Madeira, Teil II

Grundsätzlich hatten wir uns für den Urlaub vorgenommen morgens nicht allzu spät aufzustehen um so viel Tageslicht wie möglich mitzunehmen. Aber am Silvestermorgen schliefen wir natürlich aus. Bis dahin war auch die Sonne über den Berg gestiegen und wir konnten draussen frühstücken. Hach! Dann zogen wir aber endlich die Wanderschuhe an, fuhren wieder den Berg hinterm Ferienhaus hinauf, vorbei am Restaurant mit Katzen und Bananenfisch und noch höher bis wir auf etwa 1400 m auf einer Hochebene parkten. Von dort stiegen wir in ein Tal ab, zunächst auf einer asphaltierten Forststrasse die an sich ein wenig langweilig war, aber wunderschöne Aussichten bot.

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Die Laubbäume links und rechts der Strasse hatten zwar keine Blätter, waren aber trotzdem grün.

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Die Strasse führte schliesslich zu einer Hütte, einem allerliebsten Naturcafé, in dem wir uns erstmal stärkten. Das Frühstück war ja schon mindestens zwei Stunden her und es gab solch leckere Dinge :) Unter den Gästen im Café schwirrten lauter unterschiedliche Sprachen herum, sogar finnisch. Dann schulterten wir wieder die Rucksäcke mit den umsonst mitgeschleppten Bananen und nun wurde der Weg wesentlich spannender.

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Man hat es auch nicht leicht. So als Baum auf Madeira. Noch schöner wurde es als wir auf unsere erste Levada stiessen. Das sind die für Madeira typischen Bewässerungskanäle, die sich über die ganze Insel schlängeln und von denen die ersten schon im 15. Jahrhundert angelegt wurden. Sie leiten Wasser aus niederschlagsreicheren Gebieten in landwirtschaftliche Anbaugebiete und da sie zu Wartungszwecken alle begehbar sein müssen, kann man prima an ihnen entlang wandern.

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Dieser hier nennt sich Levada do Risco (Risiko), war aber ganz ungefährlich und führte zum gleichnamigen Wasserfall. Vielleicht weil das Wasser so verrückt ist und sich 100 m den Berg hinabstürzt.

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Dort am Wasserfall ist wohl auch ein beliebter Picknickpunkt. Jedenfalls kamen mehrere Buchfinken erstaunlich nah an uns heran gehüpft und sahen uns fragend an.

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Man hätte man den Berg noch weiter hinab steigen können, zu weiteren Wasserfällen und Quellen, oder an anderer Stelle wieder hinauf zum Kopf des Wasserfalls, wo es eine Lagune gibt. Aber wir hatten für den Tag noch weitere Pläne und liefen deshalb gemütlich zurück zum Ausgangspunkt.

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Im Ferienhaus wurden die letzten Sonnenstrahlen selbstverständlich für eine Runde im Pool genutzt und als es dunkel wurde machten wir, was wir an Silvester immer tun: Gesellschaftsspiele spielen und Chips essen. Ich hatte sogar drei Luftschlangen mitgebracht. Gegen 22 Uhr aber setzten wir uns nochmal ins Auto und fuhren nach Funchal.

Als wir den Urlaub geplant und gebucht hatten, wussten wir gar nicht, dass Funchal für sein Silvesterfeuerwerk berühmt ist. Wie uns der Ferienhausverwalter stolz aufklärte, ist es eine Feuerwerkssinfonie von über 50 Stationen kreuz und quer über die ganze Stadt abgeschossen, die 2006 vom Guinessbuch der Rekorde zum grössten Feuerwerk der Welt gekürt wurde. Von wo aus sieht man es denn am Besten, wollten wir von ihm wissen. Von überall.

