Volle Wochen

Viel los hier. Ist ja auch mal ganz schön zur Abwechslung. 

Wichtigstes Ereignis zuerst: Unser Baby hatte letzte Woche Geburtstag und ist zwölf Jahre alt geworden. Wenige Tage nach meinem zwölften Geburtstag fiel die Berliner Mauer, ich kann mich also noch sehr gut an mein gleichaltriges Ich erinnern. Schon ziemlich gross und doch noch bisschen klein. Auch Pauline wird sich später vermutlich gut erinnern können. Es war ihr zweiter Pandemiegeburtstag und folglich wieder ohne grosse Feier. Immerhin konnte sie dieses Mal ihre beste Schulfreundin einladen. Eine nahm eine Tasche voll ungesunder Lebensmittel, die andere klemmte sich die Picknickdecke unter den Arm und so liefen sie an den See und hatten einen vergnüglichen Nachmittag bei sagenhaften 15°C und strahlend blauen Himmel.  

Ich gehöre seit Anfang April wieder zur arbeitenden Bevölkerung und muss mit Erstaunen und Bedauern feststellen, wie wenig Freizeit man so als Vollzeitarbeitende hat. Und dass man die Freizeit erschöpft auf dem Sofa liegend verbringen muss. Letzte Woche war besonders anstrengend und aufregend. Und zwar habe ich ein Praktikum betreut und bin jeden! Tag! zur Uni gefahren und habe dort täglich viele! Stunden! mit anderen! Menschen! verbracht. Jeglicher Unterricht, der nur irgendwie aus der Ferne möglich ist, wird auch so gestaltet, aber ein Laborpraktikum… Es gibt natürlich Auflagen. Beispielsweise dürfen sich nur maximal zehn Personen pro Labor aufhalten. Wir mussten die 20 Studenten also auf drei Räume aufteilen (kein Rechenfehler, Lehrpersonal braucht es ja auch). Die Uni stellt FFP2 Masken in Hülle und Fülle. Ich hatte vorher noch nie eine auf und war gespannt. Tatsächlich habe ich sie aber nach der ersten halben Stunde gar nicht mehr bemerkt. Abstand sollten wir natürlich auch halten, aber das war in einem Molekularbiologie-Praktikum, in dem man die ganze Zeit mit kleinen Dingen und winzigen Mengen hantiert und zeigen muss wie das geht, schlicht nicht möglich. Es war gleichzeitig super schön und super anstrengend so viele soziale Kontakte zu haben und so viel zu reden. Manchmal habe ich mich ehrlich gesagt wieder auf mein Homeoffice gefreut, aber am letzten Tag war ich doch ganz schön traurig. Es war ein bisschen wie früher und es fehlt halt doch.

Und dann war da noch dieses herrliche Frühlingswetter und man musste immerzu auf der Terrasse in der Sonne sitzen und lesen oder Inlineskates fahren oder den Vögeln lauschen oder Huflattich anhimmeln (meine Krokusse wurden natürlich wie jedes Jahr von den Hasen gefressen). Seit genau vier Tagen sehe oder höre ich jeden Tag mindestens drei (für dieses Jahr) neue Vogelarten. Im Grunde kann man sich gar nicht auf’s Arbeiten konzentrieren. Heute mitten in einem Zoom-Meeting landete ein prächtiger Schwarzspecht direkt vor meinem Fenster und pickte in aller Seelenruhe Ameisen vom Baum. Den Buntspecht einen Baum weiter kannte ich bereits von vorgestern. Die Kehrseite der Medaille sind natürlich die Quindezilliarde Pollen in der Luft. Letztes Jahr habe ich ja noch Erlenpollen (sowie Gräser) in mein Repertoire aufgenommen und an den meisten Tagen derzeit frage ich mich ob die unendliche Müdigkeit, ausgelöst durch die Medikamente, tatsächlich besser ist als die doch beeindruckend starken Beschwerden. Egal, das schöne Wetter ist jetzt sowieso erstmal vorbei.

Auch sonst wird es wieder ruhig und vermutlich gibt es dann wieder nichts zu erzählen. Man hat’s nicht leicht.

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