Weihnachten 2021

Es ist gleichzeitig traurig und schön, dass seit diesem Jahr der Nussknacker meiner Grosseltern mit uns Weihnachten feiert.

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Traurig, weil sie nun beide nicht mehr da sind, ihn am ersten Advent nicht aus einer Kiste holen und aufstellen können. Schön, weil ich ihn seit meiner Kindheit liebe. Nicht ganz so sehr wie seinen Zwilling, der genau gleich aussieht ausser dass seine Haare weiss und viel weicher sind und mit dem ich aufgewachsen bin. Aber da meine Grosseltern beide am 25. Dezember Geburtstag hatten, sind wir oft am ersten Weihnachtsfeiertag zu ihnen gefahren und da stand er jedes Jahr, in der guten Stube an der gleichen Stelle. Mit diesem hier durfte man freilich nicht spielen (der Nussknacker aus meinem Elternhaus ging durch alle Kinder-, Enkel-, und Urenkelhände – ich habe stundenlang seinen Bart gestreichelt (vermutlich Kaninchenfell) und als ich einmal un_be_dingt Nüsse damit knacken wollte, bekam ich ein paar Erdnüsse gereicht), aber ich habe ihn gern auch einfach angesehen.

Jetzt steht er in Finnland und hat sich vermutlich ein bisschen gewundert über das unkonventionelle Weihnachtsfest, dass sich da vor seinen Augen abspielte. Es fing schon mit dem Weihnachtsbaum an, der nicht erst an Heiligabend sondern bereits am 4. Advent aufgestellt und geputzt wurde und ausserdem ziemlich klein ist. Ich habe dem Nussknacker aber erklärt, dass es nur eine Ausnahme oder besser gesagt ein Kompromiss ist, weil wir kurz nach Weihnachten in den Urlaub fahren aber nicht auf den Baum verzichten wollen. Dann gab es an Heiligabend zur besten Kaffeezeit das Weihnachtsessen, was weder Kartoffelsalat mit Würstchen noch Gänsebraten war, denn wir haben ja seit letztem Jahr an Weihnachten ein Themenessen.

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In diesem Jahr wurde mein Vorschlag ausgelost, was mich tatsächlich erstmal ein wenig ärgerte, denn ooooh ein Mumin-Weihnachtsessen! Es hätte Pfannkuchen geben können! Aber die russischen Eier, die Wareniki mit Schaschlik und russischem Möhrensalat und schliesslich der russische Zupfkuchen (jaja, ist gar nicht russisch, hat’s aber im Namen) die da auf den Tisch kamen waren auch sehr lecker. Auf das Thema bin ich übrigens gekommen, weil ich in Tallinn so angetan von den Wareniki war (obwohl sie dort Pelmeni hiessen). Später konnte sich der Nussknacker „Stille Nacht“ als Kanon anhören, der sich (unabsichtlich) ergab als wir in einer Video-Konferenz mit Familie in Deutschland und Estland sangen. Immerhin die Bescherung fand ordnungsgemäß unter dem Baum statt, wo sich zeigte, dass ich in diesem Jahr besonders brav gewesen sein muss.

Am ersten Weihnachtsfeiertag wischte sich der Nussknacker erneut die Augen, denn es gab einfach nur Reste vom Vortag zu essen, wieder am Nachmittag, im Bademantel (Saunapause) und AUF DEM SOFA. Auch sonst waren die Feiertage ausnehmend gemütlich. Wir fuhren Schlittschuh auf dem Stadtsee, spielten Federball in der Turnhalle und viele Brettspiele zu Hause, tranken dabei literweise Tee und assen ähnlich viel Schokolade.

Huch! September?!

Oder wie Pauline neulich sagte: Bald ist Weihnachten und ich habe mich noch nicht mal daran gewöhnt, dass 2021 ist.

Hier ist wieder richtiger Alltag. Und dabei meine ich nicht nur, dass die Schule wieder angefangen hat und die Arbeit in der Fischforschungsstation weitestgehend abgeschlossen ist. Sondern richtiger Alltag. Ganz langsam (ich wag’s mich kaum zu sagen) immer mehr so wie früher. Vor der Pandemie!

Präsenzunterricht gab es auch im letzten Schuljahr an jedem einzelnen Schultag, aber mit vielen Sonderregeln. Mittagessen im Klassenzimmer, streng zugewiesene Plätze auf dem Schulhof damit sich die Klassen nicht vermischen, keine Ausflüge, keine Besucher von ausserhalb für Workshops und so weiter. Auch das Gymnastiktraining fand im letzten Halbjahr bis auf eine zweiwöchige Pause regelmässig statt. Aber eben mit Sonderregeln und ohne Trainingslager oder gar Präsenzwettkämpfe. Und all das löst sich gerade nach und nach auf. Geblieben sind nur noch Handhygiene und Masken. Ich weiss nicht ob es richtig oder falsch ist – einerseits fallen die Zahlen, andererseits sind im Nachbarort 100 Schüler in Quarantäne –  aber ich sehe die positiven Effekte auf’s Kind.