Wir überlegten trotzdem lange hin und her ob wir es uns vom Berghang aus ansehen sollten oder uns unten am Meer in das grosse (angesagte) Getümmel stürzen sollten. Die Mehrheit, zu der ich nicht zählte, entschied für letzteres. Wegen der Stimmung. Nun bin ich ja auch ohne Pandemie keine grosse Freundin von Menschenmassen, schon gar nicht an Silvester. Da kenne ich es aus Deutschland so, dass die Mehrheit der Leute schon weit vor Mitternacht betrunken ist und grösste Freude daran hat Böller zwischen die Menschen zu werfen. Und dann kamen wir nach Funchal und es war so nett und fröhlich und friedlich. Das Ganze war eher ein Familiending, es wuselten viele Kinder umher, niemand war betrunken und trotzdem wurde überall gelacht. Und ganz selbstverständlich Maske getragen und sich aus dem Weg gegangen. Sehr schön konnte man anhand der Kleidung die Einheimischen von den Touristen unterscheiden. Die Madeirer hatten sich unglaublich schick gemacht, ich sah an diesem Abend bestimmt 200 verschiedene Glitzerkleider und Krawatten. Die Touristen sahen so aus wie … wir. Turnschuhe und Regenjacken. Wir liefen etwas an der „Strand“promenade entlang und hatten kurz vor Mitternacht den idealen Ausguck gefunden. Die letzte Minute des Jahres zählten alle (in jeweiliger Sprache) gemeinsam laut runter und dann erlebten wir ein achtminütiges Spektakel, das wir so schnell nicht wieder vergessen werden. (Die Fotos können das gar nicht wiedergeben.)

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Den Neujahrstag verbrachten wir auf Wunsch zweier Damen mit Nichtstun. Mein Tag bestand hauptsächlich daraus auf dem Liegestuhl in der Sonne liegen und umher zugucken. Das tolle an einem Ferienhaus in einem normalen Wohngebiet ist, dass man genau mitten drin sitzt im Leben. Jedenfalls wenn es zu einem Grossteil draussen stattfindet, so wie auf Madeira. Man hört die ausgelassene Kommunikationsfreude aus allen Richtungen. Man bemerkt, dass eigentlich alle Familien einen Hund haben, der aber niemals ausgeführt wird sondern selbstständig Gassi geht wenn ihm gerade danach ist. Deshalb kann man auch einen Hund dabei beobachten wie er eine Avocado frisst. Man sieht den alten Leutchen gegenüber zu, die ihren Tag damit verbringen in ihrem ausgedehnten und prallvollen Garten zu werkeln, das Trinkwasser im Tank zu überprüfen, die Wäsche auf der Dachterrasse aufzuhängen und dabei mit der Nachbarin auf dem Balkon gegenüber zu schnacken. Man sieht wie überall ständig jemand kurz vorbeikommt, vielleicht um ein schönes neues Jahr zu wünschen. Man versteht kein Wort ausser immer und immer wieder: Christiano Ronaldo. Es muss schon etwas besonderes sein wenn eine so (relativ) kleine Insel eine so berühmte Persönlichkeit hervorbringt. Er hat ein eigenes Museum, es gibt diverse nach ihm benannte Gebäude und tatsächlich rief am Vorabend nach dem Feuerwerk jemand mehrmals sehr laut und enthusiastisch: ANO NOVO! CHRISTIANO RONALDO!!!

Wenn es mir zu warm wurde, liess ich mich einfach in den Pool fallen. Oder ass ein Eis und kühlte nur die Füsse, je nachdem.

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Was ich auch lange anguckte waren die Avocados im Baum vor der Terrasse und wie sie im Wind hin und her schaukelten. Ich dachte dabei an meine Freundin, die vor einem Jahr knapp an einem Burnout vorbei geschrammt war und glücklicherweise die Notbremse zog und (unter anderem) spontan mit ihrem Mann für eine Woche nach Lappland fuhr. Es war November, man konnte kaum etwas draussen machen und so sass sie viele Stunden im angemieteten Blockhaus und tat nichts weiter als sich die Maserung des Holzes anzuschauen. Und das hat sie, wie sie meinte, wieder auf die Füsse gebracht. Ich will nicht sagen, dass ich kurz vor einem Burnout war, das zum Glück nicht, aber ich war sehr urlaubsreif. Überreif.

