Eine besinnliche Woche im Advent

Montag: 8 Uhr fährt das Uniauto mit dem Chef drin vor. Ich nehme meinen Rucksack, steige ein und dann fahren wir zum ich weiss nicht wievielten Male in diesem Jahr die 400 km in die Fischforschungsstation. Wir sind beide etwas grummelig, denn diese Fahrt wäre eigentlich nicht nötig gewesen und wir hätten beide durchaus eine Menge andere Dinge zu tun. Dank Wintertempolimit (80) zuckeln wir also 6 Stunden durch die Gegend. Immerhin wird es immer winterlicher je östlicher und nördlicher wir kommen und alles sieht so schön aus. Kaum angekommen vermessen wir eben noch einmal die 420 Fische in der eiskalten Fischhalle, tauen uns danach in der Sauna wieder auf und sitzen dann noch bis fast Mitternacht in der Küche und malen Graphen in den Computer. Wir stellen fest, dass uns dieser ausserplanmässige Besuch richtig gute und interessante Daten beschert hat und sind versöhnt.

Dienstag: 8 Uhr lassen wir uns zur Besprechung nieder. Wenn wir schon mal da sind. Zwei Stunden später sammeln wir die 420 Fische ein um sie nach draussen zu bringen und nun endlich das Experiment zu starten. Und dann läuft es, wie es dort eben immer so läuft. Das Quad springt plötzlich nicht mehr an. Einer holt sein Privatauto, aber da sitzen noch zwei Hunde drin. Eine Minute später spaziere ich mit zwei grossen, aber ausserordentlich gut erzogenen Jagdhunden an der Leine zwischen Fischbecken umher. Gerade wollen wir die Fische in die Becken giessen, da reisst der Techniker die Tür des Wohnwagens, in dem die ganze Technik steht, auf und ruft: Halt! Ich muss eben noch ein technisches Problem beheben.

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11:28 Hellste Stunde des Tages.

Aber irgendwann sind die Fische da wo sie hinsollen, wenig später sitzen wir wieder im Auto und ich vertreibe mir die Zeit mit dem Korrekturlesen von zwei Bachelorarbeiten. Die Familie, soeben auf dem Rückweg von der Turnhalle, liest mich an der Uni auf und um 19 Uhr lassen wir uns am Abendbrotstisch nieder.

Mittwoch: Aus diversen Gründen, unter anderem weil der Bautenzug meiner Gangschaltung gerissen ist und ich weder Zeit noch Lust habe zu laufen, arbeite ich zu Hause. Nebenbei noch die eine oder andere Weihnachtssache erledigen wäre schön, aber ich komme nicht dazu. Immerhin schaffe ich es im mittäglichen Schummerlicht eine halbe Stunde lang frische Luft zu schnappen. Kurz vor 18 Uhr fahren wir mit dem Auto die 200 Meter bis zur Schule. Weihnachtsfeier. Die Drittklässler, die seit wenigen Wochen Blockflöte lernen, flöten uns etwas vor, wir singen gemeinsam Weihnachtslieder, ein paar Jungs erzählen Witze und die Mädchen haben wieder Tanzaufführungen vorbereitet. Fünf Minuten nachdem das Buffett eröffnet wurde stehen wir, noch kauend, wieder auf. Pauline muss noch zur Generalprobe für die Weihnachtsshow des Gymnastikvereins, sage ich entschuldigend zur Lehrerin. Ach ja, sagt sie und lacht, da müsste ich eigentlich auch gerade sein. Der Iso rast mit Pauline ans andere Ende der Stadt, ich laufe nach Hause, setze mich an den Schreibtisch und starre eine Stunde lang die zu schreibenden Weihnachtskarten an.