Die Uni empfiehlt nach wie vor wenn möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Aber seit ich meine zweite Impfung habe gönne ich mir an einigen Nachmittagen einen bequemen Bürostuhl, einen grossen Bildschirm und absolute Ruhe zum Arbeiten. Nur die Nachmittage, damit ich zu Hause Mittag essen und die Mensa oder Kaffeeküche vermeiden kann. Erst dachte ich, dass sich der ganze Aufwand (Anziehen! Fahrrad rausholen! Hinfahren!) für ein paar Stunden nicht lohnen würde, aber tatsächlich funktioniert das richtig gut. Vormittags ist es zu Hause still, da kann ich konzentriert arbeiten und nebenbei ganz praktisch die Waschmaschine anstellen oder so. Dann kann ich mir ein (schlichtes) Mittagessen kochen. Das habe ich früher fast nie gemacht, weil es mir morgens zu lange gedauert hat. Jetzt kann ich aber beispielsweise während die Kartoffeln kochen eben schnell ein paar Emails schreiben. Und nach dem Essen, gerade wenn ich für gewöhnlich schläfrig und lustlos werde, steige ich auf’s Fahrrad und komme 15 Minuten später frisch und beschwingt im Büro an. Dort bin ich super effizient, weil ich weiss, dass ich nur soundsoviel Stunden Zeit habe und der bequeme Stuhl, der grosse Bildschirm und die absolute Ruhe ausgenutzt werden müssen. Ab und zu trifft man sogar jemandem auf dem Gang und hat SOZIALKONTAKTE.

Und auch sonst. Wir machen Reisepläne, wir gehen essen und treffen Freunde. Es fühlt sich richtig gut an, aber was ich völlig vergessen habe: Wieviel Zeit und Energie das alles frisst. Und so kommt es, dass sich in meinem Kopf ein langer Erzählstau gebildet hat. Lauter Dinge, die ich eigentlich hier aufschreiben möchte, aber die Tage vergehen und es ist Mitte September.

Ich fange jetzt einfach mal von hinten an: Heute kamen endlich unsere Wahlunterlagen für die Bundestagswahl. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Es wäre auch nicht das erste Mal gewesen, dass sie nicht kommen. Das ist besonders ärgerlich nachdem man den Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis (Erstausfertigung UND Zweitausfertigung) ausgedruckt und handschriftlich ausgefüllt hat (geht auch am Computer, aber nur die Erstausfertigung – man kann gar nicht so viel mit den Augen rollen wie man möchte) und sich unter anderem mit dem winzigen Feld für die Wohnanschrift abgeplagt hat. Mal ehrlich. Eine Adresse im Ausland kann durchaus lang sein. Und unser Strassen- und Stadtname sind beispielsweise so kompliziert, dass ich sie selbst kaum aussprechen kann. Geschweige denn, dass es ein Deutscher, der kein Finnisch kann, schafft sie fehlerlos abzuschreiben (dafür gibt es Beweise, zum Beispiel in den heute erhaltenen Wahlunterlagen). Da möchte man die Adresse nicht in winzigen Buchstaben hinkalligrafieren. Und dann hat man da eine Briefmarke drauf geklebt. Beziehungsweise natürlich ZWEI Briefmarken, weil der Brief mit doppelter Ausführung des Formulars 21 Gramm wiegt und somit das Porto soviel kostet wie man nie die passenden Briefmarken da hat und dann überfrankiert. Aber es hat sich ja doch gelohnt, wir haben vorhin gewählt und müssen nur noch hoffen, dass sich die finnische Post ausnahmsweise etwas beeilt. Anekdote am Rande: der Iso hatte in seinen Wahlunterlagen zusätzlich zum eigenen Wahlschein noch den einer Frau mit Wohnanschrift in Dänemark. Augen rollen und so weiter.

Weil bei der liebsten Freundin die Frage aufkam was uns eigentlich die Bundestagswahl angeht: Zu ihren Argumenten, denen ich wild nickend zustimme, möchte ich noch ergänzen: Ich selbst habe nur die deutsche Staatsbürgerschaft und kann folglich nur in Deutschland wählen (EU Wahl und Kommunalwahlen ausgenommen, da darf ich auch hier in Finnland). Es stimmt schon, dass mich viele Details nach fast 20 Jahren im Ausland einfach nicht mehr betreffen. Aber in Zeiten, in denen unsere grössten Probleme globaler Natur sind (Klimawandel, Pandemie, Rechtsextremismus), ist das Land in dem ich wähle eigentlich nicht so wichtig. Hauptsache ich darf irgendwo mitbestimmen. Ausserdem leben in Deutschland einige Menschen die mir sehr wichtig sind und denen es gut gehen soll.

Sonst noch: In Lappland hat es heute geschneit.

Reisen in Zeiten von Corona

Es gibt Reisegründe, für die lässt man sich nicht von einem Virus aufhalten. Da setzt man sich einfach in ein Flugzeug und fliegt nach Deutschland.

Einen Flug zu finden war überhaupt kein Problem. Von Helsinki aus gibt es täglich mehrere Flüge in mehrere deutsche Städte. Er war sogar bezahlbar, was mich wirklich wunderte, denn wer jetzt fliegt, der muss wohl wirklich und ist vermutlich bereit so ziemlich alles zu bezahlen. Aber gut, ich möchte mich nicht beschweren.

