Osterferien, Tag 4

Heute waren wir im (was es nicht alles gibt) Thüringer Kloßmuseum. Ostern steht vor der Tür und es galt für das große Familienessen Klöße im Werksverkauf zu besorgen. Bei der Gelegenheit konnte man gleich mal vorkosten und sich zur Geschichte des Kloßes informieren.

Das Museum ist klein, aber fein und am Besten hat mir die Ausstellung der Klöße aller Art gefallen.

So ein Kuschelkloß Klaus musste dann natürlich mit uns kommen. Den können wir zu Hause neben die Kuschelbratwurst stellen :)

Und weil ich derzeit (völlig untypisch für mich, es muss am Frühling liegen) eine ganze Menge Hummeln im Hintern habe, waren wir am Nachmittag noch im Park spazieren. Ich finde den hat der Herr Goethe ziemlich schön geplant. Und es gab wieder Blüten zu bewundern.

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Am späten Abend sprach ich noch mit meinen Eltern über alte Zeiten. Ich liebe das, man muss nur warten bis man unter sich ist, denn für nicht-Dabeigewesene ist das in der Regel sterbenslangweilig.

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Osterferien, Tag 3

Ein perfekter Urlaubstag. Am Vormittag mit Mama durch den Wald gestiefelt. Dort stehen riesige Buchen und ich weiß ganz genau wie sich ihre Rinde anfühlt, denn ich bin schon mit meiner Kindergartengruppe hier herum gestreunt. Es war übrigens nicht annähernd so trostlos wie es vielleicht auf dem Bild erscheint, denn die Vögel sangen was das Zeug hält und drei Spechte hämmerten um die Wette.

BEB51736-05DB-42A7-B1CD-F31BBA66E078Nach dem Essen drei Stunden Mittagsruhe und danach folgerichtig drei Stück Kuchen. Schließlich ein Spaziergang zum örtlichen Supermarkt, wo ich die Ostersüßigkeiten und das Teeregal erst inspizierte und dann leerkaufte. Mit Kräutertee ist es in Finnland eher schwierig. Bemerkenswert war, dass ich auch 16 Jahre nach meinem Wegzug einige der Kunden und 90% der Belegschaft kenne. Während Abi- und Studienzeiten habe ich hier jeden Freitagnachmittag und Samstag an der Kasse gesessen. Den Abend habe ich dann mit neuerworbenen Süßigkeiten und einer Zeitschrift in der großen Eckbadewanne ausklingen lassen. An Fische habe ich nichtmal da gedacht.

Pauline hatte vermutlich auch einen perfekten Ferientag. Sie saß mit der geliebten Cousine auf dem Sofa, aß Gummibärchen und daddelte an diversen Geräten. Ich tat in regelmäßigen Abständen meinen Unmut kund, aber davon ließ sich keiner beeindrucken. Nun denn, warum soll sie nicht auch mal einen Tag so verbringen wie sie es mag?

 

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Osterferien, Tag 2

Heute gar nichts weiter gemacht als die Sonne und den Frühling zu genießen. Vormittags mit dem Großneffen Würfeltennis spielend (hat er sich ausgedacht, Tennis mit Plüschwürfel und wer zwei mal eine 6 schlägt bekommt einen Punkt – ich habe natürlich 9:2 verloren) und Nachmittags auf einem Ostermarkt, sowie einer Terrasse, auf der der Schwesternrat tagte (große Ereignisse, Schatten usw.). Außerdem den 5 Monate alten, neuen Großneffen kennengelernt. Er hat die gleichen entzückenden Grübchen wie sein großer Bruder. Kein einziges Foto gemacht. Dann muss es eins von gestern tun, aber schließlich bin ich auch heute wieder begeistert Blumen! Bienen! rufend durch den elterlichen Garten gehüpft.

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Osterferien, Tag 1

Eigentlich gibt es in Finnland gar keine Osterferien. Aber Feste soll man feiern wie sie fallen und so haben wir Pauline schon wieder von der Schule freistellen lassen um schon wieder nach Deutschland zu fahren.

Von 75 zu 0 Zentimetern Schnee in weniger als 4 Stunden. Nach über 3 Monaten ununterbrochen Schnee fühlt sich das erstmal ziemlich merkwürdig an. Kann einem ganz schön ans Herz wachsen…

Deutschland empfing uns überaus liebenswürdig, es gab gar keine Situation, die Züge waren überpünktlich und nachdem wir den Tag mit -12 Grad begonnen hatten, konnten wir den Nachmittag im T- Shirt (!) auf der sonnigen Terrasse meiner Eltern verbringen. Aaaah!

