Herbstferien 2018, Tag 12

„Land unter“ beschreibt den heutigen Tag ganz gut. Aber der Oktober ist nun mal der regenreichste Monat auf Langkawi und hier regnet es ja generell nicht so selten. Wir wachten schon vom Brausen auf. Als es kurz nach dem Frühstück aufhörte, machten wir uns auf den Weg. Eine Bootsfahrt durch die Mangroven war geplant, ein Ökosystem (oder ekosistem wie die Malaysier schreiben) das noch keiner von uns gesehen hatte. Aber schon auf der Autofahrt begann es erneut zu schütten und überhaupt stellten sich die Bootstouren als ziemlicher Touristennepp heraus (für hiesige Verhältnisse viel zu teuer und beinhalten noch zig andere Attraktionen, die uns gar nicht interessierten). So entschieden wir uns für eine kleine Runde über Holzbrücken zu Fuss, die immerhin zum mal kucken reichte. Weil es danach leicht aufklarte, stiegen wir erneut optimistisch ins Auto um einen nahegelegenen Strand, der als schönster der Insel gilt (ein italienischer Süßwarenhersteller hat dort beispielsweise Werbefilme gedreht) zu besuchen. Aber ach, die Himmelsschleusen öffneten sich erneut und so schauten wir kurz (so so, aha) vom Auto aus und kehrten  immerhin noch in ein Restaurant mit Meerblick ein. Die meisten Restaurants hier sind ja offen, also haben einfach nur ein Dach, aber keine Wände, was ich so viel schöner finde als durchklimatisierte Räumlichkeiten. Aber kaum setzten wir uns, fing vom Meer an ein gewaltiger Wind zu fauchen, der den Regen reindrückte und tatsächlich auch ein bisschen kalt war. Und schwups wurden rundherum Holzjalousien herab gelassen und die schöne Aussicht war dahin. Das Essen schmeckte aber auch heute wieder ausgesprochen lecker und überhaupt machte das alles nicht allzuviel, weil schon allein das Herumfahren mit dem Auto, jedenfalls für mich als Beifahrer, sehr spannend ist. Es gibt so viel zu sehen. Die winzigen, einfachen Wohnhäuser in den Dörfern. Neben manchen stehen ein oder zwei Kühe, die so ganz anders aussehen als unsere Kühe in Europa. Und furchtbar dünn erscheinen. Hühner stolzieren umher. In den Gärten stehen Bananenstauden. Der Motorroller als Familiengefährt – vorn der Vater, in der Mitte ein bis zwei Kinder und hinten die Mutter. Falls jemand Helme trägt, dann die Eltern. Einmal schoss ein Moped um die Ecke, auf dem ein höchstens anderthalb-jähriges Kind vorn vor seiner Mama sass, und sich am Lenker festhielt. Mir stockte beim Anblick der Atem, aber das Kind lachte übers ganze Gesicht und sah aus als hätte es die Zeit seines Lebens. Das Auto mit Martinshorn, das an uns vorbei rauschte. Hinten war der Wagen offen und dort lag ein Mensch auf einer Trage, komplett in Plastefolie eingeschlagen (Regenschutz oder lebt er gar nicht mehr?), daneben ein sitzender Mensch mit Mundschutz, der den anderen festhält und vorm Rausfallen bewahrt. Wir kamen überein, dass es ein Krankenwagen gewesen sein muss. Wir fuhren an mehreren Schulen vorbei, die alle gleich aussehen und in denen viele Kinder in Schuluniformen herumwuselten. An den Straßenrändern gibt es überall Essensstände, an denen sich die Einheimischen und auch die Schulkinder versorgen.  Menschen wie du und ich, die in einer ganz anderen Welt leben.