Nach dem Sonnenuntergang präsentierte sich mein Ausblick in den unglaublichsten Farben.

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Madeira, Teil I

Es gab ziemlich gute Gründe gegen diese Reise. Eine Pandemie zum Beispiel. Aber es gab auch wirklich Gute dafür. Und so kam es, dass wir nach wochenlangem hin und her, sollen wir oder nicht, lass mal noch eine Woche abwarten, lieber noch eine, noch eine Nacht drüber schlafen schliesslich eines morgens kurz nach Weihnachten den ersten Bus Richtung Bahnhof nahmen, den ersten Zug zur Hauptstadt und dann ein Flugzeug. Nach Madeira.

Als wir aus ausstiegen guckten wir leicht entrüstet. Es war zwar 40°C wärmer als zu Hause, das ja, aber es regnete. Und so hatte das nicht im Wetterbericht gestanden. (Da wussten wir noch nicht, dass man auf Madeira gar nicht gross in die Wettervorhersage schauen braucht, weil das Wetter nämlich gern mal alle 500 Meter – horizontal oder vertikal – anders ist.) Die Entrüstung war aber von kurzer Dauer, auch wenn es vorerst weiter regnete, denn kaum erspähten wir vom Mietauto aus die ersten Ecken der Insel, siegten Vorfreude und Aufregung. Schon vom Flugzeug aus hatten wir gesehen, dass Madeira ein einziger Felsbrocken im Meer ist, ein Gebirge dessen höchste Gipfel aus den Wolken ragten, mit sehr steil abfallenden Küste. Entlang dieser Küste fuhren wir und staunten über die spektakuläre, terrassenförmige Bebauung. (Schon der Flughafen war spannend gewesen mit seiner einzigen, recht kurzen Rollbahn. Wie hatte der Pilot gesagt? Nicht wundern, ich muss direkt nach der Landung sehr scharf bremsen.) Als nächstes fielen mir die vielen Bananenstauden überall auf. Das erklärte dann auch die zwei Bananen, die jeder von uns bei Ankunft am Flughafen geschenkt bekommen hatte (nach Kontrolle des Impfstatus). Sehr leckere Bananen übrigens, mit robuster Schale, die auch nach mehreren Tagen im Rucksack umhertragen – weil man immer dachte man bräuchte unterwegs einen Snack und es dann aber überall, selbst in den entlegensten Winkeln leckerstes Essen zu kaufen gab – nicht matschig wurden. Aber ich greife vor.

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Wir fuhren also die Küste Richtung Westen entlang und schon bald gab es gar nichts mehr zu sehen, weil sich die Strasse in eine Kette von endlosen Tunneln verwandelte. Wikipedia informiert, dass Madeiras Strassennetz vor etwa 25 Jahren modernisiert wurde und in diesem Zuge etwa 140 Tunnelanlange entstanden. Kein Wunder also. Nach dem drölfzigsten Tunnel bogen wir in einen Ort ab, fuhren in das kleinste und engste Parkhaus das wir je gesehen hatten (kein Platz, wie gesagt) um im Supermarkt einzukaufen. Es gab viel Spannendes zu sehen, aber da unser Tag inzwischen doch einige Stunden zählte und wir alle sehr müde waren, beschlossen wir nur das Nötigste mitzunehmen und am nächsten Tag wiederzukommen. Die Müsliauswahl wurde noch kurz sehr schwierig, nicht weil sie so gross gewesen wäre, sondern weil direkt neben dem Müsliregal unzählige Stapel Stockfisch standen und mich (die einiges an Fischmief gewohnt ist) der Geruch fast in die Ohnmacht trieb. Wir operierten das Auto wieder aus dem Parkhaus raus und fuhren die letzten Kilometer zum Ferienhaus. Es lag etwas weiter oben am Berg und die Fahrt dorthin war vermutlich das grösste Abenteuer des Tages. Strassen an der Steilküste sind… steil. Und eng und kurvig. Als wir ein Strassenschild passierten, dass auf ein Gefälle von 32 % hinwies, entfuhr uns ein „Moment, wieviel bitte?“ und dann dachte ich das Auto würde jetzt gleich einen Rückwärtssalto machen.