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Hupsi

Das war jetzt eine lange, stille Zeit. Sicher könnt ihr alle das Wort ‚Schneefluff‘ nicht mehr sehen, was? Aber manchmal fehlt es einfach an Zeit und Muse. Vor allem Muse. Mal schauen, was in den letzten 6 Wochen so los war:

Pauline war zwei Mal krank. Das zweite Mal ziemlich heftig und so hat sie ihre Skiferien fast komplett im Bett verbracht, die Ärmste. Der Iso, der sich extra Urlaub genommen hatte um ganz viel mit ihr zu unternehmen, hockte also auch die ganze Woche zu Hause, machte Wadenwickel und kochte Tee.

Auch ich war zwei Mal krank (direkter Zusammenhang). Das zweite Mal ziemlich heftig, ich bin eine geschlagene Woche lang nur zwischen Bett und Sofa hin und her getorkelt. So schlecht ging’s mir nicht mehr seit der Grippe vor 15 Jahren. Vielleicht war’s wieder eine. Und ich bin noch immer schlapp. Über eine Woche nach dem letzten Fiebertag brauche ich immer noch 10 Stunden Schlaf pro Nacht, ich huste und belle und schniebe und schnaube.

Ich war zwei Mal in der Fischforschungsstation im Norden (kein direkter Zusammenhang). Wenn es dort noch ein paar Zentimeter schneit, dann wird es schwierig hinzufinden.

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Beim ersten Mal haben wir wieder Fische mit Mikrochips markiert. Ah herrlich, zwei lange Tage in einer sehr kalten, feuchten und dunklen Halle, die Hände immer wieder in 0.8°C warmes Wasser tauchen. Beim zweiten Mal dann echte Feldarbeit, draussen also mit den Füssen in 0.5°C warmen Wasser. Zum Glück mit Gummistiefeln und zwei Paar Wollsocken, das war in Ordnung. Beim Schneeschippen ist uns sogar so warm geworden, dass wir kurz die Jacken ausziehen mussten. (Gestatten, Pinni, Biologin. Zu meiner Arbeit gehörte unter anderem schon Schnee schippen um zu Fischen durchzudringen, Kaffeefilter rund schneiden um Raupen ein behagliches Zuhause zu schaffen oder Kabelbinder zu Stachelhalsbändern für Mäusemännchen winden.) Wie bei jedem Besuch haben wir ausgiebig beklagt, dass die Forschungsstation so verdammt weit weg ist. Aber schön ist es da halt schon.

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Im Fluss lagen lauter weisse Knöpfe.

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Dies ist nicht die Forschungsstation, sondern eine alte Mühle daneben.

Des weiteren hatten wir ein Wochenende lang Besuch und das war so toll, weil wir uns endlich Zeit nehmen MUSSTEN um Skier und Schlittschuhe zu fahren und weil die Sonne schien und überhaupt! Freunde zu Besuch!

Dann habe ich allen Zweitsemestern beigebracht wie man Fische seziert und Fischparasiten in allen möglichen und unmöglichen Organen finden kann. Das ist insofern bemerkenswert, als ich bisher selbst nur Fischaugen seziert hatte und mich entsprechend nur in dieser Region auskannte. Vielleicht ist es in Wahrheit mit allen Lehrern so, die tun immer nur ganz weise. Allerdings, die Übung macht’s! Schon bei der vierten Gruppe brauchte ich nur noch lässig mit einem halben Auge durch’s Mikroskop zu schauen und konnte sofort sagen: Ist ein redhead, ja. (zum Beispiel)

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Redhead, oder auch Camallanus lacustris, aus dem Darm eines Barsches. Man kann die Mikroskopansicht an die Wand werfen. Hübsch sind die ja.