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Herbstferien 2018, Tag 11

Gastbeitrag von Pauline, 9 Jahre

Das war heute gut: Wir waren am Strand 🏖 Wir waren super lecker Mittag essen 🥘

Das war heute nicht so gut: Es war wider sooooooooooooo heiß. Es hat angefangen zu regnen als wir im Wasser waren 😭

Und außerdem: Im Meer gibt es geferliche Quallen. Das Meerwasser ist so warm wie in der Badewanne 🛁

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Herbstferien, Tag 10

Erster Sonnentag des Urlaubs. Zur Abwechslung auch mal ganz schön, aber unvergleichlich viel heißer. (Dafür trocknete mein Badeanzug zum ersten Mal seit 9 Tagen durch). Wir haben also den Spaziergang durch Kuah, die Hauptstadt von Langkawi, auch nicht ewig ausgedehnt und frönten lieber wieder den Tauch- und Schwimmwettbewerben. So ein 60 Meter langer Pool mit Direkteinstieg vom Zimmer, der immer leer und verlassen ist, ist eine feine Sache. Auf der Terrasse sitzen und Kekse essen auch. Pauline habe ich auch versucht zum Hausaufgaben machen zu verdonnern, aber sie hatte verständlicherweise keine Lust. Sie wird ja insgesamt, neben der Woche Herbstferien, 2 Wochen in der Schule fehlen. Das ist in Finnland überhaupt kein Problem, aber die Verantwortung für die Nacharbeit des gesamten Stoffes liegt komplett bei Schüler und Eltern (die Lehrer erstellen natürlich Listen mit allen Buch- und Arbeitsheftseiten). Pauline war vor unserer Abfahrt unheimlich fleißig, eben damit sie sich hier nicht damit herumplagen muss und wir die ganzen Bücher nicht spazieren tragen müssen, aber alles war beim besten Willen nicht zu schaffen. Na, vielleicht morgen…

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Herbstferien 2018, Tag 9

Heute wieder mit Aktivitäten. Sehr zum Verdruss des Kindes, jedenfalls zunächst. Dann fand sie die wirklich spektakuläre Fahrt mit der Seilbahn doch ziemlich cool. Oben gab es eine wunderschöne Aussicht auf Meer, Inseln und Regenwald, im Wechsel mit Wolken, und eine beeindruckende Schrägseilbrücke, die über eine Schlucht führt. Und Affen! Auf der Hinfahrt sahen wir sie schon auf und neben der Straße turnen (ein Babyäffchen sass ganz oben auf der Straßenlaterne) und flippten kollektiv aus. Ich meine Affen, auf der Straße, einfach so. Hier oben durchwühlten sie die Mülleimer nach Essenresten, genau wie bei uns die Eichhörnchen, und wurden ziemlich stinkig wenn man ihnen zu nah kam. Würde ich an ihrer Stelle auch so machen. Die erwartete Abkühlung auf dem Berg blieb übrigens aus, mussten wir dann eben wieder in den Pool. Schon wieder so ein toller Tag.

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Herbstferien 2018, Tag 8

“Nächste Woche!“ antwortete ich in Singapur unzählige Male auf Paulines unzählige Male gestellte Frage „Können wir nicht mal einen Tag lang gar nichts machen?“. Das war also heute. Das Kind verbrachte den Tag komplett im Pool, wir Großen nur den Halben und die andere Hälfte Karten spielend daneben. Den Mietwagen fuhren wir einmal kurz aus (immer schön links halten) um ungesunde Dinge zu besorgen. Und jetzt bin ich rechtschaffen müde.

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Heutiger Ohrwurm: Wo ist die Kokosnuss?

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Herbstferien 2018, Tag 7

Wir sind zum gemütlichen Teil übergegangen. Auf Langkawi, einer Insel im Nordosten Malaysias, haben wir Quartier in einer winzig kleinen Hotelanlage weit ab vom Tourismustrubel bezogen. Dies ist der Blick von unserer Terrasse, wo wir selig den Rest des Tages verbrachten. In der Ferne zogen Seeadler ihre Kreise und als es dunkel wurde patroullierten monströse Fledermäuse über dem Pool. So so schön!

