ersten Schultag nach den Sommerferien verpassen? Die Temperatur war dann gerade noch so im grünen Bereich und gegen Hals- und Kopfschmerzen kann man was tun. Also stieg sie kurz vor 9 auf’s Fahrrad und rollte vorfreudig davon.

Mir hat mal jemand erzählt, dass hier in der 3. Klasse sozusagen der Ernst des Lebens beginnt. Die ersten zwei Schuljahre wären nur Vorgeplänkel, aber dann würde es zur Sache gehen. Mit neuen Fächern, mehr Verantwortung und deutlich mehr Hausaufgaben. Hm, die einzigen neuen Fächer sind Informatik und Werken und Hausaufgaben hatten sie noch gar nicht auf. Aber schauen wir mal. Neu ist jedenfalls, dass sie nicht mehr wie bisher alle Fächer bei der gleichen Lehrerin haben, sondern insgesamt bei 8 verschiedenen Lehrern. Neu ist auch die Klassenlehrerin über die sich Pauline jetzt nicht sooo gefreut hat. Aber auch hier gilt: schauen wir mal.

Auf den zweiten Schultag freute sich Pauline mindestens so sehr wie den ersten. Sie geht ja auf eine kleine Zweigstelle einer grösseren Schule. Das gibt es hier häufig, meist angeschlossen an einen Kindergarten, unter anderem, damit die jüngsten Schulkinder einen kürzeren Schulweg haben. Im letzten Schuljahr an der Zweigstelle müssen die Kinder aber dann für einen Tag pro Woche in die grosse Schule gehen. Zum einen, nehme ich an, um sich daran zu gewöhnen, zum anderen weil die kleinen Zweigstellen nicht genügend Räumlichkeiten für Werken und Handarbeit haben und auch nur eine kleine Turnhalle. Dieser Tag ist für Pauline also der Freitag und sie freute sich so sehr darauf, weil in der grossen Schule all ihre Kindergarten- und Vorschulfreunde sind. Und die kann man dann in der Pause treffen. Deshalb schaute sie sehr verärgert, als ich schon wieder mit dem Fieberthermometer um die Ecke kam und erklärte mir erneut krächzend und mit verstopfter Nase sie würde so oder so gehen. Also dann.

Freitag, so erklärte sie mir am Abend, wird der neue Lieblingstag. So aufregend in der grossen Schule, so toll die alten Freunde zu sehen und dann nur Spassfächer: Kunst, Handarbeit, Werken, Sport und noch mal Sport. Und Mama, wir lernen dort mit Nähmaschinen zu nähen! Klingt wirklich wie Ernst des Lebens, oder?

Als ich Pauline fragte was eigentlich das Beste an den Sommerferien war, sagte sie: ALLES. Das waren einfach die besten Ferien aller Zeiten. Und nach kurzer Überlegung: Naja, das Allerallerallerbeste war der Besuch im Hansapark (tatsächlich lässt sie seither täglich mindestens einmal die Achterbahnen Revue passieren) und der Besuch vom Fräulein Maus. Das war wirklich ein krönender Ferienabschluss. Das doppelte Lottchen hat im Vorfeld (getreu der Geschichte) alles ganz genau geplant und die Pläne in Schönschrift aufgeschrieben. Und dann glücklich alles genau so umgesetzt. Selten habe ich vier Mädchenaugen so viel leuchten sehen wie während dieser fünf Tage.

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