Ausserdem hat Pauline ihr Zimmer gründlichst ausgemistet und quasi ihr gesamtes Spielzeug aussortiert. Letzten Sonntag dann haben wir also die Barbies, die Ponys, das gesamte Playmobil, die Bausteine, die Puppen und vieles mehr auf dem Fussboden einer Turnhalle ausgebreitet und verkauft. Alles weg. Uff, ich dachte eigentlich das würde erst in ein paar Jahren passieren, aber offensichtlich kann man auch mit fast 9 Jahren dem Spielalter entwachsen. Den Schreibtisch hätten wir übrigens auch gleich noch aussortieren können, denn Hausaufgaben macht das Kind neuerdings so:

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Und schliesslich haben wir noch ein verlängertes Wochenende in Helsinki verbracht. Vor einigen Wochen stellten wir fest, dass Pauline in diesem Jahr einen neuen Reisepass braucht. Eigentlich erst im Herbst, aber wie wir so darüber sprachen ging uns auf, dass man sich um solche Angelegenheiten eigentlich nur in den Schulferien kümmern kann. Denn man muss ja zur Botschaft und die wiederum hat nur Werktags zwischen 9 und 12 geöffnet. Also in den Skiferien. Das artet dann übrigens ganz schnell mal in den teuersten Pass der Welt aus, aber wenn man schon mal in der Hauptstadt ist, kann man ja auch gleich noch dort ein bisschen Urlaub machen.

Ich denke es war vor 14 Jahren als ich das erste Mal vom Heureka, dem Wissenschaftsmuseum in Vantaa las. Und seither wollte ich da gern mal hin. Ich würde sagen, es war allerhöchste Zeit, denn es war noch viel toller als ich es mir vorgestellt hatte. Es gibt so viel zu sehen und vor allem auch anzufassen. Alles ist super aufbereitet und erklärt. Hach! Paulines Lieblingsausstellungsstück war dies hier:

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Vater und Tochter fuhren unermüdlich abwechselnd…

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… ich habe gekniffen fotografiert.

Auch begeistert war sie von der Ideenwerkstatt, wo man sich unter anderem ein Auto bauen

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und dann Wettfahren lassen kann

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Meine Lieblingsattraktion waren selbstverständlich die Basketball spielenden Ratten. Oi (blinkende Herzchenaugen)!!!

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Dann haben wir noch Münzen mit unseren Köpfen drauf prägen lassen, ein Focaultsches Pendel bewundert und vieles mehr. Irgendwann nach etlichen Stunden haben wir Eltern schlapp gemacht und zum grossen Verdruss des Kindes zum Aufbruch geblasen. Ich würde sagen dieses Museum hat alles richtig gemacht.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Suomenlinna. Zum einen wollte ich der Familie mal zeigen wo ich mich immer herum treibe wenn ich mit der liebsten Freundin in Helsinki bin, zum anderen soll es dort besondere Pokemons geben und wir haben seit letztem Herbst eine begeisterte Spielerin in der Familie. Es war an diesem Tag allerdings sehr kalt (er fiel in den Zeitraum, den man in Deutschland wohl Russenpeitsche nannte) und so hielt der Handy-Akku nicht länger als 20 Minuten. Wir Menschen nur unwesentlich länger. Aber schön war’s trotzdem.

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Und ausserdem kann man ja zurück am Festland quasi direkt von der Fähre in die Sauna steigen. Und dann neben dem vereisten Hafenbecken schwimmen.

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Die nicht zu verachtende Strecke zwischen Schwimmbecken und Sauna war dieses Mal übrigens besonders interessant. Wir erinnern uns? Russenpeitsche. Eigentlich waren es nur -14 Grad, aber der Wind hat es sich viel kälter anfühlen lassen. Spaziere da mal nass im Badeanzug herum. Pauline war nicht das einzige Kind, dass äh… zu Tränen gerührt war. (Und dennoch war sie begeistert.)

Am dritten Tag schliesslich der Besuch in der Botschaft, wo man immer auf den einen oder anderen kuriosen Landsmann trifft. Pauline hat zum ersten Mal Fingerabdrücke und eine Unterschrift hinterlassen. Spannend. Schliesslich erledigten wir noch den obligatorischen Besuch im schwedischen Möbelhaus, wo sich das grosse Kind ein grosses Bett aussuchte.

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Ausserdem noch eine neue Decke und ein neues Kissen. Wie gesagt, das war nicht gerade der günstigste Pass.

So, jetzt wisst ihr Bescheid! Dieses Wochenende stand übrigens endlich nochmal im Zeichen des Wintersports. Aktuelle Schneehöhe: 70 cm. GROSSARTIG!