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Herbstferien 2018, Tag 6

Sentosa, eine kleine Insel vor Singapur, wird auch „State of fun“ genannt und es ist dort genau wie es sich anhört: voll und laut und völlig überteuert :) Aber dies ist schließlich ein Familienurlaub, in dem jedes Mitglied mal auf seine Kosten kommen soll. Und so umschifften wir zunächst erfolgreich die Universal Studios (von dessen Existenz die arme Pauline gar nichts weiß, aber die Eintrittspreise hätten uns in den Ruin getrieben, bzw. waren sie es unserer Rabeneltern Meinung nicht wert) und wählten eine der vielen anderen Attraktionen aus. Und fuhren also mit einem Sessellift auf einen Berg und dann mit einer Art Seifenkiste auf verschiedenen Pisten wieder hinunter. Hat überraschend viel Spaß gemacht. Weil der Fahrtwind nicht ausreichend kühlte, probierten wir anschließend noch einen der Inselstrände aus. Dort war es eigentlich sehr schön, jedoch wussten wir jetzt was der Seelöwe vorgestern meinte, denn wir fischten einen Strohhalm, eine Plastiktüte und eine Plastikflasche aus dem Wasser. Börks. Auf dem Heimweg hielten wir noch einmal kurz in Chinatown und dann war es auch wirklich genug. So wunderschön und aufregend es hier ist, Urlaub in der Großstadt ist auch anstrengend. Jedenfalls für uns, die wir quasi aus dem Wald kommen. Deshalb sind die Taschen jetzt gepackt und morgen geht es ein kleines Stück gen Norden. Wie es dort mit dem Internet steht weiss ich noch nicht.

Tschüss Singapur, du quirlige Perle. Es war toll und ermutigend zu sehen wie hier die verschiedensten Kulturen friedlich miteinander leben.

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Herbstferien 2018, Tag 5

Ich glaube, ich weiß schon mein persönliches Singapur-Highlight: Gardens by the Bay, eine große, tolle und mal ganz andere Parkanlage. Dorthin wollten wir eigentlich schon am Dienstag, aber dann versagten uns die Beine den Dienst. Deshalb (und weil es sich lohnt dort am Abend zu sein) wollten wir heute den Vormittag ganz ruhig angehen lassen. Pauline wünschte sich einen Poolbesuch, danach schlenderten wir an den Strand, wo wir noch gar nicht gewesen waren und zack waren wir zig Meter geschwommen und über 5 km gelaufen. Hm.

Dann eben mit bereits leicht müden Knochen los. Allerdings, kaum traten wir aus der von uns allen dreien sehr geschätzten U-Bahn, goss es wieder wie aus Kübeln. Zum Glück hörte es im Vergleich zu gestern aber irgendwann wieder auf (und so eine Zwangspause kann man gut zum neue Gerichte probieren nutzen) und ab dann lief ich nur noch mit großen, leuchtenden Augen umher. Ich hatte vorher schon darüber gelesen und bewegte Bilder gesehen und mich sehr darauf gefreut, aber in Wirklichkeit ist es noch viel besser. Ein Park aus der Zukunft, So toll!

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Herbstferien 2018, Tag 4

Heute waren wir im Zoo. Der Zoo von Singapur zählt zu den schönsten der Welt und ich kann das so bestätigen. Vielleicht kein Kunststück wenn man einen Zoo mitten in den Regenwald bauen kann und Orang Utans und viele andere Affen frei dort leben können, aber ich hatte auch das Gefühl die machen dort alles richtig. Ich gehe immer mit ziemlich zwiespältigen Gefühlen in Zoos: einerseits beobachte ich so gerne Tiere und mag es Tiere zu sehen, die man sonst nicht so einfach zu sehen bekommt, andererseits tun sie mir eingesperrt einfach nur leid. Aber hier hatte man das Gefühl es geht ihnen ziemlich gut. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten zur Interaktion zwischen Mensch und Tier und zwar immer so, dass es keine Quälerei für die Tiere ist und edukativ für die Besucher. Beispielsweise kann man manche Tiere zu ausgewählten Zeiten füttern, was die Tiere ganz bestimmt nicht schlecht finden und für Menschen ein viel intensiveres Erlebnis als einfach nur gucken ist. Das Futterkörbchen muss man extra bezahlen und das Geld fließt direkt in den Artenschutz. Ich könnte mir vorstellen, dass das viele Leute animiert sich Gedanken über Artenschutz zu machen. Ich für meinen Teil war einfach sehr glücklich meinen Lieblingtieren Bananen und Möhren in den Rüssel zu reichen. Am Nachmittag begann es zu regnen und wenn es hier regnet, dann schüttets, meist noch mit Blitz und Donner. Heute wollte es gar nicht mehr aufhören. Die Seelöwenshow besuchten wir einzig um uns vorm Regen zu schützen – ich versprach mir nicht viel davon. Doch dann hatte der Seelöwe, soweit ich das einschätzen kann, ziemlich viel Spaß und das Publikum sowieso. Uns wurde nebenbei vom größten Feind der Seelöwen erzählt: Plastik in den Meeren. Und ganz ehrlich, wenn dann eine süßer Seelöwe vormacht mit Stofftsche einkaufen zu gehen, dann muss das doch wenigstens ein paar Leute zum Nachmachen animieren. Später fischte er noch eine Plasteflasche aus dem Wasser und brachte sie in die Recycletonne und wie sagte die Zooangestellte dazu: Wie schwer kann das sein, wenn wir es selbst einem Seelöwen beibringen können?