Finnische Inlandflüge gibt es dafür im Moment nicht, oder jedenfalls nicht von unserem Flughafen aus. Und die Züge fahren wohl auch noch nicht wieder nach normalem Plan, denn es fand sich auch kein passender Zug in die Hauptstadt. Die Familie musste mich also die 270 km mit dem Auto bringen.

In den letzten Wochen war Corona in meinem Kopf immer mehr in den Hintergrund gerückt. Mit den Schulöffnungen und all den anderen Lockerungen die bisher gut ausgegangen waren. Das änderte sich schlagartig mit dem Betreten des Flughafens, denn das ist (meines Wissens nach) der einzige Ort im ganzen Land, an dem um das Tragen von Masken gebeten wird. In Deutschland, so beobachtete ich später am Tag fasziniert, ist das längst Alltag, aber hier hatte ich bis auf eine einzelne Masken ab und zu im Supermarkt, und auch das immer seltener, noch keine gesehen.

Ich war natürlich vorbereitet. Am Vortag hatte ich mir eine Packung völlig überteuerte Einwegmasken besorgt, einmal das Tragen zu Hause geübt und stülpte mir nun eine über. Der Flughafen war gespenstisch leer und ich lief ungläubig mutterseelenallein an geschlossenen Geschäften und Restaurants vorbei. Die Abflugtafel war sehr übersichtlich und vor den Fenstern standen Flugzeuge mucksmäuschenstill, mit verpackten Triebwerken. Es gruselte mich. Nach fast 3 Monaten in meiner Homeoffice-Blase gruselte es mich wirklich.

Beim Boarding wurden alle Pässe überprüft. Mit meinem deutschen Pass wurde ich direkt durchgewunken, aber alle Passagiere mit Pässen aus anderen Ländern wurden nach Reisegründen befragt. Das Boarding lief übrigens gestaffelt in drei Gruppen, die hinteren Sitzreihen stiegen zuerst ein. Sehr schlau. Das könnte man ruhig so beibehalten.

Auf allen Finnair-Flügen besteht Maskenpflicht, man bekam beim Einsteigen Desinfektionstücher gereicht um seinen Platz zu desinfizieren, das Flugzeug war viel kleiner als sonst und von den 100 Sitzplätzen waren weniger als die Hälfte belegt. Es gab keine Sitznachbarn. (Das kann ich hier gleich mal einschieben – Reisen in Zeiten einer Pandemie ist gruslig, aber ansonsten wirklich nicht unangenehm.) Bei Vorführung der Sicherheitshinweise schmunzelte ich ein wenig in meine Maske, als nämlich die Stewardess die Sauerstoffmaske über den Mund-Nasen-Schutz platzierte. Nach dem eingespielten Standardtext wurde dann aber noch durchgesagt, dass man im Falle des Falles erstmal die eine Maske abnehmen muss. Es wurde auch durchgesagt, dass man sie aber sonst nicht absetzen darf, deshalb schmunzelte ich später noch einmal, als jeder eine Flasche Wasser und einen abgepackten Keks gereicht bekam.

Die 10 Minuten, die wir an Flugzeit eingespart hatten – was so ein leerer Luftraum ausmacht – verbrachten wir dann bei Ankunft mit dem Ausfüllen von Formularen (Passenger Locator Form) für den Fall eines Corona-Falles an Board. Ausserdem gab es ein schlecht gemachtes und noch schlechter kopiertes Informationsblatt auf dem darauf gebeten wurde sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Sehr verwirrend, da ich vorher offziell nichts dazu gelesen hatte und natürlich auch aus Gründen nach Deutschland kam, die Quarantäne unmöglich machten. Nun, es handelte sich um eine Empfehlung und zum Glück hatte das Krankenhaus, in dem ich jemanden besuchen wollte, das im Vorfeld schon genehmigt.

Der sonst aus allen Nähten platzende Flughafen Tegel war ebenso leer und richtig abgefahren wurde es dann im TXL Bus. Ich kenne diesen Bus nur so vollgestopft, dass man entweder gar nicht erst mitkommt, oder aber einmal drin so gequetscht wird, dass man keine Luft mehr holen kann. Der Fahrerraum, in dem sich sonst auch die Leute stapeln, war komplett abgeriegelt und ansonsten sassen in dem grossen Bus drei Passagiere. Drei. Die Fahrt zum Bahnhof war dieses Mal besonders spannend, denn ich konnte aus dem Fenster sehen sah links und rechts der Strasse nur Masken. Menschen mit Masken so weit das Auge reicht. Wie im Film. Und ich staunte, wie auch die ganze folgende Woche, über die Deutschen, die das alle brav und mit grösster Selbstverständlichkeit mitmachen. Nicht immer ganz korrekt, aber dennoch. Für mich selbst – ich hatte seit Betreten des Flughafens Helsinki die Maske noch nicht einmal abgesetzt – konnte ich feststellen, dass es auch gar nicht weiter stört.

Für die Zugfahrt hatte ich mir erstmalig keinen Sitzplatz reserviert, ich rechnete mit keinem grossen Andrang. Und so war es dann auch. Ich sass wieder allein, es war sehr ruhig und ich dachte gerade, dass es noch nicht einmal eine Situation gegeben hatte, als die Frau vor mir aufstand, um ihre Sitze herumging und mich sehr höflich fragte ob es mich stören würde wenn sie ihren Sitz etwas, nur ganz wenig, nach hinten lehnen würde. Wie gut, dass ich die Maske trug, so konnte sie meinen weit aufstehenden Mund nicht sehen.