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An einer ähnlich steilen Strasse wies uns das Navi an im rechten Winkel abzubiegen, was nur mit Schwung möglich ist und durchaus Mut erfordert wenn die nächste Strasse gerade mal so breit wie das Auto ist. Nach ein paar Metern standen wir schliesslich vorm Ferienhaus und mussten nur noch einmal im rechten Winkel in die Garage einbiegen. Huff. Aber dann waren wir schliesslich da. Kind und Mann sprangen augenblicklich in den Pool und ich stand auf dem Balkon und guckte auf das dunkle Meer hinaus.

Am nächsten Morgen lachte ich schon bevor ich auch nur die Augen aufmachte. Überall um uns herum krähten sehr ernsthaft sehr viele Hähne. Sekunden nach dem Augen öffnen stand ich wieder auf dem Balkon und konnte mir unsere atemberaubende Aussicht endlich bei Tageslicht ansehen. Der Iso war schon auf, stand eine Etage unter mir auf der Terrasse und wies mich auf den Avocadobaum der Nachbarn hin. Wir grinsten vom einem Ohr zum anderen.

Der Vormittag verging gemütlich mit Auspacken, Lesen und Umhergucken. Als wir Hunger bekamen fuhren wir den Berg noch etwas weiter hinauf in ein kleines Restaurant. Dort waren wir die einzigen Gäste, von den obligatorischen (wussten wir da aber noch nicht) Katzen mal abgesehen. Man platzierte uns im Wintergarten, drinnen knackte laut ein riesiges Feuer über dem unser Essen gegrillt wurde. Ich bestellte mir direkt DIE madeirische Spezialität, von der ich schon gelesen hatte und die mich neugierig gemacht hatte: Degenfisch mit Banane überbacken und Maracujasosse. Alles war super lecker, Pauline und ich himmelten nebenher die Katzen an (Kellner: Wollt ihr eine mitnehmen? Ihr würdet mir ECHT einen Gefallen tun.) und dann kam zum ersten Mal die Sonne raus und es wurde augenblicklich richtig warm. T-Shirt warm! Wir konnten also nicht wie geplant unseren Einkauf fortsetzen und uns die Umgebung ansehen, sondern mussten dringend zurück auf die Terrasse des Ferienhauses eilen. Zum Schwimmen und in der Sonne aalen. Unfassbar, dieses Gefühl wenn nach langer langer Zeit die Sonne wieder warm auf die nackte Haut scheint… Schliesslich juckte es uns aber doch noch in den Füssen (typisch erster Urlaubstag, man will am liebsten alles gleichzeitig machen) und wir gingen ein wenig auf Erkundungstour.

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Madeira ist eher nicht die Insel für Strandurlaub. Steile, steinige Küsten an die der Nordatlantik mit beachtlicher Brandung schwappt. Ein paar wenige künstliche Strände gibt es aber doch. In Calheta hat man dafür Sand aus Marokko herbei geschleppt und ihn hinter Wellenbrechern ausgebreitet. Hm naja. Die Strände waren übrigens wegen Corona geschlossen, aber an der Promenade konnte man entlang spazieren (übrigens trugen fast ausnahmslos alle – Einheimische wie Touristen – auch draussen Maske) und der Sonne beim Untergehen zuschauen.

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Als wir aus dem Supermarkt wieder rauskamen war es „schon“ dunkel (Anführungsstrichel, weil der Tag mit 10 Stunden Tageslicht doppelt so lang war wie zu Hause) und wir bekamen noch eine Überraschung. Die Madeirer, beziehungsweise Portugiesen scheinen ausschweifende Weihnachtsbeleuchtung zu mögen. Am Wegesrand leuchteten Eisbären und Pinguine, die zwischen den Palmen reichlich bizarr aussahen, und überall strahlten Lichterketten. Ich hatte ehrlich gesagt schon ganz vergessen, dass gerade erst Weihnachten gewesen war.