 

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Schneefluff

Manchmal, wenn es kalt genug ist und es einzelne Schneekristalle schneit und wenn es dazu noch absolut windstill ist, dann schichten sich die Sternchen, wo auch immer sie fallen, vorsichtig übereinander und es gibt Schneefluff.

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Und manchmal schieben sich dann plötzlich die Schneewolken vor die Sonne und machen Märchenwaldlicht:

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Die Fotos entstanden letzten Mittwoch bei einem Homeoffice-Mittagspausenspaziergang, als ich eigentlich gerade in der 400 km entfernten Forschungsstation ankommen sollte. Aber am Vorabend, meine Tasche stand schon fertig gepackt im Flur, schrieb mir der Chef, er hätte zum ersten Mal seit 20 Jahren Fieber und wüsste nun auch nicht. Am Mittwochmorgen verschoben wir die Fahrt dann auf den Donnerstag und am Donnerstag auf nächste Woche. Das traf sich jedoch ganz gut. Denn Pauline verletzte sich im Hort beim Turnen den Daumen. Die Hortdamen schickten sie nach einem Telefonat mit uns nach Hause und gaben die Empfehlung zum Arzt zu gehen. Da es dann schon nach 16 Uhr war, rief ich also in der Notaufnahme an. Das ist jetzt neu, muss man machen bevor man hinfährt (von richtigen Notfällen abgesehen, natürlich) und ich verstehe das auch. Was bis zum nächsten Tag warten kann, muss nicht unnötig die Zeit von Leuten, denen es wirklich schlecht geht in die Länge ziehen. Nach ausgiebigem Telefonat mit vielen, vielen Fragen der Krankenschwester, sowie Rücksprache ihrerseits mit der Patientin hiess es dann: Kühlen, Schmerztabletten und am nächsten Tag zur Schulschwester. Nun ist Paulines Schulschwester aber nur zwei Mal pro Monat in der Schule, da es sich um eine kleine Aussenstelle einer grösseren Schule handelt und sich eine eigene Schwester für 100 Schüler wohl nicht lohnt. Auch verständlich, aber leider ist jeder zweite Freitag eben immer genau nicht der Tag an dem man sie bräuchte. Wir hätten nun zur grossen Schule fahren können, aber ich entschied mich direkt für das Ortsteilgesundheitszentrum. Da hatte ich (zum Glück) auch schon seit Jahren nicht mehr angerufen und war erfreut, dass man nicht mehr stundenlang in der Warteschleife warten muss, sondern sich einfach zurückrufen lassen kann („drücken sie die 1!“). Nach einer halben Stunde kam der Rückruf und wir hatten einen Arzttermin. Bei einer sehr jungen Ärztin, die sich fast sicher war, dass nichts gebrochen ist, aber nur fast und deshalb telefonisch Rücksprache mit einer anderen Ärztin hielt. Die empfahl: Schmerztabletten, weiter kühlen und wenn es in einer Woche noch weh tut, dann zum Röntgen gehen. Das fand ich ein bisschen seltsam und guckte vielleicht auch so, jedenfalls während die Ärztin das Rezept für 100 (!?!) Schmerztabletten ausstellte, überlegte sie sich, dass wir doch besser gleich zum Röntgen gehen sollten, bzw fahren, denn Röntgen gibt es nur im Gesundheitszentrum in der Innenstadt, neben dem Krankenhaus. Doch erst legte eine Krankenschwester noch einen Verband an, instruierte mich sogleich im Verbinden und gab uns noch eine Ersatzbinde mit. Dann also Röntgen und wieder nach Hause. Denn das Röntgenbild wurde zur Ärztin geschickt und die wollte sich nur melden wenn wir noch einmal zum Gipsen vorbei kommen müssten. Ich hörte nicht wieder von ihr und so war es also doch nur eine Prellung. Gut!

Am Freitag dann war ich dann aber wirklich richtig froh nicht in der Forschungsstation zu sein, denn nach wie vor beginnt der Iso sehr früh am Morgen zu arbeiten und wenn ich nicht da bin, dann ist Pauline morgens allein zu Haus. Nicht nur hatte sie am Freitag Namenstag, nein sie wachte auch (traditionell) mit über 39 Grad Fieber, fürchterlichen Kopf- und Halsschmerzen und Schwindel auf. Und einem Riesendurst. Das angereichte Wasser erbrach sie direkt wieder und ich fand das wäre für eine Achtjährige doch alles ziemlich doof gewesen, so ganz allein. Ich mutmasste, dass sie sich wohl am Vortag im Gesundheitszentrum die Grippe eingefangen hätte (und beschloss direkt nun wirklich nie wieder zum Arzt zu gehen), sah im Geiste schon die ganze Familie siechend im Bett liegen und mich auch diese Woche nicht in die Forschungsstation fahren. Aber nach einem Tag, an dem es ihr wirklich schlecht ging, war sie gestern nur noch blass und müde und heute war als wäre nichts gewesen. Der Daumen genas gleich mit. Alles gut!