Während der Woche in der Heimatstadt gewöhnte ich mich langsam an den dystopischen Anblick. Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war Abstand von Familienmitgliedern zu halten. Ich hielt das auch nicht durch. Es gibt Momente, da kann man nicht auf Umarmungen verzichten. Falsch, aber menschlich. Ich füllte täglich brav das Formular mit meinen Kontaktinformationen im Krankenhaus aus, erklärte jeden Tag seufzend auf’s Neue, dass in unserem Fall die Ein-Besucher-pro-Patient-und-Tag-Regel nicht gilt, klebte mir meine Eintrittskarte, auf der vermerkt war wie lange ich bleiben darf (1 Stunde) und wo ich hingehe auf’s T-Shirt und schritt am Sicherheitsmann vorbei.

Die Rückreise verlief ähnlich der Hinreise. In Tegel war überhaupt nur ein Terminal geöffnet und auch da nur ein Eingang, den man nur passieren konnte, wenn man eine Maske trug und einen Boarding Pass vorzeigen konnte. Durch die Sicherheitskontrolle kam man – neue Coronabestimmung – nur, wenn man nicht mehr als 1 Gepäckstück bei sich hatte. Der Zusammenhang erschloss sich mir nicht und konnte mir auch nicht erklärt werden. Ich hatte dann einige Mühe meine zwei Gepäckstücke in Einem zu vereinen (Finnair erlaubt eine Handtasche/kleinen Rucksack zusätzlich zum kleinen Koffer), konnte aber schliesslich doch durch. Beim Boarding wurde es auch  noch einmal spannend. In Finnland waren am Tag meiner Rückreise noch alle Grenzen geschlossen und Reiseverkehr nur unter bestimmten Vorraussetzungen möglich. In meinem Pass steht zwar, dass ich in Finnland wohne, aber man wollte noch eine finnische ID Card sehen. Die ich nicht habe. Es dauerte dann ein Weilchen bis sich herausstellte, dass man eigentlich nur meine Sozialversicherungsnummer sehen wollte. Die ich selbstverständlich dabei hatte. Sie wurde dann mit einem Handy abfotografiert, was mir nachdem ich jahrelang immer wieder gehört habe, dass man gut auf diese Nummer aufpassen soll und sie beispielsweise nicht in Emails schreiben, auch äusserst seltsam vorkam.

Bei Ankunft in Finnland dann, ganz ungewohnt, eine Passkontrolle. Der freundliche Herr wollte wissen ob ich denn in Finnland wohne und wie lange schon und fand das dann auch in seinem Computer so bestätigt. Ausserdem erhielt jeder ein übersichtliches, mehrsprachiges, farbig gedrucktes, richtiges Faltblatt, das über die bevorstehende 14-tägige Quarantäne, über die ich auch schon im Vorfeld auf offiziellen Webseiten gelesen hatte, informierte. Eine wirtschaftlich freundliche Quarantäne: man darf nämlich nirgendwo hin, ausser auf Arbeit! Es sei denn man arbeitet im Gesundheits- oder Sozialwesen. Oder der Arbeitgeber hat eigene Regeln zum Schutz der Angestellten gemacht, wie in meinem Fall. Und so jongliere ich jetzt erstmal keine Fische. Aber, das wusste ich auch vorher schon und so wichtig mir meine Arbeit auch ist, nichts ist wichtiger als Familie.

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Ostern war, mit einem Wort, unspektakulär. Was ja nicht schlecht sein muss. Das Wetter war nasskalt (an 3 von 4 Tagen schneite es) und sonst konnte man ja nichts unternehmen. Wir waren also zu Hause, kruschelten herum, faulenzten, kochten und buken, assen alles auf, sahen einen Film, suchten Ostereier und assen auch die auf und räumten erhobenen Hauptes alle Wintersachen weg. Es gibt da diesen Punkt im April, an dem man die Sachen einfach nicht mehr sehen kann und will.

Zwei Dinge tat ich zum ersten Mal. Und zwar erreichte uns letzte Woche ein Osterpäckchen aus der Heimat und darin war eine Packung Färbe-Reis für Ostereier. Statt einer Flüssigkeit färbt man also Reis ein und schüttelt die Eier lustig darin hin und her. Das gibt tolle Effekte und am Ende ist jedes Osterei ein Unikat. (Pauline bemerkte, dass so eine Packung auch gleichzeitig ein Corona survival kit ist, denn es befinden sich Reis und Einmalhandschuhe darin. Das nur als Tipp wenn es die jetzt bald überall reduziert gibt!)

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Das Andere war eine Videokonferenz mit der Familie in Deutschland. Da braucht man auch erst eine Pandemie um auf so eine Idee zu kommen. Also, ich stehe sonst schon mit allen Familienmitgliedern in mehr oder weniger regelmässigen Kontakt, aber alle gleichzeitig, das hatten wir so auch noch nicht. Auch habe ich auf Arbeit regelmässig Skype-Konferenzen mit Leuten aus ganz Finnland, aber immer nur mit Ton. Jetzt mit Bild fand ich gut.

