Zwei Fliegen mit einer Klappe

Als ich letzten August im Impfzentrum meine zweite Dosis Comirnaty bekam, dachte ich mir zwar schon, dass ich noch mal wiederkommen würde, aber dass es so schnell passieren würde habe ich damals nicht erwartet. Und da war ich mit heute sogar schon spät dran – die liebste Freundin im Südwesten hätte ihren Booster schon vor über 3 Wochen haben können. In unserer Gemeinde dürfen die unter 60jährigen (Risikogruppen ausgenommen) erst seit letzter Woche die dritte Impfung bekommen und auch nur dann wenn die Zweite schon mindestens 5 Monate her ist. Das wäre bei mir vorgestern gewesen. Da war ich aber den ganzen Tag damit beschäftigt Fische zu vermessen. Gestern ebenso, aber ob ich bei -25°C zum Impfzentrum spaziert wäre (man darf derzeit einfach immer ohne Termin kommen) weiss ich sowieso nicht. Heute war es 28°C wärmer (!) und die Fische fertig vermessen, da konnte ich gut den Impfspaziergang antreten. Man ist dann beim dritten Mal kein bisschen mehr aufgeregt: reicht routiniert die Krankenkarte an der Plexiglasscheibe vorbei, schreitet in den angewiesenen Warteflur, wartet ein paar Minuten bis man aufgerufen wird, geht ins Behandlungszimmer, zieht den linken Arm aus dem Pullover, hört sich kurz an warum man heute zur Abwechslung mal Moderna bekommt, steckt den Arm wieder in den Pullover, setzt sich 15 Minuten lang zurück in den Flur und verlässt freundlich dankend das Impfzentrum.

Neu war heute, dass ich direkt in die nächste Tür des Gebäudes wieder rein ging. Dort befindet sich ein (Vor-) Wahllokal, denn Finnland wählt mal wieder. Es gab kürzlich eine Gesundheitsreform, deren grösste Änderung beinhaltet, dass die 321 Gemeinden des Landes, die sich bisher um Gesundheit und Soziales gekümmert haben, in 21 Verwaltungseinheiten (Landkreise?) zusammengelegt werden. Der Gedanke dahinter war Bürokratie einzusparen, aber böse Zungen behaupten, dass jetzt alles nur noch komplizierter wird. Wir werden sehen. Jedenfalls sollen die Vertreter jeder Verwaltungseinheit demokratisch gewählt werden. Eigentlich immer gemeinsam mit den Kommunalwahlen, aber da die ja erst letzten Sommer waren, gibt es jetzt einmalig eine extra Wahl. Es wird eine extrem niedrige Wahlbeteiligung erwartet, weil eben gerade erst eine Wahl war und niemand so richtig durchzublicken scheint worum es eigentlich geht. Dabei wird es einem hier so einfach gemacht. Es gibt leicht verständliche Artikel in denen alles erklärt wird, es gibt die tollen Wahl-O-Mate (in sechs Sprachen!) und wie immer kann man bereits im Vorfeld an vielen strategisch günstigen Orten wie Supermarkt, Bibliotheken und Sportplätzen (Pandemie-gerecht draussen) wählen gehen. Und jetzt auch im gleichen Gebäude wie das Impfzentrum, wie genial ist das denn bitte?

Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls darüber, dass ich als nicht Finne wählen darf (tatsächlich beinhaltet die Reform auch eine Verordnung, die besagt dass jeder Patient das Recht hat in seiner Muttersprache behandelt zu werden oder zumindest in einer Sprache die er beherrscht) und dass ich der leider auch hier hoch ausschlagenden Omikronwelle nun etwas geschützter entgegen treten kann.