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Woche des Wetters

Letzten Montag:
-15 °C und ein heftiger Wind, der es sich noch viel kälter anfühlen lässt. Ich öffne kurz den Mund um Luft zu holen, als der Wind hineinfährt und es sich einen Moment lang so anfühlt als würden mir augenblicklich alle Zähne ausfallen. Hatte ich so auch noch nicht. Dafür scheint so eine Art Sonne und ich mache den allerersten Spaziergang auf dem See des Winters. Schlittschuhe müsste man dabei haben.

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Am Dienstag
-24 °C, immer noch Wind, keine Sonne. Dafür ist alles komplett eingezuckert und sieht traumhaft schön aus. Nur bisschen frisch.

Mittwoch dann
-4 °C und Schneesturm. Den ganzen Tag lang fegt und schneit es. Morgens kommt man noch einigermassen mit dem Fahrrad durch, auch wenn es doppelt so anstrengend ist und doppelt so lange dauert. Auf dem Heimweg muss ich fast die komplette Strecke schieben. Dafür haben wir den halben Meter geknackt, aktuelle Schneehöhe 53 cm. YAY! Zu Hause angekommen sehe ich, dass der Wind etwa eben so viel unter unsere Autoüberdachung geweht hat.

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Hier ist die Hälfte schon geschafft. Ein Hoch auf die finnischen Monsterschneeschieber (nicht die kleinen da im Hintergrund, die waren nur für die Feinheiten).

Und Donnerstag
+4 °C und Regen. 28 Grad wärmer als vor 48 Stunden… Ich habe schon einiges an Glätte erlebt, aber DAS! Strassen und Gehwege sind mit einer zentimeterdicken Eisschicht bedeckt und als Clou schwimmt oben drauf eine Schicht Wasser. Selbst Pauline mit den absolut nicht rutschigen Winterschuhen liegt nach dem ersten Schritt aus dem Haus auf dem Po. Und als sie versucht wieder aufzustehen auf den Knien. Das Fahrrad lasse ich gleich stehen und eiere zur Bushaltestelle. Aber es scheint, dass selbst finnische Buse heute nicht zurecht kommen und nach 20 Minuten warten muss ich mich eben zu Fuss auf den abenteuerlichen Weg machen. Im Prinzip kann man nur auf den Schneehaufen an den Wegesrändern vorwärts kommen. Genau, da wo die ganze Hundekacke liegt. Schlittschuhe müsste man dabei haben.

Schliesslich am Freitag
+1 °C und Regen. Der Spass geht weiter. Ich war am Vortag allerdings so schlau meinen Laptop mit nach Hause zu nehmen und verlasse das Haus nicht. Ich gucke nicht mal raus.

Und dann Samstag
+0,5 °C Schnee, Regen und Schneeregen. Es ist ekelhaft und nass und finster und grau und widerlich. Als einzige Ausflugsmöglichkeit fällt mir der Supermarkt ein. So wie dem Rest der Einwohner unserer Stadt auch, dort ist so voll als wäre morgen Mittsommer.

Sonntag
-1°C und ab und an etwas Schnee, der gnädig die vereisten Wege und Strassen, die braunen Strassenränder und die kahlen Äste bedeckt. Der Winter geht endlich weiter.

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Glückstage

Auch dieser Sonntag machte seinem Namen alle Ehre. Dieses Mal ohne Schnee, dafür mit gerade zufrierendem Meer in der Hauptstadt. Das Wasser schwappte zäh wie Brei durch den Hafen.