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Da die innerfamiliären Interessen teilweise weit auseinander driften, versuchen wir Urlaube so zu gestalten, dass jeder Mal auf seine Kosten kommt. Der Iso und ich scharrten schon mit den Wanderschuhen, aber zunächst erfüllten wir Pauline am nächsten Tag den Wunsch in die Hauptstadt Funchal zu fahren. Auf dem Weg hielten wir noch an einem Aussichtspunkt auf einer über 500 m hohen Steilklippe, Cabo Girão. Es gibt dort eine Glasbodenplattform, aber obwohl nochmal 100 m höher, fühlte es sich nicht annähernd so hoch an wie damals auf dem Fernsehturm in Kuala Lumpur. In der Natur verschwimmen eher die Dimensionen als in der Stadt. Trotzdem war die Aussicht natürlich spektakulär.

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Am Fuss der Klippe gibt es Felder, die bis vor etwa 20 Jahren nur mit Booten erreichbar waren. Inzwischen gibt es eine Seilbahn.

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Pauline hatte aber eine andere Seilbahn in Funchal ausgesucht und das war nach einem Zwischenstopp zur Magenbefüllung unser nächstes Ziel. Sie geht einmal quer über die ganze Stadt und wir genossen schon wieder wunderschöne Aussichten und lunsten den Leuten in die Häuser und Gärten.

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Die Bergstation liegt im Stadtteil Monte, wo wir ein wenig umher spazierten und uns eine Besonderheit anschauten. Man kann nämlich einen Teil des Weges zurück nach unten mit einem Korbschlitten fahren. Ganz ohne Schnee :) Diese Schlitten fungierten im 19. Jahrhundert tatsächlich als öffentliche Verkehrsmittel, heute sind sie eine Touristenattraktion. Sie werden jeweils von zwei Herren gelenkt, die Schuhe mit speziellen Bremssohlen tragen. Es geht also diese steilen, engen und kurvigen Strassen hinab, dazwischen fahren Autos und es sieht alles ziemlich halsbrecherisch, aber zugegeben auch lustig aus.

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Wir nahmen aber wieder die Seilbahn, schauten uns noch in der Altstadt um und liessen den Tag mit einem überdimensionalen und sagenhaft leckerem Eis ausklingen.

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Urlaub ey, so grossartig!

Vorm Schlafengehen kurz noch mal aus dem Fenster sehen

Lohnt sich. Gestern kurz vor Mitternacht, meine Augen waren schon halb zu, schaute ich noch mal raus, weil für’s Wochenende gute Chancen für Polarlicht vorausgesagt waren. Und tatsächlich tanzten grüne Schleier über den Himmel.

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Ich informierte umgehend das ebenfalls gerade ins Bett gehen wollende Kind, welches zwar fast 13 Jahre alt ist und ihr ganzes Leben in Finnland verbracht hat (bis auf ein halbes Jahr als Einjährige), aber noch nie Polarlicht gesehen hat. Zack, standen wir vor der Tür. Beziehungsweise lagen im Schnee.

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Anfangs noch recht leicht bekleidet, aber als das Zauberlicht immer intensiver wurde und gar nicht mehr aufhören wollte, wir jedoch inzwischen zitterten wie Espenlaub, flitzten wir hektisch ins Haus zurück um uns diverse Kleidungsstücke über zu werfen. (Bis zuletzt steckte ich allerdings mit nackten Füssen in meinen Winterstiefeln. Keine Zeit, musste gucken.)