Donnerstag: 8 Uhr verlasse ich das Haus, fahre im schwersten Gang in die Uni und fange endlich an mein Manuskript zu überarbeiten. Denke, tippe, mache. 15 Uhr springe ich auf und fahre im schwersten Gang zur Fahrradwerkstatt. Von dort laufe ich an’s andere Ende der Innenstadt und lasse mir eine Grippeschutzimpfung verpassen. Als ich um 16 Uhr aus dem Ärztehaus komme piept mein Handy: Dein Fahrrad ist fertig. Eine grossartige Werkstatt habe ich da aufgetan! Ich laufe also zurück und fahre, aaaah so leicht, nach Hause. Dort steht freundlicherweise das Abendessen parat. Dann springe ich wieder auf und bastele Pauline mithilfe von Haarspray, einem Haarnetz und einer Menge Haarnadeln einen Dutt auf den Kopf. Wir steigen ins Auto und fahren zur Weihnachtsshow. Unterwegs schaue ich bedauernd in Richtung Stadtkirche. Dort fängt gleich das Weihnachtskonzert des Lieblingschors, zu dem ich doch jedes Jahr gehe, an. Bei der Weihnachtsshow ist bereits Pause. Gern hätte ich mir alles angesehen, aber das war beim Besten willen nicht zu schaffen. Ich zahle 10 Euro Eintritt um mir die letzte halbe Stunde anzusehen. Die ist allerdings wirklich sehr sehenswert. Paulines Klassenlehrerin sehe ich über die Bühne schweben. Und die Männergruppe, die wirklich sehr lustig sind. Als letztes sind die 9-10 Jährigen dran. Fünfzig Glitzermädchen aus 5 Mannschaften, die gemeinsam eine richtig schöne Aufführung machen. Dann habe ich einen Ohrwurm: Maailma on kaunis…

Freitag: Um 7 Uhr versuche ich das arme Kind aus dem Bett zu pelzen. Morgen kannst du ausschlafen, höre ich mich sagen und dann schlage ich mir die Hand vor den Mund. Äääh, am Sonntag. Nach der Uni habe ich einen Termin beim Optiker. Dort verbringe ich 1,5 Stunden und verprasse meine üppige Steuerrückzahlung für meine erste Gleitsicht(!)brille. Herrje. Noch im Brillenladen fühle ich mich zunehmend matschig, vermutlich die Impfung. Aber wo ich doch schonmal im Einkaufszentrum bin, erledige ich noch eben die letzten Weihnachtseinkäufe. Gegen 20 Uhr bin ich zu Hause und gehe ohne Umwege ins Bett.

Samstag: 6:45 Uhr klingelt der Wecker. Frühstück und erneutes Frisurenbasteln. Ich fühle mich noch matschiger. Der Iso fährt Pauline zur Turnhalle und macht den Wocheneinkauf. Ich erledige Dinge, die schon die ganze Woche über liegen geblieben sind. Als er zurückkommt, klatschen wir uns ab und ich fahre zur Turnhalle. Dort zahle ich 5 Euro Eintritt und sehe mir Paulines Wettkampfauftritt an. Super.

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Und dann! Dann fahren wir nach Hause, ich backe einen Mohnstollen und während ich ihn genüsslich kaue, geniesse ich den Gedanken für dieses Wochenende nirgends mehr hin zu müssen. Und dann wird mir endlich wieder weihnachtlich zu Mute.

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7 Antworten zu Eine besinnliche Woche im Advent

  1. Silvan schreibt:

    Da ich ja eher im Fachbereich „Flora“ zu Hause bin, statt in der „Fauna“, muss ich dennoch mal (der Neugierde halber) kurz eine fachliche Frage loswerden. Warum taut man die Fische, nachdem man sie gemessen hat, in der Sauna wieder auf? Fischschnupfen vielleicht?

  2. kamille7 schreibt:

    Ich bin fasziniert davon, was Du täglich für ein Programm abzuspulen hast. Wahnsinn! Da führe ich doch ein sehr geruhsames Leben: halbtags arbeiten, mit dem Hund spazieren gehen und ein bisschen Haushalt.
    Erhol Dich gut über Weihnachten!

  3. Pingback: 21. Dezember | Pinni

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