Manchmal muss man Traditionen etwas anpassen, und so verschoben wir das Freundinnenwochenende von November auf Januar. Aber sonst war alles gleich. Viel viel Reden und spazieren. Eigentlich ist Suomenlinna gar nicht so riesig, aber tatsächlich entdecken wir bei jedem Besuch neue Ecken und Wege. Und natürlich waren wir wieder schwimmen und aßen unfassbar gut. Am Sonntag, kurz vorm Abschied, als die Sonne wieder hinter den finsteren Wolken verschwand, entdeckten wir noch ein Café mit Tortenbufet. TORTENBUFET!

Eins dieser wunderbaren Wochenenden, von denen man ewig zehren kann.

 

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Licht!

In Mittelfinnland wurden im Dezember genau null Stunden Sonnenschein aufgezeichnet. Den letzten richtigen Sonnentag gab es Mitte November. Deshalb habe ich gestern, am letzten Ferientag, ausserordentlich gern den Wecker gestellt (denn wer bis um 12 schläft, hat die Hälfte des Tageslichtes verpasst).

Der ganze Wald hat geleuchtet.

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Pauline fand das mit dem Wecker und unsere Pläne nicht ganz so toll. Aber trotz -7 °C und eisigem Wind, der die gefühlte Temperatur auf -14 °C sinken liess und uns die geplante ausgiebige Pause nicht gewähren liess, und trotz völlig vereister Loipen, die ihr ein dickes blaues Knie bescherten, hat sie am Ende des Tages genauso glücklich gegrinst wie wir. Und war (zu Recht) stolz, die 10 Kilometer geschafft zu haben.

Den grössten Spass hatte sie übrigens in der Nähe einer Quelle:

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Das in der Mitte ist die Loipe. Wir Eltern hatten hauptsächlich Kopfkino.

Zu Hause wartete dann die heisse Sauna auf uns. Das war ein phänomenaler Ferienabschluss.

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2017

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Wieder 8-9. Ein gutes, bodenständiges Jahr.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Wie immer. Also im Sommer, wenn ich den ganzen Tag auf den Beinen bin und keine Zeit zum essen habe, ab, und im Winter, wenn ich den ganzen Tag am Computer sitze und Schokoladenhunger habe, wieder zu.

3. Haare länger oder kürzer?
Wie sagte die Mutter meiner Freundin, als sie mich nach etwa 20 Jahren wieder sah: Gleich an der Frisur erkannt.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Die Brille vom letzten Jahr tut’s noch gut.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gleich.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Denselben. Und das Beste: mein Wunsch für dieses Jahr ist in Erfüllung gegangen. Ich habe vor wenigen Tagen einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Jetzt darf ich noch mal zwei weitere Jahre Fische jonglieren. Wer hätte das damals oder damals gedacht?

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Gewonnen nichts, aber ich hatte in diesem Jahr zum ersten Mal die Mandel im Weihnachtsbrei. Ha!

9. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr. Das ganze Jahr lang mit dem Fahrrad auf Arbeit gefahren. Manchmal auch gelaufen. Letzteres mag ich am Liebsten, aber so viel Zeit habe ich meistens nicht übrig. Ausserdem habe ich im Frühjahr so workout Kram gemacht. Das hat dann den Fischsommer, der körperlich ziemlich fordernd ist, um einiges leichter gemacht.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Ein paar Erkältungen.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Nix schlimmes. Im Rahmen meines diesjährigen Geburtstags bekam ich einen überaus gründlichen Gesundheitscheck, der mehrere Arztbesuche beinhaltete bzw nach sich zog. Innerhalb von zwei Wochen war ich öfter beim Arzt als sonst in 3 Jahren. Da war ich sehr dankbar, dass ich sonst ein ziemlich gesunder Mensch bin.

12. Der hirnrissigste Plan?
Jetzt habe ich lange überlegt, aber nein, hirnrissige Pläne gab es in diesem Jahr nicht.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Bei Glatteis Fahrrad fahren?

14. Die teuerste Anschaffung?
Ein Auto. Wir besitzen zum ersten Mal ein Auto mit Sitzheizung (sowie Lenkradheizung!) und feiern das derzeit auf jeder Fahrt.

15. Das leckerste Essen?
Indonesisch. Im Sommer auf Tagung in Holland. In einem winzigen Restaurant mit 3 Tischen und einer riesigen Theke voller Gerichte, die ich nicht kannte. Die Kollegin und ich standen mit grossen fragenden Augen davor und die nette Dame des Hauses stellte uns einen bunten Teller zusammen. Ich habe selten etwas so Leckeres gegessen. Was das genau alles war, weiss ich gar nicht, aber ich erinnere mich an ein knusprig frittiertes Ei mit so süsslichen Kokosstreuseln oben drauf.