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Polarlichter sind in Mittelfinnland gar nicht so häufig zu sehen und wenn, dann sind sie meist so schwach, dass man sie in der Stadt mit ihren vielen Lichtquellen gar nicht richtig erkennen kann. Mal abgesehen davon, dass der Himmel natürlich auch wolkenlos sein muss. Gestern aber, da passte alles und wir erlebten ein echtes Spektakel.

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Wie gut, dass ich noch mal aus dem Fenster geschaut habe, auch wenn sich die Ins-Bett-geh-Zeit dadurch um zwei Stunden verschob.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Als ich letzten August im Impfzentrum meine zweite Dosis Comirnaty bekam, dachte ich mir zwar schon, dass ich noch mal wiederkommen würde, aber dass es so schnell passieren würde habe ich damals nicht erwartet. Und da war ich mit heute sogar schon spät dran – die liebste Freundin im Südwesten hätte ihren Booster schon vor über 3 Wochen haben können. In unserer Gemeinde dürfen die unter 60jährigen (Risikogruppen ausgenommen) erst seit letzter Woche die dritte Impfung bekommen und auch nur dann wenn die Zweite schon mindestens 5 Monate her ist. Das wäre bei mir vorgestern gewesen. Da war ich aber den ganzen Tag damit beschäftigt Fische zu vermessen. Gestern ebenso, aber ob ich bei -25°C zum Impfzentrum spaziert wäre (man darf derzeit einfach immer ohne Termin kommen) weiss ich sowieso nicht. Heute war es 28°C wärmer (!) und die Fische fertig vermessen, da konnte ich gut den Impfspaziergang antreten. Man ist dann beim dritten Mal kein bisschen mehr aufgeregt: reicht routiniert die Krankenkarte an der Plexiglasscheibe vorbei, schreitet in den angewiesenen Warteflur, wartet ein paar Minuten bis man aufgerufen wird, geht ins Behandlungszimmer, zieht den linken Arm aus dem Pullover, hört sich kurz an warum man heute zur Abwechslung mal Moderna bekommt, steckt den Arm wieder in den Pullover, setzt sich 15 Minuten lang zurück in den Flur und verlässt freundlich dankend das Impfzentrum.

Neu war heute, dass ich direkt in die nächste Tür des Gebäudes wieder rein ging. Dort befindet sich ein (Vor-) Wahllokal, denn Finnland wählt mal wieder. Es gab kürzlich eine Gesundheitsreform, deren grösste Änderung beinhaltet, dass die 321 Gemeinden des Landes, die sich bisher um Gesundheit und Soziales gekümmert haben, in 21 Verwaltungseinheiten (Landkreise?) zusammengelegt werden. Der Gedanke dahinter war Bürokratie einzusparen, aber böse Zungen behaupten, dass jetzt alles nur noch komplizierter wird. Wir werden sehen. Jedenfalls sollen die Vertreter jeder Verwaltungseinheit demokratisch gewählt werden. Eigentlich immer gemeinsam mit den Kommunalwahlen, aber da die ja erst letzten Sommer waren, gibt es jetzt einmalig eine extra Wahl. Es wird eine extrem niedrige Wahlbeteiligung erwartet, weil eben gerade erst eine Wahl war und niemand so richtig durchzublicken scheint worum es eigentlich geht. Dabei wird es einem hier so einfach gemacht. Es gibt leicht verständliche Artikel in denen alles erklärt wird, es gibt die tollen Wahl-O-Mate (in sechs Sprachen!) und wie immer kann man bereits im Vorfeld an vielen strategisch günstigen Orten wie Supermarkt, Bibliotheken und Sportplätzen (Pandemie-gerecht draussen) wählen gehen. Und jetzt auch im gleichen Gebäude wie das Impfzentrum, wie genial ist das denn bitte?

Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls darüber, dass ich als nicht Finne wählen darf (tatsächlich beinhaltet die Reform auch eine Verordnung, die besagt dass jeder Patient das Recht hat in seiner Muttersprache behandelt zu werden oder zumindest in einer Sprache die er beherrscht) und dass ich der leider auch hier hoch ausschlagenden Omikronwelle nun etwas geschützter entgegen treten kann.