Heute ging es dann gleich so weiter: ein Gymnastik-Elternabend auf Teams mit über 70 Teilnehmern. Hat super funktioniert.

Ansonsten war für das Osterwochenende dringend empfohlen nicht in die Nationalparks und Naturschutzgebiete zu fahren, sonder den lähimetsä, also den nächstgelegenen Wald aufzusuchen. Gut, man musste sowieso immer eine Niederschlagspause abpassen und dann blitzschnell losgehen um einigermassen trocken zu bleiben. Und so schlecht, ist es im lähimetsä dann auch wieder nicht.

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Heute Morgen setzten wir uns ausgeruht und routiniert an die Schulsachen beziehungsweise Wissenschaft und ein weiterer unspektakulärer, verschneiter Tag nahm seinen Lauf. Ein bisschen fühlt man sich an den Murmeltiertag-Film erinnert.

9. November 2019

Dreissig Jahre. Donnerwetter.

Am 9. November 1989 war ich zwölf Jahre alt. Ich habe an diesen Tag keine Erinnerungen. Als die Mauer fiel lag ich im Bett und schlief.

Am nächsten Morgen erfuhr ich es von meinem Vati. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich unwohl in der DDR fühlt, eingesperrt. Er erzählte mir die Vorgänge der Nacht aufgeregt und begeistert. Der ganze Mann vibrierte.

Im Grunde genommen verstand ich nicht wirklich was da passierte. Ich war auf den Montagsdemos gewesen, hatte eine Kerze gehalten und „Wir sind das Volk“ gerufen. Ich wollte auch gern überall hin in die Welt fahren. Aber von Demokratie oder nicht hatte ich keine Ahnung. Und – ich war auch ein Thälmann-Pionier und zwar sehr gerne. Es hat mir später noch lange leid getan, dass ich niemals ein blaues FDJ-Hemd besessen habe.

Der Westen, das war für mich so eine Art Schlaraffenland. Als mein Vati einige Jahre zuvor die Erlaubnis bekam dort hin zu fahren, begannen meine Schwestern, die etwas älter sind als ich, eifrig Wunschlisten zu schreiben. „Und was wünscht du dir?“ fragte er mich irgendwann. „Was gibt es denn dort?“ fragte ich zurück. Und dann sagte er etwas, weshalb ich das Gespräch bis heute nicht vergessen habe, denn es hat mich sehr beeindruckt:

„Es gibt dort nichts, was es nicht gibt.“

Und jetzt war also die Grenze offen. „Fahren wir hin?“ wollte ich sofort wissen. „Mal sehen“ hiess es dann. Es war nicht klar ob Kinder fahren dürfen. Eigentlich war gar nichts klar.

Am 10. November 1989 und in den Tagen danach fehlten in der Schule immer mehr  meiner Klassenkameraden. Zwei davon habe ich nie wieder gesehen. Einer der beiden, ein Junge mit einer Gehbehinderung, hatte in den Wochen zuvor oft davon gesprochen, dass seine Mutter im Falle einer Grenzöffnung augenblicklich mit ihm in die BRD gehen würde. Dort würde er eine OP bekommen, die ihn gesund machen würde. Ich habe damals oft an ihn gedacht und mich gefragt ob er wohl schon richtig laufen kann.

Es sollte noch bis zum ersten Adventswochenende dauern, bis unsere Familie sich auch auf den Weg machte. Meine Mutti war sehr zögerlich. Würden es Repressalien geben? Würden sie die Grenze plötzlich wieder schließen? Stellt euch das mal vor. Man macht sich auf eine kleine Reise, besucht Verwandte, und kann sich nicht sicher sein ob man auch wieder nach Hause kommen darf. Es könnte sein, dass man über ein Wochenende alles verliert. Sein Zuhause, seine Freunde, seine Arbeit. Ich war damals sehr ungeduldig, aber heute kann ich das Zögern gut nachvollziehen.

Die Ironie ist, dass in den Folgejahren viele Menschen aus der DDR genau diese Dinge verloren haben weil die Grenzen geöffnet blieben.

Als wir uns der Grenze näherten, machte sich in unserem Auto ein komisches Gefühl breit. Ich hatte schon einige Grenzgeschichten gehört und bekam jetzt Angst. Dieser Moment und das ungute Gefühl kommen übrigens bis heute jedesmal wieder hoch wenn ich eine Ländergrenze übertrete. Dabei war es ziemlich unspektakulär. Und dann waren wir auf der anderen Seite Deutschlands.

Es folgte ein Wochenende in bunten, wohlriechenden Geschäften. Der ganze Westen ein einziger Intershop. Ich erinnere mich noch an eine Spielzeugabteilung eines Kaufhauses, in dem ich begeistert überall Knöpfe drückte und dann überall Töne raus kamen. Ich erinnere mich auch, dass ich mich für nichts entscheiden konnte, weil mich das Angebot erschlug. Meine Eltern kauften mir eine Salbe gegen mein mich seit Jahren quälendes Ekzem. Sie war zwar eigentlich verschreibungspflichtig, aber die Apothekerin drückte ein Auge zu. Wir besuchten ein Rathaus um unser Begrüssungsgeld abzuholen. Wir waren so tief im Westen, dass wir die ersten Besucher hier waren und mussten deshalb ewig warten. Oder jedenfalls kam es mir so vor. Ich bekam eine 13-stellige Nummer auf die letzte Seite meines Sozialversicherungsausweises geschrieben, damit ich nicht noch einmal irgendwo Geld holen würde. Und da steht sie immer noch.