Ein Abendessen in Chinatown rundete diesen schönen, nassen Tag perfekt ab. Ich mag‘s hier sehr, in Singapur.

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Begossene Pudel

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Herbstferien 2018, Tage 2&3

Da habe ich mir ja vorgestern was Schönes eingebrockt mit dem Anfangsbild. Jetzt muss ich hier weiter machen, obwohl ich doch so müde bin. Gestern nach dem Langstreckenflug, der…. lang war und heute nach einem Tag mit unzähligen Schritten und so vielen aufregenden Eindrücken.

Wir sind in Singapur, wo es irgendwie ganz anders ist als ich es mir vorgestellt hatte – gar nicht laut und voll und auch nicht chromblitzend, sondern unglaublich grün, und auch nicht mal so “westlich“. Wir haben das Wahrzeichen, den Merlion besucht, sind mit einem Riesenrad gefahren, das den Namen aber wirklich verdient hat (165m), sind staunend umhergebummelt und haben interessante Dinge gegessen. Manche waren so interessant, dass wir sie nicht runter gebracht haben, also jedenfalls Pauline und ich. Der Iso hat tapfer den Nachtisch gelöffelt, Ais kacang, ein Berg gemahlenes Eis mit verschiedenen (scheußlichen) Sirups getränkt, darunter Bohnen, Mais und Grasgelee. Es gab aber auch leckere Dinge :) Wir haben Kikki K besucht, die hier, wie ich vor ein paar Wochen  zufällig rausfand, 3 Filialen haben und haben einen davon leer gekauft. Als uns die Kräfte verließen sind wir zurück ins Hotel gefahren und haben im Pool Schwimm- und Tauchwettbewerbe veranstaltet. Und jetzt muss ich aber wirklich schlafen.

 

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Herbstferien 2018, Tag 1

Abfahrt

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Aber guckt lieber nicht hin!

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Praktische Variante

Der Finne liebt bekanntlich seine Sauna. Er liebt sie so sehr, dass er alle Arten von Saunas erfunden hat, damit man immer und überall ein Bad nehmen kann. Es gibt Strandsaunas, die am Ufer eines Sees, Flusses oder eben am Meer stehen. Die ursrpüngliche Variante ist die Rauchsauna. Heutzutage werden die meisten Strandsaunas zwar auch mit Holz befeuert, haben aber einen Abzug. Das Gewässer daneben dient natürlich zum Baden. Wer in der Stadt wohnt hat meist eine Elektrosauna, als Gemeinschaftseinrichtung im Mehrfamilienhaus, oder eine eigene in der Wohnung/im Einfamilienhaus. Und wenn auch das nicht, ja dann immerhin in der Schwimmhalle. Es gibt Saunazelte für Wanderer (und das Militär) und es gibt Saunas in Kreuzfahrtschiffen. Auch einzeln schwimmende Saunas, zu deren Ausstattung unbedingt ein Grill gehört, und mit denen man auf den 1000 Seen herumschippern kann. Dass es Saunas auf Rädern gibt, die man wie einen Wohnwagen hinter sich her zieht, wusste ich auch. Aber die Autovariante, die war neu für mich.

Nur echt mit Dartscheibe, ist klar.