16. Das beste Buch?
Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence. Einer dieser überaus glücklichen Büchereizufallsfunde.

17. Der ergreifendste Film?
Mein Leben als Zucchini.

18. Die beste CD?
In diesem Jahr habe ich nur alte Schinken gehört. Am häufigsten mein Lieblingsalbum seit 1992: Automatic for the people von REM.

19. Das schönste Konzert?
Das Weihnachtskonzert.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Arbeit und Familie.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
In Gärten in der Sonne sitzen. Auf Zypern und in Deutschland.

22. Zum ersten Mal getan?
Selbst tapeziert. In einem Wartezimmer ohnmächtig geworden (12 Stunden ohne Essen ist einfach nichts für mich). Harz aus Haaren gebuttert.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Einen runden Geburtstag gehabt.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
4 Monate lang nicht mal eine Woche am Stück zu Hause zu sein.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich, davon dass es Wurscht ist was andere über mich denken.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Als Pauline bei einem Silvesterspiel die schönsten Momente des Jahres nennen sollte, sagte sie als erstes: mein Geburtstag.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Karten für das Opernfestival in Savonlinna.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Mama, ich bin so froh, dass ich dich habe!

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Das war der, der dem Satz unter 28. voraus ging.

30. Dein Wort des Jahres?
Meeresforelle (die bringt mir irgendwie Glück)

31. Dein Unwort des Jahres?

Sommer

32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Die Blogroll ist frisch aktualisiert.

33. Dein größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Ich hätt so gern mehr Zeit.

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Weisse Weihnacht

Im Gegensatz zu letztem Jahr glaubte hier bis kurz vor Weihnachten keiner an weisse Weihnachten. Und dann starteten wir mit knapp 30 cm Schnee in den Heiligen Abend. Grossartigst! In diesem Jahr hätte man nun aber wirklich das Weihnachtsfest auf Schlitt- und Skischuhen verbringen können. Hätte, wenn man nicht wie so Anfängereltern vergessen hätte, dass Kinder wachsen. Und dass man mal vor den Feiertagen nachschauen sollte ob die Schuhe überhaupt noch passen. Hm.

So gingen wir an Heiligabend eben auf unserer Halbinsel spazieren, fingen mitten im Wald elfengleiche Pokemons und trafen etwas später zufällig meine Kollegin, ihren Mann und ihre 11 Tage alte Tochter, die gerade den ersten Kinderwagenausflug ihres Lebens machte. Die Augen der Eltern strahlten fast noch heller als Paulines bei unserer  Rückkehr, bei der auch in diesem Jahr auf wundersame Weise ein Sack voller Geschenke vor dem frisch geputzten Weihnachtsbaum stand.

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Wie jedes Jahr haben wir den schönsten Baum aller Zeiten und bekamen die allerbesten Geschenke. Der Abend klang mit Würstchen und Kartoffelsalat, Dixit – dem Spiel, das wir mal in der Bücherei ausgeliehen hatten und das seither ein sehnlicher Wunsch Paulines war  – und mit der Fortsetzung unserer Weihnachtsfotosrückschau seit 2009, also seit Pauline bei uns ist. Die hatten wir am Vorabend begonnen, als wir uns auf keinen Film einigen konnten (des Kindes Geschmack driftet immer weiter vom Elterlichen ab, aber so ist das wohl) und war sowieso viel besser als jeder Film. Mir wurde beim Anschauen bewusst wie wertvoll diese Fotos sind (Ach, wisst ihr noch!) auch wenn sie noch so unscharf und verwackelt sind. Und deshalb habe ich an diesem Weihnachtsfest geknipst was das Zeug hielt.

 

Zum Glück wächst man aus Schlitten nicht so schnell raus und so konnten wir am 1. Weihnachtsfeiertag zu unserem Lieblingsrodelberg fahren.

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„Schlittenland“ steht da auf dem Tor :) Sogar die Sonne interessierte sich für das laute und bunte Treiben dort und lugte kurz über die Baumwipfel. Nach dem Einholen diverser Blessuren traten wir den Heimweg an, saunierten ausgiebig und probierten weiter Geschenke aus. Stilecht im Bademantel, natürlich.