2021

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
2021 war so viel besser als das Jahr davor. Eine 7.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Wie immer wurden gegen Ende des Jahres die Hosenbünde etwas knapp.

3. Haare länger oder kürzer?
Grauer

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Was meint ihr passiert wenn die Haare grauer werden?

5. Mehr Kohle oder weniger?
Etwas weniger aufgrund von drei Monaten Arbeitslosigkeit. Aber genug.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Erst gar keinen, dann den Alten und seit zwei Monaten einen Neuen. Hat mir alles gefallen :)

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Etwa gleich viel.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

9. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr. Zusätzlich zu den fast täglichen Frischluftrunden habe ich viel Yoga gemacht. Die esoterische Komponente ist immer noch nichts für mich, aber die körperlichen Übungen tun unheimlich gut. Und auf YouTube gibt es eine grosse Auswahl an Lehrern mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zur Not kann man während etwaigen Geschwafels einfach schon ein bisschen weiter turnen.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Eine. Ich hatte die erste Ohrenentzündung meines Lebens.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Die war unangenehm, aber nicht wirklich schlimm.

12. Der hirnrissigste Plan?
Überhaupt Pläne zu machen.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Wie schon im letzten Jahr: unter Menschen gehen. (Wie traurig.)

14. Die teuerste Anschaffung?
Einen Geschirrspüler. Der Alte gab nach nur 5 Jahren den Geist auf… Immerhin konnten wir den Neuen im Vergleich zum Vorgänger (war schon im Haus) selbst aussuchen und haben jetzt ein viel effizienteres und vor allem – ah! herrlich! – leiseres Gerät.

15. Das leckerste Essen?
Ich habe in diesem Jahr viel Leckeres gegessen und wähle davon jetzt einfach unser russisches Weihnachtsessen, weil ich mich so gern daran erinnere.

16. Das beste Buch?
All the light we cannot see (Alles Licht, das wir nicht sehen) von Anthony Doerr.

17. Der beste Film?
Ensilumi (Erster Schnee) – ein finnischer Film in dem der iranische Regisseur Hamy Ramezan seine Kindheitserlebnisse verarbeitet. Als er gemeinsam mit seiner Familie als Flüchtling nach Finnland kam und schliesslich wieder abgeschoben wurde. Der Film ist eher eine Beobachtung, fein und leise. Es ist der Film der ausnahmslos alle Kinobesucher zum Weinen brachte.

18. Die beste „CD“?

19. Das schönste Konzert?
Ich war nur in einem, aber das war super schön: das Filmkonzert lumiukko (Der Schneemann).

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Zu Hause sein. Erst arbeitslos und dann fast ausnahmslos im Homeoffice.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Nicht zu Hause sein.

22. Zum ersten Mal getan?
Zum Coronatest gegangen (gleich am 01.01.), Laskiaispulla gebacken, einen Corona-Schnelltest zu Hause gemacht, ein Impfzentrum besucht um mich gegen Corona impfen zu lassen, mit Hechten hantiert, einen Escape Room besucht und geknackt, nach Madeira gereist. In der Reihenfolge.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
In den Tag gelebt, eine Ausstellung angeschaut, die liebste Freundin besucht (und über ihre grossen Kinder gestaunt), nach Estland gereist, vor Ort (!) Gymnastikwettkämpfe angeschaut und mich mit Differentialgleichungen befasst.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die nicht enden wollende Pandemie. Ein paar Sorgen.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Leute, lasst euch impfen!

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine Regenbogenparty ausgerichtet.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Einen Besuch im Escape Room. Das war so so so toll!

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
You got the job.

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich habe den Job.

30. Dein Wort des Jahres?
Impfung

31. Dein Unwort des Jahres?
Pandemie

32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Alle in der Blogroll.

33. Dein größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Dass die Pandemie zur Endemie wird, bittedanke.

(2020, 2019, 2018, 2017, 201620152014201320122011201020092008)