Als wir wieder abfuhren, war unser Moskwitsch voll bis unters Dach. Mein Vati musste ganz vorsichtig fahren, damit wir nicht aufsetzen. Wir hatten die herrlichsten Sachen dabei. Man kann das belächeln oder oberflächlich finden. Aber nur wenn man damals in unseren Schuhen gesteckt hat.

Ich habe mal ein kleines Streitgespräch mit einem finnischen Kommunisten geführt, der meiner Meinung nach die DDR mit ein wenig zu verklärten Augen sieht. Er hat zwar selbst einige Jahre dort gelebt, ist aber während dieser Zeit beispielsweise regelmässig nach Westdeutschland gefahren um sich Bücher zu kaufen. Und er hätte jederzeit wieder nach Hause fahren können. Das ist ein gar nicht mal so kleiner und unwichtiger Unterschied zu den vielen DDR Bürgern, die das nicht konnten. Von denen sich manche so eingeengt gefühlt haben, dass sie ihr Leben für die Freiheit auf’s Spiel gesetzt haben. Von denen manche nicht anders konnten als ihre Meinung zu sagen und die dann ihre Arbeit, ihr Schaffen verloren haben. Im Gefängnis landeten. Ausgewiesen wurden. Oder denen man die Kinder weggenommen hat.

Wenn ich erzähle aus welchem Land ich komme, werde ich manchmal gefragt ob ich froh bin, dass alles so gekommen ist. Was für eine Frage! Es gab zwar auch etliche gute Dinge in der DDR, aber mal abgesehen davon, dass es mit unserem Land stetig bergab ging und viele Menschen unerträglich ungerecht behandelt wurden, frage ich mich manchmal für mich persönlich wie gut ich das alles als Erwachsene ausgehalten  hätte. Ich bin – ganz der Vater – ein extrem freiheitsliebender Mensch. Vorschriften und Verbote aller Art nehmen mir, sofern ich sie nicht moralisch oder mit Vernunft nachvollziehen kann, die Luft. Ebenso wenig kann ich mit Hierarchien anfangen. Es hätte wohl noch einige Jahre gedauert bis sich mein Gehirn von der ausdauernden Wäsche erholt hätte, aber irgendwann hätte ich mich vielleicht nicht mehr nach einem FDJ-Hemd gesehnt, sondern ein Streichholz daran gehalten. Und damit hätte ich laut meine Meinung gesagt. Natürlich bin ich froh.

Das Wie ist eine andere und schwieriger zu beantwortende Frage. Aber es gab auch keinen Leitfaden.

Und jetzt ist der Mauerfall schon länger her als es die Mauer jemals gab. Es ist interessant, dass sie in unseren Köpfen zu Teilen immer noch steht. Die Mauer an sich gehört natürlich auch nicht vergessen. Aber den Graben, den sie einmal quer durch’s Land gezogen hat, den könnten wir langsam mal auffüllen und sorgfältig verdichten.

Sommerurlaub, Tage 10-14

Die letzten Urlaubstage waren so voller Familie, dass ich einfach mal genoss und das Internet Internet sein liess. Jetzt also nachgereicht.

Tag 10: Grosse Doppelgeburtstagsfeier. Erst gab es einiges vorzubereiten. Ich bekam die schönen Aufgaben wie Brombeeren für den Kuchen zu pflücken. Dann wurde gefeiert. Bei unseren Familienfeiern kommen immer einige Leute zusammen und deshalb finden die nach Möglichkeit im Garten statt. Feier für Feier kommt es dann wie es kommen muss – kaum hatten wir uns an der Kaffeetafel niedergelassen begann es sintflutartig zu schütten. Das kleinste Familienmitglied, keine zwei Jahre alt, bekam meine alten, roten Gummistiefel an die Füsse (sie passten gerade noch so) und sprang begeistert in den Pfützen. Auch sonst liess sich, glaube ich, niemand die Laune verderben. Vom Wetter jedenfalls. Ein Geburtstagskind lag leider im Krankenhaus. Hatte aber immerhin Appetit und konnte am Nachmittag mit Kuchen und am Abend – keine Feier in Thüringen ohne – mit Rostbratwurst versorgt werden. In meiner Funktion als Bratwurstkurier wurde ich dann zum ersten Mal in meinem Leben geblitzt. Wäre das nach 23 Jahren Führerschein auch erledigt.

Tag 11: Gelegenheit für einen ausgiebigen Bummel durch meine Heimatstadt. Zunächst allein, weil man sonst wie ein Maulwurf herumläuft, später noch gemeinsam mit einer Freundin. Dabei musste ich leise kichernd an die kürzlich geschriebene, perfekte Zusammenfassung eben jener Stadt durch Frau Nessy denken:

„Hübsche Stadt. Ein bisschen truschig, ein bisschen alternativ, mit jungen Eltern, Kindern in Lastenrädern und erstaunlich vielen Hutverkaufsstellen. Dazu Kulturtouristen und Jugendgruppen.“

Die letzten Spaziermeter führten mich zum (kein Witz) bisschen alternativen Kino, wo ich gemeinsam mit Schwester 2 und ihrem Sohn „Yesterday“ sah. Was für eine verrückte und lustige Idee für einen Film.