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Am 2. Weihnachtsfeiertag sahen wir uns etwas ratlos an. Was kann man denn noch im Schnee machen? Wir hatten grosse Lust auf Wald, aber ohne Skier? Schliesslich fuhren wir zum stadteigenen Abfahrtshang und spazierten dort die Waldstrasse zur Skischanze hoch. Das war sehr spannend, denn zufällig fand gerade ein Übungsspringen statt.

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Und oben angekommen gab es Aussicht:

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Man konnte ausserdem Tiefschneehandstände machen und schliesslich noch mal Schlitten fahren.

Heute konnten wir uns dann endlich auf den Weg zum Sportgebrauchtwarenladen machen. Eine der besten Erfindungen. Dort geben wir alle 1-2 Jahre Paulines Schlittschuhe ab und nehmen für ein paar Euro ein Paar Neue (gebrauchte mit). Heute haben wir auch Skischuhe getauscht. Die Schneehöhe liegt aktuell bei 41 cm und auf dem Weg zur Bushaltestelle sahen wir, dass sich jetzt auch die Briefkästen Wichtelmützen aufgesetzt haben.

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Zum Glück sind die Ferien noch lange nicht vorbei.

 

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Fröhliche & bunte Weihnachten!

Euch allen da draussen.

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Adventskalender

Letzte Nacht hat es  g-e-r-e-g-n-e-t ! Mein erster Blick galt heute Morgen besorgt der Wetterseite, aber puh, von 30 Zentimetern Schnee sind noch 25 übrig und während des Vormittags soll das Thermometer wieder auf unbestimmte Zeit in den Minusbereich fallen. Ich hatte eigentlich erwartet, dass es sehr glatt ist und deshalb beschlossen zu Fuss zur Uni zu gehen, anstatt zu radeln. Aber kaum aus der Tür merkte ich, dass der Schnee eine einzige Matschepampe ist und man Gummistiefel bräuchte. Kurzer Blick auf die Uhr – passt. Der Bus, der nur einmal pro Stunde fährt würde in wenigen Minuten kommen. So watete ich zur Haltestelle und warf dort wie immer einen neugieren Blick in Paulines Klassenzimmer.

Dort sass die Lehrerin vorn vor der ganzen Klasse auf einem Pult und alle, ausnahmslos alle Kinder, reckten eifrig und ungeduldig eine Hand in die Luft. Da wusste ich, dass soeben das 24. Türchen geöffnet worden war.

Paulines Klasse hat einen der schönsten Adventskalender, die ich mir so vorstellen kann. Hinter jedem Türchen verbirgt sich der Name eines Schülers. Derjenige darf sich dann vorn hinsetzen und alle anderen dürfen sich melden und über ihn nette Sachen sagen. Pauline hat mir erzählt, dass sich immer alle rege beteiligen, sich oft sogar mehrmals für den gleichen Schüler melden und mir dann ein paar Beispiele aufgezählt:

Du bist sehr lieb/hilfsbereit/schlau/lustig…

Du kannst gut malen/Fussball spielen/Handstand machen/basteln…

Du hast immer tolle Frisuren/eine coole Brille/einen schicken Schulrucksack…

Ich bin froh, das du meine Freundin/mein Freund bist.

Danach bekommt derjenige noch einen Pfefferkuchen und zwei Marshmallows und alle singen gemeinsam ein Weihnachtslied.

Paulines Klasse hat 23 Schüler und gleich am 1. Dezember beschwerten sich die Kinder, weil es nur 23 Türchen gab. Wer hat denn sowas schon gesehen, einen Advenstkalender mit 23 Türchen? Wir wollen auch eine 24, protestierten sie. Und wessen Name bitteschön, so fragte die Lehrerin, soll da drin stehen? Da mussten die Kinder lachen über so viel Begriffsstutzigkeit und riefen dann: Na deiner! Wir wollen dir auch mal was Nettes sagen!

Ich habe 10 Minuten auf den Bus gewartet. Und erst als ich einstieg konnte die Lehrerin wieder aufstehen und breit grinsend zum Klavier gehen um das Lied anzustimmen.

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15 Minuten Pause im Vorweihnachtstrubel

Einschalten, Augen schliessen und tief durchatmen.

Fast so schön wie heute in der kleinen, schlichten Kirche mit dem Sternenhimmel, als mir der Lieblingschor über eine Stunde Auszeit gab.

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Onnea, Suomi!

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