 

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Wie ich mal nach Hause kam und lachen musste

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Ehrenabzeichen am Bande

Die Drittklässler behandeln in Heimatkunde gerade Fische. Nicht das schlechteste Thema. Vor zwei Wochen sind sie mit den Fahrrädern an den See gefahren und haben geangelt. Die Beute haben sie in der Schule zunächst eingefroren und letzte Woche dann seziert. Dabei musste Pauline plötzlich an ihre Mama denken (Romantik können wir) und sagte: Übrigens ist meine Mama Fischforscherin, die macht das ständig. Aber das ist ja toll, rief die Heimatkundelehrerin, da kann deine Mama doch mal zu uns in die Stunde kommen und uns was über Fische erzählen. Äääh, erwiderte Pauline, ahnend was sie angerichtet hatte, eigentlich kann meine Mama nicht so gut Finnisch. Aber das macht doch nichts, erwiderte die Lehrerin. Oder, Kinder, das stört uns doch nicht? Also, ich fände es auch richtig toll wenn du kommst, Mama, schloss Pauline ihre Erzählung am Abendbrotstisch.

Watt willste da noch sagen?

Eigentlich hatte ich sogar richtig grosse Lust darauf. Den Plan wie man so eine Schulstunde füllen könnte hatte ich schon seit einem Jahr im Kopf. Der Vater eines Klassenkameraden hatte gerade die Klasse besucht. Er ist Künstler und brachte riesige Leinwände mit. Er erzählte wie er zu seinem Beruf gekommen war, von seinem Arbeitsalltag und die Geschichten zu seinen Bildern. Am Abend sass ich mit einer vor Begeisterung übersprudelnden Pauline vor dem Computer, schaute mir ebenfalls seine Bilder an und liess mir von ihr erzählen wie sie entstanden sind. Später kam er noch einmal in die Schule um mit den Kindern zu malen und ihnen verschiedene Techniken zu zeigen. Sie redet bis heute davon. Dieser Mann hat sie inspiriert vielleicht selbst Künstlerin zu werden. Gibt es was Tolleres?

Direkt im Anschluss rief Paulines damalige Klassenlehrerin alle Eltern dazu auf ebenfalls in die Schule zu kommen und von ihren Berufen zu erzählen. Ich hatte zwar ziemlich grossen Spass daran meinen Besuch zu planen, wusste aber von Anfang an, dass ich ihn niemals in die Realität umsetzen würden. Denn mal ganz ehrlich: auf Finnisch?

Im Grunde genommen ist es super peinlich. Ich weiss noch ganz genau wie ich das erste Mal für meine Diplomarbeit nach Finnland gekommen war und mich innerlich darüber empörte, dass meine Betreuerin (ebenfalls Deutsche) auch nach zwei Jahren im Land die Sprache nicht sprach. Haha, zwei Jahre. Bei mir sind es inzwischen 16. Sechzehn! Man kann das vermutlich nur verstehen wenn man selber hier wohnt. Finnisch ist nicht die einfachste Sprache. Das wissen die Finnen und weil sie sind wie sie sind, würden nie im Traum verlangen, dass man das lernt. Und man kommt wunderbar ohne zurecht.  Es gibt quasi alles auf Englisch. Nun ist es nicht so, dass ich gar kein Finnisch könnte. Ich verstehe es ziemlich gut, ich lese inzwischen sogar finnische Bücher. Ich führe Telefonate und schreibe Emails, ich gehe zum Arzt, ich führe Elterngespräche in Kindergarten und Schule, ich habe ein Haus gekauft. Auf Finnisch. Aber es ist jedes Mal ein zähes Ringen. Und es funktioniert nur wenn ich mich akribisch vorbereite, Vokabeln raussuche und Sätze fertig aufschreibe. Kein Witz. Ein bisschen spielt vielleicht auch mein Hang zum Perfektionismus mit rein, aber locker plaudern ist einfach nicht drin. Im Grunde meines Herzens weiss ich, dass ich einfach nur Übung brauche. Aber wo und mit wem? Zu Hause sprechen wir deutsch, logisch. Auf Arbeit bin ich bei weitem nicht die einzige Ausländerin und überhaupt ist es wichtig, dass es nicht zu Missverständnissen kommt. Also Englisch. Meine Freunde sind entweder ebenfalls Ausländer oder ich kenne sie seit mindestens 15 Jahren und habe immer Englisch mit ihnen geredet. Tatsächlich haben wir mal versucht umzustellen, aber das funktioniert nach so einer langen Zeit nicht. Es ist seltsam, aber diese Freundschaften sind festmaschig mit Englisch verwoben. Bleibt also nur noch Arzt, Schule und Hausangelegenheiten. Viel zu wenig. Mal abgesehen davon, dass ich smalltalk nicht mal in meiner Muttersprache kann.