Tag 12: Meine Tante 2. Grades (das habe ich jetzt nachgeschlagen, sonst nenne ich sie nicht so vornehm) hat Pauline und mich zum Brunch eingeladen. Nach vielen Jahren treffen wir dort auch ihre Töchter wieder (meine Grosscousinen, Paulines… ach ich weiss nicht), mit denen ich als Kind oft gespielt habe, tauschen Neuigkeiten aus und schlemmen mit Blick auf das Apoldaer Schloss. Mit kugelrundem Bauch fahren wir weiter auf einen Besuch ins Krankenhaus. Dann Abkühlung im Pool und lustiger Spieleabend auf der Terrasse von Schwester 1.

Tag 13: Oje, schon der letzte Tag. Wir wollten doch noch so viel machen. Aus dem Plan, beispielsweise, Pauline mit der deutschen Freibadkultur vertraut zu machen wird nun nichts mehr. Ich spaziere im Regen zum Supermarkt und kaufe endlich die essentiellen, in Finnland (so jedenfalls) nicht erhältlichen Dinge: Kräutertee, Müsli, Puddingpulver und Hirschhornsalz. Der Iso hat noch Blutwurst bestellt, mit spitzen Fingern greife ich ins Regal. Zum Mittagessen brät mir meine Mama meine geliebten Quarkkäulchen. Danke! Ein Abschiedsbesuch im Krankenhaus. Ein Abschiedsabendessen mit Schwester 2. Dann muss ich leider die halbe Nacht noch das Buch aus der hiesigen Bibliothek zu Ende lesen.

Tag 14: Heimreise. Tschüss Familie, tschüss Heimat, tschüss Sommer. Es war wunderbar.

Sommerurlaub, Tage 8 + 9

Heute Kontrastprogramm zu gestern. Den ganzen Tag außer Haus. Am Morgen Großeinkauf für eine Geburtstagsparty. Dann Fahrt nach Jena. Kein Deutschlandbesuch für Pauline ohne Planetarium. Kein Jenabesuch für mich ohne ein Essen und einen Mocktail im Stilbruch. Ersteres war wieder unglaublich toll und beeindruckend. Ich kann das betriebsälteste Planetarium der Welt gar nicht genug ans Herz legen. Letzteres war heute ein wenig enttäuschend. Aber in Erinnerungen schwelgen – zu Studienzeiten war ich hier sehr oft mit wunderbaren Freunden – war trotzdem schön und Pauline konnte kaum glauben, dass ihre liebste Freundin hier auch schon öfter Essen war, womöglich schon auf dem gleichen Stuhl saß. Wir schauten auch noch kurz in der ForscheFuchs Ausstellung vorbei, die ebenfalls sehr toll ist, bevor es weiter ging zu einem Krankenhausbesuch. Dann war es 20 Uhr und wir fuhren immer noch nicht nach Hause, sondern besuchten das donnerstägliche Treffen meiner Mama, ihrer Schwester und ihrer Cousine. Dort endete der Tag sehr lustig mit nun also fünf Frauen zwischen 10 und 70, die zu sehr lautem HipHop tanzten.

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Hier wollten wir eigentlich auch noch hoch, aber es war beim besten Willen nicht auch noch in den Tag zu quetschen. Beim nächsten Mal…

Sommerurlaub, Tage 5-7

Hm, gar nicht so einfach mit dem Reisetagebuch wenn man jeden Tag das Gleiche macht und das hauptsächlich nichts ist. Gestern haben wir aber tatsächlich einmal Haus und Hof verlassen und ein paar der Unternehmungen, die wir uns so während der Anreise überlegt hatten, gemacht.

Als Kind fand ich Kunstmuseen tödlich langweilig. Eigentlich auch noch lange danach. Bei Pauline und ihrer Cousine ist das nicht so und ich finde es großartig wie ich über meine Tochter langsam einen Zugang finde. Wir waren im Neuen Museum in Weimar.

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Im Anschluss, und dafür muss man Kinder/Jugendliche einfach lieben, haben wir ganz stilvoll auf einer Bank einen Berg Pommes gegessen. Und waren dann noch ein bisschen einkaufen. In der Schreibwarenabteilung eines Kaufhauses beobachtete ich fasziniert viele Eltern und Kinder, die mit langen Listen hektisch durch die Reihen streiften. Füller, Hefte, Malkasten, Ordner… Den obligatorischen Großeinkauf am Ende der Sommerferien hatte ich schon ganz vergessen. Als Kind fand ich das super, heute als Elter bin ich eigentlich ziemlich froh, dass es in Finnland deutlich unkomplizierter läuft.

Sonst noch: mit wechselnden Familienmitgliedern Mahlzeiten einnehmen, quatschen, schwimmen und Gesellschaftsspiele spielen. Eben gemeinsam Zeit verbringen und dafür sind wir ja hauptsächlich hier.

