Sommerferiensonntag

Was man nicht alles erleben kann wenn man im Sommer zwar arbeitet, aber eben nicht ununterbrochen Fische jongliert oder in eventuellen kurzen Pausen japsend auf dem Sofa liegt.

Am Sonntag flogen wir wieder aus. Als allererstes brachten wir das angekündigte heftige Sommergewitter hinter uns, komfortabel vom Auto aus.

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So heftig war es aber gar nicht und schon am ersten Ausflugsziel angekommen schien wieder die Sonne. In Petäjävesi steht eine kleine hübsche und über 250 Jahre alte Holzkirche. 

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Paulines Freundin war auch von der Partie und beide Kinder kannten die Kirche noch nicht, beziehungsweise war Pauline beim letzten Besuch noch so klein, dass sie sich nicht mehr erinnern konnte. Da die Kirche zum Weltkulturerbe gehört und im Ethikunterricht erst kürzlich Welterben besprochen worden waren, passte der Besuch extra gut. Wir Erwachsenen hatten uns die Kirche schon mehrmals von innen angesehen und schenkten uns deshalb für dieses Mal den ziemlich teuren Eintritt (auch innen ist alles aus Holz, von den Nägeln bis zum Kronleuchter), schickten aber die Kinder hinein und sahen uns so lange draussen um.

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Dann fuhren wir weiter nach Mänttä-Vilppula, einen kleinen Ort der sich Kunststadt nennt, denn es gibt dort zwei Kunstmuseen, Kunstsammlungen und eine Kunststiftung. Alles nahm seinen Ursprung mit der Papierindustrie, die sich dort im 19. Jahrhundert etablierte. Mit der Industrie kam der Reichtum und mit dem Reichtum eine Kunstsammlung und die Stiftung, deren erste Aufgabe es war ein Kunstmuseum zu bauen und die bis heute sehr aktiv ist.

Irgendwann im letzten Winter las ich in den Nachrichten, dass eines der Museen im Sommer eine Banksy Ausstellung zeigen würde. Ich wusste gar nicht viel über Banksy, was man eben so in den Medien mitbekommt, aber mag die Werke die man da so sieht und die politischen Aussagen dahinter. Ausserdem finde ich die Person hinter der Kunst sehr spannend. Ich fragte also direkt die Familie ob wir uns das nicht ansehen wollen, sofern Corona und so weiter…

Im April dann war in den Nachrichten zu lesen, dass schon vor der Eröffnung alle Tickets, von denen es aufgrund der Corona-Beschränkungen eben nicht so viele gab, bis zum Ende der Ausstellung im Oktober vergeben waren. Aber man solle die Hoffnung nicht aufgeben und bei eventuellen Lockerungen immer mal auf der Webseite des Museums vorbei schauen. Das fiel mir wieder ein, als ich von der Rückfahrt aus der Fischforschungsstation überlegte was man jetzt mit dem weniger stressigen als gedacht Monat Juli anfangen könnte. Und siehe da, es gab wieder freie Termine.

Aber zunächst fuhren wir auf eine Berghütte im Ort, die ebenfalls etwas mit dem Gründer der Kunststiftung zu tun hat, denn sie wurde anlässlich seines 60. Geburtstags gebaut. Heute nennt sie sich Weinhütte, wird durch Schweizer Hand geführt und es gibt (neben Wein) Flammkuchen, Brezeln und mit Vorbestellung sogar Käsefondue und Raclette. Das mit der Vorbestellung lasen wir leider zu spät, aber auch die Flammkuchen waren sehr lecker.

Gestärkt ging es dann zum Serlachius Museum Gösta, welches in meinen Augen alles richtig gemacht hat. Im Sinne des Künstlers war der Eintritt frei und auch im Museumshop wurde bis auf den Ausstellungskatalog keinerlei Geld mit Banksy Kunst gemacht.

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Um es gleich mal vorweg zu nehmen, ich kam nach einer Stunde (so lang darf man bleiben, aber die Zeit ist ausreichend) sehr beeindruckt wieder raus. Die Ausstellung ist toll gemacht, es gab viele, aber nicht zu viele, interessante Informationen, angefangen bei den Bewegungen die den Künstler inspiriert haben, bis zu den verschieden Themen mit denen sich seine Arbeit beschäftigt und Hintergrundinformationen zu den Werken. 

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Und dann die Werke selbst. Hinterher wollten die Kinder von mir wissen welches mein Lieblingsbild war und ich konnte mich beim besten Willen nicht entscheiden, nannte aber „Love Rat“.

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Love Rat by Banksy

Dass Bilder bei mir Emotionen auslösen ist relativ neu, aber mehrere Werke haben mich sehr berührt. Am stärksten „Napalm“. Es basiert auf einer der bekanntesten Fotografien, aufgenommen 1972 von Nick Út, einem Fotoreporter im Vietnamkrieg. Dieses Foto zeigt Kinder, die nach einem Bombenangriff aus ihrem Dorf fliehen. Banksy hat ein Mädchen, welches nackt ist und schwere Verbrennungen erlitten hat, aus dem Foto reproduziert und ihr zwei der bekanntesten amerikanischen Gesichter an die Hand gegeben. Das Bild hat eine solche Wucht.

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Napalm by Banksy

Beim Verlassen der Ausstellung, als ich noch mal zurück blickte, entfuhr mir „Was für ein cooler Hund!“.

Wir sahen uns noch die Parkanlagen rund ums Museum an und besuchten das Café auf dem Gelände. Und weil die Kinder dann immer noch nicht müde gespielt waren, hielten wir auf dem Heimweg noch an einem Strand mit Sprungturm. 

Von mir aus könnten diese Sommerwochenenden immer so weiter gehen.

Ein Kommentar zu „Sommerferiensonntag

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