In dieser Situation habe ich also zugesagt in die Schule zu kommen um etwas über Fische zu erzählen. Das verdient doch ein Ehrenabzeichen am Bande, oder nicht?

Mir war von Anfang an klar, dass es nur funktionieren würde, wenn ich mir vorher den gesamten zu erzählenden Text ausarbeiten würde. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Wenn ich einen Vortrag vorbereite, schreibe ich mir immer Text zu jeder Folie, damit ich den roten Faden nicht aus den Augen verliere. Mir war jedoch nicht klar, wie lange das auf Finnisch dauern würde. Vier Tage werkelte ich daran. Ich kannte dann doch etliche Vokabeln nicht. Ich wusste nicht wie man das alles ausdrückt, welchen Fall wohl ‚fortpflanzen‘ verlangt. Und diese ganze steinalten Wörter – Fluss, Meer, Lachs, Steine – die sich allesamt so komisch beugen. Schon mal versucht ’schlüpfen‘ auf Finnisch auszusprechen? KUORIUTUA? Das Ganze am Ende auch noch auswendig zu lernen gab ich am Abend vorher auf. Schier unmöglich. Dann eben mit Zettel in der Hand.

Und so kam Dienstag 10 Uhr und ich stand vor der dritten Klasse. Und mir ging – Pardon – der Arsch auf Grundeis. Was, wenn mich keiner versteht? Oft genug gucken mich Paulines Freundinnen ungläubig mit grossen Augen an, wenn ich wiedermal kompletten Unsinn von mir gegeben habe. Was, wenn keiner mitmacht? Was, wenn es totsterbenslangweilig ist? Was, wenn ich meiner Tochter die peinlichste Schulstunde ihres Lebens bescheren würde?

Dreiundzwanzig Acht- und Neunjährige standen auf und wünschten mir höflich einen guten Morgen. Ich begann mit einer Frage. Ob sie eigentlich wüssten, was ein Forscher so den ganzen Tag über macht. Dreiundzwanzig Hände schnellten nach oben. Ich atmete auf. Sie verstanden mich. Während ich sprach, sassen sie mucksmäuschenstill an ihren Pulten und hörten aufmerksam zu. Wenn ich was fragte, beteiligten sie sich rege und konnten einfach alles beantworten. Dazu standen sie jedes Mal umständlich auf und stellten sich neben ihr Pult. Ich hörte eine astreine Definition von Parasiten. Von einem Drittklässler! Ich erklärte wie man Forschung eigentlich macht, ich erzählte vom aussergewöhnlichen Leben der Lachse und ich erzählte was das alles mit meiner Arbeit zu tun hat. Am Ende holte ich ein paar Fische und meine Arbeitswerkzeuge aus der Tasche und zeigte wie das alles in Echt geht. Als ich fertig war und die Lehrerin sagte, dass sie nun gehen könnten, fragten sie ob sie erst noch die Fische fertig sezieren dürften. Ich weiss nicht wessen Augen mehr geleuchtet haben, meine oder ihre. (Etwas irritiert war ich, zugegeben, über das Mädchen, dass zunächst immer wieder mit der Pinzette in die Fischaugen stach und anschliessend den Fisch in winzig kleine Schnipsel zerschnitt. Aber gut.)

Dann bedankte sich Paulines Lehrerin überschwänglich, meinte es wäre sogar für sie total spannend gewesen und lud mich zum Schulessen ein. Der Zufall wollte es, dass mir Pauline noch vor der Stunde empört erzählt hatte, dass es Leberauflauf geben würde. Nun ist es so, dass ich mir wirklich nichts ekelhafteres vorstellen kann als Leberauflauf. Obgleich man noch dankbar sein muss, dass die Schulvariante ohne Rosinen ist. Uaaaaaaah! Ich murmelte also was von viel zu tun, die Forschung, sie wissen ja, lief nach Hause und sank erschöpft auf’s Sofa.

Dort verharrte ich mehrere Minuten tief ein- und ausatmend und wollte mir gerade das imaginäre Ehrenabzeichen anstecken, als mir aufging, dass es eigentlich den Lehrern gebührt. Und zwar in jeglicher Hinsicht.

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