Sommerurlaub, Tage 2 + 3

Eigentlich nichts weiter gemacht als Urlaub. Zunächst etwas besser für ein Leben am Pool vorbereitet. Im Supermarkt Sonnencreme und Limonade erstanden und in der Bücherei Lesestoff aus Papier besorgt. Kurz etwas überfordert gewesen von einer ganzen Bibliothek voller Bücher auf  Deutsch. Sonst habe ich nur ein Regal voll. Dann Sommer und Familie am und um den Pool genossen. Zwischendurch nur mal kurz aufgestanden um Brombeeren für Eisbecher zu pflücken. So so schön!

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Deutschland im Sommer, Tag 1

Oder auch: Glück im Unglück

Der diesjährige Fischsommer war der berühmte Satz mit X. Eine anhaltende Pechsträhne. Es lag zum Teil am ungewöhnlich warmen Juni und ungewöhnlich kalten Juli (Wassertemperaturen erst zu warm -> Fische krank, dann zu kalt -> Experimente sowieso nicht möglich), beinhaltete aber auch Dinge wie einen platten Autoreifen und mehrere gebrochene Finger (nicht meine). So kam es, dass wir uns letzte Woche geschlagen geben und akzeptieren mussten, dass wir in diesem Jahr kaum neue Daten sammeln können (das wird ein langer Winter).

Machen wir eben einmal im Leben richtigen Sommerurlaub, sprach der Chef. Das war am Freitag. Pauline, die ja noch Sommerferien hat und sich allein zu Hause schon einigermaßen langweilte, jubelte und fragte augenblicklich: fahren wir zu Oma und Opa? Also buchte ich am Samstag Flugtickets. Heute Morgen um 4.10 Uhr verließen wir dann das Haus und saßen schon am frühen Nachmittag im (groß)elterlichen Garten, wo sich knapp 40 Grad neuerdings ziemlich gut aushalten lassen.

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Alltagsbilder 5/5 2019

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8:52 Uhr. Hach! Wie soll man jemals auf Arbeit ankommen?

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11:39 Uhr. Mittag. Ich bediene Klischees. Leider sieht mich keiner, denn ich esse vorm Computer. Grund: 19°C und ich möchte so schnell wie möglich auf meine Terrasse!

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17:08 Uhr. Endlich. Seit zwei Wochen denke ich jeden Tag: Morgen blühen die Tulpen. (Und endlich auf der Terrasse.)

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21:47 Uhr. Feierabend. Sofa, Decke, Schokolade und Hebammen.

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22:49 Uhr. Gute Nacht!

5/5 2014, 5/5 2015, 5/5 2016, 5/5 2017, 5/5 2018

Weihnachtsferien, Tage 7 & 8

Statt in Papier eingeschlagenen Dingen wollten wir drei Schwestern uns in diesem Jahr einen schönen Schwesternabend zu Weihnachten schenken. Der war gestern und er war wirklich sehr schön. Wir gingen zunächst ins Kino um „Der Junge muss an die frische Luft“ zu sehen. Ich kenne das Buch nicht und hatte – sehr untypisch für mich – nicht mal den Trailer gesehen. Deshalb hatte ich auch keinerlei Erwartungen. Schon lange bin ich nicht mehr so schön überrascht worden. Der Film ist nämlich großartig. Sehr lustig und sehr traurig, mit viel Liebe zum Detail und wirklich wunderbaren Schauspielern. Danach spazierten wir (natürlich) zum Weihnachtsmarkt, wo ich mich noch einmal wohlig seufzend umsah und wir schnatternd ein Abendessen einnahmen. Der Abend klang dann leider mit einem Magen-Darm-kranken Kind aus und lief in eine äußerst bescheidene Nacht über. Für heute wurden also alle letzten Verabredungen abgesagt und das Kinde betütelt, damit es morgen zur Heimreise wieder fit ist. Es sieht gut aus, vor zwei Stunden hat sie nach Gummibärchen verlangt (aber nicht bekommen). Möge ich verschont bleiben, wenigstens bis wir zu Hause sind.

Weihnachtsferien, Tag 6

Der heutige Tag war aus zwei Gründen ganz besonders. Zum einen schien die Sonne und auf der windgeschützten Terrasse meiner Eltern war es so warm, dass man ein Stündchen ohne Jacke auf der Bank sitzen konnte. Oder eben alternativ auf-den-Händen-laufen üben konnte. Am Nachmittag dann klingelte es an der Tür und da stand meine alte, liebe Schulfreundin, die extra 300 km gefahren war, damit wir uns nach 13 Jahren endlich einmal wieder sehen konnten. Neben ihr stand ihre jüngste Tochter, die ein Jahr älter als Pauline ist, und die beiden verstanden sich augenblicklich prächtig. Wir spazierten durch die Straßen unserer Kindheit und erzählten uns 1001 Erinnerung und später fuhren wir auf den Weihnachtsmarkt, der seit einigen Jahren auch nach Weihnachten noch geöffnet hat, und schlugen uns die Bäuche mit allerlei Köstlichkeiten voll. Schließlich liehen sich die Mädchen Schlittschuhe aus und fuhren emsig Runde um Runde um die Herren Goethe und Schiller. Wir Großen stellten uns an ein wärmendes Kesselfeuer und redeten und redeten. So so schön!